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Nr. 33, Menü teil März 1901.
Erstes Blatt.
Ae militärische %ebeutuno )6 Mittellmd- tnnnü
iß am Mittwoch vor der Kanal-Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses von zwei Hähern Offizieren in bedeutsamen Reden dargelegt worden. Ihre Ausführungen haben die Debatte, die über rein wirthschaftliche Einzelfragen nicht hinausgekommen war, aus eine höhere Stufe gebracht, indem sie erkennen ließen, in wie großem Maße die Wehrkraft unsers Vaterlandes durch den Bau des Mittellandkanals gefördert würde. Da diese Thatsache bei dem Streit für und wider den Kanal bisher viel zu wenig gewürdigt worden iß, so wollen wir die von den beiden Offizieren zu Gunsten des Mittelland-Kanals angeführten militärischen Gründe, soweit ße nicht geheim bleiben müssen, hier folgen lassen.
Die Bedeutung des Mittelland-Kanals würde schon bei der Mobilmachung zutage treten. Hier soll der Kanal, wie General v. Einem und ein Vertreter des Generalstabes im Einklang mit Moltke ausführten, die Eisenbahnen ergänzen, die durch den Transport von Truppen übermäßig in Anspruch genommen werden. Ohne Kanal liegt die Gefahr vor, daß der Aufmarsch der Truppen durch den Transport von Munition und anderem Kriegsmaterial verzögert wird. Diese Gefahr ist umso größer, als stch die Ansprüche an die Eisenbahn-Verwaltung bei einer Mobilmachung seit dem Jahre 1870 bedeutend gesteigert haben. Auch nachdem die Truppen an die Grenzen befördert sind, bleibt für die Eisenbahnen noch viel Arbeit zu leisten. Da würde dann die Wasserstraße eine bedeutende Entlastung der Schienenstränge ermöglichen. So könnten die Kanäle große Transporte von Kriegsmaterial bequem von Osten nach Westen und umgekehrt befördern, um die Magazine zu füllen. Der Mittelland-Kanal würde also das Nachschub-Transportwesen und damit die Unterhaltung der Armee wesentlich erleichtern.
Nicht zu unterschätzende Dienste würden die Kanäle auch bei der Beförderung der Verwundeten in die Heimath leisten. Da Lazarett-Transportzüge nur in beschränkter Zahl zur Verfügung stehen, so würde man die ver
Endlich gefunden.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
) „Gieb mir dein Wort, Reginald, du wartest noch (»in halbes Jahr?"
/ Er zögert, dann sagt er fest : „Mein Wort, vielleicht *ß’8 auch besser so."
„Dank, Reginald, tausend Dank'" flüstert Ruth an einem Halse. „O, — ich habe ja nur dich, wir beide loben ja nur einander auf der Welt."
„Wir besitzen noch einen Bruder, Ruth," versetzte lieginald ernst, „denn ich hoffe zu Gott, daß Rolf noch ebt, und daß er einmal den Heimweg findet, zu uns in die Heimat. Der Segen unserer Mutter, den sie schon mit erkalteten Lippen auch über ihn, den Verschollenen gesprochen, hat den Fluch, den der Vater in zerechtem Zorne auf sein Haupt schleuderte, von ihm genommen. Der „tolle Junker," für die meisten ist er todt, aber in unser beiden Herzen soll ihm eine helle Stamme des Friedens und der Versöhnung entgegen- ! suchten. Er soll, wenn er wieder kommt, ein wirkliches iQeim finden, das den Verlorenen freundlich aufnimmt, )as ihn vergessen läßt, was er erduldet. Mag er es noch so toll und wild getrieben haben in der Welt draußen — einer unehrenhaften Handlung ist unser Bruder nie^i mats fähig, eine solche hat er nie verübt, denn er ist ,ei» Kreutz!" — — —--— — — —
, Die Landräthin hatte zu ihrem Balle einen Koch
wundeten und die kranken Soldaten nur bis zur nächsten Wasserstraße und dann zu Schiff in die Garnison-Lazarette bringen. Daß aber der Transport auf dem Wasser den Verwundeten angenehmer ist, als der auf der Bahn, wo ein Rütteln und Schütteln unvermeidlich ist, liegt in der Natur der Sache.
Ebenso groß ist die Bedeutung des Mittelland-Kanals in dem Falle, wo wir den Krieg im eigenen Lande führen müssen. Denn dann find die Eisenbahnen in erster Linie nöthig, um die Truppen zu konzentrieren und von einem Fleck zum andern zu versetzen. Die Verwendung der Eisenbahnen zu andern Zwecken würde die Beweglichkeit und damit die Schlagfertigkeit unserer Armee erschweren. Das gegebene Mittel, die Eisenbahnen zu entlasten, find die geplanten Kanäle. Ohne diese würde der öffentliche Verkehr nicht aufrechterhalten werden können. In manchen Gegenden würde sich eine Lebensmittelnoth empfindlich bemerkbar machen. Selbst da, wo eine direkte Noth nicht eintritt, würden die Eisenbahnen allein nicht genügen, Handel und Verkehr, Industrie und Landwirthschaft vor dem Verfall zu bewahren.
Die Ausführungen der beiden Vertreter der Militär- Behörde haben zweifellos einen tiefen Eindruck gemacht und werden auch im Lande gebührend beachtet werden, umso mehr als die Gegner der Kanal-Vorlage nicht imstande waren, die für den Bau des Mittellandkanals angeführten militärischen Gründe zu entkräften.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 14. März.
Se. Majestät der Kaiser hörte heute Vormittag die Vorträge des Kriegsministers, Generals der Infanterie von Goßler, des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generalobersten von Hahnke und des Chefs des Generalstabes der Armee, Generaladjutanten Generals der Kavallerie Grafen v. Schlieffen.
Ihre Majestät die Kaiserin und Königin wohnten gestern Nachmittag der Prüfung der Zöglinge der Kaiserin Augusta-Stiftung in Charlottenburg am Schlüsse des Schuljahres bei.
Die „Weser-Zeitung" verzeichnet eine Mittheilung, nach welcher ein Schlossergeselle gestern vor dem Untersuchungsrichter ausgesagt haben soll, daß er die von Weiland bei dem Anschläge auf den Kaiser be
kommen lassen, und Friede! hatte zahlreiche Kotillon orden und anderes mehr zu den sinnreichsten, oft auch sinnlosesten Touren dieses Tanzes verschreiben müssen.
Die Vorbereitungen zu dem Fest waren glänzend. Dagmar hatte den Ballsaal mit Hilfe des Gärtners und der beiden Gärtnerburschen sehr geschmackvoll geschmückt: das Treibhaus war geplündert worden, die Pflanzen, auf deren zartes Blumenleben sonst nur Sonne oder Mond ihren Schein geworfen, heute sollten sie von dem Lichte unzähliger Kerzen bestrahlt werden. Aus dem dunkeln Grün der Fächerpalmen hoben sich in zartem Rosa prangende Fuchsien, weiße Rosen, hochrothe Kakteen, und zwischen deren Blättern strebte zartes, lichtgrünes Farnkraut empor, welches Dagmar aus dem Walde hatte herbeischaffen lassen.
Dagmar ruhte nach gethaner Arbeit auf ihren Lorbeeren, sie hat sich in ihrem kleinen Zimmerchen auf das zierliche weiche Sofa geworfen, hat die Arme unter dem Kopf gekreuzt und denkt nach.
Aus dem anstoßenden Schlafgemach, das eigentlich nur ein Alkoven ist, leuchtet etwas Blütenweißes, das leicht über zwei zusammengeschobene Stühle ausgebreitet ist. Es ist Dagmars Ballkleid, das sie vorhin anprobiert hat: Elly hatte dabei, ihr zu Füßen knieend, um an der Falbel des Kleides noch etwas zu ordnen, ihr Werk liebevoll betrachtet und gesagt: „Fräulein Dagmar sehen heute wunderschön aus."
„Ach Elly, Sie übertreiben — aber das Kleid haben Sie wirklich reizend gemacht," hatte Dagmar erwidert,
nutzte Lasche am Abend des Kaiserbesuchs auf dem Domshofe verloren habe. Damit bestätige sich, fügt das Blatt hinzu, Weilands Behauptung, daß er die Lasche auf dem Domshof gefunden habe, wo auch eine Zeugin sie vorher hat liegen gesehen.
Der Kaiser hat unter dem 2t. Februar bestimmt, daß sämmtliche neu einzuführenden Geschützrohre der F u ß a r t il l e rie mit Hoheitszeichen zu versehen sind. Diese Maßnahme hat sich auch auf die durch Ordre vom 3. Juli 1899 eingeführten Geschütze zu erstrecken.
Der Prinz-Regent Luitpold von Bayern hat ein Handschreiben erlassen, in dem herzlicher Dank für alle Kundgebungen am Festtage ausgesprochen wird, und das mit den Worten schließt: „Möge unser liebes Vaterland, gestützt auf das Streben nach gedeihlicher Fortentwicklung, auf den Fleiß und die Schaffenskraft der Bevölkerung, unter dem Segen eines dauernden Friedens einer glücklichen Zukunft entgegengehen! Möge nie das Band sich lockern, das Fürst und Volk zu inniger Liebe und Eintracht umschließt! Nach Meinen Kräften dem teuern Vaterlande zu nutzen, ist mein unablässiges Streben. Dieser Aufgabe gerecht zu werden, begründet Mein eigenes Glück!"
Die Königlichen Eisenbahndirektionen sind vom Minister der öffentlichen Arbeiten aufgefordert worden, binnen drei Monaten zu berichten, wieviel Güterwagen noch mit verstärkten Zugstangen und mit Sicherheitskuppelungen auszurüsten sind und in welcher Zeit die Auswechslungen voraussichtlich bewirkt sein können.
Der Minister des Innern Frhr. v. Rheinbaben hat eine Umfrage bei den Regierungspräsidenten über die Fortschritte der Volksunterhaltungsabendever- anstaltel. Der Minister bezeichnet diese Veranstaltungen als ein besonders wirksames Mittel, die breiten Mass en der Bevölkerung auf geistigem und sittlichem Gebiete zu fördern und die oft schmerzlich beklagte Kluft zwischen den Gebildeten und den anderen Volksklassen zu Überdrücken.
Seitens des zuständigen Ministeriums ist an die Ober- Bergämter ein Erlaß zum Schutz der einheimischen Bergarbeiter gegen die Einschleppung der Wurmkrankheit ergangen. Des Weiteren hat der Minister für Handel und Gewerbe an die Königlichen Ober-Bergämter einen Erlaß gerichtet, welcher das Einschreiten gegen etwaige Thierquälerei in Bergwerken behandelt.
In der R e i ch s t a g s k o m m i s s i o n zur Be-
„ich habe nie ein so hübsches besessen und ich danke Ihnen herzlich, daß Sie sich soviel Mühe damit gegeben haben."
Einen Dank für ihre Schneiderei zu ernten, war Elly neu — sie riß ihre wasserblauen Augen weit auf. Ihre Herrin pflegte gewöhnlich an fertigen Toiletten alles Mögliche auszusetzen und zu tadeln, fast jedesmal hatte Elly Verdruß gehabt. Nur der hohe Lohn, welchen Melitta oder vielmehr der Landrath zahlte, hielt sie davon ab, den unbequemen Dienst zu verlassen.
„Ich bin froh, daß gnädiges Fräulein mit dem Kleide zufrieden sind," sagte sie, während sie Dagmar beim Ab- legen der anprobierten Toilette half.
Nun, eine Stunde vor Beginn des Balles, grübelt Dagmar über die Aeußerung der Zofe nach. Sie hat nur ihr Gesicht und ihre halbe Büste in ihrem kleinen Toilettespiel sehen können, die Hauptwirkung des kleidsamen Anzuges hatte sie noch nicht wahrgenommen, in ihrem Zimmer befindet sich kein größerer Spiegel, geschweige denn ein Trumeau.
„Elly hat mich gewiß nur aus Gutmütigkeit, nur um mir etwas Schmeichelhaftes zu sagen, „wunderschön" genannt, denkt Dagmar, diese Bezeichnung paßt allerdings auf das Kleid, aber werde ich auch verstehen, es mit Chic zu tragen.
In dieser Beziehung zeigte Melitta von Jugend auf eine unnachahmliche Grazie, sie würde auch heute bezaubernd aussehen, und Reginald würde natürlich den Kotillon mit ihr tanzen, und um sie, das unbedeutende