Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis vierteljährlich» 1 Mark 40 Pfg. cxel. Postaufschlag.
Isiliierstnz K» 3. Wril
Gratisbeilagen r „Ivnftrßrtes Ssnnragsblatt" *♦ „^lUftrwte Lan-wirthschaftliche Beilage
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Verteilungen
auf das
Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Zlluftrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Die diesjährigen Frühjahrs-Kontrvllversammlnngen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
1. Zu Hersfeld I.
Dienstag, den 15. April -. Js.,
Vormittags 9 Uhr für die Reservisten, Wehrlente I. Aufgebots und die zur 'Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften der Stadt Hersfeld.
2. Zu Obergeis.
Dienstag, den 15. April d Js., Nachmittags 3 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Ana, Biedebach, Gittersdorf, Goß- mannsrode, Obergeis, Reckerode, Rotterterode und Untergeis.
3. Zu Heimboldshauseu.
Sonnabend, den 19. April d. Js.,
V o r m i t t a g s ! 1 U h r,.
für die Mannschaften aus den Gemeinden Ansbach, Bengen- dorf, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Hersa, Heringen, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Röhrigs- Hof mit Nippe, Philippsthal, Wölfershausen und Unter- neurobe. D i e Leute aus deu Orteu K l e i u e u- f e e und W i d d e r s h a u s e n e r f ch e i n e u a m Freitag, den 18. Apri l, 1 lUhr Vormittags in Honebach.
Die zweite Karl.
Erzählung von G. von Schlippe nbach (Herbert Nivulet.) (Fortsetzung.)
VI.
»Papa, Papa!" jubeln zwei helle Kinderstimmen, und ein paar frische Buben eilen dem von der Jagd nach Hause kommenden Vater entgegen.
„Guten Abend, Jungenö!" ruft des Gutsherrn fröhliche Stimme, und er küßt feine beiden Söhne, den zehnjährigen Udo und den fünfjährigen Fritz.
„Wie geht es Mama und dem Schwesterchen?"
Elsa ist aus die Treppe getreten, sie hält ihr Töchterchen auf dem Arm, die kleine, zweijährige Emma-Dora, die ganz ihr Ebenbild ist. Born umarmt Mutter und Kind zugleich, seine ernsten Augen strahlen hell auf.
»Grüß Gott, liebes Weib!" sagt er herzlich.
»Gieb mir die Jagdtasche!" bettelt der kleine Fritz. »Uff, ist die aber schwer !" fügt er hinzu, als der Vater rhm die reiche Beute überläßt.
»Du scheinst eine gute Jagd gehabt zu haben," bemerkt Elsa erfreut.
., "S0' mit der Prachtflinte, die du mir geschenkt, treffe ich immer," scherzt Born.
.. Aw"6 später sitzt die Familie am Kaffeetisch und dre Mutter schenkt den köstlich duftenden Trank ein. . f o^ße Napfkuchen mundet trefflich, und es dauert einige Zeit, bis alle satt sind.
4. Zu Schenklengsfeld.
Sonnabend, den 19. April d. Js.,
Nachmittags 3 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Düukel- rode, Hillartshausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Hilmes, Lampertsfeld, Landershausen, Schenklengsfeld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.
5. Zu Unterhaun.
Dienstag, den 22. April d. Js.,
N a ch mittags 4 U h r, für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilper- Hausen, Holzheim, Kohlhansen, Oberhaun, Roßbach, Roten- see, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.
6. Zu Niederaula.
Mittwoch, den 23. April d. Js.,
Vormittags 11 U h r, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Asbach, Beiershausen, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Hattenbach, Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshansen, Niederaula, Niederjossa, Reiin- boldshausen, Solms, Stärklos, Willingsham und Gutsbezirk Engelbach mit dem Hof Sternberg.
7. Zu Hersseld II.
Donnerstag, den 24. April d. Js.,
Vormittags 9 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Guts- bezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meiscbach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Eichmühle, Heencs, Rohrbach, Tann und Hermannshof und die Erfatzreservisten der Stadt Hersfeld,
Kvulrolplatz für Hersfeld I. und II.: Turnplatz am Hain.
Zur strengen Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirkskommaudo folgende Bemerkuugeu hiiizu:
1. Zu den Frühjahrskontrolvcrsammlimgen haben sich alle Mannschaften, welche der Reserve und Marine-Reserve, Landwehr und Secivehr ersten Aufgebots, der Ersatzreserve und Marine-Ersatzreserve angehören, sämmtliche zur Disposition der Ersatzbehörden, sowie zur Disposition der Truppentheile und Marinetheile beurlaubten Mannschaften zu gestellen. Ferner sämmtliche Invaliden der Reserve und Landwehr I mit Ausnahme der dauernd abgefuudencu
Die alte Hanna ist wieder Wärterin in Waldau. Sie kam eines Tages und bat darum, ihren Dienst noch einmal antreten zu dürfen, Born überließ seiner Frau die Entscheidung und sie hat es nicht bereut, die treue Seele als Hüterin ihrer Kinder gewählt zu haben. Hanna ist ihr eine gehorsame Dienerin geworden, Elsa hat sich Geltung verschafft und besitzt jetzt die Liebe der einst in guter Absicht Widerspenstigen.
Auch einen angenehmen Umgang hat Frau Born in einer gleichaltrigen jungen Frau in Z. gefunden. Tante Emmas Sohn ist nämlich als Leiter einer Fabrik in das Städtchen gezogen, und seine Gattin ist eine muntere Rheinländerin, mit der Elsa sich innig befreundet hat. So weilt Tante Emmas Liebling auch jetzt noch, wo sie längst auf eigenen Füßen zu stehen weiß, oft im Doktorhause; sie bleibt ihrer mütterlichen Freundin dankbar ergeben. Als ihr Töchterchen geboren wurde, nannte sie das Kind Emma-Dora, nach den beiden treuen Nathgeberinnen, deren Einfluß auf ihre Umwandlung so durchgreifend gewesen.
Mit dem wortkargen, früher wenig aus sich heraustretenden Gatten ist ebenfalls eine große Veränderung vor sich gegangen, Born ist mittheilsamer geworden und bespricht alles mit seinem „bessern Ich," wie er seine Frau,' nennt. Und ist er einmal in sich gekehrt, hängt er ernsten Gedanken nach, so belästigt ihn Elsa nicht mit Fragen, sie weiß, daß ihr Fritz ihr später alles sagt, in den stillen Abendstunden, wenn die Kinder schlafen und Mann und Weib vom Herzen zum Herzen sprechen. Sie klagt nicht mehr über kleine häusliche
Ganzinvaliden. Nur diejenigen Wehrmänner unb See- wehrmänner, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1890 eingetreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbstkoutrolversammlungcu ziir Landwehr zweiten Aufgebots übertreten, sind von der Frühjahrs- kontrolversammlung dieses Jahres entbunden.
2. Die Einberufung zu den Kontrolversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämmtliche« Ortschaften statt.
Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Koutrol- versammlungen hat Arrest zur Folge
3. Die Mannschaften aus einzelnen hier nicht genannten Höfen und Mühlen rc. gehören zu den Ortschaften, zu deren Gemeinden sie zählen.
4. Die Mannschaften haben den Militärpaß und das Führungsattest mit zur Stelle zu bringen.
5. Gesuche um Befreiung von der Kontrolversammluug sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirkskommandos in Hersfeld anzubringen und sönnen nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt werden.
Wer vor der Koutrolversammlung keinen Bescheid erhält, hat sich dennoch zu stellen.
6. Etwaige plötzliche Krankheit, oder sonstige Ver- hinderungssälle, müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätestens auf dem Kontrolplatz abzugeben sind, bescheinigt werden.
In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung entgalten, daß ein Mann am Erscheinen zur koutrolversammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grundes sind ungültig und werden nicht an- genommen.
7. Es wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mannschaften, welche zur Fahrt nach dem Kontrolversamm- lungsort die Eisenbahn benutzen, keiiierlei Anspruch auf Verabfolgung einer Militärfahrkarte seitens der betreffenden Eisenbahnstation haben.
8. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages, zu welchem sie zur koutrolversammlung einberufen sind, zu in aktiven Heere und sind demnach dein Militär- Straf-Gesetzbuch unterworfen
Hersfeld, am 21. März 1902.
__________Königliches Bezirkskommando._________
Hersfeld, den 1. April 1902.
Hinsichtlich des Fischerei-Betriebes bringe ich nachstehende Bestimmungen in Erinnerung.
Sorgen; sie weiß sich zu helfen — und Doras Schürzen sind bereits vertragen, es haben längst neue angefertigt werden müssen. Frau Born ist dreißig Jahre alt und blüht in fraulicher Anmuth. Sie trägt ihr schönes Haar zuweilen in zwei schlichte Zöpfe geflochten, wie es so gut aufs Land paßt und wie es einst auch Margarethe gethan hatte.
Heute ist der Hochzeitstag des Paares. Es ist Abend, die Gatten sitzen mit ihren Kindern an der festlich gedeckten Tafel, eine Flasche Schaumwein wird entkorkt, Born hebt sein Glas.
„Kinder!" ruft er, „unser Mütterchen soll leben hoch !" Jubelnd stimmen die Buben ein.
Elsa's Angesicht strahlte hell bei dem Blick, der sie aus ihres Fritzens Augen trifft: Er nennt sie gern „Mütterchen," weiß er doch so gut jene sorgende Liebe zu schätzen, die sich wärmend über alle breiten, die an ihrem Heerde Platz finden. In Elsas Mutterliebe findet er den Quell wahren Glückes.
Nach der Mahlzeit gehen alle in den Garten, und während die Kinder fröhlich umhertollen, zieht Born den Arm feiner Frau durch den feinen. Wie auf Verabredung schlagen sie den Waldweg ein, der zur Ruhestätte Margarethens führt, auf deren Grab Elsa den Blumenstrauß niederlegen will, den sie eben selbst gepflückt. Sie ist heute so glücklich, da will sie auch der Todten gedenken, der „ersten Frau", auf die sie nicht mehr eifersüchtig ist.