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HratisbeUagen r „SUu^rirtes Sonnragrblatt" *♦ „SUuftrirte landwirthschaftichr NsUag-".
Sr. 125. LitHag I« 22. Mckr 1901.
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Amtlicher Theil.
Der Vorsitzende
der
Veranlagungskommission.
III. 1581. Hersfeld, den 21. Oktober 1901.
Auf Grund des Artikels 36 der Ausführungsanweisung vom 6. Juli 1900 zum Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz hat die Königliche Regierung zu Cassel bestimmt, daß die Personenstandsaufnahme zur Steuerveranlagung 1902 (1. April 1902 bis zum 31. März 1903) am 28. Oktober d. Js. stattzufinden hat.
Das zur Veranlagung nötige Formular wird den Gemeinde- und Gutsvorständen im Laufe dieser Woche zugehen.
Für die Vorbereitung der Steuerveranlagung — Personenstandsausnahme, Ausstellung der Gemeinde- und Slaatsstcuerlisten für 1902 — gelten die in den Artikeln 35—38 der Ausführungsanweisung enthaltenen Bestimmungen.
Die Vorstände der Stadt- und Landgemeinden, sowie der Gutsbezirke haben die Ihnen obliegenden Arbeiten mit der größten Genauigkeit zu besorgen und bis zum 16. November d. I s. fertig zu stellen, hiernach aber sofort das ganze Veranlagungsmaterial (Gemeinde- und
Staatssteuerlisten für 1901 und 1902) an den Vorfitzenden der zuständigen Voreinfchätzungskommisfion ab« zugeben.
Die Staatssteuerrollen werden hier angefertigt.
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 17. Oktober 1901.
Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes, betreffend die Abänderung der Unfallversicherungsgesetze vom 30. Juni 1900 (R.-Ges.-Bl. S. 573) war eine veränderte Faffung des mit den Worten: „Zur Beachtung" übertriebenen Kopfes des bisherigen Formulars für Unfall-Anzeigen geboten.
Demgemäß ist das Formular auf Grund des § 70 Abs. 4 des Unfallvers.-Ges. für Land- und Forstwirthschaft vom Reichsversicherungsamt anderweit mit der Maßgabe festgesetzt worden, daß die Benutzung des alten Formulars noch bis zum 1. Januar 1902 zugelassen wird. Von diesem Zeitpunkte ab ist ausschließlich das n e u e F o r m u l a r zu Unfallanzeigen zu verwenden, welches von der Funk'schen Buchdruckerei hier zu beziehen ist.
Den Ortspolizeibehörden wird anheim gegeben, sich einen kleinen Vorrath des Formulars zu halten und dasselbe zum Selbstkostenpreise bei vorkommenden Unfällen den betreffenden Betriebsunternehmern abzugeben. J.^.. Nr. 2849. Der Sekttottsvorstand.
Freiherr von S ch l e i n itz.
Homberg, den 17. Oktober 1901.
Unter den Schafheerden 1. des Schäfers Götting zu Salzberg, 2. des Schäfers Heinrich Dippel zu Rabolds- hausen ist die Räude ausgebrochen.
Der Königliche Landrath von Gehren.
Homberg, den 17. Oktober 1901.
Unter dem Schweinebestande des Briefträgers Adam Kircher zu Raboldshausen ist die Rothlaufseuche ausgebrochen. Der Königliche Landrath von Gehren.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 19. Oktober.
Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern Nachmittag einen Spaziergang in die Umgebungen des
Neuen Palais und heute Vormittag einen Ritt mit Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Eitel Friedrich auf das Bornstedter Feld. Von 9 Uhr ab hörte Se. Majestät den Vortrag des Staatssekretärs des Reichs-Marineamts und des Stellvertreters des Chefs des Marinekabinets.
Die „N. A. Z." schreibt: Gegenüber den Gerüchten, daß die bei der Zulassungsstelle neuerdings angemeldeten 35 Mill. Mark 3proz. Reichsanleihe jetzt unter der Hand begeben worden oder zu begeben wäre, sind wir in der Lage, die Unrichtigkeit einer derartigen Auffassung festzustellen. Von diesen 35 Millionen Mark waren rund 17 Millionen bereits im Februar 1901 vor der Ende März 1901 stattgehabten Emission von 300 Millionen Mark deutscher Reichsanleihe begeben, während die übrigen 18 Millionen Mark noch jetzt zur Verfügung der Reichsverwaltung stehen, und es nicht in der Absicht liegt, noch im Laufe dieses Jahres irgend welche Verkäufe hieraus vorzunehmen.
Aus Karlsruhe, 19. Oktober, wird gemeldet: Bei dem Festmahl, das gestern Abend anläßlich der Enthüllung des Denkmals für den Prinzen Wilhelm von Baden stattfand, hielt der Großherzog eine Ansprache, in der er seinen Dank für die Errichtung des Denkmals aussprach, durch das die Jugend auf die Vergangenheit hingewiesen mt«». $u Erziehung,-die seiner Zeit stattgefunden hat, müsse in Kraft erhalten werden zum Wohls und zur Größe des Reiches. Die Zeit, in der Prinz Wilhelm kämpfte, habe viel verlangt. Jetzt, da wir in einem fest geordneten Zustande leben, sei es mehr nnd mehr nöthig, auf die Zeit hinzuweisen, wo das nicht der Fall war. Das Reich sei errungen worden, und ein Kaiser, der das Heer mit diesem Gedanken erfülle und durch das Heer das Volk mitteißt auf dem Wege, der unwiderstehlich sein und bleiben werde, der Hingebung, Selbstlosigkeit, Tapferkeit herbei- führt, könne Alles erreichen. Jeder gute Deutsche denke heute an Leipzig, an die Zeit, wo der erste Anfang geschah zu einem freien und starken Reich. Dieses sei jetzt erreicht worden, unter Kaiser Wilhelms Führung sei das Heer zum Siege geführt worden, und nicht geringen Antheil an den errungenen Erfolgen habe Der, dessen Geburtstag heute sei, Kaiser Friedrich. Das was erreicht worden sei, müsse aber mit ganzer Kraft festgehalten werden, und es sei ganz zweifellos, daß die Festigung, die das wiedergewonnene Reich erlangt habe, nur durch ein Heer, wie es jetzt besteht, gestützt, ver-
Herzenskämpfe.
Roman von Hedda von Schmtd.
(Fortsetzung.)
Die Bregunoffs bildeten eine große Familie. Im Sommer auf dem Gut stets zahlreicher Besuch. Ge- legenheit zu ungestörtem Beisammensein mit Walter würde Thea somit kaum finden.
Sie trug sich noch immer mit der Hoffnung, eine Umwandlung seines inneren Menschen zu bewirken und sein Seelenleben zu beeinflussen.
Dennoch kam alles so, wie Thea befürchtet: Die Zeit ihres Landaufenthaltes im Bregunoffka verstrich, ohne daß ihr Gelegenheit geboten war, dem Gatten in dem Sinne näherzutreten, wie sie es wünschte und ersehnte.
Walter war der Liebling der Gesellschaft. Befand er sich mit Thea unter vier Augen, so pflegte die sorglos heitere Miene, die er sonst zur Schau trug, sich in eine verdrießliche zu verwandeln. Thea war jetzt nicht wehr leidend, brauchte also nicht mehr geschont zu werden!
„Hast du irgend welche Sorgen oder Unannehmlichkeiten, Walter?" fragte Thea ihn theilnehmend, als sie ihn einmal in einem kleinen, eleganten zweisitzigen Gefährt von der Bahnstation abholte.
Es machte ihr Bergnügen, die Rosselenkerin zu spielen. Das Pferd, welche« Herr von Bregunoff ihr zu dem Zweck zur Verfügung stellte, war lammfromm, und die Strecke vom Gut bis zur Eisenbahnstation betrug knapp drei Werst.
Bergstraats Worten wage ich allerdings nicht zu zweifeln. Du kannst Dir vorstellen, meine Herzensthea, wie besorgt mich diese Angelegenheit macht! Ich bitte Dich, schreibe mir umgehend, ob meine Befürchtungen unnütz find oder nicht. Vielleicht, das sage ich mir zum Trost, beruht das Ganze auf einem Mißverständnis. Liebes Kind, bald Habs ich sechzig Jahre auf dieser Welt gelebt und weiß, obzwar ich nur eine schlichte, alte Frau bin, manches im Leben richtig zu beurtheilen. So unterschätze ich auch nicht den Werth des Geldes, und es beglückte mich, mein einziges, heißgeliebtes Kind in Lebensverhältnissen zu wissen, die es jeglicher Sorge um das tägliche Brot entheben, ja im Ueberfluß leben lassen. Nach dem, was ich nun vernommen, sage ich mir angstvoll, daß, wenn es so weitergehen sollte, Tante Eugeniens Erbschaft bald aufgezehrt sein muß. Gott habe die Schwester Deines Vaters selig. — Damals, als ich von ihrem Testament erfuhr, dankte ich es ihr überschwänglich, daß sie dich, meine Tochter, mit Gold überschüttete. Eine Ueberzeugung habe ich von meinem Aufenthalt bei Dir leider mit nach Hause genommen — vergieb Deiner alten Mutter, wenn sie das, was ihr Herz so schwer bedrückt, offen ausspricht: „Du bist nichts so glücklich in Deiner Ehe, wie zu werden Du es erhofftest." Ich will nichts Schlimmes über Deinen Mann sagen, Dich nicht gegen ihn aufhetzen. Wenn Eheleute einander nicht gut verstehen, so liegt die Schuld gewöhnlich an beiden. Ich will nicht weiter forschen und fragen, warum aus Eurem Bunde keine glückliche Ehe geworden ist. Vielleicht ist Euer Geld daran schuld. ES hat Euch Eurem Zuhause
„Ja, ich hatte geschäftlich Aerger," versetzte Walter kurz und unliebenswürdig.
Wozu brauchte Thea zu erfahren, daß er in der verflossenen Nacht eine recht bedeutende Summe im Ha- zard verloren?
Immer schiefer ward die Ebene, auf welcher er sich befand.
Hätten Härtung« in einer kleinen Stadt gelebt, so wäre Thea ohne Zweifel längst von Walters Thun und Lassen unterrichtet gewesen.
Kurz vor ihrer Abreise aus Bregunoffka erhielt die junge Frau einen Brief von ihrer Mutter, welcher sie tief verstimmen mußte.
Am Schluß schrieb nämlich Frau Lindner:
„Da Du doch weißt, mein geliebtes Kind, wie sehr Dein Wohl und Wehe mich beschäftigt und mir am Herzen liegt, so kann ich nicht umhin, Dir mitzuteilen, daß mich in Hinsicht auf Deine Vermögensverhältnisse ernstliche Besorgnisse erfüllen. Wie Dir bekannt, ist der Ratsherr Bergstraat, der alte, treue Freund Deines Vaters, ein naher Verwandter des Bankiers, in dessen Geschäft Tante Eugeniens Dir zugefallenes Geld deponiert wurde. Wie Bergstraat mir damals versicherte, ist alles Kapital vortrefflich angelegt worden, so daß ich Deines Geldes wegen, liebe Thea, vollständig beruhigt war. Nun erfahre ich jedoch zu meinem Befremde» — wiederum durch Bergstraat, dem es sein Vetter, der Bankier, im Vertrauen mitgeteilt — daß Du bereits eine hohe Summe von Deinem Vermögen aus der Bank gehoben hast. ■ Liebe« Kind, sollte da« wirklich der Fall sein? An