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Geatirbettagen r „SUüprirtes Sonnragsbiatt" h. „SUM^Hrte landwirthschaftlichs Vettage ^.
A. 155. Bnfa den M. 'Tezmtn 1901.
Dümiemenls-LillaSNg.
Mt dem |. Januar beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Nlal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Zllustrirtes Sonntagsblatt" m» „Wnstrirte landwirthschaftl. Beilage".
LDas „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
aw Die wichtigsten Ereignisse gehen m durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigensalls durch Extrablätter verbreiten.
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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Cassel, den 23. Dezember 1901.
Wie im Vorjahre wird mich im Jahr 1902 ein Kursus W Unterweisung von Volksschullehrern im Obstbau sowohl M hiesigen pomologischen Garten, als auch voraussichtlich w Gelnhausen abgehalten werden.
Sein Ideal.
Weihnachts-Novelle von L. Kaiser.
(Fortsetzung.)
Fräulein von Waldung schürzte spöttisch die rothen Sippen.
„Dieses Kinderglück, von dem so viel gefabelt wird, iß ein Erzeugniß der Phantasie solcher Menschen, in deren Erinnerungsvermögen nur das Angenehme der Vergangenheit haften bleibt. Im Grunde ist es nicht weit her mit dem Glück der Kindheit! Kinder haben ebenso so gut ihre Sorgen, Noth und Kümmernisse, die nur großen Leuten unbedeutend erscheinen, weil sie keinen richtigen Maßstab daran legen, nicht die geringe Tragfähigkeit einer kindlichen Seele bedenken."
„So waren Sie kein glückliches Kind?" gnädiges Fräulein?" fragte Liessen mit leisem Bedauern im Ton.
„Glückliches Kind?" fragte sie zurück. „Ja, was wan so landläufig eine „glückliche Kindheit" nennt, hatte sicherlich! Ich wurde von meinen Eltern mit Liebe behandelt, für meine körperlichen Bedürfnisse wurde aufs gesorgt, ich hatte Spielzeug in Hülle und Fülle und aü’ dergleichen. Aber dennoch entsinne ich mich schl. besonders glücklich gewesen zu fein. Der Mensch ^"rdigt selten das, was er hat, sondern strebt nach nderm. So war auch meine ganze Kindheit erfüllt °" dem Wunsche, erst ,groß' zu sein. Sie wissen, ^"r Assessor, daß meine beiden verheirateten Schwestern
Wir ersuchen uns bis s p ä t e st e n s z u m 8. I a - n u a r k. Js. diejenigen an den öffentlichen Volksschulen des Kreises angestellten Lehrer zu bezeichnen, die zur Theilnahme an einem der Kurse geeignet und bereit sind, auch eventl. anzugeben, an welchen von beiden sie theilzunehmen wünschen. Bei Auswahl der Lehrer ist zu berücksichtigen, daß sie nicht allein Neigung und Verständniß für den Obstbau zeigen, sondern auch Gelegenheit haben, das Erlernte praktisch zu verwerthen. Ferner ist es erwünscht, daß die Gemeinden ihr Interesse an der Ausbildung des Lehrers dadurch bekunden, daß sie sich von vornherein zu einem demnächst an unsere Hauptkasse zu zahlenden Kostenbeitrag, dessen Höhe einzuberichten ist, verpflichten. Einstweilig angestellte Lehrer werden zu den Kursen nicht zugelassen werden.
Die in Vorschlag kommenden Lehrer sind darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich im Falle ihrer Einberufung mit einem Arbeitsanzuge zu versehen haben. Auch auf jüdische Lehrer ist bei den Vorschlägen die erforderliche Rücksicht zu nehmen.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- uud Schulsachen.
F l i e d n e r.
An die Herren Landräthe des Regieruirgs-Bezirks. B. 18708.
* *
Hersfeld, den 28. Dezember 1901.
Wird veröffentlicht unb„ werden die Herren Ortsschul- inspektoren hierdurch um baldgefällige Namhaftmachung von Lehrern, welche geeignet und bereit sind, an einem der fraglichen Eurse theilzunehmen, ergebenst ersucht.
I. 7153. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Cassel, den 19. Dezember 1901.
Zu unserm Rundschreiben vom 5. April 1900 I. Nr. 1357.
Der Gesammtvorstaud hat in seiner Sitzung vom 6. d. Mts. beschlossen:
I. Aus den Einnahmen des Jahres 1902 auf eingehende Darlehnsgesuche in Anbetracht der bereits erfolgten umfangreichen Verwilligungen weitere Gelder nicht mehr in Aussicht zu stelle»;
II. Für die Folge von den gut Kapitalanlage verfügbaren Beständen bis zu 1/3 derselben, jedoch nicht über 750 000 Mark jährlich, als Darlehen zum Bau von Arbeiterwohnungen bereitzustellen, und von der zu diesem Zwecke auszuwersenden Summe bis zu 2'3 den gemein
bedeutend älter sind als ich. Da kannte ich nun eigentlich nichts weiter als das Verlangen, wie sie, Theater Bälle und Gesellschaften besuchen zu dürfen, während ich noch lange mit der Schultasche am Arme herumlaufen mußte. Ich habe manche bittere Thräne des Neides vergossen, wenn ich ihren Unterhaltungen über alle diese herrlichen Dinge lauschte. Flügel habe ich der Zeit gewünscht, so lange ich ein Kind war, von dem Augenblicke an, wo ich bewußt denken konnte. Immer sah ich, daß Größere Besseres hatten als ich und vielmehr zu thun sich erlauben dursten, und daher bleibe ich dabei, — viel besser, die Menschen könnten diese Kindheitsstufe überspringen I"
„Aber Sie halten doch gleichaltrige Freundinnen, gnädige« Fräulein, die auch Kinder waren!"
„Gewiß!" erwiderte sie mit Lachen. „Aber kennen Sie das Wort über Mädchenfreundschaften vielleicht, das ich einmal irgendwo las ? Sie war meine beste Freundin, ich konnte sie nie leiden! So ging's auch mir meist, und befriedigen that mich eine solche Freundschaft nur, wenn ich über meine Freundin triumphieren konnte, indem ich schönere Kleider hatte als sie, oder besseres Spielzeug oder bei meinen Kinder-Gesellschaften ein Pudding mehr oder mehr Kuchen gereicht wurde als bei ihr. Jedenfalls weiß ich, daß ich alle die Abende, an denen in der Gesellschasts - Saison meine Eltern und Schwestern aus waren, nur mit Träumen darüber zu- brachte, wie schön es sein würde, wenn ich kein Kind mehr wäre."
nützigen Bauvereinen zuzuwenden, den Rest zum Zwecke des Baues von Wohnhäusern einzelner Arbeiter bereitzustellen ;
III. Bei der Gewährung von Darlehen für Arbeiter- Wohnungen regelmäßig an einer Amorttsationsquote von 11 / 2 Prozent jährlich festzuhalten, die übrigen früher beschlossenen Bedingungen aber beizubehalten, wonach sich der Zinsfuß von 3 Prozent auf 3 i/? Prozent erhöht, sobald die einer Baugenossenschaft bewilligten Darlehen insgesammt den Betrag von 500 000 Mark übersteigen.
IV. Für die Folge einzelnen Bauvereinen regelmäßig keinen höheren Betrag als 30 000 Mark jährlich in Aussicht zu stellen, sofern es sich nicht um ersttnalige Bewilligungen handelt. An einzelne Arbeiter, welche dauernd bei uns versichert sind, werden Darlehen 311m Zwecke der Errichtung eigener Wohnhäuser nur dann gewährt, wenn eine gemeinnützige Baugenossenschaft, ein Raiffeisen'scher Dar- lehnskassenverein oder ein sonstiger gemeinnütziger Verein die selbstschuldnerische Bürgschaft für die Sicherheit des Kapitals, sowie für die ordnungsmäßige Zahlung der Zinsen und Abträge und die Vermittelung des gesammten Geschäftsverkehrs (Darlehnsanmeldung, Hypothekenbestellung, Kapitalauszahlung, Leistung der halbjährlichen Zahlungen an Zinsen und Abträgen rc.) sowie die Verpflichtung zur unentgeltlichen Ueberwachung der verpfändeten Gebäude rc. übernimmt. Arbeiterwohnungen im abgeschätzten Werthe von mehr als 9000 Mk. sind von der Beleihung regel- mäßig ausgeschlossen und sind die im Einzelfalle zu bege- benden Darlehen auf eine regelmäßige Höchstgrenze von 4500 Mark bestimmt.
Wir geben hiervon Kenntniß mit dem Anheimgeben, die obigen Beschlüsse in geeigneter Weise zu veröffentlichen, sofern uns Kosten dadurch nicht erwachsen.
Der Vorstand der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau.
Freiherr R i e d e s e l, Landeshauptmann.
An die Königlichen Herrn Landräthe der Provinz Hessen- Nassau rc. *
Hersseld, den 27. Dezember 1901.
Wird veröffentlicht.
V. 1200. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
„Und hat die Erfüllung Ihrer Träume Sie nicht enttäuscht? fragte Liessen.
„Nein," gab sie ohne Besinnen zurück, „eigentlich nicht! Ich habe nun all das, wonach ich mich damals gesehnt habe. Natürlich büßt ja alles Erreichte meist seinen Hauptreiz ein, und doch wüßte ich nichts Besseres, was ich mir nun an dessen Stelle wünschen könnte. Sie wissen, wir haben einen großen Umgangskreis, und wenn auch schließlich das Einerlei. im Wechsel der Geselligkeit ermüdet und zuweilen etwas langweilt, so möchte ich doch kein anderes Leben, als gerade das, was wir „Weltdamen", wie man uns nennt, es führen."
Der Assessor klopfte bei diesem Glaubensbekenntniß seines Ideals etwas nachdenklich den glänzenden Hals seines Pferdes. Er mußte an die kleine Apfeltorten- Esserin denken und die warmherzige Schilderung ihres glücklichen, einfachen Familienlebens. Dabei fiel ihm auch ihre Beschreibung des Weihnachtsfestes ein, die ihn so sympathisch berührt hatte, und es reizte ihn, die Ansicht seines Ideals über diesen Punkt zu hören, in der stillen Hoffnung, daß hier wenigstens die beiden jungen Mädchen, die im Alter nur wenige Jahre auseinander sein konnten, übereinstimmen würden. Der Weihnachtszauber, der ihn als Mann noch in der Erinnerung gefangen nahm, mußte ja in jedem jungen, weiblichen Herzen wirksam sein. So brächte er denn auf dem Rückwege, als sich Gelegenheit bot, die Rede auf Weihnachten und zwar that er es mit denselben Worten, wie die kleine Apseltorten-Esserin.