Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postaufschlag.
--T=J
—. , ....... ^--—’-A
Die Jnsertionsgebührcn betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
> —.....-
HerWer shmllitt
Gratisbeilagen x ^Uu^tirtes SenntagsWatt*' «. „^Uuftrirte landwirthschaftliehe Vettage."
Nr. 89. AeiistiiiH. Wi 1901. •
Gestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Zllustrirtes Sonntagsblatt" -» „Jllnstrirte landwirthschastl. Beilage" für die Monate August und September werden von allen Raiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 27. Juli 1901.
Nachdem angeordnet worden ist, daß bei Gelegenheit der Pferdevormusterungen auch die Anzahl der vorhandenen kriegsbrauchbaren Fahrzeuge festgestellt werden soll, werden die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises hiermit angewiesen, die Zahl der in ihren Gemeinden vorhandenen Kastenwagen mit i .Kopfbrettern und Bremsvorrichtung, mög- lichst nicht über 14 Centner wiegend, vor den bekannt gemachten Musterungsterminen festzustellen und Ibis 2 Stück der- ■ selben dem Kommissar am Musterungsplatze zur Ansicht vorzustellen. Von Orten, bei welchen die Musterung außerhalb vorgenommen wird, sind keine Wagen vorzuführen. ^.J. II. Nr. 2456. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 27. Juli 1901.
Die Einzahlung der rückständigen Umlagenbeiträge für die Hessen-Nassauische landwirthschaftliche Berussge- ? nossenschaft für das Jahr 1900 wird hiermit in Erinnerung gebracht, mit Frist bis spätestens zum 5. August d. J.
Der Vorsitzende des Sektionsvorstands.
Freiherr von Schleinitz.
I. A. Nr. 1894.
Ziegenhain, den 26. Juli 1901.
Die unter dem Viehbestände des Adam Schreiber zu
k Aerzenskämpfr.
Roman von Hedda von Schmid.
(Fortsetzung.)
Außer den Zinsen seiner kleinen Ersparnisse bezog er noch eine Pension von der Stadt.
8 Frau Lindner, eine derbe, aber gutmütige und brave Frau, welche oft barsch fein konnte und kein« ihrer Worte, bevor sie sie aussprach, auf die Goldwage zu legen pflegte, war ihrem leidenden Manne gegenüber von einer Rücksicht, welche man in der robusten, thatkräftigen Frau kaum vermutet hätte.
Sie hatte sich oft in des Wortes vollster Bedeutung etwas vom Munde abgedarbt, um ihrem kranken Albrecht jede Pflege, sowie stete ärztliche Ueberwachung verschaffen -und ihrem einzigen Kinde eine sehr gute Erziehung geben zu können.
e Frau Lindner war im stillen von den Leistungen ^ihrer Tochter begeistert, Thea selber jedoch nicht zufrieden Mit ihrem Können. Das innere Streben, der gute Wille, "k'ch sortzubilden, genügten hier nicht — sie fühlte, daß " ihr an Anregung fehlte.
| Ein Anstoß von außen mußte kommen, die Welt in Nhrem berückenden Glänze mußte sich ihr aufthun.
Die Welt.
Thea glaubte bereits einen Blick in dieselbe gethan zu haben in jenen acht Tagen, welche sie im vergangenen
Breitenbach a. H. ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.
Der Königliche Landrath v. Sch w erhell.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 28. Juli.
Von der Nordlandreise Sr. Majestät des
Kaisers wird gemeldet: Molde, 27. Juli. Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern nach der Abendtafel einen längeren Spaziergang. — S. M. S. „Baden" lief gestern gegen Abend ein. An Bord Alles wohl.— Molde, 28. Juli. Se. Majestät der Kaiser nahm gestern die Frühstücksmahlzeit an Bord der „Baden" ein. Nachmittags nahm Se. Majestät den Vortrag des Fürsten Eulenburg und des Admirals von Senden entgegen. Abends war zur Feier des Geburtstages des Prinzen Oscar eine größere Tafel an Bord der „Hohenzollern", an der auch die Offiziere der „Baden" theilnahmen. Die Hitze dauert an. An Bord Alles wohl. „Hohenzollern" verbleibt bis auf Weiteres vor Molde.
Der n e u e Z o l l t a r i f ist am Freitag im „Reichs- anzeiger" veröffentlicht worden. Die „Nordd. Allg. Ztg." begleitet die Publikation mit folgenden Worten: „Bei Beurtheilung des Entwurfs wird man vorweg zu berücksichtigen haben, daß er die Berathungen des Bundesraths noch nicht durchlaufen hat, und daß also auch weder die Vorschriften des Gesetzes noch die Sätze des Tarifs schon unabänderlich als Grundlage für die Berathungen des Reichstages feststehen. Die Reichsleitung wird sich deshalb auch in der weitern Behandlung der Sache vor der Oeffentlichkeit möglichste Zurückhaltung auferlegen, um den Berathungen des Bundesraths nicht vorzugreifen und der Stellung des Reichskanzlers gegenüber Abände- rungs-Anträgen und deren Begründung nicht zu präjudi- zieren." — Das Zolltarifgesetz ist sowohl in seiner äußern Anlage wie in feinem sachlichen Inhalt in der Hauptsache unverändert geblieben. Von wesentlichen Abweichungen gegenüber dem bisherigen Rechts-Zustand sind folgende zu nennen: § 1. Bei den Hauptgetreide-Arten sollen die Zölle durch Handels-Verträge nicht unter gewisse Beträge, und zwar bei Roggen nicht unter 5 Mk., bei Weizen nicht unter 5,50 Mk., bei Gerste nicht unter 3 Mk., bei Hafer nicht unter 5 Mk. heruntergesetzt werden. Eine Erweiterung der Zollfreiheit ist in § 5 des neuen Zolltarif-Gesetzes enthalten. Das bisherige Zolltarif- Gesetz von 1879 enthielt in seinem § 5 zehn Abschnitte
Sommer bei Tante Eugenie im Schweizerhäuschen zu Kramon verlebt.
Eben stellt sie die Zuckerdose, deren Deckel zusammengekittet ist, auf das blau und weiß bedruckte Kaffeetuch, dann tritt sie in das Nebengemach, in den sogenannten „Salon" der kleinen Wohnung.
Dieser ist zwar bescheiden, aber doch mit eigenem Geschmack und Komfort ausgestattet.
Es ist Spätherbst, und Thea dünkte sich selber so alt und fühlte sich zum Sterben müde.
Wie kam es nur, daß sie, die noch vor wenigen Monaten die Eintönigkeit ihres Daseins, das Einerlei des kleinstädtischen Lebens garnicht mit vollem Bewußtsein empfunden, jetzt ganz verwandelt schien?
Wie kam es nur, daß sich ihr ein: „Fort, fort aus diesem geisttödtenden Dasein!" mit elementarer Gewalt auf die Lippen drängte?
Oft schlich sie verträumt umher, schlug einen halben Akkord auf den Tasten des Klaviers an, um dann das Instrument gleich wieder mit ungestümer Hast zu schließen. Zuweilen aber spielte sie stundenlang bis zur Ueber« müdung.
Der brennende Wunsch, eine berühmte Klaviervirtuosin zu werden, stieg dann in ihr auf — sie erblickte sich im Geiste, wie sie unter dem Beifallsmurmeln des zahlreichen Publikums das Podium eines glänzend erleuchteten Konzertsaales betrat. Sie sah sich mit Blumen überschüttet, von jubelnden Zurufen umbraust; sie ward
über Zoll-Befreiungen. Der neue Zolltarif enthält deren 14. Gegenüber dem Zolltarif von 1879 ist die Zollfreiheit erweitert wort^n auf folgende Gegenstände: Von deutschen Fischern an den deutschen Seeküsten innerhalb der Hoheitsgrenzen der Uferstaaten gefangene Fische und andere Seetiere einschließlich der davon gewonnenen Erzeugnisse. Auch außerhalb dieser Hoheitsgrenzen von Mannschaften deutscher Schiffe gefangenen Fische und andre Seetiere, sowie von solchen Fischen gewonnener Speck und Thran; unter den gleichen Voraussetzungen auch Speck und Thran von Robben und Waltieren, sowie Walrat. Von der Zollfreiheit ausgeschlossen sind die in fremdländischen Küsten-Gewässern gefangenen Schal- und Krustentiere. Neu ausgenommen unter die Zollbefreiungen sind Ordenszeichen, die von Staatsoberhäuptern verliehen sind; ferner, falls Gegenseitigkeit gewährt wird, Wappenschilder, Flaggen und andere Gegenstände, die von fremden Regierungen ihren in Deutschland bestellten Vertretungen zum dienstlichen Gebrauch zugesendet werden; Särge, in denen Leichen eingehen, und Urnen mit Asche verbrannter Leichen, einschließlich der Kränze und ähnlicher zur Verzierung der Särge, Urnen oder Beförderungsmittel dienenden Gegenstände. Anderseits ist eine erhebliche Verschärfung der Kampfmaßregeln für den Fall von Zollkriegen im § 8 des Zolltarif-Gesetzes vorgesehen. Darnach können zollpflichtige Waren, die aus Staaten herstammen, welche deutsche Schiffe oder deutsche Waren ungünstiger behandeln als diejenigen andrer Staaten, neben dem tarifmäßigen Zollsatz einem Zollzuschlage bis zum doppelten Betrage dieses Satzes oder bis zur Höhe des vollen Werthes unterworfen werden. Neue Zölle auf bisher zollfreie Waren sollen u. a. eingeführt werden für je 100 Doppelzentner abgeschnittene Blumen und Bindegrün, frisch oder getrocknet, imprägniert, gefärbt, Cycaswedel, (man nennt diese im täglichen Leben fälschlich Palmen), frisch oder getrocknet (20 Mk.), Kleie (1 Mk.), Oelkuchen (1 Mk.), Cement (0,50 Mk.), Farb- und Gerbholz-Extrakte (8 Mk.), auf Saccharin soll ein Zoll von 8000 Mk. gelegt werden. Weiter sind geplant für bisher zollfreie Ware folgende Zölle: Geheimmittel 500 Mk., Quebrachoholz 2 Mk. Ganz erhebliche Zoll-Erhöhungen sind geplant für Vieh und Fleisch. Während bisher der Zoll auf Pferde bemessen wurde nach dem Alter der Tiere, soll er fortan nach dem Werthe von 30 bis 300 Mark für das einzelne Pferd steigen. Für Stiere und Kühe soll der Zoll fast verdreifacht werden, von 9 auf 25 Mark, ebenso für Jungvieh von 6 auf 15 Mk. Bullen von Höhenvieh sollen zu Zuchtzwecken in den ersten sechs
gefeiert, umworben und bildete den Mittelpunkt einer jauchzenden Menge.
Doch sagte sich Thea, sobald die Begeisterung, in die sie sich hineingespielt, geschwunden, sobald sie wieder ernüchtert war, daß ihr Talent kein so bedeutendes sei, um eine Musikgröße werden zu können. Zum Malen oder Schriftstellern fühlte sie sich garnicht berufen, mit dem „etwas werden," „von sich reden machen," „ihren Namen in den Zeitungen erwähnt wissen, ihre Leistungen besprochen sehen," war es also nichts!
Die Worte: „Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen," ließen sich für sie etwa folgendermaßen zurecht- stutzen: Mau reist nicht ungestraft in die livländische Schweiz, verkehrt dort täglich mit zwei Herren der großen Welt, um dann in den heimatlichen Krähwinkel zurück- zukehren, Tag für Tag in ewigem Einerlei dahinzuleben, als fast einzige Abwechslung allwöchentlich einen Leseabend mit einigen Freundinnen, wobei weniger gelesen als geschwatzt wurde.
Gleichviel — nur Abwechselung, irgend etwas, das ihr Gemüt, ihre Seele erregte, ihr ernstlich zu denken, ja, zu kämpfen gab!
Wie Thea so am Fenster steht und mit trostlosen Augen hinauSblickt auf die leere Straße, kommen — wie oft schon? — die Rückerinnerungen und schmeicheln sich ihr in den Sinn.
Tante Eugenie, einer verknöcherten, mit mancherlei