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HersWk ättWiitt

Gratisbeilagen rAllnftrirtes Ssnnragsblatt" *Illnstrirte landVirthschaftliche Beilage".

Sr. 141

5. LezeM

1901.

Verteilungen

auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"«"» Jllnstrirte landtvirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember werden von allen kaiserlichen' Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 30. November 1901.

Zufolge Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 26. November d. Js. A. II. 12478 wird der Ge­werbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an den zwei letzten Sonntagen vor Weihnachten, nämlich am 15. und 22. Dezember d. Js. bis 8 Uhr Abends für die Dauer von 10 Stunden unter Wahrung der für den Haupt­gottesdienst festgesetzten Pause freigegeben. Während der übrigen Gottesdienste dürfen die Geschäfte an den genann­ten Tagen geöffnet sein.

Am drittletzten Sonntag vor Weihnachten, also am 8. Dezember d. Js., ist nach der Bekanntmachung vom 22. August 1892 (Amtsblatt 1892, Seite 208) in allen Zweigen des Haudelsgewerbes die Beschäftigung von Ge­hülfen, Lehrlingen und Arbeitern sowie des Gewerbebe­triebes in offenen Verkaufsstellen bis 7 Uhr Abends Massig.

Die Ortspolizeibehörden weise ich hierdurch an, Vor­flehendes alsbald auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

l. 6626. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 4. Dezember 1901.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche meine Ver- fügung vom 14. April 1893 J. I. Nr. 2205, Kreisblatt Nr. 46, die polizeilichen Maaß- und Gewichtsrevisionen

Hochflut.

Erzählung von A. von Lieliencron.

(Fortsetzung.)

Er mußte die stolze Spröde mit Sturm und Gewalt an flch reißen, und dann würde sie ihn wieder anlächeln mit den sonnigen Augen. Sie war ja nur ein Weib, und die Weiber wußte er alle zu erobern. Dies war noch dazu ein sanftes, anschmiegendes Geschöpf, ohne Launen und Eigensinn. Da konnte es nicht anders enden, als daß sie liebend zu ihm zurückkehrte.

«Glauben Sie denn, ich ließe mir den Preis ent« reißen, den mir diese Lippen gestern verhießen!" rief er ungestüm.Nein, Hilde, dazu kennen Sie mich doch genau, um nicht zu wissen, daß der Sieger auf der Rennbahn vor keiner Hürde zurückschreckt und mein Herz uor keinem Hindernis, um zu erringen, was ihm unter der Blütenwelt der Frauen allein begehrenswerth er­scheint I"

Hildes kleine Hand hob sich abmehrend.Ein Werben um bie Braut ist kein Hürdenreiten I" zürnte sie,und

Mädchenherz kein Rennprei»! Sie mögen Ihren Goldfuchs mit Sporn und Peitsche über jeden Graben,

Hecke zwingen, aber das Hindernis, das sich zwischen us ausgethürmt hat, ist nicht zu überspringen. In r>er Nacht hat sich eine Kluft zwischen uns aufgethau!" in k w"d meine Liebe die Kluft auSsüllen und das ("llendliche Feuer meiner Schwungkraft mich über die u9e sorttragen, die sich zwischen uns drängen wollen,

betreffend, bis heilte nicht erledigt haben, werden mit Frist bis z n m 9. d. M t s. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Der Beginn der Zolldebatte.

Der Reichskanzler Gras von Bülow leitete die Zoll­debatten am Montag mit einigen kurzen Bemerkungen ein, in denen die beiden festen Pole der Wirthschafts­Politik der verbündeten Regierungen, höherer Schutz für die Landwirthschaft und Sicherung unseres Exports durch neue Handels verträge, bestimmt hervorgehoben sind. Wenn man davon absteht, daß die für jeden verantwort­lichen Staatsmann vorhandene Nothwendigkeit, auf den Abschluß neuer Handels-Verträge bedacht zu sein, bisher noch nicht mit solcher Bestimmtheit betont worden war, so bot die Rede des Grafen Bülow nichts Neues und noch weniger Ueberraschendes.

Die freisinnige Preffe sieht darin einen Mangel: sie erkennt wohl die geschickte Form der Rede an, setzt aber umso lebhafter aus, daß sie keine neuen Offen­barungen brächte. Wir möchten missen, wo die bei einer solchen Jahre lang vorbereiteten, nach allen Rich­tungen hin schon in der Oeffentlichkeit besprochenen Vorlage Herkommen sollten und würden es vielmehr als eine bedauerliche Erscheinung betrachten, wenn der leitende Staatsmann mit Ueberraschungen aufgewartet hätte. Das war nach dem ganzen Lauf der Dinge aus­geschloffen und auch Fürst Bismarck hat nach dem Uebergang seiner WirthschaftS-Politik vom Freihandel zum Schutzzoll bei Einbringung des Zolltarifs von 1879 im Reichstage nicht viel Neues mehr sagen können. Gegenwärtig handelt es sich gar nicht um eine solche Umkehr, sondern lediglich um eine Verstärkung des schon bestehenden Schutzes der nationalen Arbeit, insbesondere der landwirthschaftlichen.

Während also die dem Freihandel zuneigenden Kreise die Miene der Enttäuschung aufsetzen, werden weile Volksschichten an der Befriedigung theilnehmen, die sich nach der Rede des Reichskanzlers in lebhaftem Beifall aus den Reihen der Conservativen, des Centrums und

denn ich kann und will dich nicht lassen, du süßes, be­rückendes Geschöpf!"

Voll glühender Leidenschaft waren die Worte über des Grafen Lippen geströmt, sein pochender Herzschlag halte sie ihm diktiert, denn der Widerstand des Mädchens und ihre Schönheit, die ihm nie bezwingender erschienen war, als in dieser Stunde, trieben ihn immer weiter, und er meinte, der heiße Strom, der von seiner Liebe auSginge, müsse die Eigenwillige mit fliegender Macht erfassen, alle thörichten Bedenken hinweg spülen und sie in seine Arme treiben. ES konnte, eS durfte nicht anders sein, und mit stolzer Zuversicht streckte er ihr beide Hände entgegen.

Hilde trat einen Schritt zurück, ihre Züge waren bleich ünd marmorkalt.Ich habe eS ihnen gesagt, Graf Herder, wir sind geschieden! kam es eisig von ihren Lippen.Ich kann dem Manne nicht mehr rückhaltlos vertrauen, der in der Stunde der Noth kein Herz für die Bedrängten zeigte!"

O Hilde, ich ertrage es nicht!" stöhnte der junge Mann.Hat denn die eine unglückselige Nacht aus Ihrer Seele alles fortgespült, was drinnen für mich lebte?"

Das junge Mädchen war an ihn heran getreten: J4 kann nicht lügen! Jene Stunden haben unwiderruflich über mein Leben entschieden!" sagte sie leise und traurig. Die Hochflut hat nicht nur da draußen gewütet, sie hat auch in meinem Herzen ein erträumtes Glück zerstört! Lassen Sie uns nicht in Groll scheiden I" bat sie jetzt mit einem rührenden Blick der schönen Augen.Reichen

der Nationalliberalen kundgab. Allerdings war'das Lob, das der erste Redner der Conservativen, Graf Schwerin, der Politik der Regierung spendete, nur bedingt, sie sei ein Fortschritt in der agrarischen Richtung, befriedige aber die Agrarier noch keineswegs. Gras^Schwerin be­zeichnete sogar die Vorlage für unannehmbar für die confervative Partei, wenn nicht die Minimalzölle für Getreide erhöht und für alle landwirthschaftlichen Er- zeugniffe, namentlich Vieh, Minimalzölle festgesetzt würden.

Allein wir glauben nicht, daß sich hierfür eine Mehr­heit im Reichstage finde. Die entgegenstehenden Interessen sind zu gewichtig und wird es schon großer diplomatischer Kunst bedürfen, um mit den Sätzen der Vorlage Verträge zu schließen, die den deutschen Antheil am internationalen Güter-Austausch sichern und wo möglich stärken, so würde die weitere Erhöhung der Getreidezölle und die Bindung der anderen landwirthschaftlichen Products kaum noch eine Aussicht auf den Abschluß neuer Handels-Verträge übrig lassen. Würde aber unsere Waaren-Ausfuhr lahm gelegt, so wären wahrscheinlich schon die landwirth- schaftlichen Sätze der Vorlage auf die Dauer kaum zu halten.

Der billige Ausgleich, von dem Graf Bülow sprach und dem sich kein verantwortlicher Staatsmann entziehen kann, liegt daher schließlich im Interesse der Landwirth­schaft selbst. In dem vertrauensvollen Verhältniß zwischen der Regierung und den conservativen und gemäßigten Parteien, das durch die Rede des Grafen Bülow gestärkt worden ist, wird sich auch die Erkenntniß der Nützlichkeit jener billigen Ausgleichspolitik mehr und mehr befestigen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 3. Dezember.

Ihre KaiserlichenMajestäten unternahmen gestern Vormittag, wie aus Potsdam gemeldet wird, einen Spaziergang. Zur Mittagstafel und zur Abend­tafel waren keine Einladungen ergangen. Heute Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militärkabinets und des Chefs des Admiralstabes. Um 12 Uhr 30 Min. empfing Se. Majestät den ameri­kanischen Marineattachee Commander William H. Beehler. Mittags fand vor Seiner Majestät die Vereidigung des Weihbischofs von Straßburg i. E. Zorn von Bulach statt,

Sie mir die Hand und vergeben Sie mir, wenn ich Ihnen Schmerz bereite!"

Er bedeckte ihre kalte Hand mit Küssen.Wie ein Engel des Gerichts stehen Sie vor mir, unerbittlich mit dem vollen Bannstrahl gegen meine Schuld und doch ein Engel! Hilde, Hilde, warum soll ich Sie in der Stunde verlieren, wo sie mir am begehrens­wertesten erscheinen! Ich kann und will es noch nicht glauben!"

Sanft löste sie ihre Hand aus der seinen.Es ist besser so für Sie und für mich!" mahnte ihre ruhige Stimme.Was einmal gebrochen, schmiedet sich nicht wieder zusammen. Unsere Wege bleiben getrennt! Leben Sie wohl, Graf Herder, und Gott mit Ihnen!"

Sie war gegangen, und er starrte noch immer auf den Platz, wo sie gestanden hatte. Dann lachte er kurz und schneidend auf.Um eine phantastische Idee des reizenden Köpfchens giebt sie mich auf!" murmelte er. Wirft Glanz und Reichthum von sich, als ob es ein Nichts wäre. Ich könnte sie haffen, wenn ich sie nicht in dieser Stunde so wahnsinnig liebte! Aber mein muß sie doch werden! Noch gebe ich sie nicht auf!"

Hildes Fassung war in ihrem Zimmer zusammen gebrochen. In leidenschaftlichem Weinen barg sie ihr Antlitz in den Kissen des Sofas, und wie ein Stöhnen klang der schluchzende Ruf:Vater, hilf mir überwinden 1" Dann sprang sie auf, knotete die langen Haare zusammen, warf ein Tuch darüber und eilte in den Hof hinab, wo Willibald eben die letzten Pfähle für da« Vieh ein- rammte.Ich bringe dir den Wein! Laß uns 5a-