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d. W.Dienstag to 26. Mmter 1901,
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auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" -» „Zllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 23. November 1901.
Mit Einzahlung der a m 1 5. d. M t s. fällig gewesenen 3ten Rate der für das laufende Rechnungsjahr zu entrichtenden Kreissteuer sind noch die Gemeinden: Conrode, Friedewald, Kleba, Lampectsfeld, Meck- bach, Mecklar, Obergeis, Oberhaun, Petersberg, Schenklengsfeld, Sieglos, Sorga und Wehrshausen, sowie die Gutsbezirke: Eichhof und Oberrode im Rückstände.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher der betr. Gemeinden bezw. Gutsbezirke veranlaffe ich deshalb hierdurch, doch dafür Sorge zu tragen, daß die fällig gewesenen Beträge noch umgehend zur hiesigen Kreiskommunalkasse eingezahlt werden.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Die goldene Mitte.
Der Altreichskanzler Fürst Bismarck hat in einer seiner im Reichstage gehaltenen Reden Industrie und Landwirthschaft als die beiden Rosse bezeichnet, die gemeinsam vor den Staatspflug gespannt wären und diesen »u ziehen hätten; eine geraume Zeit hätte das eine nach
Hochflut.
Erzählung von A. von L i e l i e n c r o n.
(Fortsetzung.)
Er hatte ihre Hände ergriffen und bedeckte sie mit Füssen, während sie ihn erglühend und verwirrt an- schaute.
»Ich habe Sie erschreckt, mein heißes Herz riß mich stürmisch fort!" klagte er sich an, ohne ihre Hand zu geben. „Doch ich verlange noch kein bindendes r-ort ich will mich bis morgen früh gedulden ! Nur die Erlaubnis soll mir werden, heute abend mit ihrem Onkel iprechen zu dürfen? Will mein HaideröSchen mir das Matten?«
»Ja, Graf Herder!" stammelte das junge Mädchen benommen.
„Nicht so!" drängte er, und seine strahlenden Augen «ante» tief in die ihren. „Nicht diese formelle Anrede!
einziges Mal soll dieser rosige Mund schon heute '^»d mich mit einem vertraulichern Namen nennen! bitte nicht um viel, aber dies eine sei mir gewährt!" Hilde erbebte in tiefer, innerer Erregung. „Siegfried!" '" es traumhaft leise über ihre Lippen.
r . Ihm mußte das eine Wort wie Musik geklungen «aven, denn sein schönes Antlitz leuchtete aus, und wer j% °b er, hingerissen von dem Zauber des Augenblicks,
i "och zu kühnerm Werben vorgeschritten wär», wenn K? - b" Stimme des Barons gerufen hätte: „So, lieber
Qb das Schreiben ist fertig, wie wäre es nun mit ^ ^'" Parliechen?"
links, das andere nach rechts gezogen, der Pflug selbst wäre aber infolge des Auseinandergehens des Vorspanns nichts vorwärts gekommen. Was Fürst Bismarck mit seinem Vergleiche meinte, liegt offen zutage: Der Staat kann nur gedeihen, wenn sich Industrie und Landwirthschaft, auf deren Thätigkeit, Schaffenskraft und Schaffensmöglichkeit des Volkes wirthschaftliche Wohlfahrt beruht, einmüthig mit einander in derselben Richtung in die Sielen legen.
Auch unsere Handels-Politik kann sich nur auf dem Zusammenwirken von Industrie uud Landwirthschaft aufbauen. Beide sind als gleichberechtigt zu bewerthen und zu behandeln; es darf daher die eine nicht auf Kosten der andern unterstützt werden. Die deutsche Landwirthschaft braucht zu ihrem Dasein vornehmlich eine kaufkräftige Industrie. Umgekehrt ist die Industrie auf die Landwirthschaft angewiesen; denn die Industrie verliert den größten Theil des innern Marktes, wenn die Landwirthschaft Roth leidet. Beide Erwerbsgruppen stehen im wechselseitigen Verhältnisse von Erzeugern und und Verzehrern.
Dieser Gemeinsamkeit der Interessen ist in dem Zolltarife Rechnung getragen, den die verbündeten Regierungen dem Reichstage vorgelegt haben, um eine Grundlage zum Abschluß der neuen Handels-Verträge zu gemimten Nach langer, mühsamer Arbeit ist in dem Entwürfe ein Werk zustande gekommen, das für die nationale Arbeit gleichmäßig sorgt: Der Wunsch des Kaisers, des Reichskanzlers und des Bundesraths, daß die Landwirthschaft nicht stiefmütterlich behandelt werden solle, ist in der That umgesetzt; die Forderungen der Landwirthschaft sind erfüllt, soweit sie sich mit dem Wohle der Gesammtheit vereinbaren lassen. Aber auch die Industrie ist nicht zu kurz gekommen; wie die Erzeugnisse der Landwirthschaft, die gegen die Ueberfluthung des Auslandes nicht auskommen können, wirksam geschützt werden, so sind auch für die Zweige der Industrie, die unter dem ausländischen Wettbewerbe leiden, Zoll-Erhöhungen in dem Tarif-Entwürfe vorgesehen.
Jetzt hat der Reichstag das Wort. Die Berathung des Zolltarifs wird ein Prüfstein für seine Existenz-Berechtigung werden. Ein Ausgleich muß gefunden werden. Dieses „Muß" beruht auf der Nothwendigkeit, unsre Handels-Beziehungen auf einer Grundlage neu zu regeln, die für das Ausland weniger als bisher vortheilhaft und die unsere nationale Arbeit mehr als bisher schützt.
„Ich stehe zu Befehl!" klang es aus der Fensternische zurück. Herder preßte die liebe Hand, die er noch immer hielt, fest an seine Brust und flüsterte siegesfreudig; „Morgen halte ich die Braut in meinen Armen!"
Nebenan in dem Billardzimmer, wohin beide Herren sich zurückgezogen hatten, hörte man kein Rollen der Kugeln. Der Graf führte dort eine eifrige, flüsternde Unterhaltung mit dem Baron, dessen Antlitz einen geradezu beseligten Ausdruck annahm. In seinem Eifer überhörte er völlig, daß hinter ihm die Thür ging, und in dem Glauben, mit seinem geliebten zukünftigen Reffen allein zu sein, beteuerte er ihm jetzt mit erhobener Stimme: „Das war eine Freuden-Botschaft, mein lieber Graf, morgen muß die Sonne lachen, wenn Sie Ihre Verlobung mit Hilde feiern I"
Auch der Graf halte den Eintretenden nicht gleich bemerkt. Erst als dieser, der wie erstarrt auf der Schwelle stehen geblieben war, mit einer unwillkürlichen Bewegung an die Thür stieß, wandten sich die Herren um, und keinem von beiden kam es dabei in den Sinn, daß des Barons Worts gehört sein könnten.
„Willibald, Junge, machst du bei diesem himmlischen Wetter vielleicht auch eine BergnügungStour?" begrüßte der alte Herr den Reffen und ging ihm entgegen. „Höre, du bist doch nicht krank dabei geworden? Siehst ja zum Gotterbarmen aus!"
Ueber den Angeredeten war eine eisige Ruhe gekommen. „Es geht mir vortrefflich!" versicherte er. „Aber ich will nicht stören! Es schien mir eine interessante Unterhaltung zu sein, die ich unterbrach,
Um eine Einigung herbeizuführen, wird Selbstbeschränkung bei der Führung der Jnteressentengruppen unerläßlich sein. Sowohl die Wortführer der Industrie als auch die der Landwirthschaft werden Opfer ihrer Wünsche bringen müssen; nur durch Nachgiebigkeit von beiden Seiten kann ein Zolltarif geschaffen werden, der wie der Entwurf des Bundesraths jedem das Seine giebt, indem er die goldene Mitte hält.
Politische Nachrichten.
Berlin 24. November.
Die Vereidigung derRekruten desGarde- korps aus den Garnisonen Berlin, Spandau, Char- lottenburg und Groß Lichterfelde fand am Sonnabend Vormittag, 11 Uhr, in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers und Königs und des Erzherzogs Ferdinand Karl Ludwig von Oesterreich im Lustgarten zu Berlin statt.
Se. Majestät der Kaiser hat dem Erzherzog Ferdinand Karl Ludwig den Schwarzen Adlerorden verliehen, dem K. K. Kammervorsteher, Obersten Fihrn. von Bodmann den Rothen Adlerorden II. Klasse.
Der Finanzminister hat sich damit einverstanden erklärt, daß allgemein auch die mit Kassene nrichrung versehenen Reichsbankanstalten als Zahlstellen für preußische Staatsschuldbuchzinsen innerhalb des Deutschen Reichs zugelassen werden. Die preußischen Landeskassen bleiben daneben als Zahlstellen für die Staatsschuldbuch- zinsen bestehen, so daß die Gläubiger in solchen Orten, in welchen eine Reichsbankanstalt und eine preußische Landeskasse ihren Sitz hat, zwischen beiden Kassen wählen können. Hierdurch werden verschiedene Unzuträglichkeiten beseitigt; namentlich werden diejenigen Empfangsberechtigten, welche sowohl Staats- wie Reichsschuldbuchzinsen baar abzuheben haben, beide Posten später auf einer und derselben Stelle (z. B. in Hamburg bei der Reichsbankhauptstelle, in Charlottenburg bei der Reichsbanknebenstelle) abheben können, wenn sie es bei der Hauptverwaltung beantragen.
Zur Frage einer eventuellen Beipaffnung der Landbriefträger schreibt nunmehr die „Deutsche Verkehrszeitung" : „Durch eine Reihe von Tageszeitungen geht die Mittheilung, daß zufolge ministerieller Anordnung die Landbriefträger allgemein mit dem neuen Infanterie-Seitengewehr ausgerüstet werden. Anlaß zu
Er war mit kurzem Gruße an den Herren vorüber geschritten, die ihn auch nicht zurückzuhalten versuchten. Doch als er jetzt in das nebenan liegende Gastzimmer trat, wäre er am liebsten wieder zurückgewichen, wie er Hilde in der Fensternische gewahrte.
Einen Augenblick zögerte sein Fuß, dann schritt er rasch auf die Jugendgefährtin zu. _ Warum auch nicht — er wollte nun doch auch einmal sehen, wie die kleine Hilde als glückstrahlende Braut ihn anlächeln würde. Da drinnen in der Brust, meinte er, sei alles Gefühl zu Eis erstarrt, und wenn dennoch das thörichte Her, so wild dabei poche, so könne man diesem unbequemen Dinge auch noch das Schwert tiefer in bie Wunde bohren, vielleicht würde es dann geheilt von seinem krankhaften Wahne, wenn es sich im Schmerz verblute!
„Willibald, wo kommst du her?" tönte es ihm ent- gegen; erschreckt — zögernd — und nur langsam streckte sich ihm eine kleine Hand hin. _
Er that, als sähe er es nicht. Mit verschränkten Armen blieb er vor Hilde stehen und berichtete in kühlem, sachgemäßen Tone: „Ich wollte mir eine Erholungszeit gönnen und zu Fuß die Schlachtfelder von Trautenau, Chlum und Nachod besuchen. Von Schmiedeberg kam ich heraus und hörte in den Grenzbauten von dem Fuhr- knecht, der eben zurückgekehrt war, daß er Euch nach Marschendors gefahren habe und Ihr dort nicht fort» gekonnt hättet. Ich dachte mir Euern Aufenthalt hier nicht gerade angenehm und schlug mich bis Marschendors durch, um dafür zu sorgen, daß Ihr weiter könnt."
„Die Fuhrleute wollen nicht fahren, sagte Hilde."