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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 4. Februar 1901.

Von dem Herrn Landwirthschafts-Minister wird in Folge einer Anregung des Vorstands der Landwirthschafts­kammer für den Regierungs-Bezirk Cassel beabsichtigt, Lehrkurse für alle für die Förderung des Obstbaues thätigen technischen und Lehrkräfte einzurichten, derselbe will aber vorher missen, wie groß eine eventuelle Be­theiligung sein würde.

Gemeinden, welche die Anstellung von Obstzüchtern beabsichtigen und Privatpersonen, welche an einem der­artigen Kursus Theil zu nehmen wünschen, haben mir baldigst hiervon Mittheilung zu machen.

I. 611. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 6. Februar 1901.

Die Herren Ortsvorstände zu Allendorf, Allmers- hausen, Bingarteh, Friedewald, Gershausen, Heringen, Hillartshausen, Hilperhausen, Kerspenhausen, Landers- Hausen, Lautenhausen, Meckbach, Meisebach, Obergeis, Oberlengsfeld, Oberrode, PhilippSthal, Reckerode, Reilos, Röhrigshof, Schenklengsfeld, Sorga, Unlerhaun, Unter« weifenborn und Wilhelmshof werden hiermit an die sofortige Einreichung der Rekrutirungs- Stammrollen erinnert mit dem Bemerken, daß wenn dieselben bis zum 8. b. Mts. dahier nicht eingegangen sind, die Abholung durch einen Warteboten erfolgen wird.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Endlich gefunden.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

Doktor Neimsen gehörte zu jener Sorte von Leuten, deren Grobheit Lebensbedürfnis ist. Ihm war immer dann am wohlsten, wenn er, wie man zu sagen pflegt, sackgrob gewesen war. Er kehrte diese Charaktereigen­schaft gegen alle Welt heraus und war daher in Treuen- Hoff von der Landrälhin nicht gern gelitten. Sie ließ sich auf keinen Fall von ihm behandeln, nur wenn eines der Kinder oder jemand von den Dienstboten erkrankte, wurde Doktor Neimsen geholt, und er kurierte meist mit Erfolg, der ältere, hagere Herr mit dem Vogelgesicht und der goldenen Brille.

Seine Cigarre behaglich rauchend und in einer jüngst erschienenen medizinischen Broschüre blätternd, saß er jetzt in seinem Arbeitszimmer. Durch das geöffnete Fenster strich dte Sommerluft herein, und jenseits des Garten­zaunes ließ eine Schnarrwachtel unermüdlich ihren ein- tönigen Ruf hören. Da öffnete sich die Zimmerthür hinter dem im ledergepolsterten Armstuhl sitzenden Doktor, und eine Stimme, durch welche eine tiefe Erregung zu zittern schien, sagte:Guten Abend, Onkel, verzeih', daß ich dein Haus betrete, aber ich konnte nicht anders, ein Menschenleben steht vielleicht auf dem Spiel. Ich habe

Hersfeld, den 6. Februar 1901.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises veranlasse ich hierdurch, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die am 15. d. M t 6. fällig werdende IV t e Rate der für das Etatsjahr 1/4. 1900/01 zu entrichtenden Kreissteuer bei der Kreis- kommunalkasse dahier pünktlich eingezahlt wird, und daß die Gemeinderechner dieserhalb behufs Inempfangnahme der den betr. Gemeinden pro 1900 zustehenden Pacht­geldes für den Graswuchs an den Landwegen thunlichst selbst erscheinen.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 4. Februar 1901.

Auch in diesem Jahre können einige arme scrophulöse Kinder aus dem hiesigen Kreise zu einer Badekur (von längstens 4 Wochen) in die Kinderheil«Anstalt zu Sooden a. W. auf Kreiskosten ausgenommen und ver­pflegt werden.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, die Eltern oder Angehörigen der einer solchen Badekur be­dürftigen Kinder ihrer Gemeinden hierauf aufmerksam zu machen. Aufnahmefähig sind Knaben im Alter von 3 bis 12, und Mädchen im Alter von 3 bis 14 Jahren. Anmeldungen sind möglichst bald und spätestens bis zum Ablauf dieses Monats dahier einzureichen.

I. I. Nr. 627. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 4. Februar 1901.

Die in der Gemeinde Mecklar ausgebrochene Schweine- rothlaufseuche ist erloschen.

I. 621. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hünfeld, den 4. Februar 1901.

In Hünhan ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Der commissarische Landrath

v. T r o t h a.

Beim unterzeichneten Bezirks-Kommando werden zum 1. Oktober d. I. 2 zweijährig-freiwillige Schreiber ein­gestellt.

Junge Leute, welche auf diese Stellen reflektieren und eine mehrjährige erfolgreiche Thätigkeit in einem Bureau

dir eine Patientin gebracht, Onkel:Fräulein Dora von Nordlingen liegt drüben in Tanteus Zimmer auf dem Sofa und harrt deiner ärztlichen Hilfe!"

Was zum Kuckuck ist denn passiert ? Wahrscheinlich ist der Tollkopf aus dem Sattel geflogen. Hundertmal hab' ich es Dora ich kenne sie ja seit der Zeit, als sie noch Kinderschuhe trug, vorgehalten, daß sie sich durch das Hantieren mit Pferden Arme und Beine brechen wird I"

Fräulein von Nordlingen hat eine Kopfwunde!*

Noch besser verrückte Erziehung heutzutage. Die meisten Frauenzimmer verstehen nicht einmal einen ordent­lichen Strumpf zu stricken, aber über Pferde reden sie wie geborene Jockeys!"

Während dieses kurzen Zwiegesprächs hatten der Doktor und Erich den langen Korridor, der das Haus in der Mitte theilte, durchschritten. Vor der letzten Thür blieb Erich stehen.

Wenn du gestattest, Onkel, nehme ich mir deinen Kutscher zu Hilfe, denn der halbzertrümmerte Char-a-banc muß doch irgendwo untergebracht und für die Unheil­stifter, die Pferde gesorgt werden!"

So nun wird unvernünftiges Vieh dafür ver­antwortlich gemacht, was ein kurzer Mädchenverstand ver­schuldet. Meinetwegen rufe den Iahn, er fährt eben, glaube ich, Heu aus der Scheune. Drunten in der Mühle

nachweisen können, sowie eine tadellose Handschrift be' sitzen, werden hiermit aufgeforbert, ihre Bewerbungs', gesuche unter Vorlage eines Lebenslaufes,seines Melde' scheins zum freiwilligen Diensteintritt und von^Zeugnissen über ihre bisherige Thätigkeit baldigst hierher einzufenden.

Bezirks-Kommando Ravensburg (Bodensee).

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 5. Februar.

Ihre Majestät die Kaiserin reiste heute Vormittag um 9 Uhr von Homburg v. d. H. nach Karls­ruhe ab, um dem Großherzog und der Großherzogin von Baden einen Besuch abzustatten. Die Rückkehr erfolgt um 7 Uhr abends.

Auf Spezialbefehl des Kaisers wird die unter dem 23. Januar wegen des Ablebens der Königin von Groß­britannien angefagte Trauer vom Berliner Hofe im ganzen drei Monate, also bis zum 22. April getragen, und zwar in der ersten Hälfte, d. i. bis zum 8. März, in der tiefern und bis zum 22. April in der weniger tiefen Form.

Der Reichstag setzte am Montage die Etats- Berathung beim Etat des Reichs-Justizamtes fort. Staats­sekretär Nieberding wurde eingehend von Abgeordneten aller Parteien über Fragen der Reichsgesetzgebung inter­pelliert. Unter anderm erwiderte er auf eine Frage in Bezug auf die Entschädigung unschuldig Verhafteter, es liege noch nicht hinreichend Material vor, um die Gesetz­gebung zum Einschreiten zu veranlassen. Am Dienstage wurde die Berathung fortgesetzt.

Am Montag hat das preußische Abgeordneten­haus mit der ersten Berathung der Kanal-Vor­lage begonnen. Welchen Verlauf die parlamentarischen Verhandlungen nehmen werden, läßt sich heute natur­gemäß nicht voraussehen, man darf aber hoffen, daß die Verhandlungen innerhalb der Kommission, an die das Abgeordnetenhaus den Gesetz-Entwurf verweisen dürfte, zur Klärung und Verständigung über manchen Punkt führen werden, über den heute innerhalb der Parteien die Meinungen noch auseinandergehen. DaS darf man in erster Linie von den rein technischen Fragen erwarten, sowohl in Bezug auf die, welche das gesammte geplante Kanalnetz betreffen, als auf diejenigen, die sich an einzelne Kanaltheile knüpfen. Eins aber muß von vornherein ausgesprochen werden: Der neue Kanalplan unterscheidet sich von dem des Jahres 1899 vor allem dadurch, daß in die neue Vorlage die sogenanntenKompensationen*

findest du auch noch Leute, die für Geld und gute Worte dir helfen werden!"

Besten Dank, Onkel, und nochmals, verzeihe, daß, ich dein Haus gegen dein Verbot betreten habe, aber die Umstände zwangen mich dazu."

Der Doktor nickte kurz er dachte nicht daran, dem Neffen die Hand zu reichen, sondern klinkte die Thür zum Wohnzimmer seiner Frau auf.Teufelsjunge!" murmelte er in seinen Bart,aber ich habe es stets ge­sagt, brav ist er geworden, brav, wie es sein Vater ge­wesen !"

Zwei Stunden später ritt Erich auf einem der Falben in der Richtung nach Treuenhoff dahin. Dort mochte man sich über das lange Ausbleiben des Char-a-banc nicht wundern, denn wo Dora mit dabei war, ging stets alles auf nicht ganz normale und hergebrachte Weise zu.

An einen Transport der verwundeten jungen Dame konnte, nach Doktor LieimsenS Ausspruch fürS erste nicht gedacht werden. Dagmar blieb zur Pflege der Schwester da, und Mademoiselle sollte mit dem Wagen, der den Schwestern einiges Nothwendige an Toilettegegenständen bringen würde, nach Treuenhoff kommen.

Der warme Sommerabend wirkte wie beruhigender Balsam auf Erichs erregte Stimmung, immer noch glaubte er, Doras Gestalt in seinen Armen zu fühlen, und dann mors ihm, als sehe er noch den seltsamen Blick, mit dem