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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. excl. Postaufschlag.
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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
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Jr. 1.
NeHali des 1. Januar
1901.
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Mit dem v Januar beginnt ein neues Äbonne ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende
Hersselder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Jllustrirte landwirthschastl. Beilage".
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über (Ereignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthlgen- falls durch Extrablätter verbreiten.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Krelsblatt" beträgt bei den Postanstalten L Mark 60 Pfg. einschlietzlich Postgebühr.
^»»^^*^^** finden durchdas„Kreisblatt" zweckentsprechende Verbreitung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum sO pfg.
Mit Nr. 3 erhalten die Abonnenten des „Kreisblatt" einen Wand- und Notizkalender für das Jahr 1901 gratis.
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein ____________________________die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 31. Dezember 1900.
Für Personen, die im Kreise Hersseld ihren Wohn- sitz haben, sich aber nur des besseren Verdienstes halber alljährlich einige Monate auswärts aufhalten, sind zur Beseitigung der Doppelbesteuerung Bescheinigungen im Drucke hergestellt worden.
Die Gemeindevorstände wollen den Bedarf an diesen Formularen umgehend bei mir anmelden.
Der Vorsitzende der Beranlagnngskommission:
Freiherr von Schleinitz.
We niiiKiitlniic lledcrraschmg.
Humoreske von I. van Maurik.
/ (Fortsetzung.)
„Ja, Mutter, und wie gern!"
„Na, dann wollen wir uns heute mal etwas zu Gute thun! Wollt ihr einen Eierkuchen?*
»Ja, bitte!"
„Kellner I"
J „Gnädige Frau?"
j „Bringen Sie mal ein paar Eierkuchen ober Flinsen!"
„Es thut mir leid, gnädige Frau, die kann ich Ihnen /augenblicklich nicht geben!"
„Nicht? Das ist komisch I"
„Wollen gnädige Frau vielleicht eine Omelette?"
„Ach ja, Mutter, eine Omelette!" rufen die drei Mädchen zugleich.
„Gut, dann eine Omelette!"
„Aux fines herbes?"
„Was? Das kenne ich nicht!"
„Etwas Konfitüren vielleicht?"
„Kostet das mehr?"
„Nur 10 Pfennig, gnädige Frau!"
„Nun, das ist nicht der Mühe werth — dann nur mit Konfitüren!"
„Sofort I"
U'vryffi\
MA^Ev^ / Hersfeld, den 31. Dezember 1900.
\ Me/Herren Bürgermeister des Kreises werden hier- » MdW'gew falls in einer Gemeinde eine Witwe rtneö 1848/49 gefallen en Kriegers wohnhaft sein
sollte, dieselbe alsbald unter näherer Angabe der Familien- und Vermögensverhältnisse dahier nam -
haft zu machen.
I. 7143. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: eine lederne Pferdedecke. — Meldung des EigenthümerS bei dem Ortsvorstand zu Ausbach.
Nichtamtlicher Theil.
Neujahr.
Nicht ander» können wir das neue Jahr begrüßen, als mit dem Lobpreis der väterlichen Güte unseres Gottes. Aufrecht steht unser deutscher Vaterland da, innerlich wohlgeordnet, nach außen einflußreich und hoch angesehen. Parteigeist, Ungehorsam und Zuchtlosigkeit sind wohl in manchen Erscheinungen zu Tage getreten, aber sie haben die festen Grundlagen der Reiches nicht erschüttert. Die Einmütigkeit der zum Reich verbündeten Herrscher, der innere Friede ist trotz oller Gefahren, die der Ernst dieser Zeit mit sich bringt, ungestört geblieben. Und auch unsern Kaiser hat Gott der Herr sichtbarlich beschützt und ihm die volle Kraft rüstiger Männlichkeit in dem Dränge und in der Schwere seine» Herrscherberufes gewahrt.
Wir treten herüber ins zukünftige Jahr in gläubigem Vertrauen, daß unser Gott uns auch künftig nicht verlassen wird. Mit einer Fülle wichtiger Ereignisse und Aufgaben setzt der neue Zeitabschnitt ein. Das Wichtigste ist die Ausdehnung christlicher Gesittung über den Erdkreis, auch da, wo man sich bisher gegen den Einfluß christlicher Kultur abzusperren bemüht hat. Das Einschreiten christlicher Heeresmacht gegen chinesische Barbarei muß von jedermann mit warmer herzlicher Theilnahme be» grüßt werden. Insbesondere aber gedenken wir zur Jahreswende unserer deutschen Brüder in der Ferne, die in treuem Dienste des Vaterlandes die verletzte nationale Ehre wiederherstellen und zugleich im fernen Osten den Boden bereiten für europäische Kultur und für die Ausbreitung des christlichen Glaubens. Möge Gott ihre Waffen segnen und ihre kriegerischen Mühen bald durch
„Sag mal, Käthe," fragt Mariechen, die durch das schwere Bier etwa« gesprächig geworden ist, „was hast du da auf deinem Teller?"
Käthe weiß es selbst nicht, aber gut schmeckt es. Sie sieht Willems fragend an und dieser antwortet: Galantine!
„Ist das lecker?" fragt Mariechen.
„Versuche nur!" — Käthe reicht ihren Teller über den Tisch, und Mariechen pickt mit ihrer Gabel ein Stückchen Galantine auf.
„Laß mich auch einmal versuchen, Mariechen I" sagt Lilli. Mariechen theilt schwesterlich mit ihr, und auf ihre Frage: „Wie findest du er?" antwortet Lilli mit der bekannten Handbewegung.
„Kann ich Ihnen auch mit einem Stückchen dienen?" fragt Willems, Tante Trine spöttisch, indem er ihr seinen Teller vorhält.
„Sie sind sehr gütig, aber ich will Sie nicht berauben!" „Schadet nicht«, es ist noch viel mehr da I" Es steht noch ein großes Stück auf der Tafel!"
„Das ist etwas andere«! Dann behalten Sie nur, was Sie haben, Herr Willems! Ich werde lieber ein paar Stückchen von der Schüssel nehmen!" Zu Klaaßens Schrecken und Willems heimlicher Freude bemächtigt sich Tante Trine der Schüssel, nimmt ein paar große Scheiben Galantine, kostet, schnalzt mit der Zunge und sagt: „Ausgezeichnet! Kommt, Kinder, es ist noch genug da! Ich werde euch auch etwas geben! So etwas essen Bürgers
einen Frieden krönen, der alle friedliche Arbeit auf chinesischem Boden fortan zu sichern und zu befestigen geeignet ist!
In unserm Vaterlands ist nach Jahren glänzenden Aufschwungs im gewerblichen Leben ein gewisser Stillstand eingetreten. Die Wendung war nicht unerwartet; dennoch enthält sie eine ernste Warnung vor Sicherheit und allzugroßer Zuversicht. Die finstern Kräfte, die an der Gesundheit unserer Zustände nagen, sind keineswegs überwunden, auch wenn sie sich zeitweise zurückhalten. Jede Erschüttcruna,^m regelmäßigen Gange des Erwerbs, jede übermäßig. Steigerung der Preise wie der Herab- gang der Söhne bedroht das ganze Gewebe der öffentlichen Verhäl.uisse mit den Gefahren wachsender Unzufriedenheit und mit der Zunahme aufrührerischer Gesinnung. Gott aolle den Gemeingeist stärken, damit alle redlichen und treuen Gemüther im deutschen Volke immer mehr lernen, auf die selbstsüchtige Vertretung einseitiger Arbeiter- oder Unternehmer-Interessen zu verzichten.
Gemeinfinn und Bruderliebe erwächst am sichersten auf dem Boden christlichen Glaubens und christlicher Gesinnung. Schon " nurn sollte, wer das Vaterland liebt, auch in der Stä kung der Religion die Bedingung für die dauernde MA? des deutschen Reiche« erblicken. Eine sich immer weiter verbreitende Richtung, die im Interesse flacher Verständigkeit alle Geheimnisse des Glaubens und die Hoffnung des ewigen Lebens selber beseitigen möchte, bedroht den alten christlichen Glauben mit Vernichtung und entzieht den Gemütern den festen Halt, der allein in dem Vertrauen auf Christum zu finden ist. Möge demgegenüber der echt christliche Glaubensgeist bei Hohen und Geringen aus Zweifel und Bestreitung nur umso kräftiger sich wiederherstellen und alle christliche Tugend als seine Frucht sich erweisen zum gemeinen Nutzen.
Und so gehen wir in das neue Jahr hinüber mit dem Wunsche: Gott schütze den Kaiser und sein Haus und alle seine Verbündeten: er mehre im deutschen Vaterlande den Frieden und mindere den Zwist und helfe uns hindurch durch den Strudel der Zeit!
Politische Nachrichten.
Berlin, 29. Dezember.
Ihre Kaiserlichen Majestäten kehrten gestern Nachmittag mit Sonderzug um 3'/, Uhr nach dem Neuen Palais zurück. Im Laufe des Nachmittags
leute nicht jeden Tag!" — und ohne weitere Umständ? bedient sie ihre Sprößlinge reichlich mit Galantine de veau aux truffes.
Klaaßen sitzt wie auf Kohlen, denn die meisten der übrigen Gäste lachen laut auf, und Willems wird so rot wie ein Krebs, weil er mit Mühe seine Lachlust unterdrückt. Tante Mine ist ganz erfüllt von dem Gedanken, daß sie noch nie so viele verschiedene Gerichte an einem Mittage gegessen hat, und sie merkt nichts von Tante Trine« widerrechtlicher Annexion, bis Klaaßen ihr zu- flüstert: „Ach, Tante fei so gut und sag Tante Trine, sie ... hm! ... sie möchte die Schüsseln stehen lassen! E« schickt sich nicht, weißt du!"
„Trine!" sagt Tante Mine deshalb ziemlich laut. „Trine, du möchtest die Schüsseln stehen lassen! Du hast ja eine Omelette bestellt!"
„Pfui, Klaaßen, das hätte ich nicht gedacht, daß du solch Knicker bist! Es ist ja noch genug übrig!"
„Liebe Tante, du weißt, daß ich es dir von Herzen gönne, aber . . ."
„Aber? ... O, da kommt unsere Omelette! Nun. sei nur ruhig, dann kannst du auch ein Stückchen mit- essen? — Was ist das? Vier Omelettes?*
„Die haben Sie bestellt, gnädige Frau!"
„Ich? Mensch, sind Sie verrückt! Ich meinte eins! Nur so'n Häppchen zum Nachessen!"