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Hersscker Kreisblatt.
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Är. 68. ^mierstW Den lf Ziini M.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Es wird wiederholt bekannt gemacht, daß die Sprechtage auf dem Katasteramt nur am Mittwoch und Sonnabend und an diesen Tagen nur in den Vormittagsstunden von 8 bis 12 Uhr statt- finden.
Die Herren Bürgermeister wollen dieses gefälligst wiederholt in ihren Gemeinden bekannt machen lasten.
Hersfeld, den 9. Juni 1902.
Königliches Katasteramt, S ch m e i ß e r.
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 10. Juni.
Se. Majestät der Kaiser begab Sich heute Morgen um 5*/4 Uhr von Wildpirk nach dem Tempel- hoser Feld, wo Allerhöchstderselbe bei Bude 4 zu Pferde stieg, mit dem Hauptquartier aus das Fld ritt und hier von 6 Uhr an das 1. und 2. Garde-Dragonerregiment besichtigte. Die Regimenter hatten mit ihren direkten Vorgesetzten bei der Hasenhaide Ausstellung genommen. Se. Majestät ritt die Fronten ab, ließ beide Regimenter nacheinander vorexerzieren und be-fahl dann ein Feuergefecht, bei dem auch Infanterie und Artillerie zur Verwendung gelangten. Nach Kritik und Abnahme eines Vorbeimarsches über die beteiligten Truppentheile führte Se. Majestät das zweite Garde Dragoner-Regiment nach seinem Kaserrument und nahm an einem Frühstück beim Offizierskorps des Regiments Theil. Nachmittags gedenkt Se. Majestät Sich von Berlin aus zum Armee- Jagdrennen nach Hoppegarten zu begeben und Abends das Diner bei dem 1. Garde - Dragonerregiment ein- zunehmen.
Zum Befinden Seiner Majestät des Königs Albert von Sachsen liegen folgende Meldungen vor:
Sibyllenort, 10. Juni. Der heute früh 7 Uhr 20 Minuten über das Befinden Seiner Majestät des Königs von Sachsen ausgegebene Bericht lautet: Se. Majestät der König von Sachsen hat zwar in der vergangenen Nacht mehrere Stunden geschlafen, fühlt
Pieter Eafras und seine familie.
Eine Erzählung aus dem Freiheitskriege der Buren. Von A. von L i l i e n k r o n.
(Fortsetzung )
VIII Opzaddeln!
Pieter Lasros hatte Ruth nach den Tagen vor Machadodorp zu ihrer Mutter zurückgebracht. Nach den immerhin nicht unerheblichen Verletzungen bedurfte sie dringend der Schonung. Aldermann sah dies ein, so schwer ihm auch die Trennung von dem Mädchen wurde. Er hotte zuerst versucht, dagegen zu sprechen, als Pieter mit der Erklärung herausgerückt war, die Tochter gehöre zur Mutter in die einsame Form. Doch hatte er sich schweren Herzens in die Trennung gesunden, sobald er einsah, daß dies für Ruths Gesundheit nothwendig wäre.
Voll Freude war dann Pieter mit Dirk in den ersten Tagen des Septembers in Aldermanns Begleitung in Dewets Kommando übergegangen, und Vater und Sohn folgten begeistert ihrem Führer.
Christian Dewet, ein Freistaater, der das Land wie seine Tasche kennt, und von den Raffern schwärmerisch " verehrt wird, fühlt sich überall zu Hause. Er ist ein geborenes militärisches Genie und hat jedes einzelne Kommando völlig in ^er Hand. Alle seine Patrouille» und Abtheilungen handeln auf seinen Befehl, und durch seine Willenskraft hat er seine Leute in eine Armee unv gewandelt, die ihm völlig auf daS Wort folgt. Er ist
sich aber heute Morgen weniger kräftig als gestern. Die Herzthätigkeit ist im Allgemeinen befriedigend. Athembeschwerden treten nur zeitweilig auf und gehen rasch vorüber. Die Nahrungsaufnahme ist eine vollkommen genügende.
Dr. Fiedler. Dr. Sellc. Dr. Hoffmann.
Sibyllenort, 10. Juni. Prinz und Prinzessin F iedrich August von Sachsen reisen heute von hier ab. — Heute Vormittag ist der Beichtvater des Königs Hofprälat Maaz hierselbst angekommen. Der Hofkaplan Plemka reist heute Nachmittag von hier ab.
Die „Rheinisch-Westfälische Z-itung" hat sich aus London melden lasten, das dortige deutsche Bot- schastspalais fei am 2. Juni „reich iUuminirt" gewesen, und zwar, wie mit einer verhetzenden Wendung hinzu- gefügt wurde, „zu Ehren des Unterganges der Burenrepubliken." Diese Nachricht stellt sich, wie die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, als eine böswillige Erfindung heraus Das deutsche Botschafterpalais war nicht illuminirt.
Die XXIV. Kommission des Abgeordnetenhauses für die AusführungSbestimmungen zur Schlachtvieh - und Fleischbeschau hat heute die Berathung zu Ende geführt. Auf Antrag des Abg. Ring wurde folgender neue Paragraph eingeschaltet^ „Frisches Fleisch, welches einer amtlichen Untersuchung durch approbirte Thierärzte nach Maßgabe der §§ 8 bis 16 des Reichsgesetzes unterlegen hat, darf einer abermaligen amtlichen Untersuchung auch in Gemeinden mit Schlachthauszwang nur zu dem Zwecke unterworf. u werden, um festzustellen, ob das Fleisch inzwischen verdorben ist oder sonst eine gesundheitsschädliche Veränderung seiner Beschaffenheit erlitten hat." Außerdem auf Antrag v. Mendel: Eine doppelte Untersuchung auf Trichinen ist unter allen Umständen ausgeschloffen.
Der Schnelldampfer des „Norddeutschen Lloyd" „Kronprinz Wilhelm" hat einen neuen Ozeanrekord ausgestellt. Das Schiff verließ am Irrten Dienstag Nachmittag New-Iork und traf gestern Vormittag 10 Uhr 5 Min. wohlbehalten in Plymouth ein. Die auf der Reise erzielte durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 23,53, Seemeilen in der Stunde. Bisher hielt der Hamburger Dampfer „Deutschland mit 23,51 Seemeilen den Ozeanrekord, welcher nunmehr durch den „Kronprinz Wilhelm" geschlagen ist.
Mit Bezug auf die vom Reichskanzler Grafen
der erste Burenführer, der auf den Kriegsroth verzichtete. Zuweilen giebt er plötzlich um Mitternacht den Befehl: „Opzaddeln!" (Aufsatteln).
Wenige Minuten später bricht er auf, niemand weiß wohin, und vielleicht schon, nachdem erst wenig Kilometer zurückgelegt sind, wird eine Schwenkung befohlen, und man rückt in Gewaltmärschen ganz wo anders hin, denn Dewet marschiert niemals gleich in gerader Richtung auf sein Ziel los.
Wie Ziethen aus dem Busche ist er plötzlich an den Feind herangekommen, und wie ein Heinzelmännchen verschwindet er ebenso spurlos. Die Schnelligkeit seiner Bewegungen übertrifft die aller anderen Kommandos. Um dies durchführen zu können, Hot er sich von den schwerfälligen Ochsenwagen freigemacht und befördert seinen Proviant auf zweirädrigen Karren. Vier Paar Esel ziehen einen solchen Proviantkarren und gehen damit in tadellosem Galopp über Kopses und Felsgeröll.
Die zickzackartigen Hin- und Herzüge Dewets hatten ihn jetzt mit seinem Kommando an die Bahnlinie von Middelburg nach Belfast geführt, und somit war auch Lafras in die Nähe seiner niedergebrannten Farm gekommen, und nur wenige Meilen trennten ihn von der neuen Heimat seiner Lieben.
Trotzdem aber dachte weder er, noch Aldermann daran, SannaS Form aufzusuchen. Wer zu Dewet» Kommando gehörte, durfte fid) nicht eigenmächtig entfernen, sondern mußte jeden Augenblick der Befehle seines Generals gewärtig sein.
B ü l o w gelegentlich der Verhandlungen über die Aufhebung des Diktaturparagraphen gehaltenen Rede sagt ein anscheinend offiziöser Artikel des „Figaro": „Manche Franzosen gaben sich der Hoffnung hin, daß Frankreich durch ein außereuropäisches Uebereinkommen mit Deutschland gleichwerthige Genugthuung in Europa erlangen könnte. Diese Hoffnung war eine Illusion. Aber wenn gewiffe Leute an ihr noch festhalten sollten, so wollte Graf Bülow nicht, daß sich nunmehr irgend Jemand darüber täusche. Dank dem Grafen Bülow ist die Situation auf deutscher Seite von unvergleich- lieber Klarheit. Was uns anlangt, so haben wir keine Ursache, dieselbe zu verdunkeln. Wir sind von den korrekten Beziehungen, die wir zu unseren Nachbarn unterhalten, befriedigt. Wir find bereit, die Courtoisie, für welche wir wiederholt Beweise erhalten haben, mit gleicher Courtoisie zu erwidern. Wir wohnen ebenso wie die Deutschen in dem Friedensgebäude, besten Bewohner sich, wie der Reichskanzler jüngst in der dem „Figaro" bewilligten Unterredung sagte, je nach Zeit und Art mehr oder weniger behaglich fühlen. Aber es ist uns noch im höheren Maße unmöglich, dem Erbgute unserer Erinnerungen zu entsagen, als es in Deutschland schwer fällt, auf einen einzigen seiner Siege zu verzichten, und da wir außerhalb des Gebietes, auf das Deutschland zu begeben sich weigert, nichts von ihm zu verlangen haben, so werden wir auch weiterhin in den gutnachbarlichen Beziehungen, welche die Zeit zwischen Frank- reich und Deutschland hergestellt hat, den genauen und hinreichenden Ausdruck dessen finden, war die Sorge um den allgemeinen Frieden und die Wahrung eigener Interessen von einer richtigen Politik verlangen.
Die „Auro re" sagt in Betreff der Erklärungen des Grafen von Bülow, diese Rede beweise, daß die Germanisirung Elsaß-Lothringens eine vollendete Thatsache sei. Was bedeuteten dieser Thatsache gegenüber die deklamatorischen Behauptungen der Revanchehelden! „Wir beglückwünschen," so sagt das Blatt, „die Deutschen nicht zu diesem Ergebniß, aber, wer wagt es, die Elsaß- Lothringer zu tadeln?"
(Deutschlands Außenhandel mit den einzelnenLändern 1897/1901.) Das Kaiserliche Statistische Amt hat soeben als erstes der 24 Hefte beS Bandes 142 der Statistik des Deutschen Reichs „Auswärtiger Handel des deutschen Zollgebiets im Jahre 1901" das Heft XIX herausgegeben; es enthält den
Heute war die Abenddämmerung schon eingebrochen' und überall rüstete man die Mahlzeit, für die man bisher noch keine Zeit gefunden hatte.
Ob Dewet. der Nimmermüde, die Nacht hier Rast halten wollte, oder ob das bekannte „Opzaddeln!" wieder in der nächsten Stunde ertönen würde, das wußte niemand. Ein jeder that, was der Augenblick gebot, und folgte, ohne eigenmächtige ipläne zu schmieden, freudig dem Willensstärken Manne, der die Seele seines Kommandos geworden war.
Dirk machte sich eifrig an einem Termitenhügel zu schaffen, diesem natürlichen Bockofen der Buren, die feine Feldbäckerei auf ihrem Kriegszuge brauchen. In einem solchen harten Ameisenbau hatte er unten in den Gängen Feuer gemacht und oben darauf einen flachen Stein gelegt, auf den er das Mehl, mit Hammelfett vermischt, geschüttet hatte.
Es sollte eine besonders reiche Mahlzeit werden, denn Dewet hatte den Briten eine Wagenladung voll schöner Konserven abgenommen, und nun wollten feine Buren darin schwelgen.
Neben Dirk, auf einem umgestürzten Baumstamme, saß Aldermann, sein Gewehr reinigend, und Pieter, der mit einigen Stoßseufzern versuchte ein dreieckiges Loch in seiner Jacke zu flicken.
„Die Finger sind ungeschickt, wenn man sich gewöhnt hat, solche Arbeit den Frauen zu überlasten!" seufzte er.
Aldermann blickte auf:
«Ja, wollte Gott, wir hätten sie hier!" Der Ausruf drückte ein leidenschaftliches Verlangen aus, und er