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«r. 42.
Soimbeiiii ha 6. April
190
Erstes Blatt.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" - „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal werden noch von allen Kaiser« lichen postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenomnien.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Es wird wiederholt daraus aufmerksam gemacht, daß die Sprechstunden aus dem Katasteramt nur Mittwochs und Sonnabends einer jeden Woche, Vormittags von 8 bis 12 Uhr, stattfinden. Die Herren Bürgermeister wollen dieses gefälligst wiederholt zur Kenntniß der Grundbesitzer bringen.
Hersfeld, den 1. April 1901.
Königliches Katasteramt. Schweißer.
In der mit Genehmigung des Herrn Regierungs- Präsidenten eingerichteten Lehrschmiede des Husbeschlag- Lehrmeisters Carl Ebel zu Wommen im Kreise Eschwege beginnt mit dem 9. April d. I. ein neuer Lehrkursus. Die Dauer desselben beträgt 2 Monate, die Abgangs- Prüsung erfolgt am 8. Juni d. I. Zu jedem Kursus dürfen 6 Schüler zugelassen werden und können jetzt noch 5 Personen Ausnahme finden. Zur Aufnahme sind erforderlich: a) ein polizeiliches Führungs-Attest und b) der Nachweis über die praktische Ausbildung als Hufbeschlagschmied. Der im Voraus an den Hufbeschlag, Lehrmeister zu entrichtende Beitrag beträgt 50 Mk. Das nöthige Eisen und die erforderlichen Kohlen liefert derselbe. Für Wohnung und Beköstigung sorgt jeder Schüler selbst. Die Lehrschmiede ist berechtigt, Prüfungszeugnisse auszustellen, von deren Beibringung der Betrieb des Husbeschlag - Gewerbes abhängig ist. Die von jedem Schüler zu entrichtende Prüfungsgebühr beträgt 10 Mk. Anmeldungen sind an den obengenannten Lehrschmiede- meister zu richten.
Eschwege, den 1. April 1901.
Der Königliche Landrath. K e u d e l l.
Nichtamtlicher Theil.
Gstern.
Es ist eine Ordnung der christlichen Kirche, alljährlich die Ereignisse aus dem Leben des Heilands festlich zu begehen, und es ist ein Beweis von der außerordentlichen Kraft des Christenthums, daß auch diejenigen, welche dem christlichen Glauben und der Kirche innerlich entfremdet sind, an dieser christlichen Ordnung festhalten. So wird auch heute Ostern, das Fest der Auferstehung des Gottessohnes, allenthalben, wo man sich zum christlichen Glauben bekennt, in festlicher und freudiger Weise gefeiert. Aber wie wenige sind sich dabei der Bedeutung desselben bewußt, für wie viele ist das Fest nur zu einer Sitte, zu einer leeren Form geworden, über deren Kern, Inhalt und Wesen sie sich keine Rechenschaft geben.
Die christlichen Feste sind nicht nur eine äußere Veranstaltung zur Erinnerung an irdische Begebenheiten, sondern sie sollen dem Menschen ein Wegweiser aus dem Wirrwarr des täglichen Lebens zur Ewigkeit sein und ihn an seine Richtigkeit, aber zugleich anch an den ein
zigen Weg erinnern, der zum Heile führt. Solcher Wegweiser und Mahnungen bedürfen alle Christen, nicht nur die Namenchristen, immer von neuem. Ein solcher Wegweiser ist auch das Osterfest; es verkündet den Sieg des Glaubens über die Welt, es trägt in sich Trost und Kraft für alle Zaghaften und Verzweifelnden, die an der Welt, ihren Leiden und Schattenseiten irre werden, es stärkt sie in ihrem Glauben an den Weltüberwinder und giebt ihnen die Hoffnung und Zuversicht, daß auch ihnen der Sieg nicht fehlen, daß auch ihnen nach der Leidenszeit und dem Karfreitag der Ostersonntag, der Tag der Auferstehung und Erlösung, erscheinen werde.
Das Osterfest fällt in die Zeit des Erwachens der Natur aus langem Winterschlaf. Wie dem Winter unter dem erwärmenden Einfluß der Sonne der Frühling folgt, so auch stets der Zeit des Unbehagens, des Trübsinns, des Kampfes und der Noth der Lohn der Zufriedenheit und Glückseligkeit, sei es hier auf Erden, sei es jenseits, aber nur wenn man der guten Sache, um die man kämpft und um die man leidet, in Treue zugethan ist. Diese Osterverheißung gilt für den Christen sowohl für die Ewigkeit, wie für und innerhalb seines irdischen Daseins. So auch für das nationale und staatliche Leben!
Wenn wir heute an diesem christlichen Freuden- und Siegesfeste zurückblicken auf das, was uns in den letzten Wochen auf politischem Gebiete bewegt hat und uns auch nach dem Feste wieder bewegen wird, so müssen wir bekennen, daß wir in schweren Sorgen und ernsten Kämpfen gegen das finstere Treiben dunkler Mächte und gefährlicher Feinde begriffen sind, die ebenso dem christlichen Glauben wie den monarchischen Grundlagen des Staates feindlich gegenüberstehen. Ihre Zahl ist groß, ihre Rüstung stark, die gegenwärtige Lage des Kampfes unsicher. Den Zaghaften ruft das Osterfest Muth und Ausdauer zu und flößt ihnen Hoffnung auf den endlichen Sieg ein, — aber nur, wenn sie der guten Sache treu bleiben und sich als muthige Kämpfer bewähren. Mag uns jetzt auch das politische Lehen einen winterlichen, hoffnungslosen Eindruck machen, mögen bange Sorgen um die Gestaltung der nächsten Zukunft uns niederdrücken: wir wissen, daß, wer festen Vertrauens ist und an den Sieg des christlichen Geistes auch in den öffentlichen Einrichtungen unsers politischen Lebens glaubt, für den auch auf den Karfreitag der Ostersonntag folgen wird.
Nachrichten.
Berlin, den 5. April.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern nach dem Frühstück in Begleitung der Prinzeß Feodora und der Prinzen Fritz und Adalbert einen zweistündigen Spazierritt im Thiergarten. Im Laufe des späteren Nachmittags erledigte Se. Majestät der Kaiser Negierungsangelegenheiten. Den Abend ver- brachten Ihre Majestäten mit den Prinzen-Söhnen in stiller Zurückgezogenheit. — Heute Morgen 8’/4 Uhr ließen Ihre Majestäten mit Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit dem Kronprinzen, den älteren Prinzen Söhnen und Prinzeß Feodora Sich in der Kapelle des Königl. Palais vom Ober-Hofprediger Dr. Dryander das heilige Abendmahl reichen.
Der drittälteste Sohn unseres Kaiserpaares, Prinz Adalbert von Preußen, wird am 18. April in den aktiven Dienst der Marine treten. Der Kaiser beabsichtigt, diesen Akt an Bord der „Charlotte" feierlich zu begehen. Zu dem Zwecke wird das Kaiserpaar mit den Prinzen Eitel Fritz, August Wilhelm und Oskar in Kiel eintreffen.
Die wirthschaftliche Lage wird in manchen industriellen Kreisen als trübe bezeichnet. In der That bringt fast jeder Tag Nachrichten über FörderungS-Ein- schränkungen, mangelndes Einlaufen von Aufträgen, drohende Arbeiter-Entlassungen, die jene Auffassung zu bestätigen scheinen. Eine Handelskammer hat sogar erklärt, sie glaube nicht an eine vorübergehende Abschwäch- ung des Markte«, sondern sei der Ansicht, daß ein länger dauernder gründlicher Umschwung eingetreten sei, der sich
nur nicht in so schroffen Formen äußere, wie früher. Im Gegensatz hierzu giebt es Stimmen, die ebenfalls Anspruch auf Beachtung haben, und die die wirthschaftliche Lage nicht für so ungünstig halten. Die „Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen" beispielsweise meint, die augenblicklich herrschende wirthschaftliche Ruhe, so unerwünscht sie der Industrie gekommen sein möge, wirke im allgemeinen heilsam und trage dazu bei, das wirthschaftliche Leben gesund zu erhalten. Die Industrie sei zu hoch gespannt gewesen, die Preise für Kohlen und Eisen wären hier und da bedenklich gestiegen. Die gegenwärtigen Erscheinungen seien nur als eine Gegenströmung anzusehen, die die Preise wieder auf ihren natürlichen Stand zurückbringen würden. Die letztere Ansicht dürfte der Wahrheit am nächsten kommen. So viel steht fest, daß die Verbraucher ihre Bestellungen zurückhalten. Diese Thatsache beruht jedoch weniger auf zwingenden sachlichen Gründen als vielmehr darauf, daß zur Zeit für größere Aufträge, wie man zu sagen pflegt, keine „Meinung" ist, nicht am wenigsten aus politischen Gründen. Es braucht nur irgend ein günstiges politisches Ereigniß von Bedeutung, z. B. die Beendigung des Krieges in Südafrika, einzutreten, und der Anlaß zum Wiederaufleben einer „Meinung" wäre da. Jedenfalls ist es übertrieben, wenn von einer Krisis in der Industrie gesprochen wird. Berücksichtigt man den ungewönhlich großen Nutzen, den die Industrie in den letzten Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs gehabt hat, und vergleicht damit die immer mehr zurückgehenden Verhältnisse der Landwirthschaft, so wird man kaum in den Chor der industriellen Schwarzseher einstimmen können. Vielmehr fühlt man sich versucht, den Aktien-Gesellschaften, die in unserm Wirthschastsleben eine große Rolle spielen, den von dem verstorbenen Freiherrn von Stumm gemachten Vorschlag in Gedächtniß zurückzurufen, einen mehr als gewöhnlichen Theil der hohen Betriebs-Ueberschüsse zuRück- lagen zu verwenden, statt die Dividenden auf eine außerordentliche Höhe zu treiben, die sich auf die Dauer nicht halten läßt. Zu Gunsten dieses Vorschlags lassen sich triftige Gründe anführen : Erstens geben hohe Dividenden den Wühlern willkommenen Anlaß zum Schären bes Klassenhasses und zur Erhöhung der Lohn-Forderungen. Ein zweiter Grund liegt in der Thatsache, daß die Blüthe- Periode der Industrie zu einer allgemeinen Aufbesserung der Löhne geführt hat, deren möglichst unveränderte Fortgewährung in schlechter» Zeiten erwünscht ist, um einen Stamm tüchtiger Arbeiter zu erhalten, zu welchem Zwecke rechtzeitig Mittel bereit gestellt werden müssen. Schließlich darf nicht vergessen werden, daß solche Rücklagen zugleich den Arbeitgebern eine Handhabe zur erfolgreichen Durchführung eines ihnen aufgezwungenen wirthschaftlichen Kampfes gewähren.
Für die neue dreiprozentige Reichs-Anleihe von 300 Millionen Mark sind rund 4621 Mill. Mark gezeichnet worden. Größere Anmeldungen liegen vom Auslande, namentlich aus Amerika und England, aber auch aus Belgien und Frankreich vor.
Wenn auch infolge der Porlaments-Ferien unser öffentliches Leben gegenwärtig weniger bewegt und geräuschvoll erscheint, kann doch von einem Stillstände der Politik keine Rede sein. Vielmehr sind die leitenden Staatsmänner unausgesetzt bemüht, das Wohl des Landes zu fördern und wichtige Maßnahmen der innern Politik theils vorzubereiten theils weiterzuführen.
Im bevorstehenden Sommer scheint die Zahl der Sachsengänger in Deutschland besonders groß zu werden. Noch nie sind so viele galizische Arbeiter nach Deutschland ausgewandert wie in diesem März. Es müssen Sonderzüge eingelegt werden, um die Arbeiter- massen zu befördern. Täglich verlassen den Krakauer Bahnhof einige hundert Arbeiter. Am 22. März be« förderten drei Sonderzüge über 2000 dieser Auswanderer. Man hat berechnet, daß bis jetzt in diesem Frühjahr 30000 Arbeiter, unter denen sich viele Mädchen und minderjährige Knaben befanden, nach Deutschland zur Arbeit sich begeben haben.
In Sachen der L e h r l i n g S f r a g e und des F o r t»