Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonncinentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. cxcl. Postausschlag.

'...... ' ' "" M

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile

10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

*----- . ..

GratirbMasen r^Uw^rirus KsnntasrdiaLt" * ^JUnftriHt lan-WLrthschafMche VriLage."

A. 60. LsilUlibtilL 6« 21 Mai 1902.

Erstes Blatt.

Anrtlicher Theil.

Hersfeld, den 15. Mai 1902.

Der Vorstand des Provinzial-VereinS der Kaiser« Wilhelm-Stiftung für deutsche Invaliden zu Cassel hat darauf hingewiesen, daß sich in den letzten Jahren die Gesuche von Veteranen des Krieges von 1870/71 sowie Hinterbliebenen derselben wesentlich vermehrt haben und durch Jnstruirung der Gesuche eine wesentliche Mehr- arbeit entstanden sei. Hierbei ist der Wunsch ausge­sprochen worden, Anordnungen zu treffen, daß statt des Einreichens der Bittgesuche unmittelbar an die Stiftung, diese bereits unter gründlicher Darlegung der Familien- und Einkommensverhältniffe, Würdigkeit und Bedürftig­keit durch die Ortsbehörden zunächst an das Landrath samt eingereicht werden möchten, damit sie von da auf ihre Vollständigkeit geprüft und entweder zunächst vervollständigt oder unter Begutachtung dem Vorstand des Provinzialvereins vorgelegt würden.

Die Herren Bürgermeister des Kreises wollen dahin wirken, daß Gesuche der frl. Art künftig auf dem vor­gedachten Wege zur Vorlage gebracht werden, insbe­sondere auch darauf achten," daß dieselben gehörig begründet bezw. mit den erforderlichen Beweisstücken (Militairpapiere, ärztliche Bescheinigungen über den ur­sächlichen Zusammenhang des Leidens oder der Todes­ursache mit den Einwirkungen des Feldzuges 1870/71, oder Protokolle über Zeugen «Vernehmungen rc.) ver­sehen find.

Gesuche, auf welche die Statuten des Provinzial- VereinS keine Anwendung finden können, werden diesseits nach Befinden direkt zurückgegeben werden.

I. 2660. . Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungsMath.

Gefunden: ein Portemonaie mit Inhalt. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Ausbach.

Nichtamtlicher Theil.

Wer Wilhelm ll. unl die ReiWnk.

Als Eisaß-Lothringen nach dem deutsch-französischen Kriege dem deutschen Reiche einverleibt wurde, waren besondere Vollmachten für den obersten Träger der Regierungs - Gewalt in den neu erworbenen Landen erforderlich, um etwaige gefährliche Bestrebungen, die auf eine Wiedervereinigung mit Frankreich abzielten, zu unterdrücken. Der weitaus größte Theil der Be­völkerung hatte sich trotz der deutschen Stammes, Verwandtschaft nur widerwillig der Einverleibung ge­fügt, die zwei Jahrhunderte französischer Herrschaft hatten mancherlei verwandtschaftliche sociale und politische Bande geschaffen, die nicht mit einem Ruck zerrissen werden konnten. In der alten Generation lebte die Hoffnung auf französische Revanche fort, und nur ganz allmählich mit dem Heranwachsen eines neuen Geschlechts, das im deutschen Heere diente und die Wohlthaten der deutschen Verwaltung und RechtS- pflege empfand, konnte der Glaube an den sichern Be­stand der neuen territorialen Zugehörigkeit zum Reiche festen Fuß fassen. An die Spitze der Civil Verwaltung war zuerst ein Ober-Präsident, später ein kaiserlicher Statthalter gesetzt worden.

Diesem höchsten Beamten standen die Vollmachten des sogenannten Diktatur-Paragraphen zu, die sich all­gemein auf sofortige Vorkehrungen gegen bedenkliche Umtriebe erstreckten, aber nur selten und während des Utzten Jah-z?hnts nur ein paar Mal in Bezug aus Presse und Vereine zur Anwendung kamen. Gleichwohl

fühlten sich die Elsaß-Lothringer durch die Existenz des Paragraphen bedrückt, und empfanden ihn, je fester ihr Zusammenhang mit dem Reiche wurde, desto mehr als ein Mißtrauen in ihre Loyalität. Schon in den siebenziger Jahren hatten die Vertreter der Reichslande im Reichstage die Aufhebung des Paragraphen wieder­holt angeregt, ohne eine Mehrheit zu finden. Später aber sprach sich der Reichstag mit steigenden Mehrheiten zu Gunsten dieses Wunsches der Reichsländer aus.

Geht nun auch hieraus hervor, daß die Aufhebung des Paragraphen kein Bruch mit der bisherigen Politik, sondern nur die Anordnung eines zum Bessern ver­änderten Zustandes sein kann, so bleibt es doch in hohem Grade bedeutungsvoll, daß Seine Majestät der Kaiser die Zeit für gekommen erachtet hat, auf eine Ausnahme-Maßregel zu verzichten und zu bekunden, daß nunmehr die Zeit des Ueberganges in die deutsche Herrschaft und der Gewöhnung an diese vorüber ist. Erst recht bedeutungsvoll aber ist die Art, in der unser Kaiser den wiedergewonnenen Stammesgenossen den Be­weis seines Vertrauens gewährte. Weit über die Grenzen des Reiches hinaus werden die Worte wirken, mit denen Kaiser Wilhelm II. den Dank des Landes - Ausschusses für die Aufhebung des Diktatur-Paragraphen erwiderte. Er erinnerte an die kriegerischen Neigungen, die man ihm zur Zeit seiner Thronbesteigung namentlich im Aus­lande nachsagte, und verwies dann darauf, wie das Mißtrauen allmählich gewichen ist und heute alle Welt weiß, daß der deutsche Kaiser und das Reich gewillt sind, ihre Kraft der Erhaltung des Friedens zu widmen. Zur selben Zeit, da der Präsident der französischen Republik mit dem Herrscher der befreundeten und alliierten Ration in Petersburg friedliche Trinksprüche austauscht, besiegelt also der deutsche Kaiser auf dem Boden Elsaß- Lothringens die dauernde Zugehörigkeit der wiederge­wonnenen Lande zum Reiche.

Politischer Wochenbericht.

Die Pfingstfeiertage haben in diesem Jahre für die Politik wenig Ruhe gebracht. Der Gesetz-Entwurf zur Stärkung des Deutschthums in den Provinzen Posen und Westpreußen, der dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen ist, ist der erste, hochwichtige Schritt zur Durchführung der deutschnationalen Politik, die Graf Bülow bei der Ver­handlung über die Wreschener Vorgänge im preußischen Abgeordnetenhaus« angekündigt hat. Der Zweck der Vorlage ist, die polnischen Angriffe auf das Deutschthum abzuwehren. Mit den geforderten 250 Millionen Mark schwillt die zur Stärkung des Deutschthums in den von Polen umbrandeten Gebieten Preußens aufgewendete Summe auf 450 Millionen Mark an. An der Annahme der Vorlage ist nicht zu zweifeln, da die meisten Parteien sich über den Ernst der polnischen Gefahr klar sind.

In Frankreich steht die R e i s c d e s P r ä s i d e n t e n Loubet nach Petersburg im Vordergründe des Interesses, obwohl die Begegnungen des Selbstherrschers aller Neusten und des Oberhauptes der französischen Republik von Jahr zu Jahr weniger Beachtung ver­dienen. In diesem Falle handelt es sich um die Er­widerung des Besuchs, den das Zarenpaar im vorigen Jahre auf französischem Boden abgestattet hat. Das Programm war dasselbe wie früher: Man hielt hübsche Reden, in denen, der französischen Chauvinisten wegen, die WorteBündniß" undVerbündete" vorkommen mußten, überschütteten sich gegenseitig mit Auszeichnungen und Ehrengaben und ließ den Sekt in Strömen fließen. In der Hauptsache bleibt alles beim alten.

Hinter den Stühlen der Festtafel aber standen die Sorgen. Das Unglück von Martinique auf der einen Seite und die schwere Krisis, die Rußland im Innern durchwacht, aus der andern trübten die Festesfreude. Dazu kommt noch der Rücktritt des Minister- Präsidenten, W a ! d e ck - R o u s s e a u s, und seines KabinetS. Wir haben hier ein ungewöhnliches Schauspiel. Sämmtliche frühern Ministerien versanken,

weil ihre Parteistützen in der Kammer zusammenbrachen. Waldeck-Rousseau steht kräftiger da als je zuvor. So­eben hat ihm Frankreich einen glänzenden Vertrauens- Beweis geliefert. Die Kammerwahlen sind überaus günstig für ihn ausgefallen. Die ihm zur Verfügung stehende Mehrheit ist größer als bisher. Vielleicht haben die nicht unrecht, die meinen, der 52 jährige Politiker wollte sich deshalb schonen, weil er sich zu Höherm be­rufen fühlte und er einmal mehr werden wolle als Minister-Präsident.

Die Verhandlungen zwischen den Burenführern schweben noch. Es scheint, daß Präsident Stein, die Seele des Widerstandes, die kriegs- müden Buren wieder umgestimmt hat. Jedenfalls sind die Hoffnungen der Engländer auf einen baldigen Friedensschluß in Südafrika stark herabgestimmt worden. Vielleicht beabsichtigt die englische Regierung, im ent­scheidenden Augenblick den Buren durch einige wesent­liche Zugeständnisse entgegenzukommen. Der Krönungs- tag rückt immer näher, und da möchte König Albert Eduard Frieden haben.

In der feierlichsten Stunde seines jungen Lebens ist König Alfons XIII. von dem dunkeln Fittich des Todes gestreift worden. Ob mit dem Mordanschlags und der Anarchisten-Verschwörung gegen das Leben des Königs ein Zusammenhang besteht, wird vielleicht die Untersuchung ergeben. Das Mitleid mit dem Könige, dem sich bei seinem ersten Schritt aus der von Liebe und Sorge umhegten Häuslichkeit heraus eine solche entsetzliche Erinnerung in die Seele eingebrannt hat, ist in der ganzen gesitteten Welt allgemein.

Am 20. Mai ist Kuba von den Vereinigten Staaten endgiltig dem Präsidenten der kubanischen Republik überliefert worden. Die von gewissen Seiten erstrebte volle Annektierung der Insel hat sich als undurchführbar erwiesen, wie es auch unmöglich sein wird, aus den Philippinen einen gleichberechtigten Theil der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu machen. Gegensätze der Nasse und der Kultur stehen einer solchen Verschmelzung im Wege. Was erreicht wurde, ist die Verdrängung fremder Einflüsse aus einer unbequemen Nachbarschaft und die Begründung einer wirthschaftlichen Vasallenschaft, von der man sich in den Vereinigten Staaten wohl mit Recht großen Nutzen verspricht.

Politische Nachrichten.

Berlin, 23. Mai.

Aus Metz, 22. Mai, wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser traf heute früh auf dem Bahnhof« Devant leS Ponts ein und wurde von dem kommandirenden General des XVI. Armeekorps Grafen Haeseler empfangen. Vom Bahnhöfe aus begab sich der Kaiser mit dem Grafen Haeseler in einem von einer Schwadron des Magdeburgischen Dragoner - Regiments Nr. 6 eskortirten Hofequipage nach dem Fort Saulny, von der zahlreich anwesenden Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Nach Besichtigung dieses Forts fuhr Seine Majestät nach der FesteLothringen" und dann nach der Feste GrasHaeseler." Auf der Rückfahrt traf Seine Majestät um 1 Uhr am Friedrich Carl-Thor ein. Hier erwarteten der Bürgermeister von Metz, Justizrath Stroever, der Bezirkspräsident Graf Zeppelin und die Mitglieder des Gemeinderaths den Kaiser. Der Bürger­meister begrüßte Se. Majestät mit einer Ansprache. Um 4 Uhr 20 Min. fuhr der Kaiser nach Urville zurück.

Prinz Heinrich hat nochmals Gelegenheit ge­nommen, den Amerikanern für den ihm zutheil ge­wordenen Empfang feinen Dank auszusprechen. Er that dies in einem Schreiben an die numismatisch archäologische Gesellschaft in New-Iork, die zur Erinnerung an des Prinzen Aufenthalt in Amerika eine goldene Münze ge­stiftet und ihm übersendet hat.

Der Staatssekretär des Neichs-MarineamtS hat an­geordnet, daß die etatsmäßigen Unterbeamten bei der Marineverwaltung durchweg auf drei-