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Amtlicher Theil.
1.
Hersfeld, den 20. Februar 1902.
Zur Abhaltung des diesjährigen Ersatz-Geschäftes für den Kreis Hersfeld sind folgende Vermine bestimmt worden:
Donnerstag, den 13. März d. I., von Morgens 9 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirths Träger zu Friedewald,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Friedewald.
Freitag, den 14. März d. I.,
von Morgens 9 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirths Kroneberg zu Schenklengsfeld,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Schenklengsfeld.
Sonnabend, den 15. März d. I.,
von Morgens 8 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirths B. Bolender zu Hersfeld,
Musterung der Militärpflichtigen aus der Stadt Hersfeld.
Montag, den 17. März d. I., von Morgens 8 Uhr an, in demselben Lokale,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden PP. des Amtsgerichtsbezirks Hersfeld.
Dienstag, den 18. März d. I.,
vo n Morgens 9 U h r a n, und zwar im Saale des Gastwirths Grentzebach zu
Niederaula,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Niederaula.
Mittwoch, den 19. März d. I., von Morgens 10 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirths B. Bolender zu
Hersfeld,
Loosung sowie außerdem Zurückstellung derjenigen Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie der ausgebildeten Landsturmpflichtigen des zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familien- verhältuisse eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§ 123 der Wehr- ordnung vom 22. November 1888.)
Die Herrn Ortsvorstünde der Stadt- und Landgemeinden des Kreises werden angewiesen:
Die zweite Frau.
Erzählung von G. von Schlippe nbach (Herbert Rivulet).
(Fortsetzung.)
II.
Nach der glänzend gefeierten Hochzeit im September flog das neuvermählte Paar in den sonnigen Süden und durchstreifte zunächst die Schweiz, die Elsa bereits früher m't ihrem Vater besucht hatte. O diese goldenen, klaren Herbsttage im Berner Oberlande, diese glücklichen Stunden angesichts der gewaltigen Bergriesen mit den schneege- krönten Häuptern. Die jungen Gatten machten weite Bergtouren. und noch nie hatte sich Elsa so wunschlos glücklich gefühlt, wie' jetzt an der Seite des stets aufmerksamen, ritterlichen Mannes, der ihr seine Liebe auf Schritt und Tritt zeigte und den sie mit jedem Tage tiefer in ihr Herz schloß. Born trat aus sich heraus, er war von der Frische und Unberührtheit des jungen Wesens, das sein Weib geworden war, bezaubert Er fühlte sich in ihrem Besitz so glücklich, wie er nicht gemeint, es noch einmal zu werden. Die trübe Vergangenheit, der Verlust seiner ersten Frau und der Schmerz um sie traten zurück, die Gegenwart war zu schön.
Ueber Luzern und den Vierwaldstätter See reisten sie nach Italien und hielten sich an den oberitalienischen Seen auf, dann ging es nach Neapel und Rom. Hier vermißte Born an Elsa das Verständnis und Interesse, das er an den Kunstschätzen nahm; sehr bald langweilte
die militärpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und voll- und zwar _ j ständige Ausfüllung des vorgeschriebenen, in L. Funk' s
b)
2.
die in der Zeit vorn 1. Januar bis einschließlich 31. Dezember 1882 geborenen, soweit sie nicht bereits in das Militär eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten haben,
die in den Jahren 1881, 1880 und 1879 oder früher geborenen, welche bei den Ersatz-Geschäften des vorigen Jahres zurückgestellt, überzählig geblieben oder gar nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militärverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zn den vorbezeichneten Musterungsterminen vorzuladen,
dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückstellung bezw. Befreiung voin Militärdienst beansprucht wird, sich im Mu st eru ug ste rmin e ebenfalls e i n f i n d e n,
3. in den Terminen sich persönlich einzn - finden und so lange zur Stelle zu sein, bis s ä m m t l i ch e M i l i t ä r p fl i ch - tige der betresse»den Gemeinde
gemustert sind.
einer
Verhinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters Sorge zn tragen,
4. für rechtzeitige Gestellung der Militärpflichtigen rc. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu eröffnen, d a ß f i e m i t s a u b e r e in Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
Militärpflichtige, welche ohne genügenden Entschuldigungs- grnnd im Musterungsternline nicht erscheinen oder bei Auf- rusung ihrer Namen im Mnsterungslvkale nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder
Haft bis zu 3 Tagen bestraft; außerdem können ihnen die Vortheile der Loosung entzogen werden. Ist die Ver- säumniß in böswilliger Absicht oder wiederholt erfolgt, so kann ihre alsbaldige Einziehung zum Militärdienst als un- sichere Heerespflichtige erfolgen.
Reklamationen Militärpflichtiger um Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militärdienst, oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie des Landsturms zweiten Aufgebots um Zurückstellung vom Militärdienst im Falle einer Mobilmachung des Heeres sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstände
sich die junge Frau, sie klagte über Abspannung und Müdigkeit und ließ ihren Gatten allein in die Bilder- gallerie gehen. Und wenn er dann in das Gasthaus kam, angeregt von all dem Schönen, dann fand er Elsa theilnahmlos. Oft lag sie auf dem Sofa und las einen seichten, französischen Roman. Sie machte viele Einkäufe in den Läden, jede Laune mußte befriedigt werden.
„Aber, liebes Kind, du wirfst das Geld fort!" tadelte Born. „Diese kostbaren Stoffe und Schmucksachen passen nicht für das stille Landleben. Du würdest bei unsern Nachbarn auffallen, wenn du dich damit zeigtest I"
»Ich kann mich kleiden, wie ich will !" rief Elsa gereizt . . „Ich möchte dir gefallen !" fügte sie kleinlaut hinzu.
„Ich lege keinen Werth auf solche Dinge," versetzte Born; „im einfachen Hauskleids sehe ich dich am liebsten. Aber wie? Thränen? Nimm doch nicht gleich alles krumm, Kleinchen! Bist du so empfindlich?"
Elsa entzog sich des Gatten Liebkosung. Schmollend versetzte sie: „Mein guter Papa hat mir nie eine» Wunsch versagt, er gab mir bei meiner Verheiratung ein reichliches Taschengeld. Ich kann mir kaufen, was mir gefällt; du solltest dich darüber freuen, statt mich zu schelten, Fritz!"
Halb belustigt und halb betrübt blickte Born auf sein junges Weib nieder; ihm fielen Worte ein, die der General zu ihm gesagt halte: „Es steckt ein guter Kern in Elsa, vielleicht habe ich es nicht recht verstanden, ihn herauszuschälen!"
Mit sanfter und doch starker Hand kehrte er das Gesichtchen sich zu.
Buchdruckerei dahier stets vorräthigen Fragebogens sorgt.
Einer Beifügung von ärztlichen Attesten bedarf es in der Regel nicht, da, wie schon erwähnt, diejenigen Personen, (Eltern, Geschwister rc.) zu deren Gunsten eine Zurückstellung rc. vom Militärdienst beansprucht wird, im Musterungstermine mit zu erscheinen haben, wobei in Betreff ihrer Erwerbsfähigkeit rc. die nöthigen Feststellungen durch den betreffenden Militärarzt, desfen Ausspruch allein maßgebend ist, bewirkt werden.
Sämmtliche Reklamationen find umgehend dahier einzureichen. Militärpflichtige, welche an Epilepsie zn leiden behaupten, haben auf ihre Kosten drei glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihres Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an Eidesstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wann, wie oft und in welcher Weise sie selbst die epileptischen Anfälle bei dem betreffenden Militärpflichtigen wahrgenommen haben. Diese Protokolle nebst etwaigen ärztlichen Attesten über Fehler und Er- krankungen, welche sich im Termine m mit Schwierigkeit feststellen lassen (z. B. geistige Be ■ änktheit, Blut
husten, Herzleiden u. s. w.), sind chenwo:■ l umgehend ein- zureichen, bezw. den Reklamationsverhandtungen beizufügen. , Die Herrn Ortsvorstände rc. haben Vorstehendes wieder- Holt in ihren Gemeinden, insbesondere dem gestellungspflichtigen Mannschaften und bereit Angehörigen, bekannt machen zu lassen und daß dieses geschehen, bis zum 5. Mä r z d. Js. hierher zu berichten.
I. II. Nr. 399. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 28. Februar 1902.
Am Sonnabend, den 22. März d. Js. Vormittags 10'/, Uhr findet im hiesigen städtischen Rathhaussaale eine Kreistagssitzung statt.
Tagesordnung:
1) Beschlußfassung über Uebernahme der VerpflegungS- station auf Kosten des Kreises.
2) Feststellung des Kreishaushalts-EtatS für 1/4.1902/3 (§ 84 der Kreisordnung).
3) Beauftragung einer Kommission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst aufzu«
„So mußt du nicht sprechen, Kleine!" sprach er sehr ernst und entschieden. „Neberlege es dir!" Ich bin überzeugt, es wird dir jetzt leid thun, nicht?"
Aber die Lippen blieben eigensinnig geschloffen.
„Kind, Kind, sollen wir gleich beim Beginn unserer Ehe Mißverständnisse haben? Soll der Mann nicht offen seine Meinung sagen? Glaube nicht, daß ich für mich allein dieses Recht in Anspruch nehme; die Ehe ist eine Art Eiziehung, wir wollen uns gegenseitig beobachten und nicht sofort Empfindlichkeit zur Schau tragen, wenn unsere Fehler und kleinen Schwäche zur Sprache kommen !"
Born machte eine Pause.
„Nun, noch kein freundliches Gesicht, Elsa? Noch immer diese finstere Wolke zwischen den Brauen? Sie kleidet dich garnicht, Liebling!"
Das verwöhnte junge Wesen brach in Thränen aus ; sie schluchzte und ließ sich nur schwer beruhigen. Erst nach längerer Pause schien die Sonne wieder heiter am Ehehimmel, und Born hatte das bedrückende Gefühl, daß dies nicht die letzte derartige Sturmscene seines zukünftigen Lebens an der Seite des unfertigen Wesens sein würde, das er an Stelle der heißgeliebten ersten Frau erwählt hatte.
* _ *
*
Im November kehrten sie nach Deutschland zurück und blieben acht Tage in Berlin bei dem lieben Papa, der garnicht wußte, wie er das Töchterchen verwöhnen sollte. Elsa, das Kind der Großstadt, plätscherte fröhlich