Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnenientspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postansschlag.

MOg Hex 21. ^»»»r

G»ali»b«ttas«nr2U«prirt«, Lonntagrblart" *.3Uwfttirte lanSrvirthschaftlich« v-iiage

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 17. Januar 1902.

Diejenigen Herren Standesbeamten des Kreises, welche mit Einreichung der Standes -Nebenregister pro 1901 noch im Rückstände sind, werden hieran erinnert, mit Frist bis zum 24. d. M t s.

A. 212. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Fulda, den 13. Januar 1902.

Am 30. Januar l. Js. wird in der Stadt Fulda unter den seitherigen Bedingungen Viehmarkt abgehalten. Der Auftrieb des Viehes darf vor 8 Uhr nicht erfolgen. Ich ersuche, im dortigen Kreisblatt entsprechende Be­kanntmachung erlassen zu wollen.

Der Königliche Landrath.

An den Herrn Landrath in Hersfeld. * * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 17. Januar 1902.

I. 251. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Die Bagdadbahn.

In Kleinasien ist mit deutschem Kapital und unter deutscher Leitung bereits eine lange Bahnstrecke, die die Anatolische Bahn, gebaut. Der anatolischen Bahn- Gesellschaft ist nunmehr durch eine Jrade des Sultans Abdul Hamid endgiltig erlaubt worden, ihren Schienen­weg bis ans Persische Meer zu verlängern. Diese denkwürdige Konzession bedeutet einen Triumph der deutschen Orient-Politik, der errungen ist durch das kluge, weitblickende Vorgehen unsrer Diplomatie, vor allem Kaiser Wilhelms II.; sie ist aber auch ein Zeichen für das Vertrauen, das der Beherrscher des Osmanischen Reiches zu dem deutschen Unternehmungsgeiste hat.

Die Bagdadbahn hat eine hervorragende wirthschaft- liche, militärische und politische Bedeutung. Sie wird eine der wichtigsten und verheißungsvollsten Verkehrs­

Die letzten Vestalinnen.

Erzählung von Emil Element.

(Fortsetzung.)

Bei diesen Worten brach ein Sturm der Entrüstung unter den Anwesenden aus.

Diesen letzten Frevel sollten wir erdulden?" rief Procopus außer sich, mit kreischender Stimme aus.Dem muß vorgebeugt werden um jeden Preis, und sollten wir uns durch einen Gewaltstreich der Person des Kaisers und des Senates bemächtigen müssen!"

Ja!" schrie ein anderer im Eifer dazwischen,die Mehrzahl der Legionäre und Soldaten stehen noch zu uns. Auf! vertheidigen wir unsere Rechte, unsere hei­ligsten Ueberlieferungen! Die Elenden, die sie anzutasten wagen, sollen fallen ! Maximus, unser Feldherr in Gallien, er ist den Göttern treu, er wird uns rächen, er muß den jungen unfähigen Kaiser stürzen. Laßt mich ihn von den Vorfällen in Rom verständigen!"

Da erschallte plötzlich ein (befehlendesHaltet einI" durch den Saal. Alle richteten ihre Blicke auf einen Mann, der bis dahin den Rednern ruhig zugehört hatte. Er mußte auf feine Mitbürger einen großen Einfluß ausüben, denn alle schwiegen. So alt er aussah, denn schon mochte er neunzig Jahre zählen, so war seine Stimme noch kraftvoll. Jetzt stand er erhoben da, sein Geist schien die Schwäche seines Alters besiegt zu haben.

Haltet ein," rief er noch einmal,in Eurem wahn­sinnigen Beginnen! Was jetzt geschieht, das habt Ihr

straßen des Welthandels eröffnen, die bestimmt ist, den Güter-Austausch der Industrie Europas und der uner­meßlichen Schätze Asiens auf eine neue Basis zu stellen. Die Bagdadbahn berührt die älteste Stätte der Kultur, den Herrschersitz Nimrods, Babylon, wo, nach der Bibel, die Völker sich schieden; und die Geschichte von Jahr­tausenden umlagert in ehrwürdigen Ruinen ein modernes Verkehrsmittel, das in die seit Jahrhunderten verfallne Kultur der ehemals reichen Länder Kleinasiens, Meso­potamiens und Babyloniens neues, kräftig pulsierendes Leben und eine neue Blüthe tragen soll. Dieselbe alt­bewährte persische Königstraße, von der uns Herodot und Strabo 'erzählen, auf der Xerxes mit seinem Heere nach Griechenland zog, auf der Alexander der Große den Siegeslauf der Macedonier bis zur Zertrümmerung des allen Perserreiches unternahm, auf der nach Jahrhunderten wieder die Osmanen wieder nach Byzanz zogen, um den Halbmond auf der Hagia Sophia aufzupflanzen, dieselbe Straße des gewaltigsten Völkerstreites soll nun als Eisen­bahn in erster Linie eine Friedensstraße werden.

Richt zu unterschätzen ist aber auch die militärische Bedeutung der Bagdadbahn. In frühern Zeiten war es der Türkei unmöglich, die in den südöstlichen Provinzen stehenden Truppen mit dem Hauptquartier Bagdad im Falle eines Krieges zur Armee heranzuziehen; sie dienten im Grunde nur als Besatzung und zur Vertheidigung. Das würde künftig anders werden. Das Vordringen der Schienenwege in die bis dahin von ihnen unbe­rührten Länder ermöglicht auch den Aufbau einer regel­mäßiger arbeitenden Staatsmaschine, einer nach abend­ländischen Mustern geordneten Verwaltung. Was eine solche größere Centralisierung der Regierungsgewalt und eine festere Vereinigung der entlegener» Provinzen mit dem Reiche für die Sammlung der Kräfte der Türkei bedeutet, liegt auf der Hand.

Den ersten, größten Vortheil aus dem Bau der Bagdadbahu wird also das Osmanische Reich selbst ziehen; aber auch die gesammte Kulturwelt und die Unternehmer des Baues dürsten mit der Zeit auf ihre Rechnung kommen. Die beim Bau zu überwindenden Hindernisse sind nicht gering. Die Strecke beträgt ungefähr 2000 Kilometer. Das Gelände ist vielfach wild und zerrissen. Zwei große Gebirge sind zu überschreiten; über den Euphrat sind zwei, über den Tigris ist eine Brücke zu schlagen. Die Zuführung des Materials wird ganz andre Schwierigkeiten verursachen als bei irgend einem

selbst verbrochen! Wißt Ihr, warum das Kreuz sieg­reich sich über unsere Götter erhebt? wißt Ihr es? Prüft Eure Handlungen! Der Gott der Christen siegt, weil Ihr schlecht, verworfen, niedrig, lasterhaft wäret und seid; der Gott der Christen siegt, weil Ihr Euch nicht bessern wolltet, weil Ihr mit dem Heiligsten elenden Schacher triebet, weil Euch um Geld alles feil war, weil im römischen Staate alles morsch geworden war, und immer nur einzelne Schlaue und Gewissenlose das ganze Volk ausgebeutet haben. Umsonst würdet ihr eine neue Schandthat begehen! Umsonst, es ist zu spät! Weint, rauft Euch die Haare, trauert und wehklagt: um Rom ist es geschehen ! Durch ewig lange Zeiten hab' ichsEuch zugerufen : bessert Euch, kehrt in Euch, gebraucht nicht die Götter zu Euren Missethaten! Verzichtet eher auf Eure Macht, als stündlich neue Schandthaten zu begehen !"

Ein Gemurmel des Widerspruches erhob sich jetzt, doch der Alte fuhr unbeirrt weiter fort:

Ich fürchte Euch nicht, wenige Tage habe ich nur mehr auf der Erde zu weilen, bis zum letzten Atemzüge will ich meine Pflicht erfüllen, wie ich es immer that. Ich kenne Eure verborgenen Wege und Schliche, ich weiß, wie die Fäden laufen; Ihr müßt erliegen, denn alles um Euch und unter Euch ist Trug und Lüge! Ich verließ die Götter nie, sie waren mir heilig; ich sterbe, bevor sie für immer fallen!"

Der Alte fuhr sich bei diesen letzten Worten mit der Hand über die Augen und schritt langsam und gebeugt aus dem Saal hinaus.

Bau im Abendlande, auch für die Sicherung der Arbeit muß natürlich mehr geschehen als hier. Man wird ge­wiß nicht zu hoch greifen, wenn man die Kosten auf 400 Millionen Mark veranschlagt. Hiervon sind 60 v. H. von der deutschen Finanzgruppe, besonders der Deutschen Bank übernommen, während an dem Rest französische, belgische und russische Kapitalisten betheiligt sind.

Im Anschluß an den Bau der Bagdadbahn sind mancherlei phantastische Ideen aufgetaucht; sprachen doch gewisse nichtamtliche Politiker allen Ernstes von einer deutschen Einwanderung nach Kleinasien oder von der Anlage von Bauern-Kolonien längs der Bahnlinie. Der­artige große Pläne sind meist die Frucht des Studiums am grünen Tische, aber nicht des praktischen Lebens. Wir können deutsche Bauern weit besser zur Besiedlung unsrer Ostmarken verwenden. Im übrigen weiß der Sultan selbst am besten, daß Deutschland nichts der­artiges im Schilde führt.

Politische Nachrichten.

Berlin, 19. Januar.

Se. Majestät der Kaiser nahm vorgestern Nachmittag im Gebäude der Seehandlung das Modell für die Neuanlage des Platzes vor dem Brandenburger Thor in Augenschein und unternahm hierauf mit Ihrer Majestät der Kaiserin einen Spaziergang im Park von Bellevue. Gestern Vormittag um 9 Uhr machte Se. Majestät der Kaiser einen Spaziergang im Thier­garten und hörte später den Vortrag des Staatssekretärs des Reichs-Marineamts.

Im Königlichen Schlosse wurde heule auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs das Krönungs- und Ordensfest gefeiert.

Am 17. Januar Mittags fand im Rittersaals des Stadtschlosses die Aufnahme sechs neuer Ritter des Schwarzen Adlerordens durch den Kaiser statt. Es wurden paarweise ausgenommen Prinz Eitel Friederich, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, als deren Parrains der Kronprinz und Prinz Heinrich fungierten, sodann Oberstschenk Herzog von Trachenberg und General Lentze, sowie die Generale Graf Finkenstein und Linde- quist. Hierauf fand das Kapitel des Schwarzen Adler­ordens statt, woran sich eine Frühstückstasel schloß.

Das Gefolge Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen

Noch hatte er die Schwelle nicht überschritten, so brach Procopus in ein höhnisches Gelächter aus. «Er war stets verrückt. Das Alter hat ihm den letzten Rest Ver­nunft genommen. Ihr werdet Euch doch nicht von sol­chem Geschwätze beirren lassen? Was wir hier beschlossen haben, muß durchgeführt werden; wenn es nicht anders geht, so werden wir durch Gewalt unsere Rechte ver­theidigen.

Einige stimmten Procopus bei und erklärten sich be­reit, nach seinen Verfügungen zu handeln, andere aber gingen ernst und nachdenklich von hinnen.

* _ *

*

Wochen waren seit dem Besuche des Philippus bei Claudia hingegangen. Keine Gelegenheit hatte sich mehr geboten, welche die Vestallinnen in die Oeffentlichkeit ge­führt hätte. Claudia erschien nicht nur, sie war auch wirklich im Innersten verändert. Flaminia, die sie über Philippus' Wünsche befragt hatte, anwortete sie nur kurz, daß dieselben unausführbar seien. Sie selbst sagte sich stündlich und immerwährend dasselbe, und doch, warum konnte sie sich nicht von den Gedanken befreien, die Philippus' Mittheilungen in ihr hervorgerufen hatten?

War es Mitleid, wirklich nur Mitleid, was ihn zu ihr geführt hatte?

Der Ausdruck seiner Augen, der weiche Laut seiner Stimme fielen ihr ein, sie empfand gleichsam die Be- rührung seiner heißen Hand. Es mußte noch ein an­deres Gefühl gewesen sein, das ihn zu ihr geführt hatte!