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Buh den 23. Ajml

Gratisbeilagen rIllnstrirter Ssnnragsblatt" «.AHnftrirte landwirthschaftliche Veilage.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 12. April 1901.

Mit Bezug auf das Ausschreiben vom 9. März 1897 I. I. Nr. 1620 (Kreisblatt Nr. 31) bringe ich hiermit zur Kenntniß der Herren Ortsvorstände, daß, nachdem der städtische Branddirektor Langer zu Caffel von der nebenamtlichen Wahrnehmung der Geschäfte eines Feuer- löschinspeklors für die Hessische BrandversicherungS-An- stalt entbunden worden ist, der Lavdesausschuß nach Beschluß vom 8. Januar d. Js. diese Funktionen dem bisherigen Königlichen Kreisbauinspektor in Kirchhain, nunmehrigen commiffarischen Landesbauinspektor Fitz zu Caffel übertragen hat. Dieser ist gleichzeitig auch als bautechnischer Revisor und als technischer Beirath in den Dienst der Hessischen Brandversicherung« - Anstalt getreten.

I. 1932. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 22. April 1901.

Die Vorstände der Gemeinden des Kreises haben die von mir festgesetzten Gemeindesteuerlisten für 1901 vom 25. April d. I. bis einschl. zum 9. Mai d. I. öffentlich auSzulegen. Hierbei ist nach meiner Verfügung vom 22. März 1898, III. 950, Kreisblatt 37 (1898), zu verfahren.

Die Staatssteuerhebestellen müssen die Hebebücher (M uster B) f ü r 1901 nach den Staatssteuerrollen umgehend vorschriftsmäßig ausstellen.

Der Vorsitzende der Beranlagungs^Kommission.

III, 392. Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 12. April 1901.

Der Gasthosbesitzer und Landwirth Reinhard Kniese dahier ist heute als Ortsschätzer für Immobilien für den Gemeindebezirk Hersfeld sowie für die Gutsbezirke Bin- gartes und Meisebach widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.

I. 2008. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 20. April 1901. Unter Hinweis auf die diesseitige Verfügung vom

Endlich gefunden.

Roman von Hedda von Schmid.

(Fortsetzung.)

Ruth!" ein einziger Aufschrei entringt sich Axels Munde, und dann liegt er der schlanken Mädchengestalt zu Füßen und preßt seine Lippen auf den blüteuweißen Saum ihres Kleides. Und dann springt er empor und hält die Geliebte umschlungen, als wolle er sie nie, nie« mal« von sich lasse», er küßt ihr Augen, Mund und Hände, und dazwischen stammelt er:

Träume ich, oder ist es Wirklichkeit? Gestern noch stand ich am Rande der Verzweiflung, und heute habe ich den Gipfel meines Glücks erklommen. Aber weißt du auch, Ruth, wem du dich anverlraust? Ich bin deiner unwerth."

»Ich weiß alles," lächelte Ruth unter Thränen,ich weiß auch, was du unter den Tannen von Rappa hast thun wollen, du böser, böser Axel; wie konntest du nur denken, daß ich die Braut eines anderen wäre!"

Wer hat dir das alles erzählt?" fragte Axel ganz überrascht.

Nesthäkchen sie hat mir einen langen, langen Brief geschrieben und sich zu deinem Anwalt gemacht, -Axel, obgleich du eines solchen bei mir gar nicht bedurft -hättest. Ich habe bis jetzt immer für stolz und unnahbar 'gegolten, aber die Liebe ist eine Macht, welche auch den größten Stolz im Menschen zu beugen vermag, denn

22. Januar d. J. Nr. 377, im Kreisblatt Nr. 11, wird hierdurch die Erledigung der darin bezeichneten Verfügung, die Mittheilung eines Verzeichnisses der in den Gemeinden vorhandenen Gewerbetreibenden, welche Gesellen oder Lehrlinge beschäftigen, an den Rechnungtzführer der ländlichen Ortskrankenkaffe betreffend, abermals in Erinnerung gebracht.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Die Herren Lokalschulinspektoren und die Herren Lehrer des Bezirks Hersfeld I werden hierdurch benach­richtigt, daß die

amtliche Asnferenz

Donnerstag, den 9. Mai d. I. in Hersfeld im Saale des Herrn Kniese von Vormittags 10 Uhr an gehalten werden wird.

Niederaula, den 18. April 1901.

Der Krrisschulinspektor. Schröder.

Nichtamtlicher Theil.

tLhina.

Der große Brand in Peking, bei dem sich der Generalfeldmarschal Graf Waldersee nur mit knapper Noth retten konnte und wieder einer unserer besten Offi­ziere ums Leben kam, hat natürlich non neuem den Wunsch rege gemacht, daß die chinesischen Wirren bald zum Abschluß gebracht werden möchten. Jndeffen wird man sich hüten müssen, dieser Stimmung zu weit nach- zugeben. Auch die deutsche Regierung möchte bald mit unsern Truppen, die für die Thätigkeit als Bewachungs­und Polizeitruppen zu schade sind, aus China heraus, aber doch nicht eher, als es mit Ehren geschehen kann, das heißt bis nach ersolgter Vollziehung der Sühne für die begangenen Verbrechen die nöthigen Bürgschaften für die Zukunft gegeben sind. Der Punkt, von dem jetzt die Räumung von Pelschili abhängt, ist die Entschädigungs­Frage, deren Erledigung sich schon zu lange hingezogen hat. Die Forderungen, die von den verschiedenen Mächten geltend gemacht werden, belaufen sich insgesammt auf etwa 1200 Millionen Mark. Kein Kenner Chinas zweifelt daran, daß China die Bürgschaften für pünktliche Zah­

mich, Axel," schloß Ruth mit einem reizenden Lächeln, mich zwang sie dazu, bei dir anzusprechen, da du ja fest entschlossen warst, es nicht bei mir zu thun. Ist das nicht eine verkehrte Welt, Liebster?"

Axel zieht seine Braut fester an sich, alle Zweifel in ihm sind geschwunden, Ruth ruht in seinen Armen, und dankbar gedenkt er Nesthäkchens, der Urheberin seines Glückes.

Die Liebenden bemerken es nicht, daß die Portiere hinter ihnen sich bewegt und zwischen den beiden Vor­hängen eine dürftige Gestalt sichtbar wird. Entsetzt prallt Fräulein HillariuS zurück, als sie ihre Ruth, ihrenweißen Schwan," in den Armen eines fremden Mannes erblickt. Sie beruhigt sich einigermaßen, nachdem sie durch einen zweiten Blick festgestellt, daß dieser Mann Axel Nord- lingen ist, für den sie eine besondere Vorliebe hegt. Geräuschlos zieht sie sich zurück und geht hinunter in den Park.

Die Ereignisse in Kreutz häuften sich ja wie war da» nur so unerwartet mit Ruth gekommen? Fräulein HillariuS hätte noch gestern darauf geschworen, daß das junge Mädchen bis jetzt noch nichts entdeckt hat. Und nun war dies doch geschehen : Gott segne das liebe Kind!

Ganz erfüllt von dem eben Geschauten, wandelte die alte Dame in Parkgängen auf nnd nieder; das herbst­liche Laub raschelte zu ihren Füßen seltsam dünkte eS ihr war« ihr doch, als habe sie eben hineingeschallt in den lachenden, blühenden Frühling!

lung der Zinsen für eine neue Anleihe in dieser Höhe ohne drückende Noth aufbringen kann. Die Schwierig­keiten gehen hier auch viel weniger von den chinesischen Unterhändlern aus, sondern liegen vielmehr darin, daß sich die Mächte über Höhe und Bedingungen der Anleihe noch nicht einigen konnten.

Die Hoffnung auf einen raschern Gang der Ver­handlungen wird bestärkt durch die Wahrnehmung, daß nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa chinamüde ist. Rußland ist durch seine Stellung in der Mandschurei in der Lage, einen großen Teil seiner Forderungen, insbesondere für die Zerstörung seiner Bahnlinien und anderer wirtschaftlicher Unternehmungen, leicht durch Vorzugsrechte in dem von ihm allein besetzten Gebiet decken zu können. England hat mit Rücksicht auf seine anderweitigen Sorgen keinen Grund, die Auseinander­setzungen über die Geldfrage zu erschweren. Frankreich macht ebenso wie Deutschland in Petschili keine eigenen politischen Interessen geltend, seine EntschädigungS- Forderungen stehen ungefähr auf gleicher Linie mit den Deutschen. Der Minister des Auswärtigen Delcasss tritt soeben eine Reise nach Petersburg an, und die Be­sprechungen, die er dort mit dem Kaiser Nikolaus und dem Minister Grafen Lamsdorf haben wird, können einer baldigen allgemeinen Verständigung über China zu gute kommen. Die ruffenfreundliche Partei in England setzt freilich ganz besondere Hoffnungen auf diese Reise, indem sie in Herrn Delcasss den Vermittler für eine allgemeine englisch-russische Annäherung steht.

Wie dem auch sei jedenfalls wird uns ein elementares Ereigniß, wie der Brand in Peking, nicht bestimmen dürfen, Hals über Kopf unsere Truppen zurück« zuziehen, so sehr wir auch wünschen, daß sie bald der Heimath zurückgegeben werden.

Peking, 21. April. Amtlicher Meldung zufolge halte eine Compagnie des 4. Pendschab-Jnfanterie- Regiments zwischen Tschingwantao und Sumingfu ein heftiges Gefecht mit 1000 Räubern. Major Browning und ein Sepoy fielen. Es sind Verstärkungen abgesandt.

Peking, 20. April Mit allen militärischen Ehren und unter Theilnahme der Truppen aller Nationen hat heute das Leichenbegängniß des Generals Groß von Schwarzhoff stattgefunden.

Berlin, 21. April. Der französische Botschafter hat den Reichskanzler, anläßlich des Brandes in Peking und des Todes des Generalmajors Schwarzhoff, dem Kaiser den Ausdruck des Beileids Seitens des Präsidenten

Wiederum, wie einst vor Jahren, sitzt Reginald, einen Brief in seiner Rechten zu einem Knäuel ballend, vor seinem Schreibtisch, dann läßt er das Papier auf die Tischplatte vor sich fallen, es ist, als hätten feine Finger ein giftiges Gewürm berührt. Sprach denn nicht auch eitel Gift aus diesen Zeilen?

Verleumdung, nichtswürdige Verleumdung!" ruft Reginald halblaut, die Zornesader auf seiner Stirn schwillt bedrohlich an, er springt auf und beginnt, rasch auf- und abzuschreiten.

Gemeine Rache einer intriganten Person," fährt er in seinem Monolog fort.Melitta hat eine Schlange an ihren Busen genährt, und sie war so traurig, als sie diese Jeanne entlassen mußte, und gab ihr beim Abschied noch so viele gute Worte. Hätte sie geahnt, an wen sie ihre Freundlichkeit verschwendet! Am besten ists, ich werfe den nichtswürdigen Brief gleich ins Feuer."

Ein unwillkürlicher Blick auf den seltsam geformten Ofen, ein Prachtstück aus einer verschollenen Zeit, belehrt ihn, daß jetzt keine Feuerung dort ist. Der herrlichste wärmste Augustabend, den man sich denken kann, ruht über der Erde, weiße Fäden durchziehen die Luft Altweibersommer alles ist erfüllt von scheidendem Sonnenlicht, braunroten und gelblich-grünen Farbentönen; kein Lüftchen regt sich, kaum ein Windhauch weht durch das geöffnete Fenster und in Reginalds Herzen stürmt es wie damals, als er hier in demselben Gemach Melittas Brief erhielt, in welchem sie ihr ihm verpfändete» Wort