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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe III, Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirten 31 /.2 °/o, vormals 4 °/Oigen Staatsanleihe von 1882 über die Zinsen für die Zeit vorn 1. Januar 1902 bis 31. Dezember 1911 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom 2. Dezember 1901 ab von der Kontrole der Staatspapiere in Berlin SW. 68, Oranienstraße 92/94, werktäglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags, mit Ausnahme der drei letzten Geschäftslage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrole der Staatspapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Negierungs.Hauptkassen, sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse zu beziehen.
Wer die Empfangnahme bei der Kontrole selbst wünscht, hat ihr persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Zinsscheinanweisungen) mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamts Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben. Durch die Post sind die Erneuerungsscheine an die Kontrole der Staatspapiere nicht einzusenden.
Die letzten Destalinnen.
Erzählung von Emil Element.
(Schluß.)
Die vier Befreiten und alle Uebrigen stimmten in den erhabenen Lobgesang ein.
Als das Loblied beendet war, wandte sich Ambrosius dem Martinus zu, umarmte ihn, und mit segnender Hand die Frauen begrüßend, frug er, wie es käme, daß sie, freigelassen, sich hier einfinden konnten.
Martinus antwortete hochbeglückt: Vor einer Stunde traf im Mamertinischen Kerker ein Richter mit einem Boten des Kaisers ein, welcher uns unsere Befreiung verkündete. Dem Kaiser war heute durch einen Abgesandten des Philippus ein Schreiben überbracht morden, worin dieser eingesteht, der Mörder des Priesters gewesen zu sein. Von einer heftigen Liebesleideuschaft zu Claudia erfaßt, so gab er an, hatte er sich des Nachts, mit Hilfe einer Sklavin, in das heilige Wäldchen hinein verfügen können. Gerade wollte er Claudia seine Liebe darthun, als er, von dem Priester überrascht und festgehalten, ihn erdolchte, um Claudias Ehre zu retten. Philippus hatte den Brief vor seiner Flucht von Rom einem Freunde zur Uebergabe an den Kaiser anvertraut, erst dann, wenn er sich in Ostia eingeschifft hätte und auf dem Meere in Sicherheit befinden würde, sollte er übergeben werden."
„Der Schändliche!" rief Ambrosius in höchster Entrüstung aus.
Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkassen beziehen will, hat dieser Kasse die Erneuerungsscheine mit einem doppelten Verzeichniß ein- zureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzu- liefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kasten unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrole der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzalkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Berlin, den 15. November 1901.
Hauptverwaltung der Staatsschulden. (gez.) von Hoffmann. * *
*
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen RegierungS- Hauptkasse und den Kreiskassen unseres Bezirks verabreicht werden.
Cassel, den 25. November 1901.
Königliche Regierung. Mauve.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 25. Februar.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern Nachmittag einen gemeinsamen Spaziergang im Thiergarten. — Am Abend speiste Se. Majestät der Kaiser beim Offizierkorps des Regiments Gardes du Corps in Potsdam. — Heute Morgen promenirte Se. Majestät der Kaiser im Thiergarten, empfing im Königlichen Schloß den Bildhauer Rohloff zur Vorlage von Geräthen zu Haustaufen für die Garnisonkirche in Potsdam und hörte die Vorträge des Chefs des Militärkabinets und des Chefs des Admiralstabes der Marine. Um 123/+ Uhr nahm Allerhöchstderselbe militärische Meldungen entgegen.
Der Vorstand deö Deutschen Handelstages hat sich
Claudia senkte erblassend das schöne Haupt. Und Martinus setzte hinzu:
„Die Nachricht von unserer Befreiung traf im Kerker ein, gerade als Claudia sich bereit erklärte, auszusagen, wer den Priester ermordet hatte."
„Claudia, jetzt erst bist du würdig, in die Gemeinschaft der Christen einzutreten !" Das sagte Ambrosius mit unendlicher Güte, seine Hände auf Claudias Haupt legend. Knieend war sie vor ihm zusammengesunken. „Sag an, arme Jrregcsührte, was hatte dich veranlaßt, deinen Vorsatz aufzugeben ?"
„Euer Gott, gütig und barmherzig, hat mir den rechten Weg gezeigt, als ich, der Verzweiflung nahe, schier meiner Sinne nicht mehr mächtig war. Nicht schildern kann ich Euch die Qual, die das Bewußtsein mir verursachte, Martinus nur durch die Angabe des Philippus erretten zu können. Ich sah nur mehr des Martinus von Qual zerfleischten Körper vor mir, oder des Philippus blutüberströmtes Haupt. Des Martinus Rettung war des Philippus Tod. Ich sah ein, daß er meiner Nachsicht nicht würdig war. Ach, und dennoch blieb mir der Gedanke unerträglich, daß er meinetwegen den Tod erleiden sollte. Seitdem ich den Gerichtssaal verlassen, hatten sich meine Augenlider nicht ein einzigmal zum Schlaf herabgesenkt. Heute Nacht, nachdem ich wieder im engen Kerker ruhelos herumgeirrt war, um mein wahnsinniges Leid zu betäuben, fiel ich plötzlich, ohne zu wissen, warum, auf dem Strohlager zusammen. ThränenloS bräunten bis dahin meine Augen in ihren Höhlen. Keines andern Gedankens fähig, hatte ich nicht
an den preußischen Minister für Handel und Gewerbe mit dem Ersuchen gewandt, daß der in Vorbereitung befindliche Entwurf von Vorschriften über den Umfang der Befugnisse und Verpflichtungen, sowie über den G e - schäftsbetrieb der Versteigerer (Auktionatoren) rechtzeitig vor dem Erlaß der Vorschriften den Handelskammern zur Begutachtung vorgelegt werde.
Mitglieder der städtischen Behörden haben sich schlüssig gemacht, eine Versammlung von deutschen Städte-Vertretern zwischen Ostern und Pfingsten nach Berlin zu berufen, um zur Zolltarifsvorlage Stellung zu nehmen.
Im „Reichs- und Staats-Anzeiger" wirld der wesentliche Inhalt der technischen Begründung der Vorlage, auf Grund deren gemäß § 21 des Fleischbeschau- gesetzes der in der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 18. Februar 1902 veröffentlichte Beschluß des Bundesraths über gesundheitsschädliche und täuschende Zusätze zu Fleisch und deffen Zubereitungen gefaßt worden ist, bekannt gegeben.
Der Präsident des Oberkirchenraths D. Dr. Barkhausen machte bei dem Mahle, welches vorige Woche viele Theilnehmer der Jerusalems-Fahrt von 1898 vereinigte, interessante Mittheilungen. Die Bauten in Jerusalem nehmen einen erfreulichen Fortgang. Ebenso schreitet der Bau evangelischer Kirchen in den Schutzgebieten sichtbar fort. In Dar-es-Salaam steht die Fertigstellung der Kirche nahe bevor und für Windhuk in Südwestafrika wird mit dem Bau einer solchen bald begonnen werden. Der Baumeister Ludwig, der mehrere Jahre dem Gouvernement von Südwestafrika zugetheilt war, hat im Ministerium der öffentlichen Ar- i betten einen Entwurf dazu aufgestellt. Diese Kirchen werden ganz ohne Zuschuß aus öffentlichen Mitteln erbaut, die Kosten werden aus dem Erträgniß der kirchlichen Kollekten bestatten, die zu diesem Zweck angeordnet . wurden. Sollten die vorhandenen Mittel nicht zur Vollendung dieser Kirchen ausreichen, so wird voraussichtlich noch eine Kollekte ausgeschrieben werden. — Weiter verlautet, daß in der Diaspora ein reges Leben herrscht. In neuerer Zeit haben sich schon viele deutsche Kirchengemeinden im Auslande an den evangelischen Oberkirchenrath angeschlossen. Binnen kurzem wird in Argentinien eine Synode von Vertretern vieler deutsch- evangelischenGemeinden auf dem amerikanischen Kontinente abgehalten werden zu dem Zwecke, daß diese Gemeinden
mehr an die Lehren Eures Gottes gedacht. Als ich auf dem Lager ruhte, fielen mir die Worte Julias ein: Jesus, unser Herr, verläßt niemanden, der ihm vertraut. Wer bereut und Recht thun will, dem steht er in seiner allmächtigen Barmherzigkeit bei und befreit ihn aus seiner Noth. Endlich fühlte ich meinen Augen Thränen entströmen. Ich wandte mich an Jesus Christus, mit der ganzen Macht meines Gemütes betete ich zu ihm um Rath und Beistand, und siehe da, ich wurde ruhiger. Nicht mehr schüttelte kalter Frost meine erschöpften Glieder, noch raste das Blut glühendheiß durch meine Adern. Es kam mir das Bedürfnis, auszuruhen, zu schlafen. Ich gab nach. Bald fühlte ich mich entschlummern. Und was geschah mir? O Ambrosius! — In der engen Kerkerzelle wurde es so rosig Helle, wie herrlichster Goldschein. Eine wundervolle, beflügelte, jugendliche Lichtgestalt trat leise und sanft an mein Lager. Sie beugte ihr blondes, strahlenumglänztes Lockenhaupt zu mir herab und sprach holdselig lächelnd : „Claudia, thue deine Pflicht, handle recht, sei gut, und du wirst erlöst werden von deinem Leide!" Ich erwachte. Alles war dunkel um mich. Doch die Worte klangen fort in meinem Geiste. Ich sann und sann, bis der neue Tag erstieg, und immer deutlicher wurde ich mir bewußt, was das Wesen des Lichtes gemeint, immer klarer wurde es in mir, wie ich handeln mußte. Als die Sonne sich zu neigen begann, hatte ich den Entschluß gefaßt; ich ließ den Richter verständigen, daß ich bereit sei, den Namen des wirklichen Mörders zu nennen."
„Der Herr hat dir seinen Engel gesandt, Claudia,