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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 22. März 1902.
Im Laufe dieses Sommers werden im hiesigen Kreise trigonometrische Vermessungen zur Ausführung gelangen. Die mit diesen Arbeiten beauftragten Offiziere, Beamten rc., werden sich durch „offene Ausweise" der Herren Minister des Innern und für die Landwirthschaft, von welchen ein Abdruck hierunter mitgetheilt wird, legitimiren.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben dafür zu sorgen, daß diesen Personen beim Betreten der Feldmarken seitens der betheiligten Grundbesitzer keinerlei Schwierigkeiten bereitet werden, vielmehr allen seitens der Trigonometer pp. gestellten Ersuchen — soweit dieselben hierzu berechtigt sind — entsprochen wird.
I. 1603. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
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Beglaubigte Abschrift. Der Minister des Innern.
Die von Seiner Majestät dem Kaiser und König befohlenen, unter Leitung der Chefs der Trigonometrischen und Topographischen Abtheilung der Landes-Aufnahme stattfindenden Vermessungsarbeiten finden in diesem Jahre auch in dem Regierungsbezirke Cassel statt. Zur Ausführung dieses gemeinnützigen und wissenschaftlichen Unternehmens ist die Mitwirkung der Grundeigenthümer und Einsaffen, der Geistlichen, der Landesverwaltungsbehörden und -Beamten, sowie der Forstbeamten erforderlich. Es werden deshalb diese Behörden und Personen hierdurch aufgefordert, zur Erreichung der Allerhöchsten Absicht auch ihrerseits kräftig mitzuwirken.
Die den Herren Abtheilungschefs sowie den ihnen unterstellten Offizieren und Beamten zu gewährenden Hülfsleistungen bestehen vorzüglich in Folgendem:
1. Bei Besichtigung der Gegenden find auf Verlangen ortskundige verständige Führer gegen ortsübliche Lohnzahlung zu stellen, ebenso Arbeiter für anderweitig nothwendige Arbeiten oder Botengänge.
2. Die zur Besteigung von Thürmen und zur Herstellung von BeobachtungSeinrichtungen auf diesen etwa erforderlichen Anstalten find zu gestatten.
3. Tas zur Errichtung der Signale erforderliche Holz ist von den Forstbeamten aus den Königlichen Forsten gegen Bezahlung nach der Forsttaxe zu verabfolgen, die Nebenkosten (Hauer- und etwaige Nückerlöhne bis zum Abfuhrwege) werden der Forstkaffs ebenfalls erstattet.
Die Königlichen Forstbeamten werden angewiesen, bei den zur Gewinnung von Durchsichten unumgänglich nothwendigen Durchhauen Unterstützung zu leisten.
4. Wo Holzbeschaffung aus Königlichen Forsten des Zeitverlusten oder der unverhältnißmäßig großen Anfuhrkosten wegen nicht möglich ist, werden die Grundbesitzer aufgefordert, die erforderliche Menge aus ihrem Gehölze gegen den üblichen Preis abzugeben.
5. Alle Behörden und Beamten, welche Karten und Aufnahmen von Theilen des aufzunehmenden oder zu erkundenden Geländes besitzen, werden angewiesen, diese auf Erfordern zur Einsicht und falls nöthig Abzeichnung mitzutheilen, sowie die erforderlichen Notizen zur Anfertigung genauer statistischer Bemerkungen so ausführlich wie möglich zu geben.
6. Bei dienstlichen Veranlaffungen haben die Obrigkeiten auf Antrag Miethsfuhrwerke für die ortsüblichen Preise, die sofort baar bezahlt werden, zu beschaffen und überhaupt für schnelles und sicheres Fortkommen zu sorgen.
7. Gegen Vorzeigung dieses offenen Ausweises sind Offiziere und Beamte, für sich, ihre Burschen und Gehülfen und für ihre Dienstpferde mit Quartier und Verpflegung gegen unmittelbare angemessene Bezahlung zu versehen. Die Fourage für die Pferde ist auf Wunsch auch gegen die vorschriftsmäßige Quittung durch die Gemeinde zu verabfolgen.
8. Die Stationsvorsteher der preußischen Eisenbahnen werden angewiesen, die Benutzung fahrplanmäßiger Güter- züge auf den Staats- und unter Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen gegen Zahlung des Fahrpreise« II. Klasse zu gestatten.
Schließlich wird auch sonst auf bereitwillige Unter« stützung dieser Offiziere und Beamten zur Erleichterung ihrer schwierigen Aufgabe, insbesondere durch die Grund- besitzet, Geistlichen, Lehrer pp. den Allerhöchsten Wünschen entsprechend, gerechnet.
Berlin, den 25. Januar 1902.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten.
Im Auftrage gez. Möllhausen.
Der Minister für Landwirthschaft, Domänen u. Forsten,
Im Auftrage gez. Hermes.
Der Minister des Innern. Im Auftrage gez. Peter«.
Offener Ausweis
für die Chefs der Trigonometrischen und Topographischen Abtheilung der Königlichen Landesaufnahme, sowie die ihnen unterstellten Offiziere und Beamten, an die oben bezeichneten Behörden, Beamten, Grundbesitzer pp. in dem auf der ersten Seite der Ordre genannten Landestheile.
M. d. ö. A. II C. 444. M. f. L. pp. I C. 511. M. d. J. Ib 158.
Hersfeld, den 20. März 1902.
Auf die im Regierung« Amtsblatt Nr. 10 veröffent-
Die zweite Frau.
Erzählung vonG.von Schlsppenbach (Herbert Rivulet.) (Fortsetzung.)
Der Winter ist eingekehrt, es friert tüchtig. Ich habe aus dem Städtchen Wolle und warme Stoffe holen lassen, und Tante Emma und zwei Schneiderinnen helfen mir bei der Herstellung der Röckchen und Jacken für die armen Kinder auf dem Gute. Ich selbst bin noch recht ungeschickt, aber ich lerne mit Eifer, und Tante Emma meint, daß ich bald die Nähmaschine regieren werde. Ich fahre alle Tage im Schlitten aus, und zuweilen besuche ich die Hütten der armen Bauern, die unter dem Grimm des strengen Winters leiden. Warum habe ich mich früher nicht um die Leute gekümmert, die uns doch treu dienen?
Mir fallen immer neue Unterlassungssünden ein, es bedurfte für mich eines großen Schmerzes, um mich für l"mde Sorgen sehend zu machen. Udo ist wieder frisch und blühend. Wir sind die besten Freunde, und er will immer um mich sein. Auch diese Quelle des Glücks m mir erst jetzt kundgeworden, ich bin Gott dankbar dafür.
Von ihm, dem Fernen, ist gestern ein Brief an rinnens angekommen. Er ist in Kairo und schreibt nur um Nachrichten von dem Knaben. Ueber nuch kein Wort, keine Erkundigung. Friesens mußten mrr versprechen, daß sie nichts von meiner Heimkehr erwähnen. Auch das andre nicht.
Mein lieber Vater wollte zum Feste zu mir kommen; ich bat ihn aber, es nicht zu thun, ich will lieber allein bleiben. Jetzt ist es spät, Udo schläft in seinem Bettchen mit geröteten Wangen, er hält sein Rollpferdchen im Arme, und die Trommel liegt auf dem Fußende. Durch das stille Haus zieht der Duft der braunen Lebkuchen und der Tanne, die im Speisezimmer steht. Das war eine Freude bei den armen Kindern, die noch nie einen Christbaum gesehen hatten. Ich war in der letzten Woche oft in Z. und kaufte dort Spielsachen, Kerzen, Rauschgold und Nüsse, alles, was die kleinen Herzen erfreut.
Die Geschäftigkeit vor dem Feste ließ mich nicht zur Besinnung kommen, es gab viel Arbeit; auch bei den Bäckereien habe ich mitgeholfen. Nach Tante Emmas altbewährten Rezepten ist alles köstlich geraten. Welch befriedigende Thätigkeit ist doch das Schaffen einer richtigen Hausfrau!
Jetzt bin ich allein, lauschend hebe ich den Kopf. Eine große Sehnsucht packt mich. Ist das nicht meines Mannes wohlbekannter Schritt, ruft seine Stimme mich nicht? Ach! wäre er hier, fühlte ich seine Arme um mich! Ich möchte mich an seine Brust werfen und rufen: „Wir wollen unsre Ehe noch einmal beginnen! Wir wollen und werden uns jetzt verstehen; ich habe dich grenzenlos lieb, dich, den ich gekränkt und mißverstanden, mein Mann, mein lieber, lieber Fritz!"
Ein goldener Stern blinkt am Himmel, verheißend und versöhnend, ich falte meine Hände, und ein
heißes Gebet quillt aus meinem Herzen zu Gott- empor.
* *
*
Januar.
Tante Emma hat mich wieder in die Lehre genommen, ich mache bei ihr eine ordentliche Wirthschaftsschule durch und gewinne immer mehr Einsicht in das innere Getriebe eines ländlichen Haushaltes. Ich freue mich, daß ich nicht mehr das unpraktische Stadtkind bin, als da« ich herkam.
Nur die langen, einsamen Winterabende sind traurig; am Tage hilft mir die Arbeit über die Gedanken hinweg. Wenn Udo schläft, habe ich noch viele Stunden vor mir. Ich sitze am liebsten in meines Gatten Schreibzimmer, und oft ruht mein Blick auf dem Bilde der ersten Frau. Ich habe das sanfte Gesicht lieb gewonnen, die thörichte Eifersucht habe ich überwunden. Wie muß ich Fritz damit gequält haben! Seitdem ich Udo gepflegt und wie ein eigenes Kind lieben gelernt habe, verbindet mich etwas Geheimnisvolles mit der Verstorbenen. Seitdem ich weiß, daß auch ich ein kleines Wesen besitzen werde, denke ich über die meisten Dinge anders. Jede Frau wird, glaube ich, durch das höchste Glück, das in der Mütterlichkeit ihrer wartet, veredelt. Bin ich desselben werth? Ich, die so viel gefehlt, die den guten Mann nicht begriffen habe, der mir durch das innigste Band zu eigen wurde. Daß Fritz wahrhaft gut ist, das erfahre ich von seinen Untergebnen, die ihn wie einen