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$i*0 Ses 2?. Mai

Die große Polen Dorlage, die in den nächsten Tagen das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigen wird, trägt ihr Kennwort in der Ueberschrift: Zur Stärkung des Deutschthums in Westpreußen und Posen." Damit sind unverschleiert und klar für jeder­mann die Absichten ausgesprochen, von denen die preußische Regierung sich bei diesem Werke der Gesetz­gebung leiten läßt. Das nimmerruhende Auf- und Ab- fluthen der Nationalitäten in unsern Ostprovinzen zeigt seit Jahrzehnten ein Anwachsen der polnischen Welle. Sie hat bereits die Grenzen so stark zu Ungunsten des deutschen Bevölkeiungstheils versetzt, daß AbwehrungS- maßregeln dringend erforderlich sind, wenn man nicht allen deutschen Kulturboden rettungslos an das Polen- thum verloren gehen lassen will. Die vorhandenen Deiche und Dämme genügen nicht mehr, die Wogen haben sie unterspült, und in den Höhlungen haben sich die Ratten eingenistet, um emsig die Zerstörungsarbeit fortzusetzen.

So hat sich denn eine gründliche Ausbesserung und Befestigung der Schutzwehren für das deutsche Volks- thum als nothwendig herausgestellt. Mit Flickarbeit, wie die Provinzen sie aus eigener Kraft leisten können, ist e# nicht mehr gethan, und die Hilfsdienste, mit denen der Staat sich bisher betheiligt hat, standen in keinem hinreichenden Verhältniß zur Ausdehnung der Schäden. Der Kampf gegen das vordringende Polenthum ist heute keine provinzielle Sache mehr, er ist zu einer staatlichen und nationalen Pflicht geworden, eine Nothwendigkeit, der auch die staatlichen Machtmittel in weitem Umfange dienen müssen. In denjenigen Schichten des Volkes, denen die Wahrung unsers nationalen Besitzstandes am Herzen liegt, herrscht hierüber volle Einstimmigkeit. Man hat an den sich häufenden Symptomen erkannt, daß Gefahr im Verzüge ist, und man begrüßt daher die kräftige Initiative der preußischen Regierung, die sich auch auf diesem Gebiete unter der Ministerpräsidentschaft des Grasen Bülow bemerkbar macht, mit dem Gefühle freudiger Erleichterung.

Daß es auch an absprechenden Stimmen nicht fehlt, wen könnte das wundern? Der Widerstand gegen die neue Polen-Vorlage erhebt sich überall da, wo die Feinde jeder Kräftigung des Staatsgedankens sitzen. Bedauer­licherweise finden diese Gegner aus Prinzip bei einem Theil der katholischen Bevölkerung Unterstützung, die

Pieter Cafras und seine Kamille.

Eine Erzählung aus dem Freiheitskriege der Buren.

Von A. von Lilienkron.

(Fortsetzung.)

Der letzte Ruf war wie ein gellender Schrei aus dem Munde des Alten gekommen. Er stand hochauf- gerichtet, beide Fäuste drohend erhoben, Irrsinn in den tiesumschatteten Augen. Langsam ließ die hohe Er­regung nach. Er wurde blaß, senkte den iKopf und sagte leise, während ein krampfartiges Zucken seine Glieder durchlief:Mir ekelt vor dem Menschenblute, aber das Opfer muß gebracht werden. Wenn ich mit der Tagesarbeit fertig bin, gehe ich in mein Zelt, hole die alte Familienbibel aus dem Rucksacke und lese von den Kindern Israels, die gegen die Amalekiter stritten. "

Das alles war in müdem Tone gesprochen, und ohne Gruß, schleppenden Schrittes, verließ der Alte jetzt die beiden jungen Männer, die er kaum eines Blickes gewürdigt hatte.

Sie sahen noch, wie er mit der welken Hand lieb­kosend über seine Büchse strich und sie zärtlich an die Brust drückte, als wäre sie ein lebendes Wesen.

Entsetzlich!" sagte Aldermann.Das ist ein hartes Opfer des Krieges! Transvaals tapferer Kämpfer hat durch die furchtbaren Eindrücke dieser Zeit den Verstand verloren!"

Es giebt mehr als einen, dessen Geist die erschüt­ternden Bilder und Schicksalsschläge dieses Krieges um- nachtet haben," antwortete der junge Vur.Der eng-

durch die alten Partei-Sympathien des Centrums an der polnischen Steile festgehalten wird. Das sind That­sachen, mit denen man auf absehbare Zeit noch zu rechnen hat, auf das Schicksal der Vorlage haben sie jedoch keinen entscheidenden Einfluß. Graf v. Bülow ist entschlossen, den Kampf im großen Stile nach einem methodischen Plane und weiten Gesichtspunkten aufzu- nehmen. Soll auf dem von der Vorlage umfaßten Arbeitsselde, dem der Kolonisation, Durchgreifendes und Bleibendes geschaffen werden, so sind große Mittel er­forderlich. Die verlangten Summen sind entsprechend hoch ; da es sich nun einmal um Kampfmaßregeln handelt, so muß man auch den Satz acceptiren, nach dem zum Kriegsühren dreimal Geld gehört.

Mag die Vorlage in Einzelheiten diese oder jene Aenderung vertragen, so darf doch bei ihrer Beurtheilung nicht vergeffen werden, daß ihre große deutsch-nationale Bedeutung jede kleinliche Kritik ausschließen und das Vordrängen einseitiger Parteidoktrinen und Interessen verhindern sollte. Mögen sich alle national Gesinnten um die weithin sichtbare Standarte scharen, damit das große Ziel: Stärkung des Deutschthums in den Ost- marken auch wirklich erreicht wird!

Politische Nachrichten.

Berlin, 25. Mai.

Aus Metz, 24. Mai, wird gemeldet: Heute Morgen 7 Uhr 20 Minuten fuhr Se. Majestät der Kaiser vom hiesigen Bahnhof nach Nov^nt und von dort im bereitstehenden Wagen nach Gorze, stieg jenseits dieses Ortes zu Pferde und übernahm das Kommando über eine kombinirte Division. Nach der Disposition, welche der nun folgenden Uebung zu Grunde lag, war die Feste Lothringen" bereits früher gefallen, während die Feste Kronprinz" erst heute in der Frühe eingenommen worden war. Nunmehr sollte die dem Kaiser unterstellte Division in Stärke von 9 Bataillonen Infanterie, 12 Feldgeschützen, 8 schweren Haubitzen, 1 Kompagnie Pioniere und 1 Eskadron Dragoner gegen die Feste Kaiserin" vorgehen und sie mit stürmender Hand nehmen. Nach 9 Uhr begannen die beiderseitigen Patrouillen sich in den Gehölzen, welche das Mancethal einsäumen, zu beschießen. Nicht lange nachher eröffneten die schweren Feldhaubitzen, die auf den Höhen nördlich vom Bois de

lische Oberst Hunt, den wir bei Colenso gefangen ge­nommen hatten, ist auch irrsinnig geworden. Er sollte in Pretoria verpflegt werden, und als er dort ankam, trug er auf der Brust ein Blatt Papier, darauf hatte er mit großen Buchstaben geschrieben: Ich bin ein Artillerieoffizier, dem von den Buren zehn Kanonen ab­genommen sind!"

Mit hastigen Sprüngen kam ein Burenknabe heran­geeilt.

Präsident Krüger telegraphiert, General Cronje solle sofort davon benachrichtigt werden, daß große Ver­stärkungen unterwegs seien, um ihn zu befreien!" er­zählte er glückstrahlend.

Diesen Verstärkungen werden wir uns anschließen, erklärte Aldermann in freudig gehobener Stimmung.

Herr, hilf unserem Cronje aus dem Rachen des Löwen und errette ihn von den Einhörnern!" betete Dewet. Dann griff er frohen Muthes nach seinem Ge­wehre. Ein heißes Verlangen trieb ihn danach, dem bedrängten Cronje zu Hülfe zu eilen, und der Augen­blick, wo dies geschehen sollte, schien ihm jetzt nahegerückt.

Die Heliogramme zwischen Dewet und Cronje flogen hin und her. Um 12 Uhr 20 Minuten telegraphierte Dewet an Cronje!Präsident befiehlt aushalte», be­deutende Verstäikungen nahen. Sobald sie antommen, greifen wir früh morgens von Norden an. Ps. 64, 8. (Aber Gott wird sie plötzlich schießen, daß es ihnen wehthut.)"

Am 25. Februar 4 Uhr 15 Minuten lautete Cronjes Antwort:Meine Nahrungsmittel werden knapp;

Ognons aufgestellt waren, ihr Feuer auf die Feste Kaiserin." Diese war als noch im Bau begriffen und nicht armiert angenommen, nur 2 Bataillone Infanterie, 1 Kompagnie Pioniere, sowie 4 Maschienengewehre bil­deten die Besatzung, die später noch durch 2 weitere von Moulins kommende Bataillone Infanterie und 2 Batterien Feldartillerie unterstützt wurde. Die Feldartillerie des Kaisers fuhr gegen 11 Uhr vor Gravelotte auf und er­öffnete ihrerseits das Feuer auf die feindliche Stellung. Der Kaiser hatte die Hauptmasse seiner Truppen durch den Wald von Vaux geführt und umfaßte so die feind­liche Aufstellung in der linken Flanke, während ein Theil im Mancethal bis in Höhe der FesteKaiserin" vorge­gangen war und dann rechts umbiegend den linken Flügel der Besatzung bedrohte. Nach 11 Uhr entwickelte sich ein immer heftiger werdendes Feuergefecht zwischen den aus den Wäldern heraustretenden Angreifern und den Truppen der Besatzung der Feste, an welchem auch die mittlerweile von Moulins herangekommene Artillerie theilnahm. Gegen */a 12 Uhr erschien die feindliche Stellung dermaßen erschüttert, daß der Kaiser bei dem großen numerischen Uebergewicht seiner Division zum Angriff vorgehen konnte, der erst auf dem rechten und dann auf dem linken Flügel erfolgte und als gelungen angenommen wurde. Kurz vor 12 Uhr war die Uebung beendet. Hierauf versammelten sich die Offiziere um den Kaiser zu einer Besprechung, die fast eine Stunde währte, während die Truppen auf dem kürzesten Wege nach ihren Quartieren zurückkehrten. Der Kaiser unternahm dann eine Besichtigung der FesteKaiserin", deren Ausführung dem Architecten Heister-Metz übertragen ist. Gegen 2 Uhr Nachmittags kehrte Se. Majestät der Kaiser nach Metz zurück und nahm beim Kommandeur der 34. Divi­sion, Prinz Heinrich XIX Reuß, das Mittagessen ein, an dem außer dem Gefolge eine größere Anzahl höherer Persönlichkeiten theilnahm. Um 4 Uhr begab sich der Kaiser zum Bahnhof und kehrte mit Sonderzug nach Kürzel zurück. Der Kaiserliche Statthalter Fürst zu Hohenlohe Langenburg reiste bald darauf nach Straßburg zurück. Kürzel, 24. Mai. Se. Majestät der Kaiser traf um 4\2 Uhr Nachmittags von Metz hier ein und fuhr mit Gefolge im offenen Wagen sofort nach Schloß Urville.

Der Reichskanzler hat die Uebereinkunft zum Schutze der für die Landwirthschaft nützlichen Vögel nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths dem Reichstage

im übrigen zweifle ich nicht, mit Gottes Hülfe de" Feind nach Norden auseinandersprengen zu können. Ps. 20, 8. (Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse, wir aber denken an den Namen des Herrn unseres Gottes.)"

Am 26. Februar früh 720 ging folgende Depesche von Dewet an Cronje ab:Verstärkung kommt hoffentlich heute. Haltet euch bis morgen Abend! Senden Vor- räthe sobald als möglich. Ps. 59, 16. (Laß sie hin und her laufen um Speise und murren, wenn sie nicht satt werden)."

Um 930 kam die Antwort:Der Feind hat ungeheuren Zuzug erhalten. Ich werde hart bedrängt. Pj. 3, 2. (Ach, Gott, wie sind meiner Feinde so viel und setzen sich so viele wider mich.)"

Dies Heliogcamm warf alle Bedenken Dewets über den Haufen.

Er beschloß, die Verstärkungen nicht abzuwarten und mit der kleinen Schar todesmuthiger Krieger, über die er verfügte, dem bedrängten Kameraden zu Hülfe zu eilen. Doch ehe er noch den Entschluß ausführen konnte, wurde er selbst von einem überlegenen Feinde ange­griffen und bekümmerten Herzens mußte er dem hart geprüften Cronje folgende Depesche senden:Die Ver- stä,kungen sind bereits in der Ferne sichtbar, aber ich werde selbst von überlegenen Streitkräften angegriffen. Psalm 60, 3. (Gott, der du uns verstoßen und zer­streuet hast und zornig warst, tröste uns wieder!)"

Nur mit größter Anstrengung vermochte Dewet sich gegen das Andringen der Feinde zu wehren. Hinter