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Erstes Blatt.
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auf das Hersselder Kreisblatt
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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 10. Mai 1902.
Auf Grund des § 82 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 wird hierdurch das Ergebniß der am heutigen Tage stattgefundenen Kreistagssitzung zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurde der Antrag des KreiSausschuffes, der Kreistag wolle beschließen:
1. der Kreis Hersfeld überweist den zum Bau der Nebenbahn Hersfeld-Treysa im Kreise erforderlichen Grund und Boden unentgeltlich und lastenfrei.
2. zu den Kosten des Grunderwerbes, zu denen laut Benachrichtigung des Herrn Landeshauptmanns in Heffen vom 30. September 1899 IV 4503 der Kommunalverband ein Drittel beiträgt, übernimmt der Kreis das zweite Drittel, während das dritte Drittel auf Grund des § 13 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Naffau vom 7. Juni 1885 und des tz 91 zu 3 des KommunalabgabengesetzeS vom 14. Juli 1893 von den an dem Bahnbau unmittelbar interessirten Gemeinden als Mehrbelastung aufzubringen ist, nämlich von der Stadt Hersfeld, Gutsbezirk Eichhof, den Gemeinden Kohlhausen, Asbach, BeierShausen, Roßbach, Kcrspen- Hausen, Hilperhausen, Niederaula, MengShausen, Engelbach, Solms, Hattenbach, Niederjoffa, Kleba, Kirchheim, Gelshausen, Allendorf i. W., ReimboldS- Hausen, Kemmerode, Reckerode, GoßmannSrode, Rotterterode, Heddersdorf, Frielingen, Gersdorf und Willingshain.
Von dem aus diese 27 Gemeinden fallenden Drittel der Grunderwerbskosten hat die Stadt Hersfeld zwei Drittel aufzubringen, während von dem Rest die unmittelbar an der Bahn liegenden Gemeinden, nämlich Eichhof, Kohlhausen, Asbach, BeierShausen, Kerspenhausen, Niederaula, MengShausen, Kleba, Kirchheim, Heddersdorf, Frielingen, Gersdorf, drei Viertel, die übrigen ein Viertel aufzubringen hat.
3. Mit der Ausführung dieses Beschlusses wird der Kreisausschuß beauftragt und zugleich ermächtigt, nöthigenfalls die für Kreis und Gemeinden erforderliche Anleihe auszunehmen, einstimmig angenommen.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurde der vom Kreisausschuß gestellte Antrag, der Kreistag wolle beschließen :
„bte Mitglieder des KreiSausschuffes, sowie sonstige in Kreisangelegenheiten zugezogene Vertrauensmänner, soweit für letztere nicht besondere Be- stimmungen getroffen sind, oder noch getroffen werden, erhalten bei Dienstreisen 6 Mk. Tagegelder. Ist eine Uebernachtung erforderlich, so erhöht sich der Satz aus 9 Mk. An Reisekosten werden 40 Pfg. für das Kilometer vergütet.
Die durch Beschluß des Kreistags vom 3. Mai
1886 für die Theilnahme an den gewöhnlichen Sitzungen des KreiSausschuffes festgestellten Sätze bleiben bestehen,"
einstimmig angenommen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
Freiherr von Schleinitz, Königl. Landrath, Geh. Regierungs-Rath.
Gesunden: ein Schirm und eine Axt. — Meldung der Eigenthümer beim Ortsvorstand zu Sorga.
Nichtamtlicher Theil.
Politischer Wochenbericht.
Die parlamentarischen Arbeiten in Berlin konnten nach den Pfingstferien unter keinen günstigern Vorzeichen wieder ausgenommen werden, als es im preußischen Ab- geordnetenhäuse der Fall war. Die Verhandlungen über die sogenannte Polen-Vorlage erinnerten an die große bismarckische Zeit. Unter der Führung des Grafen Bülow hatten sich die Parteien zusammengeschlossen, die dem ersten Kanzler des Reiches bei seinen nationalen Aufgaben treu zur Seite standen. Bis- marckischen Geist athmete die Rede, mit der der Minister- Präsident die zum Schutze des Deutschtums in den Ost- marken bestimmte Vorlage begründete, und vor allem die Versicherung, daß diese Politik mit Ernst, Nachdruck und Konsequenz weiter geführt werden sollte. So hat denn auch die Ankündigung von weitern Maßregeln zur Erhaltung und Förderung des Deutschtums, die Absicht, den Beamten im Osten der Monarchte, darunter namentlich den Unterbeamten und den Volksschullehrern Zulagen zu gewähren, lebhaften Beifall gefunden. Graf Bülow kann sicher sein, daß er beim Einlösen dieser Wechsel dieselbe überwiegende Mehrheit deS preußischen und deutschen Volkes hinter sich haben wird wie bei dem Gesetz-Entwurf, der nun im Schoße einer Kommission ruht.
Auch die auswärtige Politik des Grafen Bülow hat in der letzten Zeit wieder einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß die Erneuerung der Dreibunds-Verträge in nicht ferner Zeit unterzeichnet werden wird. Daß dies geschieht, ist ein Verdienst unsers Reichskanzlers, der es verstanden hat, nicht nur die diplomatischen Schachzüge zu durchkreuzen, die gegen das Bündnis von unsern Gegnern unternommen waren, sondern auch die zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn bestehenden MeinungS- Verschiedenheiten auszugleichen. Wenn der italienische Minister Prinetti erklärte, das Bündniß werde ohne Frage erneuert werden, so ließ er dabei durchkliugen, daß die Behauptung der Dreibundsfeinde, der Vertrag lege Italien unerträgliche militärische Lasten auf, unbegründet ist. In der That würde Italien ohne Anlehnung an eine stärkere Macht, einen viel höheren Aufwand für Heer und Flotte zu machen haben, als jetzt. Die Erklärungen Prinettis stehen ebenso im Einklang mit den frühern Ausführungen des Grafen Bülow, wie die jüngsten Reden des Grafen Goluchowski, des österreichisch-ungarischen Ministers des Auswärtigen, über dasselbe Thema.
In einer keineswegs rosigen Stimmung befindet sich Präsident Loubet. Die Petersburger Festtage haben mit einem Mißton geendet. Die groben Ausschreitungen, die französische Marine-Soldaten in betrunkenem Zustande in der russischen Hauptstadt verübt haben, sind nicht geeignet, den Boden für neue VerbrüderungSreisen zu ebnen. Außer dieser unangenehmen Erinnerung hat das Oberhaupt der französischen Republik so gut wie nichts aus dem verbündeten Reiche mitgebracht, wenn mau von einigen Adreffen und der vom Zaren gestifteten Punfchbowle absieht. Dagegen hat Herr Loubet in Frankreich eine zerfahrene Lage vorgefunden. Das gesammte französische Mini- st e r i n m will mit Waldeck-Rouffeau zurücktreten. An diesem Sonntage wird sich die neugewählte Kammer zu
ihrer ersten Tagung zusammenfinden. Die Wahl des Kammer-Präsidenten wird vielleicht einen Anhalt dafür geben, welchen Namen das neue Kabinet tragen wird.
In Sp a n i e n ist ebenfalls eine Ministerkrise zum Ausbruch gekommen, die während der Feierlichkeiten zur Krönung des Königs Alfons in der Schwebe geblieben war. Der Minister Canalejas verlangte, daß die Cortes sofort einberufen werden, um über ein neues Vereinsgesetz zu beraten, das, ohne Rücksicht auf den Vatikan, die Kongregationen unter das bürgerliche Gesetzbuch bringen sollte. Da er keine Zustimmung fand, so ist er zurückgetreten, worauf auch die andern Minister ihre Entlaffung nahmen, um die Lösung der Krisis zu -erleichtern. Der junge König steht nun zum erstenmal vor der Schwierigkeit, einen Mann zu finden, der ein Ministerium bilden kann.
DieFriedens-Verhandlungenin Südafrika ziehen sich länger hin, als den Engländern und vielleicht nicht am wenigsten ihrem Könige lieb ist. Bisher steht nur so viel fest, daß noch nicht alle Meinungs-Ver- schiedenheiten zwischen beiden Parteien gelöst sind, und daß die Engländer wohl oder übel größere Zugeständ- niffe machen müssen, als sie früher wollten.
Politische Nachrichten.
Berlin, 29. Mai.
Se. Majestät der Kaiser hörte gestern am späteren Nachmittag den Vortrag des Chefs des Marine- kabinets Vizeadmirals Frhrn. v. Senden - Bibran. Zur Abendtafel war Reichskanzler Graf v. Bülow und der Chef des Marinekabinets geladen. — Nach der Tafel hatte Se. Majestät eine Besprechung mit dem Reichskanzler. — Nach der Vorstellung im Königlichen Opernhaus« sprach Se. Majestät der Kaiser den Hauptdarstellern der Oper „Aida" Seine Anerkennung aus. — Heute Vormittag unternahm Se. Majestät einen Spazierritt, hörte die Vorträge des Chefs des Generalstabes Generaladjutanten General der Kavallerie Grafen von Schlieffen und des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generalleutnants Grafen von Hülsen-Häfeler und empfing um 12s/4 Uhr den Kronprinzen von Siam. — Zur Frühstückstafel waren keine Einladungen ergangen.
Der Kronprinz von Siam war mit Gefolge in Begleitung des Generals von Seckendorff gegen 9 Uhr in einem Sonderzuge auf dem Potsdamer Hauptbahnhof eingetroffen. Prinz Eitel Friedrich und der Prinz Paribalra von Siam waren dem Kronprinzen bis Char- lottenburg entgegen gefahren. Der Bahnsteig war mit Guirlanden, siamesischen, persischen, deutschen und preußischen Wappenschildern festlich geschmückt. An dem Eingänge zum Fürstenzimmer, vor dem sich ein Baldachin befand, hatte die Leipkompagnie des 1. Garde-Regiment« zu Fuß mit Fahne und Musik Aufstellung genommen. Anwesend waren die Generäle v. Keffel, von Moltke, von Lyncker und die direkten Vorgesetzten, ferner der siamesische Gesandte mit den Herren der Gesandtschaft. Bei der Einfahrt des Zuges präsentierte die Ehren- kompagnie. Nach dem Verlassen des Zuges schritt der Kronprinz von Siam in Begleitung des Prinzen Eitel Friedrich die Front ab. Die Musik spielte die siamesische Hymne. Sodann fand unter den Klängen des Aorkschen Marsches ein Vorbeimarsch der Ehrenkompagnre statt. Hierauf begab sich der Kronprinz mit dem Prinzen Eitel Friedrich in offenem Zweispänner nach dem Sladtschlosse, wo er Wohnung nahm.
Potsdam, 29 Mai. Um 6 Uhr Nachmittags traf auf dem festlich geschmückten Bahnhof der Schah und seine Begleitung ein. Zum Empfang war Se. Majestät der Kaiser erschienen, die Prinzen des König, lichen Hauses und die in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen aus souveränen deutschen Häusern, die Herren des Hauptquartiers und die Gefolge, der Staatssekretär des Auswärtigen Freiherr v. Richthofen rc. Die Ehrenwache bildete eine Compagnie des Garde-