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K. 147.

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Erstes Blatt.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 14. Dezember 1900.

< Die alsbaldige Einsendung des Materials von der Vieh- und Obstbaumzählung soweit dasselbe noch im Rückstände ist bringe ich den Herren Ortsvorständen des Kreises in Erinnerung. (Ausschr. vom 16. Oktober 1900, J. I. Nr. 5722, Kreisblatt Nr. 123).

I. I. 5722. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.

Hersfeld, den II. Dezember 1900.

; Der Bürgermeister Wegfahrt zu Mengshausen ist als solcher für einen weiteren achtjährigen Zeitraum, vom 27. ds. Mts. ab beginnend, wiedergewählt worden und hat diese Wiederwahl die diesseitige Bestätigung gesunden.

W 3506. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

-- .............--*----------

Hünfeld, den 11. Dezember 1900.

" In Rhina und Nimmels ist die Maul- und Klauen­seuche erloschen.

Der Königliche Landrath. J. V.: L o o ck.

Hünfeld, den 10. Dezember 1900.

I In den Gemeinden Großenbach und Neukirchen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Der Königliche Landrath. I. V. : L o o ck.

Nichtamtlicher Theil.

tuberkulose-merkblatt

Bearbeitet im Kaiserlichen Gesundheitsamte. P (Schluß.)

0 Rathschläge für besonders gefährdete Personen, k Jedermann sollte sich der vorstehenden Gesundheits­regeln befleißigen, ganz besonders aber alle diejenigen, welche aus irgend einem Grunde die Tuberkulose mehr als andere zu fürchten haben: schwächliche Personen, so­wie solche mit langem und schmalen Körperbau bei flachem Brustkasten, namentlich wenn sie von tuberkulösen Eltern abstammen; ferner solche, welche Grund zur Annahme haben, daß sie durch Verkehr mit schwindsüchtigen Menschen (Verwandten, Pflegern, Arbeits- oder Spielgenossen) oder Infolge eigener Erkrankung an Skrofulöse oder dergl. In der Kindheit den Keim der Tuberkulose bereits auf- Mnommen hatten; nicht minder solche, welche der Beruf Ursährdet (Stuben-, Staubarbeiter und dergl.); endlich M von schweren Krankheiten Genesenden, sowie allge- diejenigen, welche an Lungen- oder chronischen wirantbeiten, Keuchhusten, Masern, Influenza, Zucker- Wxkheit, Bleichsucht gelitten haben oder leiden oder zu Blutverlusten irgend welcher Art (Nasenbluten W dergl.) neigen.

Wer einen wenig widerstandsfähigen Körper hat, "ehme daraus bei der Wahl des Berufs Rücksicht: ein °"uf, der in die freie Luft führt und die Körperkräfte ^urch Uebung stählt, ist besser als eine an das Zimmer biselnde Thätigkeit. Menschen mit empfindlichen Ath- ^»gsorganen haben nicht nur Staub (also auch Raub« W Berufsthätigkeit), sondern auch Rauch (Tabaks- "wst eingeschlossen) und kalte, rauhe Winde zu meiden ""sich dabei entsprechend zu schützen; Sprechen in w Lust oder beim Gehen sollten sie unterlassen und vor Erkältungen und übermäßiger Körperanstrengung sticht minder wichtig ist die sinngemäße Durchführung

der allgemeinen Schutzmaßnahmen überall da, wo durch Beruf oder sonst Menschen in großer Zahl sich regel­mäßig zusammenfinden (in Schulen und Pensionaten entsprechendes Verhalten tuberkulöser Lehrer, Fabriken,Wirthshäusern, Armenanstalten, Waisenhäusern). Vernachlässigung der Tuberkulose durch einzelne gefährdet die Gesammtheit.

E. Rathschläge für erkrankte Personen.

Treten Erscheinungen auf, welche den Verdacht einer nicht bloß vorübergehenden Erkrankung der Athmungs- wege erwecken: wiederkehrender Husten (trocken oder mit Auswurf), wiederkehrende Schmerzen im Halse, Brust oder Rücken, anhaltende Abgeschlagenheit oder Neigung zur Ermüdung ohne vorangegangene Anstrengung, Appetit­mangel und Abmagerung, wiederkehrendes Fieber, nament­lich zur Abendzeit, mit Nachtschweißen (selbst bei nur mäßiger Körperbedeckung), Blutspuren im Auswurf oder gar ein Bluterguß aus dem Halse, so ist baldigst eine gründliche Untersuchung durch den Arzt (auch des Aus­wurfs auf Tuberkelbazillen) herbeizuführen. Wird der Verdacht nicht bestätigt, so sind gleichwohl die unter D gegebenen Rathschläge sorgfältig zu befolgen. Bestätigt sich der Verdacht, so sind in erster Reihe die vom Arzt gegebenen Verhaltungsmaßregeln zu beachten. Kein Mittel hilft, wenn nicht der Kranke durch sein allge­meines gesundheitsgemäßes Verhalten und strenge Be­folgung der gebotenen Vorsichtsmaßregeln das Beste selbst dazu beiträgt. Der Kranke vergegenwärtige sich die doppelte Pflicht, auf seine eigene Heilung Bedacht zu nehmen, um wieder ein nützliches, erwerbendes Glied der menschlichen Gesellschaft zu werden, aber auch durch Beachtung der Schutzmaßregeln seine Angehörigen, Haus­genossen und weitere Umgebung vor Ansteckung zu be­wahren. Beginnende Tuberkulose ist oft heilbar, vor­geschrittene selten; der Erfolg hängt zumeist vom recht­zeitigen Einschreiten ab.

Besondere Aufmerksamkeit ist dem Auswurf zuzu- wenden; er ist weder auf den Boden zu schleudern, noch zu verschlucken, vielmehr in ein besonderes, dazu be­stimmtes Gefäß, welches regelmäßig zu desinfizieren ist, zu entleeren; am besten sind Spuckfläschchen (etwa nach Art der Dettweilerschen), welche der Kranke mit sich führt. Mußte der Auswurf ausnahmsweise ins Taschen­tuch entleert werden, so ist dieses vor dem Trockenwerden auszukochen.

Auch durch Küssen kann die Krankheit übertragen werden. Einer offenbar schwindsüchtigen Person ist die Eheschließung dringend zu widerrathen; sie warte bis zur Heilung! Tuberkulöse Frauen sollten nicht stillen oder Kinder warten!

Bei Fieber und Neigung zu Blutungen ist Ruhe und Schonung unbedingt geboten; ausgiebiger Genuß ruhiger, von der Sonne durchwärmter, nebel-, staub- und rauch­freier Luft thut gute Dienste, am besten mit Lagerung aus Ruhebetten im Freien, an geschütztem Platze und mit genügender Bedeckung des Unterkörpers.

Am sichersten wird die Heilung in einer, der Wieder­herstellung von Lungenkranken besonders gewidmeten, von einem sachkundigen Arzte geleiteten Heilstätte (Lungen­heilstätte) erreicht. Bei nicht zu kurzem Aufenthalte (nicht unter 3 Monaten) erlangt der folgsame und auf­merksame Kranke oft nicht nur seine Gesundheit wieder, sondern eignet sich auch die zur Vermeidung von Rück- fällen erforderlichen Lebensregeln an.

Lhina.

Washington, 12. Dezember. Der deutsche Bot­schafter v. H olleben sagte heute in einer Unterredung, die Hauptpunkte der chinesischen Frage könnten als gelöst angesehen werden. Nachdem der Forderung, daß die Integrität Chinas aufrecht zu erhalten sei, zu- gestimmt sei, bleibe nichts übrig, als daß man die Rechte der einzelnen Parteien sorgfältig sichere. Deutschland befürworte offene Häfen. Der freie Zutritt zu dem öst­lichen Handel und die Freiheit des Handels auf den

Philippinen, für welche die Vereinigten Staaten ein» treten, böten außerordentliche Garantieen. Das von gewissen Interessengruppen genährte Gefühl, daß Deutschland den Fortschritten des amerikanischen Handels feindlich gesinnt sei, fei bedauerlich. Beide Länder hkitten ähnliche politische Ziele: den Schutz der heimischen In­dustrie. Diese Interessen mögen manchmal aufeinander­stoßen, aber die internationalen Sympathieen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland seien durch die Ereignisse im fernen Osten gefestigt worden. Wenn die thatsächliche Integrität Chinas schließlich gesichert sein werde, so nMbe sich erweisen, daß Deutschland und die Vereinigten Staaten in gegenseitigem Interesse und durch gemeinsame Ziele eng verbunden gewesen seien.

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Die Ruh estätte der deutschen Toten in Peking.

Gleich dem Frhrn. v. Ketteler und den neun See­soldaten vom deutschen Schutzdetachement, die während der Belagerungszeit gefallen sind, sowie drei Kindern, sind auch die ersten Toten von den deutschen Entsatz- truppen darunter der Hauptmann v. Rheinbaben auf dem Grundstück der deutschen Gesandtschaft zur letzten Ruhe bestattet, wo sich jetzt im ganzen 24 Gräber be­finden. Aus sanitären Gründen und sonstigen naheliegen­den Rücksichten mußte man aber davon Abstand nehmen, weitere Bestattungen in so unmittelbarer Nähe der Ge- sandtschaftsgebäude zu vollziehen und so wurde denn von den Zivil- und Militärbehörden ein hierzu geeignetes, in der Tartarenstadt am Fuße der Stadtmauer jenseits der Hatamenstraße gelegenes Grundstück als Friedhof ausgesucht und entsprechend hergerichtet. Ursprünglich hatte die Absicht bestanden, die Gefallenen sämmtlicher hier militärisch vertretenen christlichen Nationen auf ein und demselben Platze zu beerdigen. Da aber die Eng­länder und Franzosen ihre alten, außerhalb der Stadt belegenen Friedhöfe, die während der Unruhen von den Boxern vollständig zerstört waren, wieder herzustellen und weiter zu benutzen wünschten, so haben sich den Deutschen bei Anlage der neuen Begräbnißstelle nur die Oesterreicher, Italiener und Russen angeschlossen. Die Lage dieses Friedhofes innerhalb der Mauern der Tartarenstadt und in der Nähe des Gesandtschaftsviertels bietet eins Ge­währ dafür, daß sich eine Schändung der Gräber in Zukunft nicht wiederholen wird. Vielleicht wird man nun auch die Toten, die auf dem Gesandtschaftsgrund­stücke beigesetzt sind, nach dem neuen Friedhofe überführen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 13. Dezember.

Se. Majestät der Kaiser erledigte nach der gestrigen Frühstückstafel im Berliner Schloß Regierungs- angelegenheiten, fuhr darauf mit Ihrer Majestät der Kaiserin nach dem Potsdamer Bahnhof, hörte dort den Vortrag des Chefs des Marinekabinets, Vice- admirals Freiherr von Senden-Bibran und begab sich mit dem fahrplanmäßigen Zuge 3 Uhr 5 Min. nach dem Neuen Palais zurück. Hier arbeitete Allerhöchstderselbe bis zur Abendtafel allein. Einladungen zu letzterer waren nicht ergangen. Heute Morgen erfolgte um 9 Uhr 25 Minuten die Abreise Sr. Majestät des Kaisers von Station Wildpark mittels Sonderzuges nach Hannover. Unterwegs nahm Se. Majestät den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten Generals der Infanterie von Hahnke entgegen und gedenkt Mittags um 2 Uhr auf dem Waterloo-Platz in Hannover die dortige Garnison zu besichtigen.

S e. Majestät der Kaiser traf heute gegen 2 Uhr Nachmittags in Hannover ein und fuhr alsbald nach dem Schlosse und begab sich sodann zu Pferde nach dem Waterloo-Platze, wo die Garnison Jn Parade stand. Nach abgenommener Parade kehrte Se. Majestät in'S Schloß zurück, wohin die Spitzen der Militär- und Civilbehörden zum Diner geladen waren. Seine Maje­stät wurde von der Volksmenge überall jubelnd begrüßt.