X
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Die Jnsertionsgcbühren betragen für den Raum einer Spaltkeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postausschlag.
GvatirbeUagen: „5Uüftrirt<s Ssnntagrblatt" tu „3UtiMte landwirthschaftliche VeUage.
Sr. 46.
ImeOt to 18. Wril
Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Wustrirtes Sonntagsblatt" »» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe IV Nr. 1 bis 20 zu den 8^4 °/oigen PrioritätS-Obligationen III. Serie Lit. 0 (1. und 2. Emission) der Bergisch-Märkischen Eisenbahn über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1901 bis 31. Dezember 1910 nebst den ErneuerungSscheinen für die folgende Reihe werden vom 2. Januar 1901 ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranien- straße 92/94, Vormittag» von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrolle der Staatspapiere selbst am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Regierungs-Hauptkassen sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse zu beziehen.
Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Zinsscheinanweisungen) mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichnis einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
Durch die Post sind die Erneuerungsscheine an die Kontrolle der Staatspapiere nicht einzusenden.
Endlich gefunden.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
„Reginald» Augen sind doch keine fremden," rief ich, „und gewiß wird er noch dein Schwager."
„Ach, wenn du meinst, er heirathet Melitta? In dem Fall würde er mir leid thun. Allerdings ist er reich genug, um sich den Luxus einer solchen Frau, wie unsere Schwester, zu gestatten."
„Nein, nein," rief ich heftig, „so meinte ich es nicht, du und Ruth, ihr sollt euch heirathen."
„Wie darf ich," erwiderte Axel finster, „es überhaupt wagen, vor ein Mädchen wie Ruth Kreutz hinzutreten, mit der Bitte, mir die Sorge für ihr künftiges Lebensglück anzuvertrauen! Ihre Brüder würden, nach den Erfahrungen, welche sie gestern gemacht haben, e» niemals zulassen, daß sie meine Frau wird."
„Aber Ruth liebt dich," warf ich ein.
„Darin täuschest du dich, Dagmar."
„Nein, ganz gewiß nicht," versicherte ich eifrig, „wenn du wüßtest —," ich schwieg verlegen, fast hätte ich mein Wort gebrochen, denn ich hatte Ruth fest versprochen, ihr mir gemachtes Geständnis Axel nicht wiederzuerzählen.
„Sie hat vielleicht ein flüchtiges Interesse für mich, weil wir in den meisten Dingen miteinander sympathisieren," sagte er, „aber es wird vorübergehen, wenn ich mich ihr nicht mehr so nähern werde, wie ich eü bisher gethan habe, Es widerstrebt mir, um eine reiche Erbin
Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Erneuerungsscheine mit einem doppelten Verzeichnisse ein- zureichen. Das eine Verzeichnis wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der PrioritätS-Obligationen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Obligationen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzial- kaffen mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Berlin, den 21. Dezember 1900.
Hauptverwaltung der Staatsschulden. (Unterschrift ) * *
*
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungs-Haupt- kasse und den Kreiskaffen unseres Bezirks verabreicht werden.
Cassel, den 28. Dezember 1900.
Königliche Regierung, gez.: M a u v e.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, den 16. April.
Se. Majestät der Kaiser geleitete gestern Mittag um 1 Uhr 30 Min. Ihre Majestät die Kaiserin und die Prinzen August Wilhelm und Oskar zum Lehrter Bahnhof zur Abreise nach Plön und unternahm hierauf einen Spaziergang. Abends folgte Se. Majestät einer Einladung zum Diner bei dem Königlich sächsischen Gesandten Grafen v. Hohenthal und Bergen. — Heute Morgen unternahm Se. Majestät der Kaiser den gewohnten Spaziergang im Thiergarten, hörte den Vortrag des Reichskanzlers Grafen v. Bülow in dessen Wohnung in der Wilhelmstrabe und empfing, in das Königliche Schloß zurückgekehrt, den Präsidenten des Reichömilitär- gerichts Generalleutnant ä la suite der Armee Frhrn. v. Gemmingen. Später hörte Se. Majestät den Vortrag des stellvertretenden Chefs des Militärkabinets Generals
zu werben, der ich nichts bieten kann. Ich muß arbeiten und sparen, um Reginald die mir so großmüthig geliehene Summe wiederzuerstatten. Und nun Dagmar, wenn du mich etwas lieb hast, so berühre, bitte diesen Punkt nicht mehr. Ich werde niemals heirathen, denn bis ich soweit bin, daß ich auf eigenen Füßen stehe, hat Ruth längst einen andern gewählt, der ihrer würdiger ist."
Axel sprach ganz ohne Bitterkeit, aber es klang so tieftraurig, daß ich, nervös und aufgeregt wie ich war, in Thränen ausbrach.
Da strich er sanft über mein Haar. „Du bist ein warmherziges, kleine» Mädchen, und ich danke dir für deine Theilnahme."
Dann küßte er mich und ging.
Ich konnte lange nicht einschlafen, und als endlich der Schlaf über mich kam, da war mein letzter Gedanke, daß ich Reginald gar nicht so recht von Herzen für seine Hilfe in der Noth gedankt habe. Er ließ es auch nicht dazu kommen. Wenn man ihm danken will, dann hat er eine liebenswürdig abwehrende Handbewegung als Antwort und macht so, als fei alles, was er gethan, einfach selbstverständlich.
Mit seinem Namen auf den Lippen schlief ich ein, aber im Traum sah ich nicht ihn, sondern Rolf, mit dem ich in einem leichten Boot über die sturmgepeitschte See fuhr. Die Wellen gingen immer höher und wilder und drohten, über Bord des kleinen Fahrzeuges zu schlagen; da hörte ich plötzlich Dora, welche auf einem hochauf- ragenden Felsen, inmitten der tosenden See stand, rufen:
von Villaume. Um 11 Uhr 30 Min. fand eine Schlußbesprechung des diesjährigen Kriegsspiels im Apollosaal des Königlichen Schlosses statt. Se. Majestät der Kaiser behielt hiernach sämmtliche betheiligten Herren zu einer Frühstückstafel um Sich.
Der Reichstag trat heute Nachmittag 2</4 Uhr zu seiner ersten Plenarsitzung nach den Osterferien zusammen. Am Regierungstische waren Kriegsminister v. Goßler, sowie die Staatssekretäre Frhr. v. Thielmann und Nieber- ding anwesend. Die Bänke des Hauses waren ziemlich gut besetzt. Auf der Tagesordnung stand zunächst die elfte Berathung des Gesetzentwurfs über die Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen. Der Abg. Graf Oriola (nl.) beantragte die Verweisung der Vorlage an die Budgetkommission. Er begrüßte den Entwurf mit Befriedigung, der endlich zahlreichen bestehenden Härten abhelfe, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß in der nächsten Session eine völlige Revision der Pensionsgesetzgebung nachfolgen werde, da sich gegenwärtig kaum noch Jelnand in derselben zurechtfinden könne.
Der Bundesrath überwies in seiner gestrigen Sitzung den Entwurf von Bestimmungen über die Beschäftigung von Gehülfen und Lehrlingen in Gast- und Schankwirthschafren, sowie den Entwurf einer Verordnung wegen Vervollständigung der Militär-Transport-Ordnung für Eisenbahnen vom 18. Januar 1899 den zuständigen Ausschüssen. Die Vorlage betreffend die Ausprägung von Reichs-Gold- und Silbermünzen im Jahre 1900 wurde zur Kenntniß genommen. Ferner überwies der Bundesrath die Resolutionen des Reichstages zu den Gesetzentwürfen betreffend die Feststellung des ReichS- Haushalts-Etats und des HaushaltS-EtatS für die Schutzgebiete auf 1901 theils dem Reichskanzler, theils den zuständigen Ausschüssen und stimmte den mündlichen Ausschußberichten über die Entwürfe eines Süßstoffgesetzes und eines Gesetzes betreffend die Abänderung des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887 / 16. Juni 1895 zu.
Kronprinz Wilhelm ist, wie bereits gemeldet, am Sonntag in Wien eingetroffen; Kaiser Franz Josef und mit ihm die Bevölkerung der schönen Kaiserstadl an der Donau haben ihm einen überaus herzlichen Empfang bereitet. So wenig von vornherein von einer besondern politischen Bedeutung bei diesem Besuche die Rede sein kann, so spricht doch aus jeder Aeußerung des Kaisers
„Ich kenne die Liebe, sie ist kühn und stark und über- windet alles, Tod und Verzweiflung." Da schlang Rolf Kreutz seinen Arm fest um mich, eine mächtige Woge hob unsern Kahn hoch empor, und dann sanken wir tiefer und tiefer, ich verlor die Besinnung — alles im Traum — und, als ich wieder die Augen aufschlug, rief Regi- nalds Stimme: „Das ist ja das kleine Nesthäkchen aus Treuenhoff!"
Ein toller Traum ! Mir hat niemals früher derartiges geträumt. Gestern Abend habe ich ja Rolf Kreutz kaum angesehen, ich wagte es nicht, meine Augen zu ihm auf» zuschlagen, er hat einen solch gebietenden Blick.
Ruth ist sehr besorgt um ihn. Er hat kürzlich eine schwere Krankheit durchgemacht und hat nun ein unheilbares Lugenleiden nachbehalten. Nach ärztlichem Ausspruch kann er jedoch noch lange leben, wenn er auch selbst den Geschwistern gesagt hat, „er sei heimgekommen, um in der alten Heimath zu sterben."
Rolf ähnelt in seinem Aeußern sehr Reginald, nur ist bei letzterem im Ausdruck alles weicher und sonniger. Das Schicksal mag Rolf verhärtet haben; er ist drüben in der neuen Welt gewesen, wo er sich ein Vermögen erworben hatte, das ihm erlaubte, einige Jahre hindurch ein Reiseleben zu führen. Er hat in seinem Auftreten etwas ungemein Feines, Tadelloses, das auch feinen Geschwistern als Patengeschenk in die Wiege gelegt worden ist.
Etwas Unmuthigere« als Ruth zwischen ihren Brüdern am Theetisch läßt sich kaum denken; ich träume mir Axel an ihre Seite und frage mich, warum der lieh«