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«r. ». Ioinitchg teil März 1901.

WoNemeiils-KlllllhUg.

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Hersfelder Kreisblatt

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die Expedition.

Amtlicher Theil

Hersfeld, den 26. Mär» 1901.

Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Raupennester, werden hierdurch die Herren Ortsvorstände des Kreises ausgesordert, die ge­hörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den OrtSpolizeiverwaltungen zustehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrafung

Endlich gefunden.

Roman von H e d d a von S ch m t d.

(Fortsetzung.)

Patti ist Dora Lieblingskuh, ein schönes, kräftig gebautes Thier, welche» sich kürzlich den Fuß verrenkt hatte.

Dora steht an einem der Pfeiler, welche den Futter­gang stützen, und welche bis zur Decke des Stalles ragen, gelehnt, jetzt dreht sie sich überrascht um, denn es ist nicht der Hüter, der, wie sie vermutete, den Gang heraufgekommen, sondern Erich Wald, der, seine Mütze lüstend, neben ihr steht und ihre Frage mit den Worten beantwortet:Patti geht schon längst wieder mit der Herde hinaus, der alte Sauna-Jahn, der sich auf solche Dinge versteht, hat den Knochen eingerenkt."

Es ist sehr dämmrig im Stall, sonst hätte Erich ge­wiß bemerkt, daß Dora bei seinem Anblick die Farbe gewechselt.

Guten Morgen," sagt sie und streckt ihm die Hand entgegen.Sie sind früh heraus trotz bee Sonntag»."

Gewohnheit, gnädiges Fräulein." Darf ich fragen, wie Ihnen der Ball bekommen ist?"

Danke ausgezeichnet."

Erich und Dora sind beide befangen, er dreht einen Strohhalm angelegentlich zwischen seinen Fingern, und

nach § 368, 2 des Strafgesetzbuches zur Anzeige zu bringen.

Die Königliche Gendarmerie wird thun, was ihre Pflicht ist.

Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für thunlichste Verbreitung der hierunter abge, druckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweiß­linge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohl­weißlinge gezahlt werden.

I. I. Nr. 1692. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

* * *

Die Vertilgung ver Kohlweißlinge.

Jeder Landwirth und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen der Kohlweißlinge an den ver­schiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel ver­schmähen fast ausnahmslos gerade diejenigen des Kohlweiß­lings. Das Geschäft der Raupenvertilgung bleibt deshalb vorzugsweise der menschlichen Thätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter Anwendung der richtigen Mittel ein greifen wollte.

Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großen Mengen an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.

Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Eierlegen an der untern Seite kreuzblüthiger Gewächse (Raps, Meerrettig rc.). Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Räupchen aus und beginnen an den sie beherbergenden Gewächsen ihre zerstörende Thätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb vier Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausge­wachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher be- zeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen er­scheint der Schmetterling.

Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und es beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppen. Die Raupen dieser zweiten Generation sind es, welche in warmen, mehr trocknen als feuch­ten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen. Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß sich diese erstrecken:

1. auf das wiederholte Aufsuchen und Zerdrücken der Eier, welche sich wie gesagt, auf der untern Seite der kohl- artigen Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden,

2. auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermonate besonders während des Januars und Februars und ganz besonders

sie kraut heftig die breite Stirn der gemütlich wieder­kauenden Patti.

Ich finde, e» ist sehr warm heute," bringt Dora die ins Stocken geratene Unterhaltung aufs neue in Gang.

Ja, zwanzig Grad im Schatten."

Erneutes Schweigen! Wie hatten sie gestern noch so zwanglos miteinander zu plaudern verstanden ? War es denn ein ander Ding gewesen bei Kerzenschimmer, hatte da» grelle Sonnenlicht alle Harmlosigkeit zwischen diesen beiden jungen Menschen verscheucht?

Ich ich glaube, ich muß Kaffee trinken," bemerkte Dora endlich und wendet sich zum Gehen.

Erich unterdrückt einen Seufzer. Er hätte noch stundenlang dastehen mögen, im Anschauen dieser schlanken Gestalt versunken. Wie mädchenhaft reizend fand er Dora heute. Da» halbgesenkte Köpfchen unter dem Stirn und Augen beschattenden Strohhut eine Haltung, die ihr etwa» ungemein weiches, un­endlich Unmuthige« verlieh. Das srühere burschikose Wesen war abgestreift, um echter Weiblichkeit Platz zu machen.

Die Treppe, die vom Futtergang hinabführte, bestand au» einigen zusammengeschlagenen Latten, quer darüber waren Hölzer genagelt, welche Stufen repräsentierten. Da« Ganze wurde durch kleine eiserne Haken am Ende des Gange» befestigt; der Hüter hatte an diesem Morgen die Treppe nachlässig eingehängt. Al« Dora« Fuß die

3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.

Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.

Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen im Winter vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime ersttckt.

Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Dem Männchen fehlen die­selben.

Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Ein­mal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühling nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftig- ung für die Jugend. Schaffe nur jeder Landwirth und Garten­besitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien aus. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmetterlinge zu betrauen.

Stadt- und Landgemeinden und die landwirthschaftlichen Vereine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl angemessen prämüren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.

Hersfeld, den 18. März 1901.

Der Bürgermeister Johannes R u p p e l zu Ober­lengsfeld ist als Ortsschätzer und der Landwirth Martin Licht daselbst sowie der Landwirth Conrad Bücking daselbst sind als Ortsschätzer-S t e l l v e r t r e t e r für den Gemeindebezirk Oberlengsfeld widerruflich be­stellt und eidlich verpflichtet worden.

Der bisherige Ortsschätzer-Stellvertreter George Pfaff daselbst ist als Orts schätz er widerruflich be­stellt worden.

I. 1568. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Ziegenhain, den 21. März 1901.

Unter dem Viehbestand des GutSbezirks Hausen ist die Maul« und Klauenseuche ausgebrochen und Gemark« ungSsperre angeordnet worden.

Der Landrath vonSchwertzell.

An den Herrn Landrath zu Hersfeld.

*

Wird veröffentlicht. Herrfeld, den 25. März 1901.

I. 1639. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

erste Stufe betrat, löst sich der Haken, alles kommt ins Rutschen, Dora stößt einen leichten Schrei aus und klammert sich mit dem gesunden Arm an den Pfosten neben ihr, an dem sie nun hängt, da die Treppe sanft hinab auf Dünger und Streu gesunken ist. Sie hat den Halt unter den Füßen verloren und schwebt nun sekundenlang zwischen Himmel und Erde, da fühlt sie sich von einem starken Arm umschlungen und auf den Gang zurückgezogen. Ein Gefühl, das einer Ohnmacht gleicht, übermannt sie, willenlos lehnt sie ihren Kopf an Erichs Schulter, sie mag nichts denken, sie fühlt das eine, daß sie wieder, wie bereits einmal, in den Armen des Mannes ruht, den sie liebt.

Und diese jähe Erkenntniß droht ihr die Besinnung zu rauben sein Name drängt sich auf ihre Lippen, kaum wissend, was sie thut, verbirgt sie den Kopf an seiner Brust.

Und da tönt es flüsternd an ihr Ohr:Dora, und wenn ich sterben sollte, diese Minute wiegt zehn Leben auf. Nicht um eine Welt gebe ich da« selige Bewußtsein hin, dich in meinen Armen gehalten zu haben."

Erich, ist's denn wahr, liebst du mich?"

Mehr als mein Leben."

So nimm da« meine."

Die Tauben flatterten hin und her, Peter, der böse Stier, brüllt höchst unmelodisch, drüben in der entfern­testen Ecke bee Stalle« hocken die Mägde aus ihren