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Nr. 16.Aeilstas in 3. Fekur 1901.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Auf Antrag von mehr als zwei Dritteln der be- theiligten Gewerbetreibenden wird hiermit in Gemäßheit des § 139 f. der Reichsgewerbeordnung angeordnet, daß in der Stadt Hersfeld die offenen Verkaufsstellen aller Geschäftszweige im Sommerhalbjahr (1. April bis 30. Sep­tember) von 9 Uhr Abends bis 53/4 Uhr Morgens und im Winterhalbjahr (1. Oktober bis 31. März) von 9 Uhr Abends bis 63/4 Uhr Morgens für den geschäft­lichen Verkehr geschloffen sein müssen. Im Anschluß hieran wird auf die Bestimmung im § 146a der ReichS- Gewerbeordnung hingewiesen, wonach mit Geldstrafe bi« zu 600 Mk., im UnvermögenSfalle mit entsprechender Haft bestraft wird, wer vorstehender Anordnung zuwider­handelt.

Gaffel, den 26. Januar 1901.

Der Regierungs-Prändent.

Trott zu Solz.

Hersseld, den 24. Januar 1901.

Ein im Besitze des Landwirths Johannes Scheer zu Hilmes befindlicher Bulle, rothschäckig, l*/4 Jahr alt, Simmenthaler Kreuzung, wurde am 22. Januar d. Js. außerterminlich gekört und zur Nachzucht für gut befun­den, was hierdurch veröffentlicht wird.

I. 447. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Fohlemveide bei Biederstem.

Im vorigen Jahre war die Kommission der Fohlen­weibe in die unangenehme Lage versetzt aus Mangel an Stauungen ca. 20 angemeldete Fohlen vom Auftrieb auf die Weide zurückzuweisen. Nach Beschluß der Land- wirthschaflskammer für den Regierungsbezirk Caffel soll aus dem Schardrasen, in der Nähe der Oberförsterei, ein neues Stallgebäude für ca. 30 Fohlen errichtet werden. Die ca. 36 Ar hallende große Wiese, die beste, die die Fohlenweide besitzt, ist durch Drainage vollständig von allen Sumpfstellen befreit. Durch das Gebäude ist sie in zwei Hälften getheilt, die Fohlen können die Weide

Endlich gefunden.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.>

Zornig klemmte er die Unterlippe zwischen die Zähne. Was in aller Welt hatte ihn dazu getrieben, sich neben Dora, dieses hochmüthige, selbstgerechte Mädchen zu drängen? Er bereute jetzt, daß er es gethan hatte. Für Dora war er ja nur der besoldete Bediente. Hätte er nicht ebensogut sie und die andern Insassen des Ge­fährts ihrem Schicksal überlassen können? Warum war er heute überhaupt in Hapsal gewesen? Er war un­zufrieden mit seiner Handlungsweise; weshalb eigentlich fetzte er sich denn den Ungehörigkeiten dieser blonden Aristo- hatin aus ? Durste sie deshalb, weil sie die erforder­lichen 16 Ahnen ausweisen konnte, verletzend gegen ihre Nebenmenschen sein ? Wie seltsam war doch dieses Mädchen! Und in welch krassem Widerspruch zu dem Wesen, da» sie gegen ihn, Erich, herauskehrte, stand eine kleine Szene, deren Angenzenge er vor einigen Tagen ceeefen: Die taube Großmutter det Trenenhoffsche« Seltnere, ein sternaltet, ober für ihre Jahre immerhin rot ziemlich rüstiges Weidlei«, schleppte schwer an einem Bad Kartoffeln, welchen sie sich bemühte, eine steile Steppe, die vom Hofe aus zu der Bodenwohnung führte, Es der Gärtner hauste, hinouszutragev. Die Alte keuchte unter der Last, da nahm ihr plötzlich eine kräftige Hand die Bürde von der Schulter und Fräulein Dora von

nach ihren Bedürfnissen in aller Freiheit und Ruhe be­nutzen, bei schlechtem Wetter finden sie im Stall in den dort angebrachten Krippen und Raufen Nahrung, das Trinkwaffer liefern die Quellen der Drainage in einem außerhalb des Stalles befindlichen Trog stets frisch, in­dem das Wasser stets in diesen Trog frisch zuläuft und dann das übcrlaufende unterirdisch abgeleitet wird. Die ganze Einrichtung ist den Erfahrungen der Neuzeit auf diesem Gebiete angepaßt und wird jedenfalls dazu bei­tragen, die Pferdezucht in unsern Kreisen zu heben.

Wir stellen an die Fohlenbesitzer aus diesen Gründen die Bitte, ihre Fohlen bei dem Herrn Verwalter Rüppel rechtzeitig anzumelden, damit wir in bet Lage sind den ! Anmeldungen gerecht zu werden und rechtzeitig unsere Vorkehrungen darüber zu treffen, was nicht der Fall sein dürfte, wenn wie in den letzten Jahren, die Anmeldungen der Fohlen erst in den letzten Tagen vor Beginn der Weidezeit geschehen würde.

Für die entfernt liegenden Pferdebefitzer hat die Kammer bei der Königl. Eisenbahndirektion dir Bitte gestellt, den Transport der Fohlen nach der Weide so zu erleichtern, daß für die Fohlen nur der Transport zur Hinreise nach der Weide bezahlt wird, dir Rückreise jedoch frei ist. Hoffentlich wird die Königl. Eisenbahn­direktion diese Bitte gewähren und diese Erleichterung schon in diesem Frühjahr iu Kraft treten lassen.

Die Kommission der Biebersteiner Fohlenweide: F. Klostermann.

Nichtamtlicher Theil.

C^tna.

Mit Bezug auf Gerüchte über das Ableben L i - Hung-Tschangs betont einReuter"-Telegramm aus London von Sonnabend früh: Hier liegt zur Zeit eine Bestätigung des Gerüchte», Li-Hung-Tschang sei todt, nicht vor. DerStandard" erfährt aus Shanghai unter dem 31. Januar, der Toatai Scheng bestreite die Wahrheit des Gerüchts, daß Li-Hung-Tschang schwer krank sei, während das Blatt unter demselben Tage aus Tientsin die Meldung erhält, daß dort das Gerücht von dem Tode Li-Hung-Tschangs und der Berufung Juan­schikais nach Peking verbreitet sei.

Ferner melden die Londoner Blätter aus Peking vom 31. v. M.: Li - Hung - Tschang habe ein Kaiserliches

Nordlingen, auch mit dem Kartoffelsack über der Schulter, ihre eigene stolze Haltung nicht verleugnend, trug die Bürde ohne weiteres die Treppe hinauf. In demselben Augenblicke bog Erich um die Ecke, er kam vom Felde geritten und ward so Zeuge des kleinen Zwischenfalls, dessen er sich so lebhaft erinnerte. Das Bild: Dora, dem alten Mütterchen die Kartoffelbürde abnehmend, verfolgte ihn sogar bis in seine Träume. Und dasselbe Mädchen, welches so freundlich den überschwenglichen Dank der Alten abgewehrt und so leutselig mit ihr ge­sprochen, blickte ihn jetzt mit anmuthig zusammengezogenen Brauen fast feindlich an.

Hei! Wie die Falben aurgriffen. Dora je­doch schien da» Tempo, in welchem sie dahintrabten, noch zu langsam zu finden sie gebrauchte häufig die : Peitsche. wodurch das nervöse Spitzpferd immer aufgee i reglet wurde.

Der Wagen rollt« gemächlich, ziemlich weit zurück­bleibend, hinterdrein und bog plötzlich in einen Neben­weg ein.

Dagmar bemerkt« dir« und rief der Schwester zu: .Jürm fährt den längeren Weg, ich glaube auch, er ist der bessere. Hier auf unserem Wege, bet sich ja späterhin verengt, könnten wir Fuhren begegnen, und bann ist es schwierig, autzubiegen. Willst du nicht lieber umkehren, Dora, und die breite, bequeme Laudstraße be­nutzen

.Ich denke auch nicht einmal daran und fürchte, daß Herr Wald dich mit seiner übertriebenen, lächerlichen

Aengstlichkeit angesteckt hat. Jürri fährt aus angeborener Faulheit den breiten Weg, weil er viel zu bequem ist, um mehr auf die Pferde zu achten; du sollst nur sehen, wie geschickt ich ausbiegen kann."

Damit versetzte Dora dem linken Deichselpferde einen leichten Schlag mit der Peitsche, und der Char-a-banc flog dahin von einer Staubwolke umwirbelt.

Dagmar schwieg, auf Doras ausgesprochenen Willen ließ sich nicht» entgegnen, das wußte sie; in ihrer freund­lichen Art knüpfte sie mit Alfreds Bonne, Madeinoiselle Jeanne, ein Gespräch an; die lebhafte Französin schwärmte für Nizza und fand die nordische Gegend .abominable."

Dora würdigte ihren Nachbar keiner Anrede, ihr volle« Interesse konzentrierte sich aus die Pferde. Zur Rechten und Stufen der Wege« dehnte sich ein schöner, kräftiger Tannenwald aus, die Gegend wurde hügelich, und ein Thalkessel, den die Falben jetzt durch trabten, hatte wirk­lich einen romantischen Anstug. Au» einer Richtung j schimmerten die weißen Umrisse eines Gebäude», malerisch am Fuße de» sanft abfallenden Abhänge« gelegen. Mitten im Thal befand sich eine Wühle, und der Bach, der . da« Rad trieb, weitete sich an seiner Mündung fast zu einem Reinen Seebeden aus. Eine Holzdrücke führte über dat Wasser, auf dessen Oberfläche die breiten : Blätter der Wasserrose schwammen. Jenseits führte der Weg in schmalen Windungen den bewaldeten Hügel ; hinan.

Dora ließ die Pserde im Schritt die Brücke passieren,

Schreiben erhalten, in welchem er beschuldigt wird, die Hinrichtung der Beamten in Paotingfu durch die Ver­bündeten veranlaßt zu haben. Li-Hung-Tschang hatte den Beamten gerathen, sich widerstandslos den Ver­bündeten zu ergeben. Die Gesandten hätten beschlossen, die erste Zusammenkunft mit den chinesischen Bevoll- ' mäßigten auf den 5. d. M. festzusetzen. Die Gesandten würden Bestrafung der schuldigen Beamten verlangen.

Laut einem New-Aorker Telegramm wird dorthin aus Peking vom 31. Januar berichtet: In einer heute früh stattgehabten Zusammenkunft der Gesandten wurde be­schlossen, nächste Woche eine gemeinsame Sitzung mit den chinesischen Vertretern abzuhalten. Die Deutschen sandten eine Expedition nach Westen ab, die aus einer Batterie und einem Infanterieregiment besteht. Vor 3 Tagen sollen 70 Meilen westlich von hier viele eingeborene Christen ermordet worden sein, und man hält es daher für wahrscheinlich, daß die Expedition dorthin abgeht.

Feldmarschall Graf Waldersee meldet am 31. Januar aus Peking: Eine Kolonne von 4 Kompagnieen und je 1 Zug Kavallerie, berittener Infanterie, Feld- und GebirgS-Artillerie, unter General v. Trotha, ist heute von hier aufgebrochen, um die Gegend zwischen Saakiatien, Tschatau und den Ming-Gräbern bei Tschangping zu durchstreifen.

In dem Kabinetsrath zu Washington besprach am Sonnabend der Staatssekretär Hay die Lage in China und erklärte, die Bevollmächtigten machten nicht so rasche Fortschritte, wie man erwartet habe. Ja Folge dessen seien viele beunruhigende Fragen aufgetaucht, und es müßten die Fragen wegen Vermehrung der ameri­kanischen Truppen in China und wegen der Beschaffung von Quartieren für eine längere Zeit dauernde Be­setzung in Erwägung gezogen werden.

Politische Nachrichten.

Berlin, 2. Februar.

Se. Majestät der Kaiser hat, wie dem .Beil. Tagebl." aus Nürnberg gemeldet wird, für die Restauri- rung der dortigen Sebaldus - Kirche 20 000 Mkark ge­spendet.

Ihre Majestät die Kaiserin traf Freitag Nachmittag 3/.2 Uhr wieder mit Ihrer Königlichen Hoheit der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen zu ein- stündigem Besuch auf Schloß Friedrichshof ein. Ihre