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Nr. 34 Lümchg de« 2^ MK; 1902.
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Hersselder Kreisblatt
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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 17. März 1902.
Infolge des Ausschreibens vom 20 Februar d. I. I 1. Nr. 909 (Kreisblatt Nr. 24) haben eine Anzahl Schmiede die Anmeldung ihrer Betriebe zur Unfallversicherung dahier bewirkt, eine größere Anzahl ist jedoch mit dieser Anmeldung noch im Rückstände.
Die zweite ^rau.
Erzählung von G. v o n Schlipp enbach (Herbert Rivulet.) k (Fortsetzung.)
„Das freut mich, mein liebes Kind! Nicht wahr, es liegt eine reine Freude in solchen Dingen! Es sind oft bloß Kleinigkeiten, aber das Leben setzt sich aus solchen zusammen, und sie tragen zum häuslichen Wohl oder Wehe bei. Wir Frauen dürfen nicht vergessen, daß, während wir wohlgeborgen im gemütlichen Heim leichte Pflichten erfüllen, unsere Männer durch ihre Arbeit draußen das Haus erhalten. Sie haben den schwerern Theil, unsere Sorgen sind gegen die ihrigen klein; sollten wir nicht Nachsicht üben, wenn der Mann zuweilen verstimmt heimkehrt? Sollten wir nicht das gemeinschaftliche Heim hüten, damit sich alles harmonisch ineinander fügt? Sollten wir nicht unsere eigene Abtheilung, das innere Getriebe der Wirthschaft, so im Stand halten, daß der Gatte sich behaglich fühlt und ihm das Haus eine Stätte des Friedens wird, worin er von den Stürmen des Lebens ausruht?"
Sinnend, das liebliche Haupt gesenkt, lauschte Elsa den Worten Tante Emmas. Ja, sie sah es ein, sie hatte vieles versäumt im Anfang ihrer Ehe. War es zu spät?
x „Erzählen Sie mir von ihr, von der ersten Frau!" bat ste leiser. „War sie wirklich so gut, wie alle be haupten?"
Die Doktorin hatte Margarethe sehr hoch gestellt, sie schilderte sie in warmen Worten.
Die Herrn Ortsvorstände des Kreises haben alle Diejenigen, welche ein Schmiedegeschäft selbstständig betreiben und der Meldepflicht zur Unfallversicherung noch nicht genügt haben, zur unverzüglichen Anmeldung nochmals aufzufordern.
Zugleich sind mir sämmtliche Schmiede mittelst Bericht bis zum 26. d. Ms. unter Angabe der Zahl der etwa von diesen beschäftigten Gesellen oder Lehrlinge namhaft zu machen, wobei ferner noch anzugeben ist, daß die Aufforderung an die Betreffenden zur Be- triebsanmcldung ergangen ist.
I. 1464. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 12. März 1902.
Die unter dem Schasbestande des Metzgermeisters Peter Wolfs in Hersfeld ausgebrochene Räude ist erloschen.
I. 1244. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Willkommen in der Heimath.
Prinz Heinrich ist am Dienstage von seiner Reise nach den Bereinigten Staaten in die Heimath zurückgekehrt. Mit seinem kaiserlichen Bruder ruft ihm das ganze deutsche Volk ein herzliches Willkommen zu. Prinz Heinrich kann mit Genugthuung auf seine Fahrt zurückblicken. Trotz der gewaltigen Strapazen, die ihm be- schieden waren, hat er seine Aufgabe in jeder Beziehung glänzend erfüllt.
Als Kaiser Wilhelm seiner Zeit den Wunsch äußerte, Miß Alice Roosevelt, die Tochter des Präsidenten der Vereinigten Staaten, möge den Taufakt beim Stapellauf seiner auf einer amerikanischen Werft erbauten Pacht vollziehen, wurde er wohl von dem Gedanken geleitet, einen Beweis dafür zu geben, wie sehr ihm eine freundschaftliche Gestaltung der Beziehungen zwischen der Regierung und dem Volk der Vereinigten Staaten auf der einen Seite, der deutschen Regierung und dem deutschen
Elsa seufzte darauf nur und sagte mutlos: „Ich werde ihr nie gleichen, ich bin leicht gereizt und empfindlich, und mein Mann muß oft darunter leiden."
„Sie dürfen nicht die Flinte ins Korn werfen! Arbeiten Sie an sich, versuchen Sie einmal ernstlich, jener Eigenschaften Herr zu werden, Sie werden eine Genugthuung empfinden, die Sie zum völligen Ablegen Ihrer Fehler treibt!"
Solche ernste Gespräche führten die Frauen oft, und der gute Same fiel auf weichen Boden im Herzen der jungen Frau. Auch über Ubo6 Erziehung sprach die Stiefmutter mit der alten Dame, deren eigene Kinder lange erwachsen waren. Zu ihrer großen Erleichterung hatte die widerspenstige Wärterin freiwillig den Dienst zu verlassen gewünscht und war zu ihrer Tochter gezogen. Jetzt hatte der Knabe ein nettes, junges Mäochen um sich, und Elsa freute sich, daß er viel gehorsamer war und sich immer mehr an sie anschloß. Auch ihr Mann bemerkte das, und er freute sich heimlich darüber; aber er vermied, eine Anerkennung zu äußern, aus Furcht, dadurch die Eitelkeit seiner Frau noch zu vergrößern.
Sie thut ja nur ihre Pflicht! dachte er. Wir werden uns ewig innerlich fremd bleiben; ich bin ihr gleichgiltig geworden! Ob sie mich überhaupt je geliebt hat, ob nicht ein anderer ihr Herz vor mir besessen hat?
Wenn Elsa ihren Mann zuweilen grübelnd dasitzen sah, hätte sie gar zu gern die Arme um ihn geschlungen und ihn gebeten, sich ihr anzuvertrauen. Der Stolz hielt sie aber zurück, sie plauderte von alltäglichen Dingen, und er hielt sie für gleichgiltig und oberflächlich.
Volke auf der anderen am Herzen liege, und wie er bemüht sei, diese Beziehungen vor jeder Trübung zu bewahren. Präsident Roosevelt ertheilte gern seine Zustimmung zur Schiffstaufe durch seine Tochter, und nun trat Kaiser Wilhelm mit der Absicht hervor, seine Pacht „Hohenzollern" und gleichzeitig seinen Bruder, den Prinzen Heinrich, hinüberzusenden, als seinen Vertreter beim Stapellauf und als Ueberbringer der freundschaftlichen Wünsche von deutscher Seite für die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten. Kaiser Wilhelm wollte dem amerikanischen Volk durch diese Aufmerksamkeiten eine Freude bereiten, und dies ist ihm vortrefflich gelungen. Vergeblich war das Bemühen, zwischen den beiden Völkern Unfrieden zu säen, vergeblich der Versuch, noch im letzten Augenblicke Mißtrauen zu erregen und Haß zu entfachen. Der Pfeil ist auf seinen Absender zurückgeflogen. Kein Mißton hat die Festlichkeiten gestört.
Die Vereinigten Staaten haben den Prinzen Heinrich in einer Weise ausgenommen, wie sie schöner und erhebender nicht gedacht werden kann. Die Fahrt des Prinzen war ein Triumphzug. Alle Kreise jenseits des Ozeans waren bemüht, dem Bruder und Vertreter des deutschen Kaisers den Glanz und Reichthum, die Civilisation und Wohlfahrt des amerikanischen Volkes vor Augen zu führen. Und doch, nicht der Stolz und das Selbstbewußtsein allein war die Triebfeder bei den großartigen Festen; es sprach auch das Gefühl der Freundschaft für die deutsche Nation mit, das Bewußtsein, daß Deutsche an dem Aufschwung der Vereinigten Staaten regen Antheil genommen haben, die Achtung vor dem deutschen Geistesleben. Nicht zuletzt aber war es die gewinnende, anspruchslose Persönlichkeit des Prinzen Heinrich, die den Festtagen ihr Gepräge gab.
Mit jener Offenheit und Ungezwungenheit, die zu Herzen geht, hat Prinz Heinrich den Amerikanern vor seinem Abschieds selbst versichert, daß keinerlei geheimer Zweck mit seiner Mission verknüpft war. Aber das eine wird erreicht sein, daß man jenseits des Ozeams an die Aufrichtigkeit des Wunsches glaubt, den der Prinz seinem Danke hinzufügte: „Lassen Sie uns darnach trachten, Freunde zu sein, und es auch wirklich sein!" DaS ist nicht nur sein Wunsch, sondern auch der des Kaisers und des deutschen Volkes, und wir hoffen, daß es auch der Wunsch der Amerikaner ist. Möge unverbrüchliche Freundschaft beide Mächte und ihre Völker verbinden nun und in allen Zeiten!
Vielleicht hätten sie sich doch mit der Zeit besser verstanden ; denn im Grunde sehnten sie sich nach einander, doch da traten Stürme in ihre Ehe, die diese bis in ihre Grundfesten erschütterten. Diesmal kamen die Stürme von außen.
Borns hatten mit der Nachbarschaft Verkehr angeknüpft, und im Sommer wurde sehr gesellig gelebt. Es gab Waldfeste, Spielpartien, ländliche Bälle, und die junge Frau Born wurde überall gefeiert. Die alte Lebenslust erwachte in Elsa, sie war ganz in ihrem Elemente und genoß die Schmeichelei und Bewunderung, die ihr zu Hause fehlten. Der General hatte seiner Tochter ein schönes Reitpferd geschickt, das täglich die schöne Reiterin tragen durfte; das langentbehrte Vergnügen nahm sie sogar so sehr in Anspruch, daß bin häuslichen Pflichten darüber beiseite geschoben wurden.
Leutnant von Felsen war der stete Begleiter der schneidigen Amazone, er war auf langem Urlaub nach Schlabitten zu Rankes gekommen und hatte in Waldau seinen Besuch gemacht. In Elsas Herzen kochte bitterer Aerger gegen ihren Mann, der in letzter Zeit absprechender und kälter als je geworden. Sie beschloß, seine Eifersucht zu erregen; vielleicht würde das ihr doch beweisen, daß Born sie liebte. Sie nahm gegen Felsen ein herausforderndes Benehmen an und ließ sich von ihm unv schwärmen. Der Offizier war denn auch immer um sie bemüht, er brächte ihr Blumen, holte sie zu den Spazierritten ab, war ihr Tänzer, kurz ihr erklärter Günstling, der ihr offen den Hof machte.