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AeHirz K» ß. Mai
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Amtlicher Theil.
r Hersfeld, den 9. Mai 1902.
Die Lederfabrikanten Heinrich und Friedrich Seelig zu Hersfeld beabsichtigen auf ihrem in der Gemarkung , KalkobeS gelegenen Grundstück (der Kupfermühle) nach den zur Einsicht der Betheiligten hier ausliegenden Zeichnungen nebst Beschreibung eine
Gerberei einzurichten und zu betreiben. Die Abwässer sollen nach eifolgter Klärung in den Geisfluß abgeleitet werden.
Etwaige Einwendungen hiergegen können innerhalb 14 Tagen bei dem Unterzeichneten schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll angebracht werden. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr geltend gemacht werden.
Ueber die etwa rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird zur mündlichen Erörterung Termin auf
Freitag den 30. Altai d. 5s,,
Vormittags 10 Uhr, in das Geschäftslokal des Landrathsamts hier an» beräumt.
Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit der Erörterung etwaiger Einwendungen vorgegangen werden.
A. 1610. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Pieter Eafras und seine familie.
Eine Erzählung aus dem Freiheitskriege der Buren.
Von A. von L i l i e n k r o n.
(Fortsetzung.)
Kein Sonnenschein, weder am Himmel noch auf den »Gesichtern der Menschen, die finster und verdrossen ihres «Weges gingen. Die Einwohner hielten sich meist in «ihren Häusern zurück, und die englischen Soldaten, in U abgetragenen Uniformen, die ihnen schlottrig um den I Leib hingen, sahen hungrig und mißmuthig aus. Das 1 Leben in der eingeschloffenen Stadt mochte ihnen wenig Ä behagen.
Mehrere anhaltende Regentage hatten die Wege mit I einem zähen Schlamm überzogen, der wie Syrup an den | Sohlen der Füßgänger klebte. Auch der heutige Tag | war kalt, trübe und schmutzig. Grau in grau sah alles | aus, und kein Leben herrschte in den verödeten Straßen, | «ur durch die Lüfte pfiff und sauste es unheimlich. Da ^zischten die feurigen Bälle der Buren und schlugen in M Häuser oder wühlten sich in den Boden, Steine und Erde 8 uni$M4)ieubernb.
s Auch der lange Tom hatte seine Morgenmusik be- kgönnen und heulte, von dumpfen Schlägen begleitet, I schauerliches Lied.
Hersfeld, den 3. Mai 1902.
Unter Bezugnahme auf die Vorschriften im § 5 des EnteignungSgesetzes vom 11. Juni 1874 und im § 150 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten die Anfertigung ausführlicher Vorarbeiten für die Theilstrecke Dankmarshausen-Vacha, einer Nebenbahn Gerstungen-Hünfeld, angeordnet hat.
Die betheiligten Grundbesitzer sind verpflichtet, die Vornahme der Vorarbeiten der bezeichneten Art, insbesondere auch das Betreten ihrer Grundstücke, zu gestatten.
Die Herren Ortsvorstände zu Widdershausen, Leimbach, Heringen, Wölfershausen, Lengers, Heimbolds- hausen, Röhrigshöfe und Philippsthal haben die bethei- ligten Grundbesitzer hiervon in Kenntniß zu setzen.
I. 2499. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 29. April 1902.
Der Bürgermeister Lohr in Friedlos ist am 19. ds. Mts. als solcher für einen weiteren achtjährigen Zeitraum, vom 9. Mai ds. Js. ab beginnend, wiedergewählt worden und hat diese Wiederwahl die diesseitige Bestätigung gefunden.
A. 1490. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Sie Erneuerung des Mundes.
Graf Goluchowski, der für beide Reichshälften Oesterreich-Ungarns gemeinsame Minister der auswärtigen Angelegenheiten, hat vor den Delegationen d. h. vor den Ausschüssen des österreichischen und des ungarischen Parlaments, die alljährlich abwechselnd nach Wien und Budapest zur Berathung der gemeinsamen Angelegenheiten, (Auswärtiges, Kriegsmacht und Verwaltung von Bosnien und Herzegowina) zusammenberufen werden, eine längere Rede über die auswärtige Lage verlesen. Diese regelmäßig wiederkehrende Darlegung wurde in diesem Jahre mit besonderer Spannung erwartet, weil sie, wie man annahm, Aufschluß über die Frage der Erneuerung des Dreibunds-Vertrags bringen würde. Diese Erwartung ist denn auch nicht getäuscht worden. Graf Goluchowski konnte verkünden, daß bindende Zu- sicherungen der Betheiligten vorliegen, wonach der Ver
Das Mädchen war in die Nähe der Kirche gekommen, als der lange Tom eine seiner Kugeln dorthin sandte, die die eine Ecke des Gotteshauses wegriß und sich dann mit einem dumpfen Schlage in den Straßendamm bohrte.
Kalk und Steinbrocken überschütteten die rasch Zurückweichende, und der aufspritzende Schmutz flog ihr in das Gesicht. Sie hielt einen Augenblick in ihrer Wanderung inne. War ihr etwa bestimmt, von den Geschaffen der eigenen Leute gelobtet zu werden? Der Gedanke gab ihr einen Stich durch das tapfere Herz, und sie biß mit den festen weißen Zähnen auf die Unterlippe, als wollte sie dem aufsteigenden Unbehagen nicht gestatten, sich vor» zudrängen.
Entschlossen richtete sie sich wieder auf, wischte den Schmutz aus dem Gesichte und bog in die Straße zur Rechten, in die sogenannte Hochstraße, ein.
Die sah noch wüster aus. Viele Häuser lagen dort in Trümmern, und wo noch ein Gebäude stand, erschien e« verlaffen und verödet, denn die meisten Einwohner von Ladysmith hatten die Keller zu ihrem Aufenthaltsorte gewählt.
Am Ende der langen Straße zeigte sich ein großes, wohlerhaltenes Gebäude. Etliche englische Offiziere gingen die Steinstufen hinauf und verschwanden in der Hausthür.
trag „in seinem vollen Werthe" erhalten bleiben wird. Der Vertrag war zuletzt auf sechs Jahre — bis Mai 1903 — unverändert verlängert worden. Die Worte „in seinem vollen Werthe" deuten darauf hin, daß das Bündniß auch jetzt wieder auf die gleiche Zeitdauer in seiner alten Form erneuert wirb. Damit wären also die französischen Bestrebungen, dem Dreibund seinen bisherigen Werth durch Entfernung der auf einen französischen Angriffskrieg bezüglichen Bestimmungen zu nehmen, gescheitert. Italien bleibt mit denselben Rechten und Pflichten wie bisher Mitglied des Bundes.
In den Delegationen gab der Abg. Kramarc, der vor Jahr und Tag einmal vor einem französischen Lesepublikum den Dreibund als ein „abgespieltes Klavier" bezeichnet hatte, der Mißstimmung der Czechen über die Erneuerung des Bündnisses durch Angriffe aus den deutschen Reichskanzler Ausdruck. Er berief sich auf die Rede des Grafen v. Bülow, in der gesagt war, daß das Bündniß mit Italien für Deutschland zwar von Werth, aber doch keine absolute Nothwendigkeit sei. Wir glauben, daß gerade diese, seiner Zeit noch von einzelnen deutschen Nörgelblättern mißverstandene Bemerkung in ihrer diplomatischen Wirkung sehr klug berechnet war und ganz wesentlich dazu beigetragen hat, den Erfolg der französischen Einflüsterungen bei den Italienern zu zerstören. Es kamen dann noch die mündlichen Besprechungen des Grasen v. Bülow mit Prinetti in Venedig und mit Graf Goluchowski in Wien hinzu, um das Ergebniß zu erzielen, i>as jetzt in den österreichisch-ungarischen Delegationen verkündet werden konnte. Dabei führte Graf Goluchowski über die friedliche Wirkung der Parallel- Aktionen von Dreibund und Zweibund in Europa, über das japanisch-englische und das französisch-russische Ueber» einkommen in Ostasien ganz dasselbe aus, was Graf v. Bülow in jener Rede als das „System der Gegengewichte'^ bezeichnet hatte. Wir dürfen daher wohl das Haupiverdienst an der Erneuerung des Bündniß-Ver- trages mit Italien dem deutschen Staatsmann zumeffen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 10. Mai.
Se. Majestät der Kaiser ist heute Mittag um 3/412 Uhr mittels Sonderzuges von Straßburg nach Wiesbaden abgereist. Zur Verabschiedung waren auf dem Bahnhose erschienen: Staatssekretär v. Köller, der kommandirende General Herwarth von Bittenfeld, Gouverneur v. Sick, Stadtkommandant von Buddenbrock und Bürgermeister Back. Se. Majestät traf um 4 Uhr
Dem Mädchen war das nicht entgangen, es strebte jetzt nach demselben Ziele und las befriedigten Blickes über dem Portal" „Hotel Ladysmith." Ruhig, als verstände sich das von selbst, trat es ein, und als es jetzt die Stimmen der Offiziere von oben herunter schallen hörte, stieg es leichtfüßig die Treppe hinauf und öffnete die nächste Thür, die in das Frühstückszimmer der Herren führte.
Kaum hatte sie den hübschen Blondkopf hineingesteckt, so wurde ihr auf englisch und in gebrochenem Holländisch zugerufen, hereinzukommen .und ihre Schätze auszukramen.
Sie ließ sich das nicht zweimal sagen, machte ihren schönsten Knix und sah sich unbefangen mit den großen Blauaugen im Kreise um.
„Was für ein hübsches Mädchen! Eine wahre Schönheit!" klangen die Worte behend durcheinander, während die Bewunderte ihre Früchte aus dem Korbe holte und mit eifriger Zunge den Werth ihrer Waare pries.
Auf alle englischen Anreden antwortete sie nur mit einem Achselzucken oder Kopsschüttelu. Augenscheinlich verstand sie jene Sprache nicht, sonst hätte sie wohl bei so vortheilhaften Angeboten rasch zugegriffen.
Nachdrücklich wiederholte sie auf holländisch ihr Angebot und nahm alle zehn Finger zu Hülfe, um sich