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KerWer Kreisblatt.

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VefteLlAngen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"««» Jllnstrirte landwirthschastl. Beilage" für den Monat März werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 1. März 1901.

Im Laufe des Monats Februar d. Js. sind dahier folgende Jahresjagdscheine ausgefertigt worden und wird solches der Vorschrift gemäß hierdurch veröffent­licht:

am 4/2. für Herrn Johannes Simon Volkenand in Heringen;

5/2. August Friedrich Gebühr daselbst;

5/2. Friedrich Rudolph daselbst;

6/2. Heinrich Fischer I. in Kathus;

14/2. Carl Bürger in Obergeis.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Rotenburg, den 28. Februar 1901.

Nach Mittheilung der Prüfungs-Kommission der Huf- beschlag-Lehrschmiede §n Weißenborn, hat an der am 23. &. Mts. dortselbst abgehaltenen Prüfung der Schmied Heinrich Klebe in Frielingen dortigen Kreises theilgenom- -men und dieselbe mitgut" bestanden.

Der Königliche Landrath T u e r ck e. Air das Königliche Landrathsamt in Hers selb.

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Hersfeld, den 2. März 1901.

Wird veröffentlicht.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,

I 1269. Geheimer Regierungs-Rath.

Endlich gefunden.

Roman von H e d d a von S ch m i d.

(Fortsetzung.)

|Wie heißt denn der Onkel, den du so sehr lieb hast?" wandle sich Reginald an Alfred, indem er ihm das Bild aushändigte.

Herr von Rappa," erwiderte der kleine Bursche prompt; er war für sein zartes Alter ein geistig merkwürdig entwickeltes Kind. Er riß das so heiß be- gehrte Bild förmlich an sich und gehorchte dann dem wiederholten Gebot seiner Mutter, das Zimmer zu ver­lassen.

M Melitta und Reginald befanden sich nun wieder allein, aber der vorhin durch Alfreds Hereinstürmen ab- gerissene Faden des Gesprächs ließ sich nicht aufs neue anknüpfen, der Zauber jener Minuten kehrte nicht wieder zurück.

|g War es Ewald Nordlingens Seele, welche vielleicht als Schutzgeist den verwaisten Sohn umschwebt, welche das Kind dazu veranlaßt hatte, durch feine Dazwischen­kommen das verhängnißvolle Zusammensein Melittas und Reginald« zu stören? Wollte der Geist des Abge­schiedenen Melitta vor einer zweiten Lüge Reginald gegen­über bewahren und diesen vor den Fallstricken der Ko­ketterie eines schönen Weibes, die ihn eben mehr, denn je bedroht hatte?

Reginald suchte nach einer kleinen Pause, während welcher er schweigend dageseffen, nach einem Worte, um

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 2. März.

Se. Majestät der Kaiser empfing gestern nach der Rückkehr von der französischen Botschaft den württembergischen Ministerpräsidenten General der In­fanterie Frhr. Schott v. Schottenstein in Audienz. Nach der Frühstückstafel unternahmen Beide Majestäten eine Ausfahrt nach dem Park von Bellevue und im Anschluß daran einen längeren Spaziergang. Se. Majestät der Kaiser erledigte darauf eine Reihe von Regierungs­angelegenheiten und empfing vor der Abendtafel, zu der Einladungen nicht ergangen waren, den Chef des Zivil- kabinets, Wirklichen Geheimen Rath Dr. v. Lucanus zu einem kurzen Vortrag. Heute Morgen unternahm Se. Majestät den gewohnten Spaziergang durch den Thier­garten, hörte dann im Auswärtigen Amt den Vortrag des Reichskanzlers Grafen v. Bülow und, nach dem Königlichen Schloß zurückgekehrt, diejenigen des Staats­sekretärs des Reichs-Marineamls, Vize-Admirals von Tirpitz, und des Chefs des Marine-Kabinets, Vize- Admirals Frhrn. v. Senden-Bibran. In Gegenwart des Ersteren stellte Prof. Saltzmann Sr. Majestät einige Skizzen vor. Das Frühstück nahmen Beide Majestäten mit Prinzessin Feodora von Schleswig-Holstein ein.

Aus Cronberg wird vom Freitag gemeldet: Der König von England besuchte heute Vormittag mit der Kronprinzessin von Griechenland die Heilstätte des Frankfurter Rekonvaleszentenvereins Ruppertshain bei Königstein. Der König verlieh dem Hosmarschall Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, Baron Reischach, den Stern des Viktoria-Ordens und dem Leibarzt Dr. Spiel­hagen das Kommandeurkrenz desselben Ordens.

Der Landes-Ausschuß für Elsaß-Lothringen hat bei der zweiten Lesung des Etats den als erste Rate für den Ausbau der Hohkönigsburg geforderten Kredit von 150 000 Mark angenommen. Von 58 Mitgliedern des Hauses waren 53 anwesend, 51 stimmten dafür. Der Kaiser hat dem Landes-Ausschuß durch den Statt­halter mittheilen lassen, daß er für die Bewilligungvon ganzem Herzen dankbar" sei.

Der Reichstag hat am Freitage den Militär-Etat erledigt. Beim Ordinarium wurden auch die Verhält- nisse der deutschen Pferdezucht erörtert. Die Vorschläge der Budget-Kommission wurden durchweg vom Hause aut-

das Gespräch wieder aufzunehmen, wenn auch nicht in einem so vertraulichen Sinne wie vorhin.

Wo befindet sich dieser Herr von Rappa?" fragte er dann, fein Auge fest auf Melitta heftend.

Er ist tot," erwiderte sie, ohne den Blick zu erheben. Nur ein leises Zucken um ihre Mundwinkel verrieth, daß die räthfelhafte Aufwallung ihres ganzen Seins sich noch nicht vollständig gelegt.

Ah," Reginald hatte nun Verständniß gewonnen für das, was ihn in Melittas Gebühren eben noch befremdet.

Er wußte, daß sie alles haßte, was an Tod, Gräber und Verwesung gemahnte.

Kommen Sie, lassen Sie uns von etwas anderm reden oder besser noch, die andern aufsuchen," sagte die schöne Frau, sich erhebend. Sie war klug genug, um einzusehen, daß sich heute nichts, ihre Pläne Förderndes ereignen würde, und wollte auf keinen Fall Reginald die Möglichkeit gewähren, zu glauben, daß sie vielleicht auf eine Wiederholung jenes leidenschaftlichen Ausbruches von seiner Seite harre.

Sie kannte Reginald noch schlecht in seinem arg­losen Gemüt wäre eine derartige Vermuthung niemals aufgekeimt.

Reginald blieb zu Mittag und Abend in Treuen- Hoff und hatte Gelegenheit zu bewundern, mit welcher Grazie Melitta die Unterhaltung, die den Salon durch- schwirrte, beherrschte. Auch die Landräthin war »och jetzt, trotz stets zunehmender Schlaffheit und Korpulenz, Meisterin in einer leichte», stets den Schein des Geist­

geheißen. Nach völliger Erledigung des Militär-Etats vertagte sich das Haus. Am Montag sollte zunächst die Novelle zum Posttax-Gesetz berathen und dann die Etats- Berathung fortgesetzt werden.

Im preußischen Abgeordnetenhause gab am Freitage der Kultusminister, Dr. Studt, auf eine von freisinniger Seite an ihn gerichtete Frage zu, daß ein Lehrer-Mangel bestehe. Der Minister führte den Lehrer- Mangel zurück auf die von 10 Wochen auf 1 Jahr ver­längerte Militär-Dienstpflicht der Lehrer und auf die durch das Zuströmen großer Menschenmassen in die In­dustrie-Bezirke nothwendig gewordene Neugründung zahl­reicher Lehrerstellen. Um dem Lehrer-Mangel abzuhelfen, seien die Seminarien und die Präparanden-Anstalten er­weitert worden, und es habe auch deren Frequenz so er­heblich zugenommen, daß in absehbarer Zeit die Beseitig­ung des Lehrer-Mangels möglich sein werde. Ein Zu­sammenhang der Gehaltsfrage mit dem Lehrer-Mangel bestehe nicht. Darauf wurde die Berathung des Kultus- Etats begonnen, die am Sonnabend fortgesetzt wurde.

Aus Cronberg wird gemeldet: Der König von England ist Sonnabend Nachmittag halb 1 Uhr mit Extrazug nach London zurückgereist. Die Kronprinzessin von Griechenland und die Prinzessin Friedrich Carl von Hessen, sowie der Hofstaat der Kaiserin Friedrich verab­schiedeten sich von ihm am Bahnhof. Heute Morgen war der König nur kurze Zeit bei seiner Schwester. Die Kaiserin Friedrich befindet sich heute ziemlich wohl.

In diesem Jahre werden voraussichtlich sechs Stapelläufe deutscher Kriegsschiffe statt- finden. Unter den Neubauten, deren Stabelkauf er­wartet wird, befinden sich allein vier Linienschiffe modernster Art und ein Panzerkreuzer. Mit dem Linienschiffsbau geht es jetzt flott von Stätten, da in Folge der Aus­führung des Flottengesetzes jetzt jährlich der Bau von zwei oder drei neuen Linienschiffen in Angriff genommen wird. An dem Bau der vier Linienschiffe, deren Stapel­lauf in diesem Jahre zu erwarten ist, sind die leistungs­fähigsten deutschen Werften betheiligt. NeubauD" wird von der Schichauwerft Danzig, NeubauE" von der Germaniawerft Kiel, NeubauF" vom Vulkan in Stettin und NeubauG" von der Kaiserlichen Werft in Wilhelms- Haven ausgeführt. Alle vier Schiffe gehören zurWittels- bach"-Klasse, erhalten also ein Deplacement von 11 800 Tonnen und stellen gegenüberKaiser Wilhelm II." und seinen vier Schwesterschiffen einen verbesserten Typ dar.

vollen wahrenden Salonunterhaltung doch betheiligte sie sich an letzterer nur dann, wenn sie gerade bei Laune war.

Einmal, während Mademoiselle Jeanne, welche von Melitta auffallend bevorzugt und viel in den engern Familienkreis gezogen wurde, am Flügel ein franzö­sisches Lied mit sehr viel Ausdruck und sehr viel Augen- verdrehen sang, traf Reginalds Blick Dagmar, welche hinter einer mit blühenden Schneebällen gefüllten antiken Vase saß. Er bemerkte trotz des Lampenlichts, daß sie blaß war.

Rasch trat er an ihre Seite. Etwas von jenem Gefühl des Beschützenwollens, das er an jenem Winter­abende in Kreutz für das verlassene Nesthäkchen empfunden, regte sich verstärkt in ihm.

Was fehlt Ihnen, Dagmar, Sie sind so blaß?"

Ich? Nein durchaus nicht," erwiderte sie und versuchte zu lächeln.

Sie täuschen sich selbst, beharrte er. Sie haben sich bei der Pflege ihrer Schwester Dora zu viel zuge- muthet. Sie müssen nach Kreutz kommen auf einige Wochen, um sich dort ganz zu erholen, zu Hause kann man das nie so recht mit Erfolg."

Nein, nein, tausend Dank, aber das ginge doch nicht, währte Dagmar erschrocken ab.

Sie fürchtete ein Beisammensein mit Reginald, warum das wußte sie selbst nicht.

Drüben in der Blumenecke neben dem Flügel be­wegte Melitta langsam ihren großen, hochrothen Atlas- sächer.