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Gratisbeilagen r „IUnftrirtes Sonntagsblatt" «. „Allaftrirte lan-Wirthschaftliche Beilage^.
U143. Lieostag in 3. Iezmber 1901.
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auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" -» „Wnstrirte landtvirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenomnien.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 2. Dezember 1901.
Im Monat November d. JS. sind dahier für folgende
Herren Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine.
a. entgeltliche:
am 1/11. für den Waldwärter Chr. Claus in Philippsthal,
„ „ „ „ Hauptmann Kremski in Hersfeld,
„ „ „ „ Königlichen Oberförster Schwechl in Philippsthal,
„ „ „ „ Königl. Gymnasial-Oberlehrer Wasser- meier in Hersfeld,
„ „ „ „ Tuchfabrikanten Friedrich Rechberg in Hersseld,
„ 4/11. „ „ Lohmühlenbesitzer Bernhard Heinrich Rößing in Hersfeld,
„ „ „ „ Königlichen Regierungs-Bauführer Hans von Rhöneck in Philippsthal,
„ „ „ „ Gutsbesitzer Heinrich Burghard Rüger in Unterweisenborn,
„ 6/11.,, „ Königlichen Amtsrichter Herrn Roßbach in Hersfeld,
l( 7/11. „ „ Stationsvorsteher a. D. Hirt in Hersfeld,
„ 9/11. „ „ Landwirth Adam Noll in Meisebach,
„ 12/11. „ „ Nittergutspächter Wilhelm Hold in Kirch- heim,
„ „ „ „ Königlichen AmtSgerichtsrath Dr. Born in Hersfeld,
„ 13/11. „ „ Landwirth Arnold Nüger in Unterweisen - born,
hochflllt.
Erzählung van A. von Lieliencron.
(Fortsetzung.)
Ich werde die Kinder in mein Zimmer bringen, da sind sie geborgen, bis wir am Tage die Eltern aus- sinbig machen!" entschied Hilde, vorwärts schreitend. »Und etwas Warmes zu trinken werde ich ihnen auch geben!"
»Du selber mußt vor allen Dingen etwas Wärmen- genießen! Dafür werde ich sorgen! Du schonst deiner "icht und vergißt dich selbst über den andern I* hörte Willibald sprechen, der an ihrer Seite geblieben war. Ihr Herz pochte in wilden Schlägen, als sie sich dem ^»sthause näherten. Wo war der Mann, dem sie sich £ute anverloben wollte ? Konnte sie mit Vertrauen eine H°nd zum heiligen Bündnis umschließen, die sich nicht Weberei! den Bedrängten entgegenstreckte I Solche bangen A^gen wirbelten durch ihr geängstigtes Hirn. Doch ihr nicht Zeit zum Grübeln, als sie das Gasthaus er- hatten. Die Kinder mußten getröstet und zu Bett ^bracht werden, während ihr treuer Gefährte für warmes "trank sorgen wollte.
Wie Stille nach dem Sturm kam es über sie, als ^luibalb mit dampfender Milch erschien, sie miteinander " Kleinen versorgten und er ihr trockne Kleider reichte, er für sie aus dem Schränk der Wirthin geholt ^te. Nicht eher ruhte er, bis sie die Schale Milch ge- '°»>men, die er ihr eingegossen.
am 13/11.für denGutsbesttzer Wilhelm Renner in Lengers, „ 16/11. „ „ Gutsbesitzer Georg Gliemeroth sen. in Wölfershausen,
„ 18/11. „ „ Königlichen Amtgerichtsrath Drießen in Schenklengsseld,
„ „ „ „ Landwirth Heinrich Pfalzgraf in Willings- hain,
„ 19/11. „ „ Gastwirth Johannes Fink in Solms,
„ „ „ „ Schreiner Jakob Nieding in Gittersdorf, „ 25/11. „ „ Gutsbesitzer Otto Reinhard in Landershausen,
„ 26/11. „ „ Gutsbesitzer Adolf Reinhard in Unterweisenborn,
„ 27/11. „ „ Landwirth Johannes Hewig inKemmerode,
„ 28/11. „ „ Gastwirth Heinrich Eichmann in Mengs- hausen,
„ „ „ „ Rentier Johannes Harnickel in Hersfeld, „ 30/11. „ „ Regierungs-Assessor Fritz Heß in Hersfeld,
b. une ntgeltliche:
„ 4/11. „ „ Königlichen Förster Uhl zu Forsthaus Stöckig;
„ 8/11. „ „ Königlichen Förster Troch in Meckbach; B. Tagesjagdscheine.
„ 5/11. „ „ Pfarrer Friderici in Pferdsdorf b. Vacha.
„ 11/11. „ „ Hauptmann von Loeper aus Metz, z. Zt. in Breitenbach am Herzberg.
Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 1. Dezember.
Aus Göhrde wird vom 30. November gemeldet: Das heute Nachmittag stattgehabte Jagen auf Nothwild wurde theilweise durch Regen beeinträchtigt. Der Kaiser erlegte 15 Hirsche. Die Gesammtstrecke beträgt 75 Hirsche und 74 Mutterwild. Nach ausgehobener Mittagstafel fuhr der Kaiser unter den Hochrufen des zahlreich anwesenden Publikums zur Station Göhrde, um über Wittenberge nach Potsdam zurückzukehren.
Die „N o r d d. A l l g. Z t g." schreibt: Von verschiedenen Seiten ist es mit Genugthuung begrüßt worden, daß nicht autorisirte und falsche Angaben über die von Sr.
„Du mußt dich jetzt umziehen, Hilde! Das ist nothwendig, sonst wirst du krank!" erklärte er in der bestimmten Weise, wie er in der Kinderzeit mit ihr gesprochen hatte. „Dann setze dich hier in die Sofaecke und versuche zu schlafen! Du hast mehr geleistet .als man von einem so zarten Mädchen erwarten kann!"
„Und du?" forschte sie mit ängstlichen Augen.
„Ich werde jetzt hier das Vieh anflocken, das sie in Massen heraufgetrieben haben, dann gehe ich wieder herunter!"
Sie griff nach seiner Hand. „Ich werde gehorsam sein und mich ausruhen!" gab sie zu. „Aber, Willibald, ehe du wieder ins Thal hinabsteigst, kommst du noch einmal zu mir herauf und nimmst mich mit!"
Er überhörte absichtlich den letzten Satz und versprach, ihr nach kurzem Botschaft zu bringen, wie alles stände.
Hastig warf Hilde die trocknen Kleider über, löste die schweren Flechten und ließ die feuchten Strähnen frei über den Rücken wallen. Gehorsam setzte sie sicv in die Sofanische. Aber nun, in dem Augenblick des Alleinseins, wo die völlige Ruhe eintrat, stürmten die quälenden Gedanken mit doppelter Macht aus sie ein.
Unfähig, sie länger zu bemeistern, sprang das junge Mädchen auf, und da sie in demselben Augenblicke draußen die Stimme des Grasen zu vernehmen glaubte, öffnete sie leise ihre Zimmerthüc und war auf dem Flur, ehe sie selber wußte, was sie that.
Schräg gegenüber lag der bedeckte Balkon des Hauses,
Majestät dem Kaiser und König jüngst in Kiel gehaltene militärische Ansprache sofort durch die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" dementirt worden sind. Indessen sollte selbst in einem so klaren und einfachen Fall die prompte Abwehr einer übereifrigen unwahren Berichterstattung Anlaß zu thörichter Nörgelei geben. Die hiesige „Deutsche Zeitung" will einem peinlichen und beleidigenden Eindruck von dem „übermäßigen amtlichen Eifer" gewonnen haben, mit dem ein angeblicher Hinweis aus Kaiserlichem Mund auf den Krieg und namentlich auf den Krieg von 1870/71 in Abrede gestellt worden sei. Dem Blatte fehlt augenscheinlich das Verständniß dafür, daß es nicht sowohl auf den Inhalt der angeblichen Allerhöchsten Aeußerungen ankommt, als vielmehr darauf, daß Seiner Majestät überhaupt erfundene Aeußerungen bei einer im militärischen Kreise gehaltenen Rede in den Mund gelegt worden sind. Dieser Fall lag vor, und es ist das untastbare Recht Seiner Majestät des Kaisers, solche apokryphe Reden dementiren zu lassen.
Der unter dem Vorsitze von Dr. Freund-Berlin tagende Ausschuß des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise ist nach eingehenden Berichten und Erörterungen über die A r b e i t s l o s e n - F r a g e zu folgenden Ergebnissen gelangt: „Der Ausschuß des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise erachtet es für nothwendig, Versuchen zur Uebertreibung oder Verschleierung bezüglich des Umfanges der zur Zeit in Deutschland herrschenden Arbeitslosigkeit in gleichem Maße entgegenzutreten. Daß eine über den gewöhnlichen winterlichen Umfang hinaus- gehende Arbeitslosigkeit besteht, ist unbestreitbar; daß sie den Charakter eines Nothstandes angenommen habe, findet in den vorliegenden Nachrichten keine Begründung. Die Arbeitslosigkeit ist vielmehr über die verschiedenen Theile des deutschen Reiches ungleich vertheilt. Ein wesentlicher Theil der arbeitslos Gewordenen ist anscheinend von solchen Erwerbszweigen ausgenommen worden, zu denen bisher ein Zudrang von Arbeitskräften nicht statt- fand. Die gegenwärtige gespannte Lage des Arbeits- marktes zwingt mit der Möglichkeit zu rechnen, daß insbesondere bei einem strengen Winter ein Nothstand in Folge großer Arbeitslosigkeit eintritt. Staat und Gemeinde müssen, in so weit dies nicht bereits geschehen, diese Möglichkeit rechtzeitig ins Auge fassen. Insbesondere wird die beschleunigte Inangriffnahme bereits beschlossener Arbeiten, sowie die Bewilligung von Mitteln für in Aussicht genommene Arbeiten, deren sofortige Durchführung zu ermöglichen ist, bei Zeiten vorzubereiten sein.
| in dessen geöffneter Thür der Wirth stand, den sie sagen hörte: "Behaltet nur Euer Geld, Herr Graf! Das könnt ihr später einmal den Armen geben, die heute ihr Alles verlieren! Jetzt nützt es ihnen nicht! Was sie in dieser Stunde gebrauchen können von einem jeden, der Kopf und Herz auf dem rechten Fleck bat, das ist thatkräftige Hilfe! Zu thun giebts an allen Ecken!"
„Dafür sind hier Leute genug! Man^ braucht die Reisenden nicht zu inkommodieren!" hörte Hilde die gereizte Antwort vom Balkon her.
„Dem Himmel sei Dank, giebt's doch Reisende, die anders denken!" grollte der junge Wirth und machte kurz kehrt, um wieder an die Arbeit zu gehen.
„Ueberspannte Narren und übereifrige Helfershelfer machen sich gern wichtia! Ich überlasse ihnen die Rolle und wünsche keine weiter» Belästigungen!" rief der Graf ihm nach, ohne mehr von ihm gehört zu werden.
Einer andern aber war auch diese Antwort nicht entgangen. Für sie brach durch diese Worte das Karlen- gebäude zusammen, das sie sich schimmernd ausgeoaut hatte und die herrliche Siegfriedsgestalt, deren Seele ihre Phantasie mit allen Tugenden zu schmücken liebte, stand vor ihr wie ein herzloses Phantom, dessen blendende Hülle gesunken war.
Hilde meinte, es nicht mehr ertragen zu können. Naturwüchsig und gesund in allen ihren Empfindungen, fühlte sie jetzt mit doppelter Schärfe die Enttäuschung. Ohne weiteres Nachdenken war sie aus den Balkon geeilt und stand plötzlich vor dem Ueberraschten.