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G^AtisdeUaKen r^Uuftrirtes KonntagsbLart" *3üu^rirte randrsivthschastttch» V-ttage."

Ar. 71 Aenstliz den 24. Zmi 1902.

Verteilungen

auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das dritte Vierteljahr werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Cassel, den 3. Juni 1902.

Nach Mittheilung des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten sind aus dem Jahre 1901 bis jetzt 187 Bißverletzungen von Menschen durch tolle oder tollwuthverdächtige Thiere amtlich ge­meldet worden, von denen 123 das männliche, 64 das weibliche Geschlecht betreffen.

Von den 187 Verletzten unterwarfen sich 146, davon 1 in Wien, die übrigen im Institut für Infektionskrank­heiten in Berlin, der Schutzimpfung nach Pasteur. Von sämmtlichen durch tollwuthverdächtige Thiere gebissenen Personen ließen sich, auf das Hundert berechnet, impfen im Jahre 1898 = 29,0, 1899 = 80,5, 1900 =82,3, 1901 = 78,1.

Von den 41 Personen, welche sich im Jahre 1901 nicht impfen ließen, blieben ohne jede ärztliche Behand­lung 12 ; bei den übrigen 29 bestand die Behandlung seitens des Arztes im Ausschneiden der Wunden einmal, Ausbrennen zweimal, Ausbeizen siebenmal, während bei 19 Verletzten die Art der Behandlung nicht angegeben worden ist.

Die Zahl der Bißverletzungen durch tolle oder toll­wuthverdächtige Thiere hat im Jahre 1901 erfreulicher­weise abgenommen. Die Schutzimpfung aber scheint im Berichtjahr an Volksthümlichkeit etwas verloren zu haben.

Gräfin MaUerstein.

Novelle von Elsbeth Borchart.

(Fortsetzung.)

Keine Bewegung des Paares da unten entgeht Herthas Blicken. Sie sieht jetzt, wie Eckhof stehen bleibt, Anne­lieses Hand in seine Rechte nimmt und mit der Linken sanst darüber streicht. Dann spricht er zu ihr leise und eindringlich, tief zu ihr hinabgebeugt. Es steigt Hertha auf ihrem Beobachtungsposten plötzlich siedend heiß in die Schläfen.

Anneliese!"

Sie hat es hinabgerufen, unwillkürlich, und sieht nun, wie Anneliese ihre Hand schnell und anscheinend erschreckt aus der des Verwalters befreit und dem Schlosse zueilt.

Auch Eckhof hat bei ihrem Ruf aufgesehen und respekt­voll den Hut gezogen, doch Hertha hat sich fast brüsk ins Zimmer zurückgewandt und seinen Gruß unerwidert gelassen.

Menige Augenblicke später steht Anneliese im Zimmer, mit freundlichem Gruß auf Hertha zueilend.

»Hast du Zeit, mir ein wenig Gesellschaft zu leisten?" fragt Hertha, die Freundin zu sich herab auf das Sofa ziehend.

Natürlich, Liebste, so viel du willst I"

»Sieh her, dies wollte ich dir zeigen, Anneliese, es wird dich interessieren; ich erhielt es soeben mit der Morgenpost!"

Anneliese greift nach dem eleganten Karton und liest

Dies ist bedauerlich, da die Wirkung derselben, wenn auch keine absolut sichere, so doch eine große ist. Das hat sich auch jetzt wieder gezeigt, in dem von 144 geimpften Personen keine, von den 41 nicht geimpften aber eine an Tollwuth gestorben ist.

Der RegierungS-Präsident. J. V. Mauve. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, und die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 7525.

* *

Hersfeld, den 10. Juni 1902.

Den Herren Ortsvorstände gebe ich mit Bezug auf das Ausschreiben vom 2. Juli v. I., I. I. Nr 3645 (Kreisbl. Nr. 80), von Vorstehendem Kenntniß und veran­lasse dieselben erneut, in geeigneter Weise auf die Be­völkerung ausklärend zu wirken und sie darauf hinzu­weisen, daß jeder, anscheinend auch noch so leichte Riß oder Biß durch Hunde oder Katzen lebensgefährlich werden kann und daher, sofern nur der geringste Toll- wuthverdacht besteht, baldmöglichst der Behandlung durch einen Arzt und der Schutzimpfung zugeführt werden sollte.

I. 3252. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Nath.

Hersfeld, den 16. Juni 1902.

Die Schul- und Küsterstelle in Gittersdorf wird in­folge Versetzung deren jetzigen Inhabers vom 1. Sep­tember d. Js. ab vakant. Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundge­halt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung. Der Ein­heitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mk.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst den er­forderlichen Sitten- und Befähigungszeugnissen bis zum 15. Juli d. I S. an den Königlichen Orts- schulinspektor Herrn Pfarrer Gamb in ObergeiS oder den Unterzeichneten einreichen.

1.3403. Namens des Schulvorstandes: Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath und Landrath.

Die in der Gemeinde Heringen a/W. neu gegründete vierte Lehrerstelle soll mit einer Lehrerin besetzt werden. Das Einkommen (Grundgehalt) derselben beträgt neben freier Wohnung oder entsprechender MiethSentschädigung 800 Mk. und der Einheitssatz der Alterszulage 100 Mk.

die feine lithographierte Schrift:Ach Hilda von Eckartsberg, verlobt mit dem Grafen Geroldstein! Ich dachte es mir wohl!"

Du dachtest es dir? Wie kamst du darauf Kind?" Weil ich längst merkte, daß sich die beiden lieben!" So so!" Das merktest du also?"

Hertha lacht.Sag' mal, Kind, was verstehst du denn eigentlich darunter! Hast du dir den Begriff .lieben' schon einmal klar gemacht?"

Anneliese wird roth:Aber gewiß, Hertha, wer hätte darüber nicht schon nachgedacht!"

Nun?" ein forschender Blick trifft das liebliche Antlitz der Freundin.Darf ich das Ergebnis deiner Forschungen nicht kennen lernen?"

Warum nicht?" Anneliese ist schon wieder über­müthig.Ich denke mir.Lieben ist ein selige« Sicheins- wissen mit einem andern, ein Aufgehen ineinander, ein wonniges Gefühl, sich geliebt zu wissen und wieder zu lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele . . ."

Genug genug!" Hertha hält sich beide Ohren zu.Du scheinst allerdings Erfahrung zu haben! Höre einmal, Kleine," sie droht ihr scherzend mit dem Finger,ich will doch 'nicht hoffen, nein, nein, ich forsche nicht weiter und will nicht in deine Herzens-Ge- Heimnisse dringen, aber du wirst mir doch erlauben, daß ich deine Ansichten durchaus nicht theile, ja, sie für den hellsten Unsinn erkläre! Sei nicht böse, Kind ich will dir sagen, was ich mir unter dieser sogenannten Liebe, die mit der Verwandten- und Nächstenliebe nicht zu verwechseln ist, denke!" Sie ist nichts weiter, als

Bewerberinnen haben ihre Meldungsgesuche yebst Zeugnissen b i s z u m 15. I u l i d. J. bei dem König­lichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Martin in Heringen a/W. oder dem Unterzeichneten einzureichen. Hersfeld, den 20. Juni 1902.

I. 3435. Der Königliche Schulvorstand: Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath und Landrath.

Cassel, den 16. Juni 1902.

Nach Anordnung des Herrn Ministers des Innern sollen vom 1. Juli d. Js. ab die Standesbeamten zu den Bescheinigungen über das angeordnete Aufgebot (§ 9 der Ausführungsverordnung des Bundesraths vom 25. März 1899), über die Eheschließung (§ 54 des Ge­setzes und § 7 Absatz 1 der Ausführungsverordnung) und zum Zwecke der Taufe (Gebührentarif Ziffer I) nur noch solche Formulare verwenden, an deren Fußende der Wortlaut des § 82 des Reichsgesetzes vom 6. Februar 1875 abgedruckt ist. Der Vorschrift entsprechende For­mulare ( außer dem Formular D Bescheinigung der Eheschließung, das auf Staatskosten geliefert wird) können aus Karl Heymanns Formular-Magazin in Berlin W. 8, Maurerstraße 43/44, bezogen werden.

Etwa vorhandene Formulare, auf denen der Wort­laut des § 82 nicht abgedruckt ist, sind entsprechend zu ergänzen.

Der Regierungspräsident. J. V.: M a u v e. An die Herren Standesbeamten der Städte und an die Herren Landräthe des Bezirks. A. I. 4325.

* *

Hersfeld, den 21. Juni 1902.

Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.

A, 2141. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 10. Juni 1902.

Von den» Vorstand der Norddeutschen Holz-Berufs­genossenschaft zu Berlin ist hierher mitgetheilt worden, daß anscheinend noch nicht alle Tischlere ibetriebe pp., die wegen der Ausführung von B a u a r b e i t e n bezw. Baureparaturarbeiten meistens der Ver- sicherungspflicht unterliegen, zur Anmeldung gekommen sind. Die Ortspolizeibehörden werden veranlaßt, fest­

ein eingebildetes Gefühl, dem nur schwache, überschwäng- liche Frauen sich hingeben und erliegen können. Ein starkes Weib bekämpft diese Leidenschaft, diese thörichte Aufwallung des Blutes, die doch bald wie ein Rausch verfliegt und nichts als eine schale Ernüchterung zu- rückläßt."

Hertha! Kannst du wirklich so von dem höchsten und heiligsten Gefühle sprechen?" Anneliese ist ganz entsetzt.

Was du ein hohes, heiliges Gefühl nennst, das paßt nicht auf diese Liebe, Anneliese! Ich habe die Frauen, die um dieser Liebe willen ihre Ehre oder auch nur ihre Freiheit opfern, nie begreifen können!"

Du sprichst immer nur von den Frauen, wie aber ist es bei den Männern?"

Pah! Bei den Männern ist es nichts weiter als Egoismus!"

Du urtheilst zu hart, Liebste! Laß nur erst den Rechten kommen, dann wirst du ganz anders . . ."

Niemals!" unterbricht sie Hertha schroff.Ich werde mich nie verheiraten I Ich wäre doch eine Thörin, wenn ich mein schönes, freies Leben aufgeben wollte, ganz abgesehen davon, daß mir jegliche Geduld und Sanstmuth fehlen würde, die Launen eines Mannes zu ertragen oder mich seinem Willen unterzuordnen!"

Wer dich liebt, Hertha, der wird sich eher deinem Willen beugen, dir jeden deiner Wünsche von den Augen ablcsen, als dich seine Launen fühlen lassen!"

Unb du meinst im Ernst, Kind, daß mich das be­friedigen uub glücklich machen könnte? Dann wäre ein