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Illusterste landwirthschaftliche Beilage
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Erstes Blatt
Verteilungen
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H für die Monate November und Dezember werden von allen kaiserlichen Postanstalten, kandbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Ö Ae Franzosen vor Mytilene.
U Aus ziemlich geringfügigen Ursachen ist Frankreich k in einen ernsten Konflikt mit der Türkei gerathen. Es u handelt sich ursprünglich um Reklamationen wegen der Ansprüche zweier Geldmänner Namens Lorando und r Mubini, mit deren Erfüllung die hohe Pforte säumig - war. Der Abberufung des französischen Botschafters k - Constans in Konstantinopel ist jetzt die Entsendung eines □ i französischen Geschwaders nach der Insel Mytilene ge- k kölsch das, nachdem der Sultan nach längerm Hin und r T die französischen Geldansprüche anerkannt hat, : der Forderung von Bürgschaften für pünktliche Zahlung r Nachdruck verleihen soll.
y | Die Angelegenheit ist schon durch das Erscheinen der r)j.'. französischen Flotte an einem strategisch wichtigen Punkte W des Aegäischen Meeres, der die Eingänge sowohl zu den Dardanellen als auch zu dem wichtigen kleinasiatischen Handelshafen Smyrna beherrscht über den Rahmen einer ^.'gewöhnlichen Reklamation hinausgewochsen und bekommt Minen ernstern Charakter durch sogenannte moralische ^Forderungen, die die französische Regierung nachträglich erhebt. Sie beziehen sich aus die Stellung der katholischen MNeligions-Genossenschaften im Orient und auf die Aner- Ukennung der Wahl eines chaldäischen Patriarchen. Hier- Mdurch hat sich die französische Regierung für die Flotten- WExpedition nach Mytilene einen stärker» Rückhalt in der Moffentlichen Meinung Frankreichs verschafft, die sich für Weine ungewöhnliche Macht-Entfaltung zu Gunsten der MForderungen der hochprozentigen Geldleiher Lorando und MTubini nicht sonderlich begeistern konnte. In Pariser ^MBlättern spukt bereits die Erinnerung an die Stellung iWFrankreichs im Orient von den napoleonischen Siegen zWin Aegypten her und als Protektor der Katholiken in MPalästina.
• ■ Weiter aber bekommt das Vorgehen Frankreichs ein sM^eEicheS Aussehen dadurch, daß unter den Völker- Dschasten des türkischen Reiches soviel Zündstoff vorhanden
^icht Feuer fängt, wenn irgendwo in der Nähe MFunken fliegen. Die Armenier haben sich schon zu Be- Mginn des Lorando-Streites mit verdächtigen Klagen über EoiigebHdje neue türkische Greuel geregt. Ebenso sind unruhigen Elemente in Makedonien immer bereit, WBedrängnisse des Sultans auszunntzen.
■ Die Hoffnung, daß trotzdem der französisch-türkische MKonflikt kein größeres Unheil stiften werde, beruht haupt- Zinchlich auf der Haltung Rußlands. Es hat schon früher Kauf die Bitte des Sultans, den Streit zu schlichten, Werne Einmischung abgelehnt, und es scheint jetzt über« ■Coupt keine Ausrollung der orientalischen Frage zu ^ wünschen. Was in Frankreich erfreut, der erneute Ver- WUlch eines Protektorats über die Katholiken im Orient, M in Rußland keineswegs willkommen sein, und noch ■ Ub'"üer würde die Regierung des Zaren Wohlgefallen
daran haben, wenn sich der französische Bundesgenosse mit Besetzung der Insel Mytilene ein Anrecht erwerben würde, bei Lösung der Meerengenfrage als Rivale auf- zutreten. Daher versteht sich auch die unwillige Frage französischer Blätter: Wo bleibt der russische Freund?
China.
Li-Hung-Tschang ist am 6. November in Peking gestorben; es liegen darüber folgende Meldungen vor:
Peking, 6. November. Li-Hung-Tschang liegt im Sterben.
Peking, 6. November. Abds. 9 Uhr. Li-Hung- Tschang lebt noch, man hatte nicht erwartet, daß er so widerstandsfähig sein werde. Die Aerzte halten es für wahrscheinlich, daß er in den Morgenstunden sterben wird. Das Todtengewand ist ihm bereits angelegt. Die chinesischen Generale haben Vorkehrungen getroffen gegen etwaige fremdenfeindliche Demonstrationen, die indessen für höchst unwahrscheinlich angesehen werden. An den Prinzen Tsching, der dem Kaiserlichen Hofe ent- gegenreist, und Tschufu, den Kämmerer der Provinz, welcher in Paotingfu seinen Sitz hat, sind Telegramme abgesandt worden. Tsching wird die Regierungsangelegenheiten übernehmen und Tschufu die Geschäfte als Gouverneur der Provinz Petschili führen, bis Li-Hung° Tschangs Nachfolger, wahrscheinlich der Gouverneur von Shantung, Juanschikai, ernannt ist. Die Aerzte Li- Hung-Tschangs sind der Amerikaner Coltman, der deutsche Gesandtschaftsarzt Dr. Velde und Li-Hung-Tschangs chinesischer Leibarzt, der auf der Hochschule in Tientsin seine Ausbildung erhalten hat.
Peking, 7. November. Li-Hung-Tschangs Tod wurde durch seine beständige Weigerung, sich von den Geschäften fernzuhalten, beschleunigt, wie auch durch den Widerstand seiner Angehörigen gegen die Anwendung europäischer Heilverfahren, sodaß Dr. Velde und Dr. Coltman erklärten, die Behandlung niederzulegen, wenn der chinesische Arzt nicht entlassen werde.
Politische Nachrichten.
Berlin, 7. November.
Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern Vormittag einen Spaziergang im Park von Sanssouci. — Zur Mittagstafel bei Ihren Majestäten war Gräfin Sarah Henckel-Donnersmarck geladen. — Heute Vormittag hörte Se. Majestät die Vorträge des Kriegsministers v. Goßler, des Chefs des Generalstabes der Armee Grafen v. Schliessen und des Chefs des Militär- kabinets Grafen v. Hülfen-Haeseler. Später gedachte Se. Majestät den Bildhauer Bruett zu empfangen, sowie zur Ordensrückgabe den Fürsten zu Hohenlohe und den Fürsten v. Lichnowsky.
Der Kaiser hat gestern anläßlich des 50jährigen Bestehens der M a r i n e s ch u l e an den Inspekteur des BildungSwesenS der Marine Vizeadmiral v. Arnim fol- ; gendes Telegramm gerichtet: „Am heutigen Tage des 50jährigen Bestehens der Marineschule entbiete Ich den Offizieren und Fähnrichen Meinen Kaiserlichen Gruß mit dem Wunsche, daß die Anstalt auch fernerhin als Stätte ritterlichen Geistes und berufswiffenschaftlicher Bildung Meiner Seeoffiziere von Erfolg gekrönt sein möge. — Sie haben diese Ordre den Offizieren und Fähnrichen Meiner Marineschule bekannt zu geben.
gez. Wilhelm I. R .
Das Defizit im R e i ch s e t a t, das bisher auf 100 Millionen Mark geschätzt wurde, beträgt nach der end- giltigen Aufstellung des Entwurfs für den Bundesrath 140 Millionen Mark. Um diesen Betrag würden also, wenn nicht weitere Mittel gefunden werden, die Matrikular-Beiträge der Einzelstaaten zu erhöhen sein.
Wie die „Kieler Zeitung" erfährt, hat das Geschwaderkriegsgericht gestern den Korvettenkapitän v. C o tz h a u s e n von der Anklage, den am 4. September b. I. erfolgten Untergang des kleinen Kreuzers „Wacht" verschuldet zu haben, bedingungslos freigesprochen.
_ Wie die „Kölnische Zeitung" aus München vom gestrigen Tage meldet, ist die Annahme, Bayern werde dem Beispiel Württembergs in der Ausgabe der eigenen Postwerthzeichen folgen, vollkommen irrig. Die Regierung ist fest entschlossen, an den bestehenden Verhältnissen nichts zu ändern. Der Wortlaut des zwischen Preußen und Württemberg abgeschlossenen Vertrages wurde Bayern mitgetheilt.
Die Protestbewegung gegen die Edinburger Rede Chamberlains, worin er die englischen Greuelthaten in Südafrika mit der deutschen Kriegführung 1870/71 auf eine Stufe stellt, nimmt im deutschen Reiche immer weiteren Umfang an. So werden neue Protestkundgebungen aus Goslar und Osnabrück sowie Jena gemeldet.
Der Bund es rath überwies in seiner heutigen Sitzung die Vorlagen, betreffend der Reichsausgaben und Einnahmen für das Rechnungsjahr 1900, betreffend die Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für 1899 und 1900, betreffend den Entwurf einer Verordnung wegen Festsetzung der Gebühren der Rechtsanwälte im Verfahren vor den Schiedsgerichten und dem Reichsversicherungsamte, betreffend den Entwurf von Bestimmungen über das Verfahren rur Feststellung der bei Anträgen auf Einführung eines früheren Ladenschlusses erforderlichen Zahl von Geschäftsinhabern den zuständigen Ausschüssen.
Gegenüber anderslautenden Blättermeldungen erfahren die ,Berl. Neuesten Nachrichten" an maßgebender Stelle, es sei nicht richtig, daß der Zolltarifentwurf im Bundesrathe wichtige Veränderungen erfahren habe. Ebenso unrichtig sei die Behauptung, daß die baldige Einbringung der Vorlage im Reichstage zweifelhaft geworden sei. Nach wie vor bestehe begründete Hoffnung, daß dem von allen Parteien gehegten Wunsche, die Vorlage im Reichstage bei dessen Zusammentritt unterbreitet zu sehen, wird Rechnung getragen werden können.
Das neue Linienschiff „KaiserKarl der Groß e", welches gestern bei einer Probefahrt auf der Unterelbe an Böschungen festgeseffen war, wurde alsbald wieder frei und ist gestern Abend wohlbehalten in Kuxhaven eingetroffen.
Nach einer aus den Berichten der beamteten Thier- ärzte im Kaiserlichen Gesundheitsamt angesertigten Zusammenstellung hatten die T h i e r s e u ch e n im Deutschen Reiche am 31. Oktober d. Js. folgende Verbreitung : Der Rotz (Wurm) war in 47 Gehöften und 39 Gemeinden, die Lungenseuche in 9 Gehöften und 7 Gemeinden, die Maul- und Klauenseuche in 1041 Gehöften und 213 Gemeinden und die Schweineseuchen (incl. Schweinepest) in 511 Gehöften und 423 Gemeinden festgestellt.
In Berlin haben die Stadtverordnetenwahlen der dritten Abtheilung den Sozialdemokraten eine Reihe von Erfolgen gebracht und zu einer wettern Zurück- ' drängung des im übrigen ja der Sozialdemokratie sehr nahe stehenden reichshauptstädtischen Freisinns geführt. , Die Wahlbetheiligung war in allen Wahlbezirken eine ‘ äußerst geringe.
Die „Nord-Ostsee-Zeitung" meldet aus Kiel vom 7. November: Auf S. M. S. „B a r b a r o s s a" brach heute früh 8</j Uhr beim Einsetzen der Dampfpinasse das stählerne Heißtau, als sich das Boot in der Höhe des Scheinwerferpodestes befand. Die Dampfpinasse stürzte ins Wasser und versank. Die im Boot befindlichen Leute wurden durch die nachspringenden Offiziere: Korvettenkapitän v. Levetzow, Kapitänleutnant Meurer und Leutnant zur See Knorr gerettet bis auf den Torpedo- Obermatrosen Kairies, welcher noch gesucht wird.
Nach den vom Königl. Schulcath Radomski in Posen herausgegebenen „Statistischen Nachrichten über die Taub- stummen-Anstalten Deutschlands für 1902, \ I. Jahrgang", befinden sich im Deutschen Reiche 90 (in Preußen 45) Taubstumm en-Anstalten mit 736 Lehrkräften, 671 Klaffen und 6542 Zöglingen, darunter 3583 Knaben und 2959 Mädchen. Von den Zöglingen sind 3976 evangelisch, 2468 katholisch und 98 israelisch. In Internaten befinden sich 3090 und in Externaten 2795