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Herchlher Kreisblatt.
Gratirbettasen r „^Uuftrirte» Ssnntagrbratt" *♦ „IllttttviVLe landWirthschaftliche VeUsge "
Nr. 88. Ämtend den 27. Sali 1001.
Erstes Blatt.
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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 20. Juli 1901.
In dem Verlage der Schwann'schen Hofbuchhandlung . J zu Düsseldorf, ist eine von dem Landgerichtsdirektor । Ludwig Schmitz herausgegebene Schrift: „Wegweiser | zum preußischen Fürsorge-Erziehungsgesetz" zum Preise von 1 Mk. für das gebundene Exemplar erschienen.
Das allgemein verständlich geschriebene Werkchen ist ' geeignet, weitere Kreise in das Verständniß für die soziale Bedeutung des Fürsorge-Erziehungsgesetzes ein- " zuführen.
Ich empfehle die Schrift, die auch Beispiele zu An- | trägen auf Anordnung der Fürsorge-Erziehung enthält, ; namentlich zur Anschaffung für die Waisenräthe auf ? Kosten der Gemeinde.
§ I- 4068. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
I Hersfeld, den 22. Juli 1901.
In letzter Zeit ist es mehrfach vorgekommen, daß Besitzer von Mühlen oder sonstigen industriellen Anlagen, welche durch Wasserkraft betrieben werden, ohne Genehmigung der Aufsichtsbehörde an den Fachbäumen, Gerinnen, Wafferrädern u. s. w. Aenderungen vorgenommen oder Stauwerke erhöht haben und auf Befragen Nnkenntniß der gesetzlichen Bestimmungen vorschützen. Es ist daher nothwendig, daß die Besttzer der in Frage kommenden Anlagen in geeigneter Weise auf die Be- | Kimmungen der §§ 16 bis 18 der Kurhessischen Wasser- ":y bauordnung vom 31. Dezember 1824 und die bezüglichen Strasbestimmungen hingewiesen werden.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben solches alsbald zu bewirken, insbesondere die Mühlen- rc. Be- L sitzer auch darauf aufmerksam zu machen, daß auch die x Erhöhung der Stauanlagen durch Aufsatzbretter rc., die Anlage von Sammelteichen, die Umwandlung von Wasser- | radanlagen in Turbinenanlagen, sowie jede Erweiterung | des Betriebes auf Sägewerke (Anlage von Gattern oder 6 Kreissägen bei Mahlmühlen) und Dreschmaschinen wegen j des vermehrten Wasserverbrauchs, der Genehmigung U bedürfen.
I !■ 4101. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 26. Juli 1901.
Im Anschluß an die diesseitige Bekanntmachung vom ß 17. d. Mts. J. II. Nr. 2303, im Kreisblatt Nr. 85, die s Abhaltung der diesjährigen Pferdevormusterung betreffend, | wird zur Beseitigung von Zweifeln hierdurch daraus auf» ■ "'"ksam gemacht, daß in dem anzufertigenden Verzeich- F 11W der vorhandenen Pferde seitens der Herren D Ortsvorstände nur die Spalten!, 2 und 3 >L sowie bei den nicht zur Vorführung kam. Um enden Pferden auch Spalte 6 auszufüllen
finb. Die nach Spalte 3 zu machende Größenangabe ist wegzulassen.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 24. Juli 1901.
Die Schulstelle in Lautenhausen wird vom 1. September d. Js. ab erledigt. Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kicchendienstvergütung. Der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mk.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst den er- forderliche^Zeugnissen bis zum 10. August d. Js. bei dem Kreis- und Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Dr. Sötte in Friedewald oder dem Unterzeichneten einreichen. Namens des Schulvorstandes von Lautenhausen:
Freiherr von Schleinitz, Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.
I. 1. Nr. 4120.
Nichtamtlicher Theil.
Prof. Koch über die Tuberkulose.
In der gestrigen öffentlichen Sitzung des Tuberkulose- kongresses in London hielt Prof. Dr. Robert Koch einen bedeutungsvollen Vortrag über „Die Bekämpfung der Tuberkulose im Lichte der Erfahrungen, die bei der erfolgreichen Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten gewonnen worden sind." Der Hauptinhalt des Vortrages war folgender:
Nach der Entdeckung des Tuberkelbazillus sei an der Möglichkeit der allmäligen vollständigen Beseitigung der Tuberkulose als Volkskrankheit nicht mehr zu zweifeln. Der Weg hierzu müsse durch genaue Erforschung der Art der Uebertragung der Krankheit gefunden werden. Der Grundsatz, jede der Infektionskrankheiten nach ihren besonderen Eigenthümlichkeiten zu bekämpfen, habe zu bedeutenden Erfolgen geführt. Die Bekämpfung der Pest werde fortschreiten, wenn erst der Grundsatz, daß nicht die erkrankten Menschen (von den wenigen Fällen von Lungenpest abgesehen), sondern die Ratten die Ueber- trager der Krankheit sind, die amtlichen Maßnahmen beherrschen werde. Die Beseitigung der Cholera werde vor Allem durch Besserung der Trinkwasserverhältnisse erreicht. Die Hundswuth müsse durch allgemeine Einführung des Maulkorbzwangs zum Verschwinden gebracht werden. Besonders lehrreich seien die bei Bekämpfung der Lepra erzielten Erfolge. Diese Krankheit, die nur von Person zu Person übertragen werde, sei in Norwegen durch zwangsweise Abschließung der schwer Erkrankten in ihrer Ausbreitung beträchtlich gehemmt worden. Was nun die Tuberkulose selbst angeht, sei die Uebertragung von Mensch zu Mensch durch den Auswurf zweifellos die Hauptursache ihrer Verbreitung: Vererbung hingegen komme nur sehr wenig in Betracht. Die Frage der Möglichkeit der Uebertragung der Krankheit durch Milch oder Fleisch tuberkulöser Rinder auf den Menschen veranlaßte den Redner zu eingehenden Versuchen, die er mit Unterstützung des preußischen Landwirthschaftsministe- riums gemeinsam mit Professor Schütz von der Thier- ärztlichen Hochschule in Berlin zwei Jahre hindurch aus- führte. Es erwies sich die vollkommene Unmöglichkeit, die menschliche Tuberkulose auf die Versuchsrinder, denen fortgesetzt in verschiedener Weise menschliche Tuberkel- bazillen beigebracht wurden, zu übertragen. Damit war die völlige Verschiedenheit zwischen der Tuberkulose der Menschen und der Rinder uipviderleglich dargethan. Der Vortragende fügt hinzu, daß die deutsche Regierung Maßnahmen für die Fortführung derartiger Untersuchungen getroffen habe. Die Uebertragbarkeit der Tuberkulose der Rinder auf den Menschen hält Prof. Koch für höchst unwahrscheinlich, da die Fälle äußerst selten seien, in welchen primäre Tuberkulose der Eingeweide nachge
wiesen werden könne. Maßnahmen gegen dieser Art ber Uebertragung seien entbehrlich.
Prof. Koch erörterte dann die Mittel zur Bekämpfung der Uebertragung von Mensch zu Mensch, durch deren Ausbau die Seuche allmälig zu beseitigen sei. Vor Allem müssen durch planmäßiges langsames Vorgehen die Woh- nungSverhältnisse der ärmeren Bevölkerung verbessert, ihr allzudichtes Zusammenleben verhindert werden. Alle schwerer Erkrankten müssen, um sie nicht zu einer Quelle der Ansteckung werden zu lassen, der Krankenhausbehandlung zugeführt werden. Zu diesem Zwecke seien besondere, leicht und bei geringen Opfern zugängliche Krankenhäuser oder Abtheilungen für Schwindsüchtige zu gründen. Dies sei die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung der Tuberkulose, und hier sei eine Gelegenheit für begüterte Menschenfreunde zu dauernd Segen bringendem Wirken. In keinem Lande habe die Schwindsucht so sehr abgenommen wie in England, das die größte Zahl solcher Hospitäler besitze. Von großer Bedeutung sei auch die Anzeigepflicht, wenigstens für schwere Fälle, wie sie in Sachsen, Norwegen und mit großem Erfolge in New-Aork durchgeführt sei. Hand in Hand damit gehe die Desinfektion der Wohnungen und Gebrauchsgegenstände. Die Aufklärung der Bevölkerung über Wesen und Verbreitung der Krankheit und ihre Verhütung sei nicht minder von großem Nutzen. Zur Frage der Lungenheilstätten übergehend, erklärte Koch für sicher, daß die Tuberkulose in den früheren Stadien heilbar ist, warnt jedoch vor einer Ueberschätzung der Bedeutung der Heilstätten. In Deutschland dürften jährlich etwa 4000 Personen durch diese Genesung finden, während 226 000 Personen wegen SchwindsuchtinKrankenhausbehandlung standen. Größerer Einfluß auf den Rückgang der Krankheit komme den vorerwähnten allgemeinen sanitären Maßnahmen zu. Namentlich befürwortete Redner die Nachahmung der von der Stadt New-Aork getroffenen Einrichtungen, dank denen die Sterblichkeit an Schwindsucht seit 1886 um mehr als 35 Prozent gesunken sei. Prof. Koch schloß mit dem Ausdruck der festen Ueberzeugung, daß bei Benutzung der im Kampfe mit anderen Seuchen gewonnenen Erfahrungen, wenn unrichtige Wege vermieden und das Uebel an der Wurzel getroffen werde, der Kampf gegen die Tuberkulose zum siegreichen Ende führe.
♦ * *
An den Vortrag Prof. Kochs schloß sich eine längere Debatte. Pros. Lister sagte, Kochs Ausführungen über die Nichtübertragbarkeit der Krankheit von tuberkulösen Rindern auf den Menschen seien ziemlich überzeugend, doch handele es sich um einen so wichtigen Punkt, daß er eine weitere Untersuchung für nöthig halte. Er glaube, daraus, daß die Tuberkulose der Menschen sich nicht auf Rinder übertragen lasse, folge noch nicht, daß die Tuberkulose der Rinder sich nicht auf den Menschen übertragen lasse. Mehrere andere Redner sprachen sich ebenfalls für eine weitere Untersuchung, einige für eine staatliche Untersuchung aus.
Politische Nachrichten.
Berlin, 25. Juli.
Zur Nordlandreise Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet: Molde, 24. Juli. Zur Begrüßung Sr. Majestät des Kaisers wurde am Montag Abend bei dem Eintreffen der „Hohenzollern" m Merok auf dem norwegischen Dampfer „Hera" ein Feuerwerk abgebrannt. Dienstag nahm Se. Majestät die Vorträge des Fürsten Eulenburg und des Grafen Hülfen-Haescler entgegen. Se. Majestät gedenkt vorläufig in Molde zu bleiben. Wetter andauernd schön, aber sehr warm. An Bord Alles gesund.
Aus Petersburg wird vom 24. Juli gemeldet: Nachdem sich Se. Königliche Hoheit Prinz Adalbert heute Vormittag beim Kaiser als mit dem Andreas-Orden dekorirt gemeldet und dem deutschen Botschafter Grafen v. Alvensleben und Gemahlin einen Besuch abgesiattet hatte, lichtete das Schulschiff „Charlotte" um 11 Uhr