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Sir. 2. Loitnerstlig In 3. ^amar 1901-
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Vereinsthaler österreichischen Gepräges. Vom 8. November 1900.
Auf Grund des § 1 des Gesetzes, betreffend die Vereinsthaler österreichischen Gepräge«, vom 28. Februar 1892 (Reichsges.-Bl. S. 315) hat der Bundesrath die nachfolgenden Bestimmungen getroffen.
§ 1.
Die in Oesterreich bis zum Schlüsse des Jahre« 1867 geprägten Vereinstboler und Vereinsdoppelthaler gelten vom 1. Januar 1901 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Es ist von diesem Zeitpunkt ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen Niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.
§ 2.
Die Thaler der im § 1 dieser Bekanntmachung bezeichneten Gattung werden bis zum 31. März 1901 bei den Reichs- ob Landeskassen zu dem Werthverhältnisse von drei Mark gleich einem Thaler sowohl in Zahlung als auch zur Umwechselung angenommen.
§ 3.
Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausche (§ 2) findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendung.
Berlin, den 8. November 1900.
Der Reichskanzler.
In Vertretung: gez. Freiherr von Thiel wann.
Killt nnptliiiit lltberraschinii.
Humoreske von I. van Maurik.
(Fortsetzung.)
WillemS nimmt eine Handvoll Stachelbeeren, und nachdem er die Gläser gefüllt hat, sagt er: „Werthe Damen ! Ich erlaube mir, auf Ihr aller Wohl zu trinken. Es war mir ein Hochgenuß, die Verwandten meines Freundes Klaaßen kennen gelernt zu haben, Er kann sich glücklich schätzen, zwei so würdige Tanten und sechs so liebenswürdige Cousinen zu haben. Ich trinke auf Ihre Gesundheit, meine Damen, und noch speziell auf meine liebenswürdige Nachbarin, Fräulein Liesbeth!"
„Sie haben es immer auf Liesbeth abgesehen!" sagt Trude neidisch zu Käthe.
„Ich danke sehr, Herr WillemS I"
„Sehr verbunden I"
Ein Dutzend Mündchen kichern und murmelm etwa« von „Danke Ihnen!" oder „Auf Ihr Wohl I"
WillemS fährt fort; „Klaaßen, ich gratuliere dir zu dem Besitz solcher Tanten und Cousinen!"
Der „glückliche" Vetter zieht ein Gesicht, auf dem Verzweiflung, Wuth und Aerger zu lesen sind; und zwischen den Zähnen unterdrückt er eine Verwünschung, als er das Glas an die Lippen bringt. Von drei ver-
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 1. Januar.
Se. Majestät der Kaiser erledigte gestern Nachmittag im Netten Palais bei Potsdam Regierungsangelegenheiten. Zur Abendtafel war Prinz Heinrich geladen. Heute Morgen um 8 Uhr 50 Minuten begab die gesummte Kaiserliche Familie sich nach Berlin in das Königliche Schloß, wo Neujahrsempfang und Gratulationscour stattfand. Im Laufe des Nachmittags ließ Seine Majestät seine Karte bei den Botschaftern abgeben. Abends fand im Königlichen Schlosse ein Familiendiner statt, zu dem die hier und in Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen geladen waren,
[Sie d eu ts ch e Ma r'tne 1900.] Ein bedeutsames und ereignißreiches Jahr war das jetzt vollendete für unsere Marine. Bedeutsam war es insofern, als durch das Flottengesetz vom 14. Juni eine erhebliche Vermehrung und der planmäßige Ausbau der deutschen Seestreitkräfte gesichert wurde. Besondere« Gewicht ist auf die Schaffung einer großen Anzahl Linienschiffe gelegt worden, weil diese die höchste Gefechtskraft in sich vereinigen und den Kern einer militärischen Macht zur See bilden. Nach dem in diesem Jahre geschaffenen Flottengesetz soll die deutsche Flotte auf 38 Linienschiffe, 14 große Kreuzer, 38 kleine Kreuzer und 96 Torpedoboote gebracht werden. Die volle Kraft des Flotten- baues wird zwar erst nach einer ganzen Reihe von Jahren erreicht sein, und ebenso wird der geplante Personalbestand von rund 2000 Seeoffizieren und 50 000 Mann nur allmählig erreicht werden, aber wir haben die Gewißheit, daß die Kraft und Leistungsfähigkeit unserer Flotte von Jahr zu Jahr sich vermehrt und sie den wachsenden Anforderungen, welche die Zukunft stellt, nachzukommen vermag. — Die mit der Annahme des Flottengesetzes von 1898 begonnene Reorganisation wurde in diesem Jahre fortgeführt. Die Einrichtung einer besonderen, der Inspektion des BildungSwesens unterstehen, den Direktion der Marine-Akademie wurde durch die wachsende Bedeutung der Akademie nothwendig. Um den aus Süddeutschland stammenden jungen Leuten den Eintritt als Seekadet zu erleichtern, wurden für die Schüler bayerischer, württembergischer, badischer und elsaß-lothringischer Lehranstalten leichtere Eintrittsbedingungen geschaffen. Die Neuorganisation de« Jngeuieur- und Maschinenpersonal« trennt die Jngenieurlaufbahn von der Laufbahn der Maschinisten und hebt die Kategorie der Feuermeister auf. Die Einführung der neuen Militärgerichtsbarkeit beseitigte die Marineauditeure und setzte
schiedenen Seiten der Tafel klingt es plötzlich: „Klaaßen, steh doch mal auf, damit wir dich sehen können! Ich schließe mich meinem Vorredner an!" Klaaßen, auf dein Spezielles!" Es sind die Tischfreunde, die heute durch das Eindringen der fremden Gäste zerstreut sitzen. „Prosit, Klaaßen!" Drei Gläser werden gegen den Unglücklichen erhoben, drei höhnische Blicke treffen ihn wie Dolchstiche, und dreimal verwünscht er innerlich sein Schicksal und seine lieben Verwandten. Aber er verfällt beinahe in Raserei, als Tante Mine mit lauter Stimme zu WillemS sagt, „daß Klaaßen, als er noch klein war, ein solch reizender kleiner Kerl war, und daß sein verstorbener Vater immer geglaubt hätte, er würde einmal Prediger werden. Denn wenn Vater die Kirche auSsegte, stellte Klaaßen sich immer auf die Kanzel und that, als ob er predigte." Dem unglücklichen Klaaßen steht der kalte Schweiß auf der Stirn, als Tante gerührt weiter erzählt, „seine Mutter hätte immer gehofft, er würde die Kuchenbäckerei seines Onkels einmal übernehmen, aber kurz vor ihrem Tode hätte sie gesagt, sie wäre ganz stolz auf ihren Sohn, der jetzt ein städtischer Herr geworden, und Kuchen backen sei doch nur Kuchen backen!"
„Ach, Herr WillemS," fällt nun Tante Trine, die durch den genossenen Wein noch redseliger geworden ist, ein, „Sie hätten Klaaßen klein gekannt haben müssen!
MarinekriegSgerichtSräthe und Marine-Oberkriegsgerichtsräthe an ihre Stelle. Auch die Ernennung besonders befähigter und geeigneter Schiffsjungen zu Leichtmatrosen ist ein Fortschritt in der Beschaffung eines guten Ausbildungspersonals. — Vom Stapel gelaufen sind sieben Schiffe, nämlich die Linienschiffe „Kaiser Barbarossa" und „Wittelsbach", der große Kreuzer „Prinz Heinrich" sowie die kleinen Kreuzer „Thetis", „Ariadne", „Amazone" und „Medusa". In den Namen der kleinen Kreuzer leben die Namen von Schiffen der alten preußischen und norddeutschen Marine wieder auf. Der Kriegsschiffsbau ist dank dem Zustandekommen des Flottengesetzes so rege wie nie zuvor. Auf den Hellingen der Reichs- und Privatwerften befinden sich sechs Schiffe im Bau, und zwar 4 Linienschiffe, 1 großer Kreuzer und 1 Kanonenboot. Von den Reichswerften baut die Wilhelmshavener besonder« Linienschiffe, die Kieler große Kreuzer und die Danziger kleine Kreuzer und Kanonenboote. Außerdem sind vier Privatwerften, Schichau-Danzig, Vulkan-Stettin, Germania-Kiel und Blohm u. Voß-Hamburg zum Linienschiffsbau herangezogen worden, während die Weserwerft- Bremen mehrere kleine Kreuzer baute. Im auswärtigen Dienste hat die Marine große Aufgaben zu erfüllen gehabt und sie glänzend gelöst. Im Februar übernahm Vizeadmiral Bendemann den Befehl über das Kreuzergeschwader in Ostasien, und reichlich drei Monate später brachen unerwartet die Wirren in China aus, welche große Anforderungen an die Marine stellten. Die folgenschweren Ereignisse sind noch in Aller Erinnerung, so daß ein näheres Eingehen darauf nicht erforderlich ist. Der fehlgeschlagene Entsatzzug des Admirals Seymour, die Feuertaufe de« Kanonenbootes „Iltis", die Nieder- kämpfung der TakufortS, der Entsatz Seymours, die heldenmüthige Vertheidigung der deutschen Gesandtschaft und der Entsatz Peking« werden allezeit unvergessen bleiben, und die Namen der Kapitäns zur See v. Usedom und Pohl, des Korvettenkapitäns Lans und des Oberleutnants Graf v. Soden, von denen die letzten Beiden mit dem Orden Pour le merite ausgezeichnet wurden, werden mit hohen Ehren immerdar genannt werden. 46 Offiziere und Mannschaften starken im Kampfe mit den Boxern und chinesischen Truppen, und 98 wurden schwer verwundet. Aus die ersten Nachrichten von den Kämpfen in China begann auch die Entsendung von Verstärkungen. Die beiden Seebataillone wurden mobil gemacht und in voller Kriegsstärke nach China gesandt. Der Panzerkreuzer „Fürst Bismarck", die Kanonenboote „Tiger" und „Luchs", der Kreuzer „Bussard", die „Brandenburg"-Division unter Kontreadmiral Geißler und drei große Torpedoboote wurden von der Heimath
Er war ein reizender Kerl, so rund wie eine Tonne, und mit Bäckchen, um hineinzubeißen, und immer waren seine Hosen zerrissen vom Klettern! Ist es nicht wahr Klaaß?"
„Ich wollte, daß dich der . . ." denkt Klaaßen, während er antwortet: „Ja, ja, kleine Kinder werden groß, und die Zeiten sind vorbei! Alles ändert sich!"
„Gewiß, und es gereicht dir zur Ehre, daß du es so weit gebracht hast in der Welt!" sagt Tante Mine. Mit einem bewundernden Blick auf Klaaßen fügt sie hinzu: „Mein Mann, dein Onkel, sagte noch vorige Woche: „Der Junge hätte doch nicht für mein Geschäft gepaßt, seine Hände sind viel zu fein für den Farb- pinsel!" Sehen Sie, Herr Willem«, weil wir nur Töchter haben, hatte mein Mann die Absicht, unsern Neffen Klaaßen — mein Mann ist nämlich Schildermaler und Glaser — in sein Geschäft aufzunehmen, aber . .
„Tante, willst du noch ein Glas Wein?" fragt der unglückliche Klaaßen, um sie von dem Thema abzu- lenken.
„Nein, ich danke, der Wein ist mir schon zu Kopf gestiegen !"
„Wenn du ihn nicht mehr trinkst, gieb ihn dann nur her, Philippine oder Lilli werden ihn dann schon aus» trinken!"
^Sehr gern, Tante!"