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Grati»d«ilag<n - »3Uu$trirt« Ssnn»«s»dtart" m.)u«freiet« landwirthschaftlich« Beilage".

U. 42. Nntrto Den 10. April 1902.

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Jllustrirtes Sonntagsblatt" um Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, am 24. März 1902.

In der am 22. d. MtS. im hiesigen Rathhaussaale abgehaltenen KreiStagS-Stzung, in welcher 15 Abgeordnete erschienen waren, wurde nach Erledigung der üblichen Formalitäten (Bestimmung zweier Abgeordneten zur Prüfung der rechtzeitigen Einladung der Herren KreiS- tagsabgeordneten und dreier Mitglieder zur Vollziehung des Protokolles) zunächst die Uebernahme der VerpflegungS- station auf Kosten des Kreises abgelehnt.. Sodann wurde der beiliegende KreishaushallS-Etat für das Jahr 1/4. 1902/3 nach Prüfung und Genehmigung in allen Theilen in Einnahme und Ausgabe auf 67000 Mk. festgestellt. An die Bewilligung d-s Zuschusses für die Anstatt Bethet bei Bielefeld wurde die ausdrückliche Bedingung geknüpft, daß auch fernerhin Personen aus dem hiesigen Kreise in diese Anstalt ausgenommen würden. Diese Bedingung wurde hervorgerufen durch eine Zeitungsnotiz, wonach vorläufig Personen aus dem Regierungsbezirk Caffel nicht mehr ausgenommen werden sollten. Die Bewilligung des Zuschusses zu den Kosten der landwirthschaftlichen Winterschulen und Wanderlehrer mit 300 Mk. fand nur für ein Jahr statt.

Mit Prüfung der demnächst aufzustellenden Kreis- kommunatkasien - Rechnung für das Jahr 1/4. 1901/2 wurden, ebenso wie im Vorjahre, die Herren Apotheker

Pieter Cafras und seine Familie.

Eine Erzählung aus dem Freiheitskriege der Buren.

Von A. von L i l i e n k r o n.

(Fortsetzung.)

Aldermanns Hand hielt Dirks Rechte; sein Blick hing an Ruth. Unbewußt spürte er in ihr das Feuer der Begeisterung noch höher, als er, sich zu ihr beugend, sagte:Nicht nur meine Heimath weiß von FreiheitS- kämpsen, auch vom Lande Tirol kann ich Euch dasselbe erzählen. Dort wehrten sich die kernfesten, löwenmuthigen Männer gegen ihre französischen Bedrücker. In einer gewaltigen Felsenburg lebt in Tirol ein Volk von Huten und Bauern, arm, doch urkräftig, fromm und heiter, streng und treu, tapfer und menschlich milde, in patriarchalischer Einfachheit an alter Sitte festhaltend. Ihre Männer und Frauen erscheinen mir wie ein Ab- bild des Burenvolkes und ihre Heldenkämpfe ein Vor- bild für bae Ringen der nächsten Zeit!"

Mit gefalteten Händen, die großen Augen weit oeoftnet, lauschte Ruth, während Dirk AldermannS Hand heftig preßte und ungeduldig drängte:Ohm Hans uns mehr, noch mehr davon erzählen!" Dieser nickte.

. $°$ er sortsahren konnte, öffnete sich die Thür Q -Hausherr, Pieter Lafras, trat mit feinen X,HA^nen Paul und AndrieS herein. Eine kurze, ^mopps bebedte seine breite Brust, weite Bein- n er aus weich gegerbtem Leder mit selbst gemachten

L. Becker und Vorschußvereins-Direktor Hettler dahier betraut.

Das am 1. Juli d. Js. ausscheidende Kreisausschuß­mitglied Herr Bürgermeister a. D. Georg Braun wurde durch Zuruf für einen weiteren sechsjährigen Zeitraum wiedergewählt, während an Stelle des mit dem gleichen Zeitpunkte ausscheidenden Gutsbesitzers Herr Georg Gliemeroth in Wölfershausen der Herr Bürgermeister Strauß in Hersfeld mittelst Stimmzettel (mit 12 Stimmen) als Kreisausschußmitglied gewählt wurde. Beide Herren nahmen auf Befragen die auf sie gefallene Wahl bezw. Wiederwahl an.

Als Vertrauensmänner für den Ausschuß bei den 4 Amtsgerichten des hiesigen Kreises zur Mitwirkung bei der in 1902 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1903 wurden die im vorigen Jahre gewählten Personen wiedergewählt, mit Ausnahme des erkrankten Herrn Bürgermeisters Mohr in Conrode, für welchen der Herr Bürgermeister Rüger in Unterweisenborn gewählt wurde, und mit Ausnahme des nach Wehrda im Kreise Hünfeld verzogenen Herrn Bürgermeister a. D. Westphal aus Wüstfeld, für welchen der Herr Bürgermeister Jäger in Motzfeld gewählt wurde.

Die Neuklassifizirung von Landwegeneubauten nach Verhältniß deren Dringlichkeit fand in folgender Weise statt.

Die Ausführung des Projekts über die Straße hinter dem Hain in Hersfeld wurde als

dringe n d,

der Bau eines Landwegs von Roßbach nach Holzheim als w ü n s ch e n s w e r t h ,

der Bau eines solchen von Mengshausen nach Nieder- aula und von Kathus nach Friedlos als nicht drin glich, und der Bau eines solchen von Landershausen nach Wölf als

sehr dringend bezeichnet.

Der Bau eines Landwegs von Glaam nach Unter­breitzbach wurde für den Kreis Hersfeld als gleichgültig bezeichnet, da derselbe nicht in diesem Kreise sondern im Kreise Hünfeld belegen sei.

Außer der Tagesordnung brächte der Herr Vorsitzende noch eine Regierungsverfügung betreffend Leistung eines Beitrags zu den Kosten für Beschaffung von Baracken zur Unterbringung von Typhus-, Pest-

Schuhen aus selbst hergerichtetem Leder bildeten den Schluß seiner Kleidung. Um die Schulter hing gleich einem breiten Ordensbande die wohlgefüllte Kugeltasche und das Gewehr. In der Linken hielt er den breit­randigen Filzhut. Durch das Haar zogen sich schon einige Silberfäden. Ernstes Nachdenken, Kraft und Milde zu­gleich sprachen aus den ruhigen Zügen und hellen Augen des Mannes. Erst schüttelte er dem Alten die Hand, dann begrüßte er Aldermann.

Die Zwillinge, das verjüngte Ebenbild des Vaters, waren einander so ähnlich, daß nur die nächsten Ange­hörigen sie unterscheiden konnten.

Während Dirk sie mit Fragen bestürmte, erkundigte sich auch der alte Potgieter eifrig nach den Nachrichten, die der Schwiegersohn milbrachte.

Am übernächsten Tage in der Morgenfrühe soll es vom Bahnhof Middelburg aus abgehen!"

Das war der Brennpunkt der Mittheilungen, und die Augen des weißhaarigen Alten glänzten dabei, während Dirk mit glühenden Wangen und zusammengebissenen Zähnen heimlich die Schwester zupfte und ihr flehende Blicke zuwarf.

Wo ist die Mutter ?" fragte Pieter und sah unruhig nach der Thür.

Da trat sie soeben ein, die stattliche Frau Hanna, den zwölfjährigen Stoffel zur Seite. Ein Händedruck, ein freundliches Nicken, das war die Begrüßung der Gatten und doch lag eine Welt voll Liebe in dem Blick, den sie einander tauschten.

Ich habe einen Ofen voll Brote gebacken und werde

u. s. w. Kranken zur Vorlage, Der Kreistag lehnte jedoch die Bereitwilligkeit zur Uebernahme eines derartigen Beitrages ab.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr von Schleinitz,

Königlicher Landrath, Geheimer RegierungS-Rath.

I. A. Nr. 913.

Caffel, den 13. März 1902.

Die VIII. Vollversammlung der hiesigen Landwirth- schastskammer hat in ihrer Sitzung am 28. Februar 1902 beschlossen, für das Rechnungsjahr 1902 wiederum 1 /s °/0 des Grundsteuer-Reinertrags als Beitrag zu den Unkosten der Landwirthschaftskammer zu erheben.

Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 25. März v. Js., Nr. 2542, ersuche ich ergebenst, wegen Ausschreibung, Einziehung und Abführung der Beiträge das Weitere zu veranlassen.

Der Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau, gez. Zedlitz.

An den Herrn Regierungs-Prästdenten hier. Nr. 2269.

* *

Caffel, den 27. März 1902.

Abschrift unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 1. April v. JS., A. III. 2720, zur Kenntniß und weiteren Veranlassung.

Der Regierungs-Präsident. Trott zu S o lz. An die Herren Landräthe des Bezirks und die Magistrats hier und in Hanau. Ä. III. 2600.

* *

Hersfeld, den 7. April 1902.

Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Herren OrtSvorstände des Kreises, um gemäß dem Ausschreiben vom 15. März 1900, J. I. Nr. 1732 (Kreisblatt Nr. 33) das Weitere zu veranlassen.

I. Nr. 1929. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Caffel, 22. März. Im Interesse der Versicherungs­nehmer derHessischenBrandversicherungS- Anstalt sei hiermit auf eine Bestimmung des Regle­ments hingewiesen, deren Nichtbeachtung für die Versicherten erhebliche Nachtheile zur Folge haben kann, gegen welche bekanntlich Unkenntniß nicht schützt. Der § 34 des Reglements für die Hessische Brandversicherungs-Anstalt

sie beim nächsten Kommando abliefern zum Nachsenden in das Feld," erzählte sie.Das soll von jetzt ab jede Woche geschehen. Auch für frische Wäsche werde ich sorgen."

Pieter nickte.Es ist selbstverständlich, daß jedes Burenweib so denkt, so handelt."

Die Hausfrau war indeß an den Tisch getreten, wo Ruth die Abendmahlzeit hergerichtet hatte. Pieter sprach das Tischgebet, und der kleine Familienkreis, mit dem Gastfreund in der Mitte, bildete ein trauliches Bild voll Friedens und Liebe.

Wie kurz nur, dann reißt der grimme Krieg alles auseinander und zersprengt die theuersten Bande.

Pieter Lafras drängte heute zu einem zeitigen Auf­bruch, denn es blieb morgen noch viel zu thun übrig. Ehe man vom Tische aufstand, nahm er die große Familien- bibel, um, wie er jeden Abend zu thun pflegte, einen Abschnitt zu lesen. Eine Weile blätterte er, dann schlug er das letzte Kapitel des 2. Buchs der Makkabäer auf und las daraus:

Da Makkabäus die Feinde sah und ihre mancherlei Rüstung und die schrecklichen Thiere, reckte er seine Hände gegen den Himmel und bat den wunderbarlichen Gott, der alles sieht; denn er wußte wohl, daß der Sieg nicht käme durch Harnisch, sondern Gott gäbe ihn, wem er es gönnt. Und betete also: Herr, du hast deinen Engel zur Zeit EzechiaS gesandt, und derselbe erschlug in des Sennucheribs Lager 185 Tausend Mann. So schicke nun auch, du Herr im Himmel, einen guten Engel vor uns her, die Feinde zu erschrecken. Laß sie erschrecken