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Gratrsbetta-sn r „3II«drittes Sonntag-blatt" «. „ARnfteiVte landwinthschastliche VeUage".
$r. 17. SsniiiiKil!! Den 8. Febrinr 1902.
Erstes Blatt.
Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Mustrirtrs Sonntagsblatt" ^ „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
s Polizei-Berordnung. — Auf Grund des § 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 sowie der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung vom 20. September 1867, betreffend die Polizei- ^ verwaltung in den neu erworbenen Landestheilen, verordne ich hiermit nach Zustimmung des Bezirksausschusses Folgendes:
Die unter dem 11. Juli 1900 (A.-Bl. S. 200) erlassene Polizei-Verordnung, betreffend die Reinigung und Desinfektion der Gaststallungen wird ausgehoben.
Cassel, am 30. Januar 1902.
Der Regierungs-Präsident. Trott zu Solz.
Bekanntmachung.
Kiel, Dezember 1901. Wilhelmshaven, Dezember 1901.
Im Herbst 1902 wird eine größere Anzahl tropen- dienstfähiger Dreijährig-Freiwilliger für die Besatzung von Kiautschou zur Einstellung gelangen
Ausreise: Frühjahr 1903* — Heimreise: Frühjahr 1905,
Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner u. s. w.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider u. s. w.) werden bei der Einstellung bevorzugt.
Die dienstpflichtigen Mannschaften erhalten in Kiautschou neben der Löhnung und Verpflegung eine TheuerungSzulage von 0,50 Mk. täglich, die Kapitulanten eine Ortszulage von 1,50 Mk. täglich.
Militärdienstvflichtige Bewerber von kräftigem und mindestens 1,67 m großem Körperbau, welche vor dem 1. Oktober 1883 geboren sind, haben ihr Einstellungs- gesuch mit einem auf dreijährigen Dienst lautenden I Meldeschein entweder:
dem II. Seevataillon in Wilhelmshaven: zum Diensteintritt für das III. Seebataillon und die Marine- seldbatterie, oder
der III. Matrosevartillerie-Abtheilung in Lehe: zum Diensteintritt für die Matrosenartillerie Kiautschou (Küstenartillerie) möglichst bis Ende Februar 1902 spätestens zum 1. August 1902 einzusenden.
Kaiserliche Inspektion Kaiserliche Inspektion der Marineinfanterie, der Marineartillerie.
Nichtamtlicher Theil.
Politischer Wochenbericht.
Die Erklärung der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hat keinen Zweifel gelassen, daß die verbündeten Regierungen unter keinen Umständen Verschärfungen des Zolltarifs in hoch'
schutzzöllnerifcher Richtung zustimmen werden. Hoffentlich wird sie ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Zolltarif-Vorlage giebt jedem das Seine; sie gewährt der Landwirthschaft einen ausreichenden Zollschutz und er« möglicht anderseits den Abschluß von Handels-Verträgen, der ebenfalls im Interesse der Landwirthe liegt. Für höhere agrarische Zölle ist weder im Bundesrath, noch im Reichstage eine Mehrheit zu finden, und es wird auch keinen Reichskanzler geben, der sie vertreten könnte. Es wäre sehr zu beklagen, wenn das Tarif- Gesetz durch den Widerstand der extremen Agrarier zu Fall käme. Zahlreiche Erwerbsthätige würden schwer geschädigt werden: Die Landwirthe, die sich von dem ihnen zugesicherten erhöhten Zollschutze eine Hebung ihrer Nothlage, die Industriellen, die sich eine Verstärkung des heimischen Absatzes versprechen, die Kaufleute, die den Abschluß neuer Handels-Verträge und dadurch eine Besserung der Geschäftslage erwarten — sie alle verlangen immer lebhafter, daß die Reichstags»Mehrheit zu einem annehmbaren Ergebnisse komme, das nur auf dem Boden der Vorlage zu erzielen ist.
In der auswärtigen Politik wurde der F riebe ns- Vermittlungs-Vorfchlag der holländischen Regierung am meisten besprochen. Der zwischen Holland und England ausgetauschte Schriftwechsel beweist, daß die recht hatten, die an einen Erfolg der holländischen Vermittelung nicht glauben wollten. Die britische Regierung hält nach wie vor daran fest, keine Intervention einer fremden Macht anzunehmen. Man kann dies bedauern, braucht aber deshalb noch nicht den menschenfreundlichen Schritt der Holländer für einen Schlag ins Wasser zu halten. Man gewinnt vielmehr aus der englischen Antwort den Eindruck, daß dem britischen Kabinet jener Schritt nicht unangenehm gewesen ist, und daß er vielleicht dazu beitragen wird, daß in hoffentlich nicht zu ferner Zeit ernsthafte Friedens-Vor- schläge aus dem Kreise der kriegführenden Buren in Afrika gemacht werden.
Zu Vermuthungen aller Art hat auch die Reise des österreichisch-ungarische «Thronfolgers nach Petersburg angeregt. Der äußere Anlaß zu diesem Besuche ist die Ernennung des Erzherzogs zum russischen Kavallerie-General, und in dieser Eigenschaft wird er sich jetzt dem Zaren verstellen. Daß der Erzherzog bei dieser Gelegenheit einen politischen Auftrag auSzurichten hat, ist unwahrscheinlich. Wenn man aber seinem Besuche durchaus eine politische Deutung zu geben sich bemüßigt fühlt, so könnte diese bloß darauf hinauslausen, daß damit die zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn bestehenden freundschaftlichen Beziehungen wieder bekräftigt werden. Eine neue Note in der internationalen Politik wird damit nicht angeschlagen.
Am allerwenigsten haben die französischen Blätter recht, die von einem Anschluß Oesterreich-Un- garnS an Rußland und Frankreich auf Kosten des Dreibundes phantasieren. Der Zar hat es doch bei seinem letzten Besuche in Frankreich deutlich genug ausgesprochen, daß er als den Hauptzweck des Zweibundes die Erhaltung und Sicherung des europäischen Friedens betrachtet. Auch ist es zweifellos kein Zufall, daß Nikolaus II. in seinem Glückwünsche zum sünfzig- jährigen Dienstjubiläum des Grafen v. d. Osten- Sa cken, die Anerkennung der Verdienste seines Berliner BolschasterS in folgende Worte gekleidet hat: „Ihre richtige Erkenntniß der Interessen Rußlands, Ihr Pflichteifer ohne Grenzen und der von Ihnen bei der Ausführung der Ihnen erthrilten Weisungen entfaltete Eifer haben unzweiselhrft zur Aufrechterhaltung der seit langem zu dem benachbarten deutschen Reiche bestehenden freundschaftlichen Beziehungen beigetrügen." Schwerlich würde sich der Herrscher des russischen Reiches derartig geäußert haben, wenn er daran dächte, den französische» Revanche-Träumen Vorschub zu leisten.
Ebenso sind die warmen Worte des Zaren ein sicherer Beweis dafür, daß die „Politiker", die einen Gegensatz zwischen Deutschland und Rußland konstruieren wegen
der Konzessionierung des Baues der Bagdad-Bahn an eine vorwiegend deutsche Interessenten Gruppe, auf dem Holzwege sind. In der That denkt Deutschland garnicht daran, politische Pläne in Kleinasien zu verwirklichen. Die Russen werden es ebenso gut wissen, wie wir, daß unsere Diplomatie bei dem Unternehmen flücht die treibende Kraft gewesen ist, sondern daß hier ein Wunsch des Sultans erfüllt ist, der auf dem Vertrauen Abdul Hamids in die Leistungsfähigkeit des deutschen Unternehmungsgeistes beruht.
Politische Nachrichten.
Berlin, 6. Februar.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern Nachmittag und heute!; Morgen Spaziergänge im Thiergarten. — Se. Majestät der Kaiser sprach heute Vormittag beim Reichskanzler vor und hörte später im Königlichen Schloß die Vorträge des Kriegsministers, des Chefs des Generalstabes ^der Armee und des Chefs des Militärkabinets.
Nach der Einführung der verlängerten Gültigkeitsdauer der Rückfahrkarten haben die Betrugsfälle mit solchen Karten bedeutend zugenommen. Diefe^Wahr- nchmung ist bei allen Verwaltungen, welche die Vergünstigung gewähren, gemacht worden. Diesem Unwesen zu steuern, ist natürlich das Bestreben der preußischen StaatSbahnverwaltung. Die Fahrkarten Revisionen durch die Schaffner sind erheblich vermehrt worden und finden auf allen Stationen statt, auf welchen es der Aufenthalt gestattet. Daß es dabei vorkommt, daß Reifende beim Turchfahren großer Strecken mehrmals kontrollirt werden, ist unausbleiblich. Dieses Verfahren ist aber das beste und sicherste Mittel gegen Betrügereien, und die einsichtsvollen Reisenden werden solche als Belästigungen erscheinende Fahrkartenprüfungen im Interesse des Staatssäckels geduldig ertragen, Reisende, welche oufBetrügereien vusgehen, lösen gewöhnlich nicht die Rückfahrkarten bis zur Zielstation ihrer Reise, sondern nur bis zu einer Zwischen- station. Hier wird eine neue Karte getauft, die bei ununterbrochener Rückfahrt nicht durchlocht wird, wenn nicht etwa eine Revision im Zuge stattfindet. Die Ab- siempelung der Karten mit dem Datumstempel soll deutlicher ausgeführt werden, damit die Kontrolle erleichtert wird. Wenn der Fahrkartenschalter innerhalb der Sperre liegt, ist beim Nachlösen von Karten die bis dahin gültige vorzuzeigen und die neu gelöste alsbald am Schalter zu entwerthen. Wenn trotz aller dieser Maßnahmen die Betrugsfälle weiter zunehmen, wird man voraussichtlich dem Gedanken näher kommen, das ganze System der Rückfahrkarten fallen zu lassen und die Preise für einfache Fahrkarten entsprechend zu ermäßigen. Einen nennenswerthen Einnahmeausfall würde die Aenderung kaum zur Folge haben, weil heute zum weitaus größten Theile Rückfahrkarten gelöst werden. Zugleich würden aber die Fahrgeldreklamationen, die heute umfangreiche Arbeiten und Schreibereien verursachen, auf eine ganz geringe Zahl zusammenschmelzen.
In Tageszeitungen ist kürzlich darauf hingewiesen, daß bei den Königlich bayerischen Staatsbahnen auf mehreren Linien mit elektrischer Streckenblockung die Freigabefelder mit Sperren — Druckknopfsperren — versehen seien, die das Niederdrücken der Freigabetaste erst zulassen, wenn der Zug das Ein- fahr- oder Blocksignal überfahren und einen hinter dem Signal liegenden Kontakt zur Wirkung gebracht habe. Derartige Einrichtungen sind, so bemerkt die „Berl. Corr.", schon seit längerer Zeit bet den preußischen Staals- bahnen auf strecken mit besonders großem Verkehr, wie auf den zum Theil viergleisigen Strecken des Direktions- bezirks Berlin im Gebrauch, und es besteht die Absicht, sie in größerem Umfange einzuführen.
Mit Unterstützung der Freisinnigen Vereinigung hat der Abg. Schrader im Reichstage einen Antrag eingebracht, welcher eine Abänderung der Bestimmungen des Strafgesetzbuches in Bezug auf die Strafe gegen das