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HerWer Kreisblatt.
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Gratisbeilagen: „^Unftrirtes Ssnnragsblatt" «. „^Huftrirte lan-Wirthschaftliche Vettage. -
Sr. 34.AcHag den 19. März 1901,
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 18. März 1901.
Diejenigen Herrn Ortsvorstände, welche die Verfügungen :
1. vom 19. Juni 1878, Nr. 6053, Kreisblatt Nr.
49, Revision der Kirchen- und Schulgebäude be. treffend,
2. vom 15. April 1886, Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, Körung der Zuchtbullen betreffend, bis heute nicht erledigt haben, werden mit Frist b i S zum 23. d. M t s. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
krkteriliigcil über innere mswärligt AM.
„Die Zeitungen beschäftigen sich für meinen Geschmack viel zu sehr mit ausländischen Angelegenheiten." So meinte der Altreichskanzler Fürst Bismarck gelegentlich im Reichstage. Der unbetheiligte Zuschauer, der mit den Dingen, die stch hinter den Kulissen abspielen, nicht vertraut ist, verkennt leicht die Gründe bestimmter Maßnahmen ; er schadet durch seine Kritik dem Vaterlande, wenn er sich bei der Beurtheilung diplomatischer Schritte keine Zurückhaltung auferlegt, sondern seinen augenblicklichen Empfindungen Raum giebt. Auf dem politischen Schachbrett sind oft Züge nöthig, um eine Deckung gegen noch nicht unternommene, aber immerhin mögliche Angriffe zu schaffen. Nichts erscheint daher willkürlicher und bedenklicher als eine leidenschaftliche Befehdung der auswärtigen Politik.
Seit einiger Zeit sehen wir einige Blätter in heftiger Gegnerschaft gegen die Regierung wegen ihrer Beziehungen zu England. Ihre Angriffe suchen sie durch die Autorität des Fürsten Bismarck zu stützen. Mit Unrecht. Der kennt diesen Meister der Staatskunst schlecht, der glaubt, Fürst Bismarck hätte sich, wenn er heute noch lebte und regierte, in die südafrikanischen Wirren ge
Endlich gefunden.
Roman von H e d d a von S ch m t d.
(Fortsetzung.»
Dagmar wußte aus Erfahrung, daß die Bauern in der Regel gegen ärztliche Hilfe sind, sie begnügte sich daher, freundlich zu sagen: Ich komme später hinüber, Adolf, um nachzusehen, was Ihre kranke Großmutter macht."
Da rollte die Equipage, welche die ersten Gäste brächte, bereits vor die Freitreppe, und Dagmar wollte, — ehe sie die GesellschaftSräume betrat, noch einmal den Theetisch im Buffetzimmer inspizieren, wo die Bedienten die silbernen Tabletts mit dem belebenden Trank empfingen, um sie den Gästen zu bieten. Sie eilte, da sie leichte Ballschuhe aus hellen, weichem Leder trug, vorsichtig die noch regenfeuchten Stellen des Gartens und Hofes vermeidend, ins Haus zurück.
Das Rollen eines zweiten vorfahrenden Wagens hat sich vernehmbar gemacht, die Salons beginnen sich zu füllen mit einer lachenden, schwatzenden, bunten Menge, deren heutige Losung nur Frohsinn heißt. Alle trüben Gedanken, alle Sorgen des täglichen Lebens hat man daheim gelassen und bringt in die eleganten Räume dieses gastfreien Hauses nur ein verbindliches Lächeln, eine strahlende GeseUschastSlaune.
In Treuenhoff war seit Melittas Hochzeit kein grö- ßeres Fest gefeiert worden; da Ruth der Einladung, welche damals an sie ergangen, unter irgend einem Vor-
mischt oder England gegenüber mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Der große Diplomat ließ sich nicht von persönlichen Gefühlen, sondern nur von den Jnter- effen des Landes leiten. Er lehnte jede Einmischung in fremde Angelegenheiten schon deshalb ab, weil man nie missen kann, wohin diplomatische Erörterungen führen. Als es sich um die englische Festsetzung in Aegypten handelte, bot er da etwa die Hand, um der britischen Politik Hindernisse zu bereiten ? Im Gegentheil, selbst wenn das Kabinet von St. James Aegypten annektieren wolle, so sagte er, werde Deutschland es daran nicht hindern, weil die Freundschaft mit England für das deutsche Reich wichtiger sei als die Zukunft des Pharaonen- Landes. Der Draht nach London war dem ersten Kanzler durchaus nicht gleichgiltig.
„Wir sind mit England in der glücklichen Lage, keinen Streit der Interessen zwischen uns zu haben, es seien denn Handels-Rivalitäten und vorübergehende Verstimmungen, die ja Vorkommen, aber doch nichts, was ernst, haft zwei arbeitsame Nätionen in Krieg bringen könnte." Das sind Worte des Fürsten Bismarck. Dieser Gedanke kehrt in vielen seiner Reden wieder. Am 10. Januar 1885, als eine jener Verstimmungen einen ziemlich hohen Grad erreicht hatte, sagte der Kanzler doch: Wir stehen mit England in althergebrachten freundschaftlichen Beziehungen, und beide Länder thun wohl daran, diese befreundeten Beziehungen zu erhalten." „Die Möglichkeit, daß wir England einmal in Waffen gegenüberstehen könnten, bestreite ich absolut." Fürst Bismarck ging in die Geschichte zurück; nur 1805 bis 1806 habe Preußen mit England Krieg geführt; aber „das war eine vollständig unnatürliche Situation, indem das damalige Preußen in einer Zwangslage dem übermächtigen Frankreich gegenüber sich befand." Fürst Bismarck schloß mit den Worten: „Unsere Meinungs-Verschiedenheiten gegen« über England werden in menschlich absehbarer Zeit niemals die Tragweite haben, daß sie nicht durch ehrlichen guten Willen und geschickte, vorsichtige Diplomatie, wie sie von unserer Seile sicherlich getrieben wird, erledigt werden könnten."
So sprach der große Staatsmann. Handelt die heutige Regierung anders? Daß Graf Bülow vor England nicht unwürdig zurückweicht, hat er bei den Verhandlungen über Samoa und über die Beschlagnahme deutscher Schiffe, sollte man meinen, deutlich bewiesen. Wenn der Reichskanzler vielmehr die Beziehungen zu
wande nicht gefolgt war, so ahnte sie auch nicht, welche Pracht und welchen Luxus man in dem sonst so stillen Hause zu entfalten vermochte.
Der Landrath, das Urbild eine« aristokratischen alten Herrn, bewillkommnete seine Gäst aufs artigste und zuvorkommendste. Als er Ruth begrüßte, sagte er launig:
„Zur besonderen Ehre rechnen mir’S uns an, daß unsere liebe Ruth aus dem Stillleben, in welchem sie bisher ihre Tage verbracht hat, herausgetreten ist, um unser heutiges Fest durch ihre Gegenwart zu schmücken."
Dabei drückte er der jungen Dame herzlich die Hand. »Ich hoffe, du amüsierst dich gut, liebes Kind."
Der Landrath duzte Ruth, seit sie als kleines Kind sein Mündel geworden war.
Kaum hatte er sich neuen Ankömmlingen zugewandt, und Ruth sich vergeben« nach Reginald, der noch eben an ihrer Seite gewesen, umgesehen, als Axel vor ihr stand.
„Sie haben doch den mir geschenkten Kotillon nicht vergesseu?" fragte er, sie begrüßend.
„Bewahre I Wollen Sie mich zu ihrer Mama führen, Axel?"
Die Landräthin thronte im sogenannten Divan- zimmer, einem mit vielen Teppichen, Draperien und Portieren angefüllten Gemach neben dem Tanzsaal. Sie nickte Ruth, die ihr im Grunde nie sympathisch war, huldvoll zu, als letztere sich über ihre weiße, beringte Hand beugte.
England nach Möglichkeit zu pflegen sucht, ohne unsere Gleichberechtigung und Selbstständigkeit aufzugeben und, wie Graf Bülow erst wieder am Freitag im Reichstage dargelegt hat, ohne unser Verhältniß zu Rußland zu vernachlässigen, so entspricht das den Ueberlieferungen der Bismarckischen Zeit rmd den Interessen des Reiches. Die Politik des Grafen Bülow verdient also, von aller Vertrauen getragen zu werden. Die Angriffe auf den Reichskanzler und die Hetze gegen England sind umso thörichter, als sie nur Bestrebungen zu gute kommen, die ein Bündniß des Zarenreiches mit England bezwecken. An Beweisen hierfür hat es in der letzten Zeit nicht gefehlt.
Politischr Nachrichten.
Berlin, den 16. März.
Se. Majestät derKaiser hörte heute Vormittag die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs-MarineamtS, Vize-Admirals v. Tirpitz, und des Chefs des Marine- kabinets, Vizeadmirals Frhrn. v. Senden-Bibran.
Sr. Majestät dem Kaiser und König sind nach dem betrübenden Vorfall in Bremen zahlreiche Beweise der Theilnahme aus allen Ländern zugegangen. Wir verzeichnen hier nur die Glückwunschtelegramme der Kaiser von Rußland, von Oesterreich-Ungarn und von Japan, des Sultans der Türkei, der Könige von England, Italien, Belgien, Griechenland, Portugal, Rumänien, Serbien, der Königin der Niederlande, der Königin- Regentin von Spanien, des Papstes, des Präsidenten der Französischen Republik, des Schahs von Persien, denen sich noch viele andere Fürstlichkeiten, Regierungen und Würdenträger anschließen.
Aus Cronberg wird gemeldet: Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen Halteten heute Nachmittag Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich einen Besuch ab.
Im Reichstage hat die Berathung der neuen China-Vorlage stattgefunden. Durch die erste Forderung von rund 153 Millionen Mark sind die Kosten der China- Expedition bis Ende März dieses Jahres gedeckt worden. Die neue Forderung in Höhe von 123 Millionen Mark ist für die Kosten bestimmt, welche weiterhin in dem am 1. April beginnenden Etatsjahr für die China-Expedition entstehen. Zur Begründung der Vorlage hat der Reichs.
„Du hast deine Toilette heute sehr glücklich gewählt, chic, wirklich ganz reizend, diese blaßrolhe Schattierung.
In der That stand Ruth die Seide, die sich in weichen Falten um ihre hohe Gestalt schmiegte, vortrefflich. Vielleicht wäre für ein anderes junges Mädchen der kostbare, echte Federbesatz, mit welchem das Kleid garniert war und die schwere Seide überhaupt zu anspruchsvoll erschienen, bei Ruth jedoch war dies nicht der Fall,
Neben der Landräthin saß Frau von Rittlingen, die heute Vormittag mit Sohn und Tochter in Treuenhoff eingetroffen war. Die Art, wie sie lächelte und ihren Fächer auf- und zuklappte, hatte etwas Automatenhaftes. In ihrer Jugend hatte sie einstmals für sehr geistreich gegolten.
Diese Eigenschaft hatte sich jedoch nicht in hervorragendem Maßstabe auf ihre beiden Kinder übertragen. Wenn Herr von Rittlingen seinen graublonden Kotelettenbart strich und sinnend dreinschaute, mochte man allerdings vermuten, daß hinter der kahlen Stirn, die sich in solche Falten legte, irgend ein geistreicher Gedanke geboren ward, wenn er jedoch den Mund öffnete, so geschah es regelmäßig zu irgend einer banalen gesellschaftlichen Phrase.
Die Nittlingens waren sehr reich, sie besaßen keinen Grundbesitz und lebten meist im Auslande. Jetzt waren sie kürzlich wieder ins Land gekommen, um Frau von Blieven, eine Nichte von Pittlingens, zu besuchen und dann in Hapsal zu baden.