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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

Gratisbeilagen *Illnftrirter Ssnntagsblatt" «.Illaftrirte landwirthschaftliche Veiiage/^

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Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Jllustrirte landivirthschaftl. Beilage" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

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Mit Genehmigung des Herrn Ministers der geist­lichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten (Erlaß vom 6. August 1901 M. 6786 II. Ang.) wird hiermit festgesetzt, daß in Ermangelung besonderer Verabredungen die Dienste der Hebammen nach folgender Gebühren- Ordnung gelohnt werden:

1. Für die Entbindung von einer reisen

oder unreifen Frucht oder einer Mole 410 Mk.

2. Für eine Zwillingsgeburt .... 512

3. Für eine Entbindung von mehr als

3 Stunden Dauer, wobei die an­dauernde Anwesenheit der Hebammen nöthig gewesen oder ausdrücklich verlangt ist, ebenso für eine Entbindung, bei der die Hebamme hat operativ ein­greifen müssen........615

4. Für einen Wochen- oder sonst ver­langten Besuch mit Einschluß der dabei vorgenommenen kleinen geburtshülf- lichen oder chirurgischen Hülseleistungen oder des Katheterisirens .... 0,751,50 oder für die gesammte Wochenbettpflege und die dabei erforderlichen 8 tägigen Besuche zusammen.......4 12

5. Für Rathsertheilung einschl. kleiner geburtshülflich er oder chirurgischer Hülfe­leistungen sowie für Untersuchungen der Geburtstheile außerhalb der Ent­bindungszeit ........ 0,751,50

Iomerstaz den 5. Fe-tmber

6. Bei Nachtzeit erhöht sich die Gebühr zu 4 und 5 um die Hälfte bis zum Doppelten.

7. Für eine NachMache......24 Mk.

8. Tag- und Nachtwache .....46

9. Für Beistand bei Operationen an Frauen in anderen als Entbindungs­fällen ...........25

Bei Hülseleistungen außerhalb ihres Wohnortes haben die Hebammen bei mehr als 3 km Entfernung Anspruch auf freies Fuhrwerk zur Hin- und Rückfahrt. Legen sie diesen Weg zu Fuß zurück, so haben sie bei Tage 20 Pfg. und Nachts 40 Pfg. für das Kilometer zu beanspruchen.

10. Für Anwendung trockener oder blutiger Schröpfköpfe, für Ansetzen von Blut­egeln, die jedoch von den Kranken ge­stellt oder besonders vergütet werden muffen, nebst Stillung der Nachblutung 12 Anmerkung:

1. Die Hebammen sind berechtigt, sich die veraus­lagten Kosten für das bei der Entbindung verbrauchte Desinsectionsmittel- und Verbandmaterial zurückerstatten zu lassen.

2. Frei prakticirende Hebammen in Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern sind berechtigt, für ihre Gebührenforderungen die Mindestsätze der Taxe um ein Viertel, die Höchstsätze um die Hälfte zu erhöhen.

3. Welcher von den Sätzen obiger Taxe in jedem einzelnen Falle anzuwenden ist, hängt ab:

a. von der Dauer und Schwierigkeit der Hülfe­leistung,

b. von der Vermögenslage der Hülsesuchenden und von der Größe und Wohlhabenheit des Ortes.

4. Die Hebammen erhalten auch dann ihre Gebühren unverkürzt, wenn die Entbindung von einem hinzuge­rufenen Arzte verrichtet oder zu Ende geführt wird.

Diese Gebühren-Ordnung tritt am 1. Januar 1902 in Krast; die geltende Taxe vom 9. September 1871 tritt am gleichen Tage außer Kraft. (A II. 9275.) Gaffel am 19. August 1901.

Der Regierungs-Präsident. Trott zu S o l z.

Nichtamtlicher Theil.

Prinz Tschnn hat, woran in unterrichteten Kreisen niemals gezweifelt wurde, seine Weiterreise zur Ausführung des ihm vom Kaiser von China ertheilten Sühne-Auftrags angetreten und begiebt sich über Berlin nach Potsdam. Nur ganz kurze Zeit, höchstens zwei Tage, wird er dort als Gast des Kaisers in der Orangerie verweilen. Die Chinesen haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn die Gastfreund­schaft, die der Bruder des Sohnes des Himmels am deutschen Kaiserhofe hätte finden können, stark einge­schränkt worden ist. Der Prinz wird für seinen amt­lichen Empfang bei Kaiser Wilhelm wahrscheinlich nur gerade auf so viel Zeit rechnen dürfen, wie zur Er­ledigung des Sühne-Aktes nöthig ist. Das Gefolge dürfte überhaupt keine Gelegenheit erhalten, den deutschen Herrscher von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Auch auf ein Kompliment des Reichskanzlers, dem die jetzt zur Anwendung kommende, möglichst sang- und klanglose Art des Empfanges zugeschrieben wird, er war in der entscheidenden Zeit auf wenige Tage mit Unter­brechung seines Urlaubs nach Berlin gekommen hat Prinz Tschun nicht zu rechnen. Die Sühne-Gesandtschaft will sich vom 5. d. M. ob auf unbestimmte Zeit noch privatim in Berlin aufhalten. Sie wird durch Auf­merksamkeiten der amtlichen Kreise nicht verwöhnt werden.

Politische Nachrichten.

Berlin, 3. September.

Se. Majestätder Kaiser nahm gestern Morgen bei der Ankunft in Tempelhof die Meldung des General­leutnants a.D. Brozowski anläßlich der Verleihung der Uniform des 1. Garde-DragonerregimentS an denselben entgegen und später auf dem Manöverselde die Meldung des englischen Obersten Grierson. Zur Abendtafel waren keine Einladungen ergangen.

Heute Morgen unternahmen Beide Majestäten einen Spazierritt in die Umgebung des neuen Palais. Vormittags hörte Se. Majestät der Kaiser die Vorträge des Chefs des Miliärkabinets und des Chefs des

Herzenskämpfe.

16:, Roman von Hedda von Schmid.

| (Fortsetzung.)

%Leider, ich hörte bereits davon reden," versetzte Frau von Wege.Schade um den netten Menschen, den Alfred, . ? er thut mir leid. Man sagt auch, er habe eine unglück- liche Liebe."

Ja, ich glaube zu Jella Greenhoff," warf Thea _ s. zerstreut hin.Sie war kürzlich sehr 'rank und soll nun mit ihrer Sanzenschen Tante im April nach dem Süden . gehen."

Die Sanzensche Greenhoff? Die kenne ich flüchtig, p wir wurden einander einmal irgendwo vorgestellt!" rief

Frau von Wege. Iber erzählen Sie, bitte, weiter, Theachen, wie gcyt es Ihren lieben Eltern? Gut? Das freut mich."

Dann in ihrer lebhaften Art von einem Gegenstand j, schnell zu einem andern übergehend, fuhr sie fort:

--Sagen Sie doch, wie war es denn eigentlich in Elmershort?"

»Zum Sterben öde!" entfuhr es Thea, und dann I erschrak sie vor sich selber. Was hatte sie gesagt! Und doch war es herbe Wahrheit.

Frau von Wege stellte erschreckt die Theetaffe, die sie eben zum Munde führen wollte, auf die Unterschale . zurück und schlug die Hände zusammen.

L »Aber Theachen, Herzenskind, was reden Sie denn da? Elmershort ist doch Ihre künftige, baldige Heimat!"

Ja, gewiß," stotterte Thea verwirrt,ach, liebste Frau von Wege, mißverstehen Sie mich nicht, es war alles zuerst nur so ungewohnt. Diese ländliche Einsam­keit, OdoS Vater und Tante, beide ein paar alte Leute, die am liebsten für sich leben und nicht viel von Zer­streuung wiffen wollen. Und sehen Sie, ich bin noch so jung und fasse das Leben ganz, ganz anders auf nicht so, wie es in Elmershort dahinfließt so so entsetz­lich einförmig, so geisttödtend prosaisch!"

Liebe Thea," sagte Frau von Wege freundlich, aber sehr ernst,in der alltäglichen Prosa liegt oft das am sichersten begründete Glück des menschlichen Lebens."

Mama fand wunderschön in Elmershort," be­merkte Thea kleinlaut mit gesenktem Blick, als fürchte sie, daß Frau von Weges kluge, klare Augen in ihrer Seele lesen könnten.

Ihre Mutter ist eine sehr verständige Frau."

Jawohl," giebt Thea zu,Mama ist immer für das Praktische. Praktisch sind sie ja alle in Elmershort, und ich . . ."

Bin eine kleine Jdealistin," ergänzte Frau von Wege, als Thea stockte.Liebes Kind, das giebt sich mit der Zeit. Nun aber, trinken Sie hübsch gemütlich Ihren Thee, und dann werden Sie wohl Ihr Neisekleid ab­legen, um nachher Tante Eugenie zu besuchen. Sie ist wieder recht leidend ; ich bin einige Male bei ihr gewesen. Neulich traf ich dort mit einem jungen Rechtsanwalt zusammen, einem Herrn von Härtung. Ihre Tante hatte in irgend einer geschäftlichen Sache seinen Rath gewünscht. Als die Rede zufällig auf Sie kam,

Theachen, sagte er, daß er Sie kürzlich in W. kennen gelernt habe.

Ja," erwiderte Thea,ich kenne ihn."

Sie giebt sich alle Mühe, nicht zu erröten.

Verkehrt Herr von Härtung bei Ihnen?" erkundigte sie sich dann, anscheinend ganz harmlos.

Früher that er dies nicht, obwohl er meinen Mann bereits längere Zeit kennt, jetzt jedoch hat er bei uns Besuch gemacht."

Thea weiß, daß sie Walter erzählt hat, sie würde bei Weges logieren.

Nun steigt ihr das Blut in die Wangen, siedend, verräterisch. Frau von Wege bemerkte es nicht, sie ist zu sehr mit dem Zerlegen einer Wildpastete beschäftigt.

Schließlich hätte Theas Erröten sie auch nicht sonder­lich befremdet.

Nachher jedoch äußert sie zu ihrem Manne:

Weißt du, Fritz, zwischen Thea und ihrem Verlobten ist etwas nicht in Ordnung. Ich habe mir damals in Kramon die beiden immer zusammen gewünscht, nun aber sage ich: Gott sei Dank, daß ich mir keinen Vorwurf zu machen brauche, wenn diese Ehe unglücklich wird. Ich habe die Partie nichtgebacken", wie man zu sagen pflegt. Du glaubst allerdings, guter Fritz, ich liebe das Ehestiften das liebt fast eine jede Frau aber in diesem Falle sind die beiden Menschen, Thea und Odo, auf eigene Hand in ihr Unglück hineingerannt, das heißt, wenn's wirklich ein solches wird. Aber denke nur, Thea hat sich schon jetzt bet ihrem kurzen Aufenthalt in Eimers-