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SkatirbeUase« rIllustvirter Oonntagrblatt" «.Illuftrirte landViVthschaftliche Vettage."

«r. S2. Aeilstnz in 8. Agilst IM.

Veftellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"-»» Jllnstrirte landwirthschastl. Beilage" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 3. August 1901.

Die Herren Bürgermeister zu Allendorf, Conrode, Eitra, Frielingen, Heringen, Hilines, Holzheim, Kathus, Kleinen­see, Lengers, Malkomes, Meckbach, Philippsthal, Röhrigs- Hof, Schenksolz, Sieglos, Sorga, Tann und Wölfershausen haben mir binnen 3 Tagen die noch rückständigen Abschriften der Kassenprüfungsverhandlungen vom 30. Juni d. Js. einzmeichen.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 5. August 1901.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche die diesseitige M ... - 6. Mai 1879 Nr. 5554 Kreisblatt Nr. 37 B«fig«ns »«^o^rasTgESiTOSS^ ; Beseitigung der Hindernisse des freien Flußlanfes betreffend, bis heute nicht erledigt haben, werden mit Frist bis z u in 1 0. d. M t s. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

ß Gesunden: ein silberner Fingerring gez. I. Nuhn. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kalkobes,

Gesunden: 2 Mark. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Oberlengsseld.

Herzenskämpfe.

Roman von H e d d a von S ch m i d.

(Fortsetzung.)

Eine Woche nach diesem Gespräch siedelte Jella ins Parkhaus über.

Der Onkel Groff hatte es sich eben nicht nehmen lassen, das Taschengeld, welches sie von ihm erhielt, zu verdoppeln.

Darben sollst du nicht, Herzenskind," sagte er,und ich hoffe, du bekommst deinen Opfermut bald satt und kehrst in unsere stets geöffneten Arme zurück."

Tante Martha hatte zwei Zimmer des alten Hauses für Jella herrichten lassen. Diese entdeckte unter dem alten Inventar des Hauses viel Wertvolles, zog es ans Licht, ließ das Schadhafte ausbeffern und wußte so binnen kurzem der ganzen, nach Moder riechenden Ein­richtung einen andern Anstrich zu geben.

Leicht war die Aufgabe nicht, die sie sich, dem Ruf der Erblindenden Folge leistend, gestellt. Es lastete viel onf ihren jungen Schultern. Vergeblich versuchte sie, Tante Martha zu einer Reise in die nicht sehr weit entfernte Universitätsstadt zu überreden, damit die alte Dame dort Hilfe für ihre Leiden fände.

Du müßtest deine Augen von einem Specialisten untersuchen lassen, Tante."

Erstens ist bei mir nichts mehr zu mache», und zweitens kostet so 'was viel zu viel. Nein, nein, behalte nur dein Taschengeld, Jella, danke, aber ich nehme

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 5. August.

Seine Majestät der Kaiser hat seine Theilnahme an den bevorstehenden Festlichkeiten in Emden, Kuxhaven, Hamburg und Wilhelmshaven wegen schlechter Nachrichten aus Friedrichshof aufgegeben. (Bereits in einem Extra­blatt mitgeteilt.)

Cronberg, 4. August. Das über das Befinden der Kaiserin Fried rich ausgegebene Bulletin lautet: Das seit Jahren langsam fortschreitende äußere Leiden Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich hat sich im Verlauf der letzten Wochen auf innere Organe ausgedehnt. Bei nicht genügender Nahrungsaufnahme nehmen die Kräfte rasch ab. Ihre Majestät ist bei vollem Bewußtsein, gegenwärtig ohne Schmerzen. Cronberg, 5. August. Der Schwächezustand der Kaiserin Friedrich nimmt stündlich zu. Herzkräfte gering. (Bereits durch Extra­blatt mitgeteilt.)

DieHamburgische Börsenhalle" meldet: Se. Majestät der Kaiser hat Se. Kaiser!, und Königl. Hoheit den Kronprinzen mit Allerhöchstseiner Vertretung bei dem Empfange des General-Feldmarschalls Grafen von Waldersee beauftragt und davon dem Senate mit nach­stehendem TelegrKim aus Bergen Kenntniß gegeben: Die von dem Krankenlager Meiner geliebten Frau Mutter eingelaufenen Nachrichten haben Mich veranlaßt, Meinen in Aussicht genommenen Besuch in Hamburg aufzugeben. Ich habe Meinen Sohn, den Kronprinzen, mit Meiner Vertretung beauftragt. Wenn Ich auch der schmerzlichen, allerseits verstandenen Sohnespflicht Nach­komme, so will ich doch nicht unterlassen, dem Senate und der Stadt Hamburg für die Bereitwilligkeit, mit der Meinem heimkehrenden Feldmarschall Grafen von Waldersee großartiger Empfang bereitet werden soll, Meinen Kaiserlichen Dank auszusprechen. Die Stadt Hamburg bei Bethätigung deutsch-patriotischen Geistes stets im Vordergrund zu sehen, gewährt Mir besondere Genugthuung. Wilhelm, I. R.

Aus Emden, 3. August, wird gemeldet: Bei dem Ober-Bürgermeister Fürbringer traf heute folgendes Tele­gramm ein: Se. Majestät der Kaiser haben wegen schlechter Nachrichten aus Friedrichshof heute früh die Rückreise von Bergen nach Homburg v. d. Höhe ange­treten und unter diesen Umständen mit Allerhöchstihrem

nichts. Mir ist nicht zu helfen, ich fühle es. Willst du etwas Gutes thun, dann leihe deinem Bruder eine kleine Summe. Er schrieb mir in der vorigen Woche um Geld, aber ich hatte ihm diesmal nichts zu schicken. Nicht einen einzigen Rubel konnte ich entbehren. Ja, ja, das Studium kostete dem Walter nicht wenig. Der arme Junge schlägt sich jetzt durch, aber es hält schwer, schreibt er mir."

In Jella wallte es zornig auf.

Wie durfte Walter so gewissenlos handeln und seinen beiden Großtanten, die nur von dem Bißchen existierten, das sie noch besaßen, das Letzte abschwindeln I

Der Onkel hatte recht, Walter verbrauchte mehr als nötig gewesen wäre, und als er verantworten konnte.

Dies erfüllte Jella mit Unmut und Betrübnis.

Es bestand zwischen den Stiefgeschwistern überhaupt kein inniges Verhältnis.

Sie hatten einander in den Sommerferien, in denen Walter gewöhnlich einige Wochen auf Sanzen zugebracht, alljährlich gesehen; doch für Jella war ein Beisammen­sein mit ihrem Stiefbruder nie besonders erquicklich ge­wesen. Starke Selbstsucht, die sich nur zu oft in seinem Benehmen und seiner Anschauungsweise bemerkbar machte, stieß sie ab.

Sie war sehr traurig, wenn sie sich dies eingestand, und nahm sich immer wieder vor, Nachsicht mit Walter zu haben und ihn nicht zu scharf zu beurteilen.

In Jellas Wesen lag ein gesunder Idealismus aus­geprägt. Sie schwärmte nicht im Mondschein, aber trotz­dem war sie Jdealistin im Grunde ihrer Seele, sie glaubte

ganz besonderen Bedauern die persönliche Teilnahme an der Hafeneinweihung in Emden und der Enthüllung der dortigen Denkmäler aufgeben müssen. Se. Majestät haben Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit den Kron­prinzen mit Allerhöchstihrer Vertretung bei diesen Feier­lichkeiten beauftragt, gez.: Staatsminister Thielen.

Ueber die Fahrt Sr. Majestät des K a i s e r s liegen folgende Meldungen vor: Kiel, 4, August. Seine Majestät der Kaiser ist an Bord derHohenzollern" heute Vormittag 103/4 Uhr hier eingetroffen und wurde von den im Hafen liegenden Schiffen mit Salut begrüßt. Bald nach der Ankunft des Kaisers begaben sich der Stationsches Admiral von Köster, sowie der Stadtkom­mandant Oberstleutnant Dürr an Bord derHohen­zollern". Kiel, 4. August. Reichskanzler Graf Bülow ist hier heute Vormittag eingetroffen. Er be­grüßte den Kaiser bei Ankunft derHohenzollern" und begleitete Seine Majestät nach Wilhelmshöhe, von wo er sich zu den Festlichkeiten nach Emden und Hamburg begiebt.

In dem sechsten Bande desNauticus", der vor kurzem erschienen ist, befinden sich auch höchst anziehende und interessante Schilderungen der Entwicklung unserer Handels-Marine. Die wichtigsten Ergebnisse, zu denen der Verfasser gelangt, seien hier in Kürze wieder­gegeben. Dem Umfange nach steht die deutsche Handels- Marine nächst England an zweiter Stelle. An Schnellig­keit sind ihre neuen Eildampfer allen voran, ebenso sind sie in Sicherheit und Komfort allen fremden Fahrzeugen gewachsen. Weitaus die größten Rhedereien nennt Deutschland die seinen. Die Hamburg-Amerika-Linie giebt im Jahres-Berichte für 1900 eine Tonnage von 615 210 Brulto-Registertonnen, der Norddeutsche Lloyd eine solche von 540119 Tonnen an, während die größte englische Rhederei, die British Jndia Steam Nav. Co., mit nur 378 770 Tonnen in das Jahr 1901 getreten ist und andere Nationen auch diese Zahl nicht erreichen. Selbst der so großes Aufsehen erregende Ankauf der drittgrößten englischen Rhederei, der Leyland-Linie, durch den Amerikaner Morgan betrifft nur 323 080 Tonnen. In Umsicht und Thatkraft, in Kapitalmacht und Sorge für technischen Fortschritt, gestützt auf ein kräftiges Vor­wärtsstreben der deutschen Industrie und des deutschen Handels, auf gute, zeitgemäße erweiterte Häfen und auf einen tüchtigen, treuen und tapfern Seemannsstand, für

an das Gute in der Welt und freute sich am Schönen in derselben.

Jellas Uebersiedelung zu den Großtanten erklärte Walter, nachdem er davon erfahren, als die verrückteste aller hirnverbrannten Ideen, welche seine Schwester je gehabt.

Er sprach dies auch in einem kurzen Brief Jella gegenüber aus.

Sie ließ seine Zuschrift unbeantwortet.

IV.

Die Dämmerung des kurzen Herbsttages war bereits in völlige Dunkelheit übergegangen. Der Laternen- Anzünder in W. beeilte sich nicht, die wenigen Leuchten der Straßen anzustecken. Einzelne der Lämpchen, welche von dem hohen Pfosten ihr schwaches, flackerndes Licht ausstrahlten, überging er ganz; denn heute stand Mond­schein im Kalender.

In Jella Greenhoffs hübschem, behaglichem Wohn­zimmer brannte die hohe Kuppellampe, welche nur dann ihren sanften Schein verbreitete, wenn der trauliche Raum Abendbesuch beherbergte.

Der heutige Gast war Magda von Elmer.

Jella sah außer der Tante aus Ganzen und der Cousine Anna nur Magda und einige Damen aus dem besten Kreise des Städtchens bei sich.

Einen freilich gabs noch, der sichö nicht nehmen ließ, mit bewunderungswürdiger Pünktlichkeit anzutreten.

Da« war Alfred von Elmer.

Er hatte sich schnell bei Jellas Großtanten beliebt