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U 61.

$1111*0 in 23. Mai

1961.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 11. Mai 1901.

Auf Grund des § 11 der Instruktion vom 21. No­vember 1837 über den Waffengebrauch der Privat-Forst- und Jagd-Offizianten mache ich hiermit bekannt, daß die Uniform der von Baumbach'schen Forstbeamten besteht aus Hut (bezw. Mütze), Rock (bezw. Litewka), Hose und Hirschfänger nach Farbe, Stoff, Form und Schnitt, wie bei den Königlichen Staatsforstbeamten, jedoch mit der Maßgabe,, daß sie

a. an der Kopfbedeckung statt des fliegenden Adlers das von Baumbach'sche Wappen,

b. statt der Adlerknöpfe solche mit dem von Baum­bach'schen Wappen, und

c. doppelt geflochtene Achselstücke aus grüner runder Wollschnur, und zwar der Forstverwalter auf grüner Sammetunterlage, die Unterförster auf grüner Tuchunterlage zu tragen haben.

I. 2530. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 22. Mai 1901.

Die Werra-Brücke bei L e n g e r s ist vom 29. d. M. ab aus die Dauer von 8 Tagen gesperrt, und der Verkehr vom rechten auf das linke Werra-Ufer oder umgekehrt der­zeitig über Heringen zu nehmen.

I. 2896. Der Königliche Land rath.

I. V.: H e e g.

Spahl, den 19. Mai 1901.

Da die Dampfwalze des Oskar Appel zu Rasdorf in unserem Orte im Betrieb ist und etwa bis Ende b. Mts. im Betriebe sein wird, so ersuche ich den Herrn Bezirks- Direktor dieses bis Ende ds. Mts. veröffentlichen 51t wollen, daß der Ort Spahl für Fuhrwerke gesperrt ist bezw. nicht durchgesahreu werden kann, die naheliegenden Ortschaften sind in Kenntniß gesetzt. Bürgermeister S t e h l i n g.

* *

Dermbach, den 20. Mai 1901.

Vorstehende Abschrift gelangt an das Königliche Land­rathsamt in Hersfeld zur gefälligen Kenntnißnahme und geeigneten Verbreitung.

Der Großh. Sachs. Bezirksdirektor.

* *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 22. Mai 1901. Der Königliche Landrath.

J. V.: H e e g.

Line Verwechselung.

Eine Erzählung von C. Borges.

(Fortsetzung.)

Ich muß gestehen, ich begreife nicht, daß Werner noch immer damit zögert. Er ist angesehen, reich, ein junger Gelehrter, der trotz seiner Jugend in wissen­schaftlichen Kreisen schon manchen Lorbeer errungen hat; er hat da« beste Herz von der Welt und würde gewiß seine Gattin aus Händen tragen, und dennoch hat er noch keine Wahl getroffen."

Vielleicht hatte er dich in sein Herz geschloffen und fühlt sich jetzt bitter enttäuscht," scherzte Johanna.

Ei, das ist zu köstlich ! lachte die Freundin.Werner war ungefähr zwölf Jahre, als ich heiratete, und er war aus unserer Hochzeit so lustig. Wenn ich nur eine gute Frau für ihn finden könnte, er machte sie gewißlich glücklich!"

Hm!" machte Johanna verächtlich,gieb dich lieber nicht mit Ehestiften ab, Gertrud! »Man sagt wohl, daß die Ehen im Himmel geschloffen werden, wenn ich aber bedenke, wie sie oft ausfallen, so glaube ich eher, daß sie von einem ganz andern Orte Herkommen "

Fräulein Zellberg war in den nächsten Tagen sehr

Nichtamtlicher Theil.

AMMsche ireibcreitn.

Wir begegnen in der ausländischen Preffe einer ganz ausfälligen Hetzerei gegen das deutsche Reich und die deutsche Politik. Man weiß, daß in London seit Jahren schon panslavistische Agenten eifrig damit beschäftigt sind, Deutschland und England mit einander zu verfeinden. Bequemes Material wurde dieser Gesellschaft durch manchen wüthenden Buren-Artikel einzelner deutscher Blätter ge­liefert. Jetzt hat sie Verbindungen mit der italienischen Preffe angeknüpft; denn es tauchen jetzt häufig Londoner Korrespondenzen in römischen Blättern auf, die hand­greiflich und ganz gegen die Interessen der englischen Politik die Tendenz verfolgen, Italien vom Dreibünde abzuziehen.

Dagegen wird die Aufwiegelung Oesterreich-Ungarns gegen das Bündnis mit Deutschland hauptsächlich von Paris und Petersburg aus besorgt. In Prag erscheinen Pariser Sendlinge, deren Aufgabe es ist, das Mißtrauen der Czechen zu nähren und ihnen die französischen Rationalisten als wahre Freunde und Brüder zu empfehlen. Ein solcher Sendling namens Cheradam treibt gegen­wärtig auch in Petersburg sein Wesen, und die Früchte seiner Thätigkeit erkennt man an Artikeln derNowoje Wremja", desSwet", derRossija" 2c., die förmlich in dem Gedanken schwelgen, daß das Bündnis der beiden europäischen Centralmächte demnächst in die Brüche gehen müsse. Das Hauptmittel zur Erreichung des Verhetzungs- zweckes ist in der Regel, daß irgend eine trübe Betrach­tung über die innern Zustände Oesterreichs aus einem deutschen Blatte, mag es noch so unbedeutend sein, auf­gegriffen und als Beweis dafür hingestellt wird, daß die deutsche Politik auf den Zerfall Oesterreichs spekuliere. Namentlich wird jede übertriebenealldeutsche" Aeußerung von den panslavistischen Blättern mit zärtlicher Liebe beobachtet und gepflegt, und so hat kürzlich ein Artikel der in den weitesten deutschen Kreisen ganz unbekannten ZeitungHeimdaU" den russischenSwet" zu einem wahren Triumphgeschrei über die Schändlichkeit des deutschen Bundesgenossen Oesterreich-Ungarns begeistert.

So unsinnig es auch ist, sich die Komarow, Cheradam und Genossen als die Protektoren Oesterreichs zu denken, so gehört doch der KomarowscheSwet" zu den ver- breiletsten russischen Blättern, und seine Treibereien find daher nicht ohne Gefahr. Wir würden es deshalb auch für nützlicher halten, wenn große deutsche Zeitungen, statt sich wegen irgend eines unangenehmen Artikels über innere Fragen mit dem Phantom des sog. Osfiziösen-

beschäftigt. Die neue Einrichtung der luxuriösen und doch behaglichen Zimmer für den lieben Gast hatte sie selbst überwacht, überall selbst mit Hand angelegt und noch immer etwas Neues entdeckt, womit die verwöhnte Fremde überrascht werden konnte. Jetzt fehlten noch zwei Tage, dann sollte die treue Verwalterin nach PariS reisen es war ja unmöglich, daß sie selbst ging um ElSbeth in Empfang zu nehmen; da kam ganz un­erwartet Doktor Trenck.

Ich dachte, Sie hätten niemals Zeit, Besuche zu machen, außer bei Ihren Patienten," begann Johanna, so sagte mir wenigstens Gertrud, als ich mich beklagte, daß Sie feit Monaten nicht hier gewesen wären!"

Der Doktor murmelte einige Entschuldigungen, be. sichtigte die neu hergerichteten Gemächer und begab sich dann in das Wohnzimmer.

Nun, was ist geschehen ?" fragte Johanna ungeduldig. ,,Krank bin ich nicht, und daß Ihr Besuch einen be­stimmten Grund hat, kann ich erraten. Ich sehe es Ihnen an, Sie bringen schlechte Nachricht!"

Haben Sie schon die heutige Zeitung gelesen?"

Nein, wie sollte ich dazu Zeit haben, höchstens gegen Abend werfe ich einen Blick hinein, und dann noch nicht immer!"

Wir können uns ja irren, aber meine Frau meinte

thums herumzuschlagen, dem Gang systematischer Treibe­reien im Auslande größere Aufmerksamkeit schenkten.

Politischc Nachrichten.

Se. Majestät der K a i s e r ist vorgestern früh 8V4 Uhr nach Potsdam zurückgekehrt. Nach der Rückkehr von den Beisetzungsfeierlichkeiten Ihrer Königl. Hoheit der Prin­zessin Luise nahm Se. Majestät das Frühstück im Stadt- schloß zu Potsdam ein, unternahm hierauf von 2 Uhr ab einen Spaziergang durch den Park von Sanssouci aus Charlottenhof, besuchte den Hausmarschall Freiherrn v. Lyncker und kehrte kurz nach 5 Uhr ins Schloß zurück. Um 10 Uhr 50 Min. reiste Se. Majestät über Berlin nach Cadinen und Pröckelwitz ab. Montag kurz nach 8 Uhr früh traf Se. Majestät in Elbing ein und fuhr alsbald nach Cadinen weiter.

Se. Majestät der Kaiser traf Montag um 9 Uhr Abends von Cadinen in Elbing ein und fuhr über Marienburg nach Prökelwitz weiter, woselbst gegen 11 Uhr Nachts die Ankunft erfolgte. Das Gefolge des Kaisers während seines Jagdaufenthaltes beim Fürsten zu Dohna in Prökelwitz besteht aus dem Generaladjutanten General­leutnant von Kessel, General a la suite Generalmajor von Mackensen und dem Oberstabsarzt Dr. Jlberg.

Die Uebersiedelung des kaiserlichen Hoslagers von Berlin nach dem Neuen Palais hat heute begonnen. Am Sonnabend wird der Kaiser aus Ostpreußen und die Kaiserin aus Baden-Baden im Neuen Palais ein- treffen.

Die von Sr. Majestät dem Kaiser aus Anlaß des 50jährigenJubiläumS derBerliner Feuer­wehr erlassene Kabinetsordre lautet: Den Offi­zieren und Mannschaften der Feuerwehr zu Berlin ent­biete Ich an ihrem heutigen Ehrentage Meinen König­lichen Gruß. Leider bin Ich verhindert, der Feier ihres nunmehr fünfzigjährigen Bestehens persönlich beizuwohnen. Der Rückblick auf die verflossenen fünfzig Jahre weist einerseits eine ununterbrochene Reihe schwerer und ge­fahrvoller Arbeit auf, liefert aber andererseits auch ein ruhmvolles Zeugnis aufopferungsvoller hingebender Treue, durch welche sich die Mannschaften unter der Leitung bewährter Offiziere allzeit ausgezeichnet haben. In diesen fünfzig Jahren hat sich die Berliner Feuerwehr den glänzendsten Ruf erworben; mustergültig ist sie für die Feuerwehren nicht nur des engeren Vaterlandes, sondern auch fast aller Länder Europas geworden. Wie sie sich in Folge ihrer ausgezeichneten Leistungen und ihres vor­trefflichen Verhaltens des besonderen Schutzes Ihrer Majestät der hochseligen Kaiserin und Königin Augusta

mit Bestimmtheit, daß Frau Zellberg in dem Dampfer Arkadia" die Ueberfahrt unternommen habe!"

So ist es! Der Dampfer muß schon in Marseille sein. ElSbeth will Freunde in Paris besuchen, und in drei Tagen soll meine Verwalterin sie in Empfang nehmen!"

Die heutige Zeitung bringt eine Notiz, daß der Dampfer auf offener See einen Unfall erlitten hat!"

Das ist Thorheit!" versetzte Johanna ganz ent­schieden.Mein Bruder würde seine Gattin nicht auf einem schadhaften Schiffe die Reise unternehmen lassen!"

Der Arzt hielt es für angemessen, jetzt, nachdem er die Dame norbereitet hatte, ihr die betreffenden Stellen au« der Zeitung vorzulesen. Sie waren nur sehr kurz, und es hieß darin, daßLa belle Helene", ein französischer Dampfer, im Hafen von Marseille angekommen sei und daß er auf offener See ein Rettungsboot mit einigen fünfzig Frauen und Kindern ausgenommen habe. Acht Matrosen, die zum Schutze der Schiffbrüchigen sich im selben Boote befanden, hatten auSgesagt, daß sie Passagiere derArkadia" seien, die auf Befehl des Kapitäns den Dampfer verlassen hatten, der auf offener See in Flammen stand!

»Welch eine lächerliche Erfindung," höhnte Johanna,