Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Abonncmcntspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exd. Postaufschlag.

Gratisbeilagen rIUnftrirtes Sonntagsblatt" *Aünftrirte LandVirthschaftliche Vettage".

t ül »i«jhi| to 18. Mrz 1H1

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 14. März 1902.

In den nächsten Tagen übersende ich den Herren Orts­vorständen je 1 Exemplar der von der Handwerkskammer zu Cassel erlassenen Vorschriften znr Regelung des Lehr­lingswesens in Handwerksbetrieben.

Diese Vorschriften sind thunlichst znr Kenntniß der in den Landgemeinden ansässigen selbstständigen Handwerker zn bringen, Letztere insbesondere aber auf die §§ 7 und 8 aufmerksam zu machen. Außerdem ist noch darauf hinzu­weisen, daß die laut § 103 n bezw. 94 c der Gewerbe­ordnung bestellten Beanftragten der Handwerkskammer als Beamte anzusehen sind und deuselbei: der Eintritt in die Werkstätte nicht verweigert werden darf, wie es wiederholt vorgekommen sein soll.

I. 1355. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath

Cassel, den 8. März 1902.

Nach einer Mittheilung des Herrn Regierungs - Prä­sidenten zu Coblenz ist die Mädchen - Abtheilung der Er­ziehungsanstalt St. Martin zu Boppard derart besetzt, daß Zöglinge zur Zeit nicht mehr ausgenommen werden können.

Ich ersuche Anordnung zu treffen, daß b i s z u m 4. A P r i l d. I s. ohne vorherige Anmeldung beim Anstalts­Direktor weibliche Zöglinge der genannten Anstalt nicht .mehr zugeführt werden.

Der Regierungs-Präsident. I. V.': M a n v e. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizei- Direktoren zn Hanau und Fulda, an die Herren Land­räthe des Bezirks und an die Magistrate der Residenz hier, zu Hauau, Fulda, Marburg und Eschwege.

A. I. 1897.

Wird veröffentlicht.

I. 1358.

Hersfeld, den 14. März 1902.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheiiner Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 15. März 1902.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche die diesseitigen Verfügungen:

1) vom 19. Juni 187t Nr. 6053, Kreisblatt Nr. 49, Revision der Kirchen- und Schulgebäude betreffend,

2) vom 15. April 1886 Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, Körung der Zuchtbullen betreffend, bis heute nicht erledigt haben, werden m i t F r i st b i s z n m 2 1. d. M t s. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil

Reichstes--Wen.

Der Reichstag ist in die Osterferien gegangen. Man wird ihm das Zeugnis nicht vorenthalten dürfen, daß er fleißig gearbeitet hat. Er hat vor Weihnachten 15 und im neuen Jahre 51 Sitzungen abgehalten, von denen 44 der Etat-Berathung gewidmet waren. Der Eifer ist von einem guten Erfolg begleitet gewesen. Der Etat ist im Reichstage rechtzeitig fertig gestellt worden, mährend im Abgeordnetenhause der Staats - Etat dies­mal nicht zum Termin unter Dach gebracht sein wird. Auch in materieller Hinsicht kann man mit dem Ausgang der Etat-Verhandlungen im Reichstag zufrieden sein.

Bekanntlich war im Entwurf zum Voranschläge ein Defizit von 58,9 Millionen Mark vorgesehen, von denen 35 Millionen, durch eineZuschuß - Anleihe" gedeckt werden sollten, während der Nest auf die Matrikular-

Beiträge hätte geschlagen werden müssen. Außerdem war ein Anleihebedarf von etwa 182 Mill. Mk. nachgewiesen. Durch Abstriche an den Ausgaben, Erhöhung der Ansätze für die Einnahmen und Heranziehung verfüg­barer Anleihereste ist die Spannung zwischen Einnahmen und Ausgaben um 70 Millionen Mark verringert worden, sodaß die Anleihe von 35 Millionen Mark ganz hat wegfallen können und der sonstige Bedarf dementsprechend eingeschränkt worden ist. Freilich er­scheint etz zweifelhaft, ob diese Methode der Balancierung des Budgets unsrer Volkswirthschaft einen dauernden Nutzen bringt. Nothwendige Ausgaben, die der Staat in diesem Jahre zurückstellt, belasten vielleicht die nächsten Jahre umso schwerer, und voraussichtliche Einnahmen, die heute schon in Rechnung gestellt werden, sind für die Deckung künftiger Ansprüche nicht mehr verwendbar. Diese Sorgen sollen uns aber gegenwärtig nicht an­fechten. Wohl aber steckt in ihnen die Mahnung, die Verwirklichung der Reichsfinanz-Reform nicht auf die lange Bank zu schieben.

Die dem Reichstage für die laufende Tagung vor­liegenden Gesetz - Entwürfe, wie SeemanS Ordnung, Brausteuer-Vorlage, Schaumweinsteuer-Gesetz und Süß­stoff-Gesetz, sind bisher im Reichstage noch kaum zur Verhandlung gelangt. Hingegen ist in einer Reihe von Sitzungstagen der von den verbündeten Regierungen eingebrachte Zolltarif in der ersten Lesung durchberathen und der Kommission überwiesen worden. Dazwischen hat der Reichstag sich mit mehreren Tagesfragen, welche aus der Mitte des Hauses zur Sprache gebracht waren, beschäftigt, so mit den Offiziersduellen, den politischen Verhältnissen in Ostasien, dem Wreschener Schulprozeß und der polnischen Propaganda.

Wenn auf der einen Seite die Leistungen des Reichs­tages anerkannt werden, so darf doch auf der anderen Seite nicht mit dem lebhaften Bedauern zurückgehalten werden, daß der Besuch des Reichstages leider selbst be­scheidenen Wünschen nicht entsprochen hat. In der großen Mehrzahl bet Sitzungen war das Haus beschluß­unfähig, oft waren nicht mehr wie 3050 Mitglieder anwesend. Das ist ein Zustand, der zu den ernsten Bedenken für die weitere Entwicklung unsers Parla­mentarismus Anlaß giebt. Die Vorschläge, wie dem Uebel des Absentismus abzuhelfen wäre, sollen hier nicht weiter erörtert werden, die Erkenntniß aber muß mehr und mehr platzgreifen, daß es in der bisherigen Weise auf die Dauer nicht fortgehen darf, wenn die der Volks­vertretung eingeräumten gesetzgeberischen Befugnisse vor Verkümmerung bewahrt werden sollen.

Mit dem Reichstage hat auch die Kommission zur Vorberathung des Zolltarif-Entwurfs ihre Arbeit zeit­weilig eingestellt. Die Kommissions-Berathungen haben leider einen so schleppenden Verlauf genommen, daß jede Hoffnung geschwunden ist, vor dem Herbst die Tarif- Vorlage in der Kommission zu erledigen. Schlimmer noch ist, daß die Verständigung zwischen den verbündeten Regierungen und der Kommifsionsmehrheit über die Tarifsätze keinerlei Fortschritte gemacht hat. Obgleich die Regierung zu mehreren wichtigen Punkten mit aller Entschiedenheit erklärt hat, daß ein Hinausgehen über die Tarif-Vorlage für sie unannehmbar sei, hält die Kommission daran fest, die Tarifsätze in die Höhe zu schrauben. Unter solchen Umständen erscheint es nicht ausgeschloffen, daß die Vorlage schließlich an diesem Widerstände scheitert. Das wäre für die deutsche Land­wirthschaft ein schwerer Schlag und für unsere ganze nationale Volkswirthschaft eine Niederlage von ver« hängnißvoller Bedeutung. Daher muß immer wieder davor gewarnt werden, den Bogen zu überspannen. Hoffentlich sind die bevorstehenden Ruhewochen der Ein­sicht förderlich, daß die Kommissions Mehrheit auf ge­fahrvollen Wegen wandelt, ein Spiel treibt, bei welchem sie schließlich alles verlieren kann.

Politische Nachrichten.

Berlin, 15. März.

Se. Majestät der Kaiser verließ gestern nach dem Frühstück, wie aus Bremen gemeldet wird, unter den brausenden Hurrahrufen der zahl­reichen Anwesenden den Rathskeller und fuhr in Begleitung des präsidirenden Bürgermeisters, gefolgt von den Herren seiner Begleitung, überall von der Be­völkerung enthusiastisch begrüßt, zum Bahnhof. Nach herzlicher Verabschiedung erfolgte um 2 Uhr 5 Minuten die Rückreise nach Bremerhaven. Der Besuch ver­lief in jeder Beziehung glänzend und glücklich. Ueberall in Bremen herrschte Feststimmung, das Wetter war prachtvoll. Nachmittags 3'/z Uhr traf Se. Majestät wieder in Bremerhaven ein und begab Sich mit dem LloyddampferKehrwieder" nach dem bei Hohe Weg liegenden PanzerschiffKaiser Wilhelm II." Heute früh 7 Uhr traf dieses mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord in Brunsbüttelkoog ein.

Aus Brunsbüttelkoog wird unter dem 15. d. berichtet: Als das PanzerschiffKaiser Wilhelm IL", begleitet vom AvisoHela"^ «t der Schleuße festgemacht hatte, ging Se. KöniglicheTLAhrit Prinz Adalbert an Bord und meldete sich bei Sr. Majestät dem Kaiser. Um 7 Uhr begrüßte Se. Majestät Ihre Majestät die Kaiserin in der Kaiserhalle. Beide Majestäten statteten dann dem im Binnenhafen liegenden Schulschiff Charlotte" einen Besuch ab. Kurz vor 8 Uhr begaben Sich die Majestäten mit Prinz Adalbert an Bord desKaiser Wilhelm II.", der um 8 Uhr durch den Kanal nach Kiel abdampst. Beim Passiren derChar­lotte" nahmen die Besatzungen der letzteren Paradeauf­stellung. DieCharlotte" folgte dann demKaiser Wilhelm II." nach Kiel.

Aus Kiel, 15. März, wird gemeldet: Das Linien­schiffKaiser Wilhelm II." mit Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin sowie dem Prinzen Adalbert an Bord ist Nachmittags 6^4 Uhr in die Schleuse ein« gelaufen; wenige Minuten später wurde dieCharlotte" elngeschleußt. Der Kaiser und Prinz Adalbert befanden sich auf dem Achterdeck. Später ging letzterer auf die Charlotte" über. Als das LinienschiffKaiser Wilhelm II." in den Hasen einfuhr, feuerten die im Hafen liegenden Kriegsschiffe Salut.

Se. Kaiser!. Hoheit der Kronprinz ist am Sonnabend Abend 7 Uhr in Augsburg eingetroffen und auf dem Bahnhof von dem Kommandeur der 2. Division, Generalleutnant Frhrn. Reichlin v. Meldegg empfangen worden. Der Kronprinz, welcher ebenso wie das Ge­folge Civilkleidung trug, wurde auf dem Bahnhof und auf der Fahrt zur Wohnung desFreiherrn von Meldegg vom Publikum lebhaft begrüßt.

In der philosophischen Fakultät der Universität Jena können Frauen und Mädchen, wie nunmehr ent« gültig entschieden ist, zum Studium, zu Uebungen und Arbeiten als Hörerinnen zugelaffen werden. Bedingung ist, daß sie deutsche Reichsangehörige sind und das Ab­gangszeugniß eines deutschen Lehrerinnen - Seminars besitzen.

Der Reichskanzler, Graf Bülow, hat von einem, von Leipziger und Berliner Studenten gefaßten Plane, mit einigen Berliner Hofschauspielern Schillers Räuber" in Paris in deutscher Sprache aufzu- führen und mit französischen Studenten ein VerbrüderungS- fest zu feiern, abgerathen, da durch dieses Unternehmen die normalen Beziehungen zwischen beiden Ländern unter Umständen eine willkürliche Störung erfahren könnten.

Kaum hat Prinz Heinrich den Boden der Vereinigten Staaten verlassen, als ein neues Jntriguenspiel gegen Deutschland, und zwar dieses Mal gegen den deutschen Botschafter von H o l l e b e n , begann. Einige New-Yorker Blätter bringen Anschuldigungen eines Journalisten Witte gegen den deutschen Botschafter, denen zufolge dieser sich in die innere amerikanische Politik eingemischt und zu Gunsten Bryans gewirkt haben soll.