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Obersten

Berlage zum

Hers selber Kreisblatt"

Verlag von Ludwig Funk's Buchdruckerei in thersfeld.

Roman von Grevy.

D^>ie älteste Tochter des

von Mellenthin feierte ihren Pol­terabend. Die schöne Wohnung des wohlhabenden Offiziers tönte von fröhlichem Stimmengewirr, musikalischen j Verträgen und dem Bravoklatschen der Zu- * Hörer.

Augenblicklich war aber eine

Utiefe Stille entstanden die Stille der Erwartung.

M . In zwanglosen Gruppen saß und stand man zusammen, denn der große, vierfenstrige Gesellschafts­saal bot dazu Raum genug. Die bunten Uniformen der Herren

M. blitzten mit dem Schmuck der Damen Wniit die Wette. Schöne Augen lachten über tändelnd bewegte Fächer hinweg. Hier und da ließ sich ein unterdrücktes Kichern, das Rauschen

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einer hellseidenen Schleppe verneh­men.

V Sonst alles still.

. Langsam hob sich der Vorhang von einer für diesen Abend mit

mancher Mühe hergestellten Bühne, und einAh!" der Bewunderung erscholl.

M Ein lebendes Bild.

M Auf stiller Trift sah man die , drei olympischen Göttinnen Hera, .g^W Athene und Aphrodite vor dem schönen Troerprinzen stehn, und

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allgemeine Heiterkeit erhob sich,'denn vor dem. berühmten Feuerbachschen GemäldeDas Urteil des Paris" in der Hamburger Kunsthalle hatte die erste Begegnung des heute ge­feierten Brautpaares stattgefunden.

Auch die Darstellenden wurden

erkannt

Hera und Athene wurden durch die

rage-r erkannt. Hera und Athene wurden durch die M ' beiden Schwestern der Braut verkörpert,

^J Wwelche sich vortrefflich für ihre Rollen eig- neten. Hatte man doch die erstere seit ! Heinigen Jahren die Gattin eines Ritterguts- ,rk( Wesitzers ihrer stattlichen Erscheinung und f Hihres sehr bestimmten, gebieterischen Wesens

,^H k, wegen schon oft genug mit der stolzen Ge- derpMwahlin des himmlischen Donnerers ver- uirbl M glichen; widmete sich doch die jüngere mit miL größter Begeisterung eingehenden geschicht-

/ glichen und philosophischen Studien und be- s-^Mabsichtigte, sich den Doktorhut zu erwerben.

Aphrodite? Natürlich wurde sie, die in,d L

bei«

Göttin der Schönheit und Anmut, durch Käte von Neukirch, diefem neckischen, reizen­den Liebling der Garnison, dargestellt. Et­was zu jung und auch zu zierlich für ihre Rolle, stand sie, von einem entzückend duf­tigen, weißen Gewand umflossen, und lächelte dem königlichen Hirtenjüngling mit verführe­rischer Schelmerei zu. In diesem erkannte man mit Jubel den Grafen Hochberg, einen der schneidigsten und hübschesten Leutnants des Regiments, welcher in dem Ruf stand,

Der Stübelbrunnen in Dresden.

eine fabelhafte Gewalt auch über die spröde­sten Mädchenherzen zu besitzen.

Der Beifall wollte kein Ende nehmen. Immer wieder gab der alte General von Witz­leben das Zeichen zu einem erneuten Bewun­derungssturm/ und erst als Aphrodite leicht­füßig von der Bühne sprang und den ihr zu­erteilten goldenen Apfel mit einem scherz- ! haften Gedichtchen der Braut überreichte, ' wurde wieder Ruhe. Aller Augen hingen an dem allerliebsten Mädchen, welches so klein und leicht und blumenhaft schön auf den win­

zigen, roten Sandalen stand und welches mit feinem dunklen Haar und seinen nachtschwar- zen Augen doch so licht und lieblich aussah, als sei sie wirklich von seligen Gefilden zu den Sterblichen herniedergestiegen. Ihre Blicke strahlten vor neidloser Mitfreude an dein Glück der schon etwas ältlichen Braut, und ihr lächelnder, kirschroter, kleiner Mund gab zwei Reihen der reizendsten Zähnchen frei, während in den runden, blühenden Wangen Grübchen entstanden, die schon manchen: der tapferen Marsjünger die Ruhe seines Herzens geraubt

ein paar

hatten.

Mit einer herzlichen Umarmung und Thränen in den Augen dankte ihr die Braut, welche ihr in auf­richtiger Freundschast zugethan war, auch den Dank des Bräutigams und der älteren Herrschaften nahn: Käte in hübscher, ruhiger Haltung entgegen, dann aber, als die jün ere Herrenwelt sie in heller Bewunde­rung umringte, hielt sie sich die Ohren zu und wehrte sich mit einem so schlagfertigen Zünglein gegen die ihr alle wohlbekannten Schmeichler, daß das Lachen und Necken um sie herum erst mit der nächsten Num­mer des reichen Unterhaltungspro, gramms ein Ende fand.

Käte hatte an einem runden Marinortischchen Platz genommen und labte sich an den: köstlichen Fruchteis, welches Paris, zur Zeit ihr feurigster, wenn anch nicht ge­rade bevorzugter Verehrer, ihr zur Erfrischung herbeigebracht hatte. Das jüngere Fräulein von Meilen thin saß neben ihr und hielt sie zärt­lich umschlungen, während eine An­zahl von übermütig dreinschauenden Leutnants sich's auf nebenstehenden Sesseln bequem gemacht hatten, um sichim Glanz olympischer Schönheit", zu sonnen, wie der eine von ihnen sehr sinnig sagte.

Findest Du nicht auch, daß Käte Neu­kirch furchtbar gefallsüchtig ist?" flüsterte am andern Ende des Saales ein rotwangiger Backfisch feiner Busenfreundin zu.

Ich kann nur finden, daß sie sehr ge­fällt," kam aus einem vernünftigen kleinen Munde die Antwort zurück.Und meine Mutter sagt, daß an Kätes Verhalten den Herren gegenüber kaum etwas auszusetzen märe. Sie ist eben bildschön und wird riesig verehrt. Aber dafür kann sie doch'nickis.

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