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Meifterkiirse.
Soweit die Ansichten in der Handwerker-Frage auch (sonst auseinander gehen mögen, darüber herrscht Ein- mütigkeit, daß dem Handwerke, wenn anders es sich in -dem gesteigerten wirthschaftlichen Wettbewerbe auch weiter« pin erfolgreich behaupten will, vor allem eins noth thut: -die Erweiterung und Vertiefung der Fachkenntnisse.
Diesem Ziele dient bekanntlich seit längerer Zeit i bereits der gewerbliche Fortbildungs Unterricht. Durch zihn soll der Nachwuchs des Handwerks mit denjenigen Kenntnissen ausgerüstet werden, die unbedingt erforderlich sind, um dem Handwerke in der Neuzeit seine wirthschast- liche Stellung zu sichern. Wie berufene Kenner der Verhältnisse behaupten wollen, machen sich die Segnungen des Fortbildungs-Unterrichts auch bereits unter den Mitgliedern des jüngern Gesellenstandes in vermehrtem Können bemerkbar. Aber es ist doch eben nur die Jugend, welche dieser Vortheile theilhaftig wird; die Meister dagegen, die eigentlichen Vertreter des Standes, entbehren noch immer einer ausreichenden Gelegenheit, ihre Fach- kenntnisse zu erweitern.
Hier nun vermag die Einrichtung von Meisterkursen i Wandel zu schaffen. Mehrere Städte im Westen, wie - Hannover und Köln, sind mit dieser Einrichtung bereits vorangegangen. Derartige Kurse bezwecken, den Meistern Gelegenheit zu geben, sich in ihrem Fache fortzubilden, den gesteigerten Anforderungen der Zeit durch Vermehrung ihres Wissens und Können« Rechnung zu tragen. Und
Mach srhmerem Kampfe.
Erzählung von Hans Warring.
(Fortsetzung.)
„Also trotz aller Offenheit und Unschuld doch eine kleine schlaue Eva I"
„Ist das sehr schlecht von mir ? Hast du mich deshalb weniger lieb?"
Er hielt es für notwendig, ihr nicht allein durch Worte die Versicherung des Gegentheils zu geben.
„Und nun," sagte er, als er ihr liebes, tief erglühtes Gesichtchen aus seinen Händen, die es umschlossen gehalten hatten, wieder frei ließ, „nun zeige mir, was du an jenem denkwürdigen Tage in dein Buch gezeichnet hast!"
Sie blätterte in dem Buch und schob es ihm dann ausgeschlagen hin.
„Das soll ich sein?" fragte er, von der Zeichnung in ihre strahlenden Augen blickend.
»Ja, das bist du," sagte sie nickend. „So erschienst du mir und so stellte ich dich dar: ein junger Eichen- stamm, voll Kraft, stolz und fchlank emporgewachsen, iliolle«, junges Sommerlaub! — ist die Farbe nicht gut getroffen, frisch und voll Saft? — hoch über anderes Gewächs ausragend — der Wipfel in den Wolken! — liehst du — das bist du!"
Er hörte voll Entzücken ihrem Plaudern zu und reißen ^^ ®M von ihrem belebten Antlitz nicht los«
wer wollte leugnen, daß die Anforderungen gewaltig ge- I stiegen sind! Auch von dem einfachsten Gegenstands wird heutzutage eine gefällige Form verlangt. Für zahlreiche Zweige des Handwerks ist es geradezu eine Lebensfrage geworden, wie weit sie sich zum Kunsthandwerk empor- zubilden vermögen. Da gilt es, die neuesten Methoden der Behandlung der Rohstoffe sich anzueignen, die zahlreichen maschinellen Hilfsmittel der Technik, welche der schöpferische Erfindergeist der Neuzeit barbietet, kennen zu lernen, kurz sich in jeder Hinsicht auf dem Laufenden zu erhalten. Dazu kommt endlich noch außer der Förderung, welche die Theilnehmer des Meisterkursus aus Unterricht und Lehre empfangen, der gegenseitige Gedanken-Austausch, die lebendige Anregung von Person zu Person.
Die Einwände, die bisher gegen die Abhaltung von Meisterkursen geltend gemacht worden sind, lassen sich in Kürze zurückweisen. Vor allem erscheint es thöricht, von der Theilnahme der Meister an derartigen Kursen ein Schwinden ihrer Autorität gegenüber Gesellen und Lehrlingen zu erwarten. Es genügt wohl, darauf hinzuweisen, daß solche Veranstaltungen in andern Berufen, beispielsweise bei Lehrern und Aerzten, längst üblich sind. Man darf im Gegentheil behaupte«, daß die Autorität einer Person umso mehr wächst, je kenntnisreicher sich dieselbe in ihrem Berufe Untergebenen ober Zöglingen gegenüber erweist.
Von der Staats-Regierung wird den Meisterkursen sicherlich thatkräftige Förderung zutheil werden. Dafür bürgt die eifrige Fürsorge, welche an leitender Stelle auf die Hebung des Mittelstandes verwendet wird. Sache der Handwerksmeister aber ist es, nunmehr auch von der bargebotenen Hilfe recht ausgiebigen Gebrauch zu machen. Denn es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß das Heil des Handwerks zum guten Theile auch in der Selbsthilfe liegt, in der rechtzeitigen Anpaffung an die veränderten Produktions- und Abjatz-Verhältnisse und in der steten Vervollkommnung der Technik.
Politische Nachrichten.
Berlin 2. Juli.
Aus Travemünde wird vom 2. Juli gemeldet: Se. Majestät der Kaiser begab sich heute Vormittag
»Ich habe noch mehr solche Gedenkblätter," fuhr sie eifrig fort. „Sieh hier die weißen Rosen und das Datum: 25. 12. Da warst du mir vorgestellt worden. Aber wir hatten kein Wort gesprochen. Du tanztest nicht und sahst blaß und ernst aus. Zum Kotillon tratest du mit der schönen Frau des Professor Breuer an. Sie war sehr lebhaft und sprach und lachte viel. Dann kam die Tour mit den Blumen und den Orden. Ich dachte: er wird die Blumen seiner Tänzerin, der schönen, lebhaften Frau seines Kollegen, geben, aber du thatst es nicht. Du wähltest langsam einen Strauß aus — den schönsten, der da war: weiße Rosen — und ohne einen Blick in die Runde zu thun, kamst du rasch auf mich zu und gabst sie mir. Und dann tanztest du dreimal mit mir herum, — Walzer! Wie gut du tanztest!"
„Und dies sind die weißen Rosen ?" Bei allen diesen kleinen unschuldigen Zeichen ihrer Liebe war ihn eine Rührung überkommen, gegen die er vergebens ankämpfte. „O du mein liebes Herz, wie soll ich dir danken für deine schöne, große, unverdiente Liebe I" murmelte er.
„Danken I Sie ist ja mein Glück, mein unverdientes Glück, für das ich dir dankbar zu fein habe!"
„Und was hast du mir sonst noch zu zeigen?"
„Nur noch ein paar Blätter, — aber lassen wir die — nur diesen Veilchenstrauß sollst du noch sehen. Da steht: 20. 3. Das war der Tag, als du meinem kleinen Vetter die verletzte Hand verbandest. Ich half dabei, und dann theilte ich die Veilchen zwischen dir und ihm. Erinnerst du dich?"
an Bord der Jacht „Jduna", um nach Saßnitz zu segeln. Der „Sleipner" begleitete die Fahrt.
Der Kaiser hat nach der „Köln. Ztg." eine Vorschrift für das Fechten auf Hieb und Stich genehmigt, nach der die Offiziere das Führen der vorschriftsmäßigen blanken Waffen zu lehren ist. Es wurde dabei bestimmt, daß für alle Offiziere, die als Waffe den Säbel führen, das Fechten nur mit dem Säbel stattfindet, für alle Offiziere, die als Waffe den Jnfanterie-Offizier- degen führen, mit dem Stoßfechten (Florettiren) begonnen und dann mit dem Fechten auf Hieb und Stoß mit dem Offizierdegen der Unterricht fortgesetzt wird. Das Hiebfechten mit Rapieren kommt dagegen in dem Lehrplan der Militär-Turnanstalt in Fortfall, und als Lehrmittel kommen nur das Degenrapier mit Schilfklinge und das Säbelrapier mit schwach gekrümmter Klinge wie bei dem älteren Kavalleriesäbel zur Verwendung.
In Folge des großen Eisenbahnunglückes bei Offen« bach haben bekanntlich sowohl innerhalb der preußischen Eisenbahnverwaltung wie zwischen den deutschen Eisen- bahnverwaltungen Konferenzen darüber stattgefunden, wie die Betriebssicherheit auf den betreffenden Bahnen verstärkt werden kann. Obwohl bei diesem Unfall die Bauart der Eisenbahnwagen sich im Ganzen sehr gut bewährt hat und es insbesondere ihrer großen Standfestigkeit zu verdanken ist, daß die Katastrophe nicht noch größer wurde, so haben sich diese Konferenzen auch darauf erstreckt, wie sich die Sicherheit der Personen und .bie Bequemlichkeit in diesen Wagen noch erhöhen läßt." Insbesondere ist dabei die Verbefferung der Zu- gänglichkeit von und nach außen Gegenstand der Erörterung gewesen. An der Hand der Ergebnisse dieser Erörterung ist dann der Versuch eines Umbaues eines O-Wagens unternommen worden. Seitens der Werkstätten der Berlin-Potsdamer Bahn sind Wagen L, 2. und 3. Klasse mit entsprechender Vorrichtung hergestellt worden, und es ist dabei jene Aufgabe nach beiden Richtungen in durchaus befriedigender Weise gelöst worden. — Abgesehen von anderen Neueinrichtungen lassen sich die doppelflügeligen Fenster dieser Wagen von außen wie von innen bequem öffnen, und Männer und Frauen können im Moment der Gefahr leicht durch dieselben steigen.
Nach einem neuerlichen Bundesrathsbeschluß wird die Rückvergütung der Brausteuer auch für solches Bier gewährt, zu dessen Bereitung eine Mindestmenge
„Gewiß, das vergesse ich nicht 1"
»Und doch fing mein Leid mit dem Tage an. Du wolltest nichts von mir wissen I"
Er nickte.
„Ich mied dich, denn die Art deiner Mutter hatte mich tief verletzt. Aber deine Veilchen liebte ich — ich wurde sogar ein bißchen sentimental. Fast schäme ich mich, es zu gestehen; ich habe mir ein paar derselben zum ewigen Andenken ausgehoben."
„Hast du? O, wie mich das freut! Besitzest du sie noch ?"
Er nickte und langte aus der Brusttasche seines Rockes ein zierliches kleines Notizbuch hervor, zugleich Portefeuille und Visilenkarten-Tasche. In einem Seiten - behälter desselben lagen in Seidenpapier gewickelt ein paar vertrocknete Veilchen.
„Siehst du, ich habe auch meine Gedenkzeichen!" sagte er.
„Ja — und was für ein hübsches kleines Buch! Wie fein es nach Juchten riecht! — Aber nichts darin? Hier müßte eigentlich ein Bild stecken — warum ist der Ausschnitt leer?"
„Was für ein Bild sollte ich wohl da hinein gethan haben?"
„Was für eins ? — O, das Bild deiner Mutter!" Ein Schatten ging über sein Gesicht.
„Ich mag nichts!" sagte er hart, „nur deine Veilchen!"
Er steckte da« Buch ein und stand auf. Das Mädchen erschrak. Da hatte sie unwissentlich eine schmerzhafte,