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GratirdeUssen r3Uti^rirtes Ssnntagsblatt" *^Unstetste ian-Virthschastttche Vettage.'

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rüilWbtnö Den 28. Juni

1962.

B»N«b-WMH.

ik Mit dem (. Juli beginnt ein neues Abonne- ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt

i, mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"-»

"Ilustrirte landwirthschaftl.Beilage".

DasKreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereig­nisse des täglichen Lebens zur Kenntnis der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

5MS~ Die wichtigsten Ereignisse gehen ; uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigensalls durch Extrablätter verbreiten.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" beträgt bei den Postanstalten 1 Mark 60 Pfg. einschließlich Postgebühr. 2Im<?trttfit linden durch dasKreisblatt" zweckentsprechende Berbrei- tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum jo pfg.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

Amtlicher Theil.

Berlin, den 9. Juni 1902.

Nach einer Mittheilung des Kaiserlich Deutschen General-KonsulatS zu Kopenhagen ist am 16. v Ms. im Hafen zu Kopenhagen die Leiche eines unbekannten Mannes aufgefunden worden. Diese wird solgender- maßen beschrieben: Zwischen 30 und 50 Jahren alt, 62^/2 Zoll groß, kräftig gebaut, kurzhalsig, dunkles Haar und ähnlicher kleiner Schnurrbart. Sie hat längere Zeit im Wasser gelegen und war in fortgeschrittener Ver­wesung. Die Leiche war bekleidet mit einem braunen kurzen Ueberrock mit zwei Reihen Hornknöpfe und Spannband, ähnlicher Jacke und Weste, grünlichen Bein­kleidern, blauen gestrickten Pulswärmern, Leder-Leibriemen, Normal-Unterbeinkleidern, bräunlichem Leinwandshemd mit blauen Streifen, zwei Paar wollenen Strümpfen, halblangen, schnürledernen Schaftstiefeln, weißem auf­stehendem Kragen und bräunlichem Hut mit grüner doppelter Schnur mit Quasten. Aus dem rechten Ring­finger befand sich ein dünner goldener Trauring, in dem II. B. 4/5. 90 eingravirt ist. In den Taschen wurden gesunden: ein kleines schwarzes Meffer mit zwei Klingen und Metall-Endstücken und ein angesangener Brief, worin stand:

Copenhagen 19/2 02. Verehrter Herr S., ein braunes Lederportemonaie, enthaltend 7 Frc., ein schwarzer Kleiderbeutel mit Schloß, 2 Hauptschlüssel, ein blaugeblümtes Taschentuch, ein Billet und ein deutscher Stimmzettel.

Die Leiche ist vom St. Johannes - Stift in Kopen­hagen aus beerdigt. Etwaige Anfragen sind an die Polizeistation Nr. 4 daselbst, Strandgade 26, zu richten

Da es sich nach der Annahme der Polizeibehörde in Kopenhagen möglicherweise um einen Deutschen

handelt, ersuche ich Euere Hochwohlgeboren, um geeignete Verbreitung der vorstehenden Mittheilung.

Der Minister des Innern.

In Vertretung, gez.: v. Bischoffshausen.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel.

Ha. 4276

* * *

Caffel, den 19. Juni 1902.

Abdruck zur Kenntnißnahme und weiteren Veran- laffung.

Der Regierungs-Präsident. J. V. M a u v e.

M den Herrn Polizei - Präsidenten hier, die Herren Polizei - Direktoren zu Hanau und Fulda und die Herren Landräthe des Bezirks. A. II. 8417.

*

Hersfeld, den 26. Juni 1902.

Wird veröffentlicht.

I. 3568. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Politischer Wochenbericht.

In Preußen ist ein Ministerwechffel einge­treten. Statt des Herrn v. Thielen ist General-Major a. D. Budde vom Könige zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt worden. Mit Herrn v. Thielen ist eine der markantesten Persönlichkeiten aus dem StaatS- ministerium geschieden. Genau elf Jahre hat er dem Eisenbahnministerium vorgestanden, und beim Rückblick auf diese an Erfolgen reich gesegnete Zeit muß man sagen, daß die Ruhebedürftigkeit des Ministers berechtigt und verständlich ist. Seine Thätigkeit ist jetzt vom Kaiser durch die Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens und ein huldvolles Handschreiben von neuem anerkannt worden. Die Wahl des General-Major a. D. Budde zum Nachfolger des Herrn v. Thielen wird allgemein als eine glückliche bezeichnet.

Einen lebhaften Widerhall hat die schwungvolle, hoch­bedeutsame Rede gefunden, die der Kaiser in Aachen gehalten hat. Der Hinweis aus die ruhmvolle Vergangenheit der Nation und die ihr obliegenden Auf­gaben läßt alle patriotischen Herzen höher schlagen. Nicht in nebelhafte Ferne wollen wir uns verlieren, wie es im Mittelalter geschah und wie noch heute einige AUerwelts-Politiker wünschen, sondern die uns gesteckten Ziele innerhalb der festgelegten Grenzen des Reiches zu erlangen suchen. Darauf läuft auch die Politik hinaus, die der Kaiser und Graf Bülow ruhig und besonnen verfolge». Mit Genugthuung sind ebenfalls die Worte ausgenommen worden, die der Kaiser der Pflege der Religion und dem gegenseitigen Verhältnis der beiden christlichen Neligions-Bekenntniffe gewidmet hat. Der von dem Kaiser bei der Gelegenheit mitgetheilte Aus­spruch des Papstes, daß im deutschen Reiche jeder Katholik ungestört und frei seinem Glauben leben könne, dürfte diejenigen Katholiken, die sich zurückgesetzt fühlen, eines bessern belehren.

Ein tragisches Geschick hat K ö n i g Eduard be. troffen in demselben Augenblick, wo dieser die Erfüllung seiner Hoffnung, als Verkörperung des britischen ReichS- gedankens den Hunderten von Millionen feiner Unter« lhanen näher zu treten, unmittelbar vor sich sah. Ge­waltige Vorbereitungen waren getroffen, um die Krönung König Eduards mit nie gesehenem Pomp zu feiern. Tausende und immer neue Tausende waren Herberge- strömt, an ihre Spitze die Abgesandten der Fürsten, die Ersten unter den Staatsmännern und Generalen, die Vertreter der Vasallenländer. Es sollte ein Festtag der Ration und ihres Königs, es sollte zugleich ein Friedens« fest werden. Und nun fährt in die freudig bewegten Massen wie ein Blitz aus heiterm Himmel die Nachricht von der Operation des Königs und von dem Aufschub der Krönung I Gegenüber solchen Fügungen ist nur

Raum für reines Mitgefühl. Kein Mensch von richtigem Empfinden wird dem schwer heimgesuchten Könige und seinem schmerzlich enttäuschten Volke aufrichtige Theil­nahme versagen.

In Frankreich sind Toleranz-Klagen, namentlich seit das Ministerium Combes am Ruder ist, sicher mehr berechtigt. Die kirchenfeindliche Richtung des Minister- Präsidenten macht sich mit so außerordentlicher Schärfe geltend, daß in einem Lande, deffen Frauen durchweg streng kirchlich sind und dessen Adel und Bauernstand durchweg an der Kirche festhält, daraus eine Opposition herauswachsen muß, die mit der Zeit nicht nur der herrschenden Partei gefährlich werden könnte. Das ist umso bedenklicher, als ein kürzlich erlassener Befehl des Minister-Präsidenten auch einen direkten Eingriff in di» politische Gewiffensfreiheit der französischen Beamten bedeutet. Die Ernennung und Beförderung sämmtlicher Beamten wird nämlich von einem politischen Gesinnungs- Zeugnis abhängig gemacht, das die Präfekten und Unter« präsekten auszustellen haben. Da fragt man wohl, wo die französische Freiheit geblieben ist!

Was aus dem Innern Rußlands zu uns herüber« dringt, ist ebenso wenig erfreulich. In Orel soll ein Bauern-Aufstand wüthen, auch über neue Mord-Anschläge, gegen hohe Beamte laufen Gerüchte um. Die russischen Revolutionäre haben im Auslande einen Aufruf ver­öffentlicht, der unverhüllt die alte nihittstische Mordlehre empfiehlt, so lange weiter zu morden, bis eine Ver­fassung gegeben sei. Es wird hier also ein blutige« Einschüchterungs-System angekündigt, das wie alle der­artigen Mittel das Gegentheil von dem Gewünschten bewirken wird! Die russische Regierung wird aus Noth­wehr zu einer Steigerung der Zwangsmittel gedrängt. Dabei läßt sich nicht verkennen, daß in den russischen Regierungskreisen der Wille zur Besserung der Zustände unzweifelhaft vorhanden ist.

Die Erkrankung des Königs von England.

L 0 n d 0 n, 25. Juni. Nach einem heute Abend elf Uhr ausgegebenen Bulletin ist in dem Befinden des Könjgs andauernd ein befriedigender Fortschritt zu verzeichnen. Der König schlief mehrere Stunden des Tages, empfindet nur sehr wenig Unbehagen und ist heiterer. Der Zustand der Wunde ist gut.

London, 26. Juni. Ein von heute Vormittag 10/2 Uhr ausgegebenes Bulletin besagt: DerKönig hatte heute eine bessere Nacht und etwas kräftigenden Schlaf; das Befinden besserte sich in jeder Beziehung; der Zustand der Organe ist vollkommen günstig; der der Wunde ist ebenfalls befriedigend.

Eine sehr ungünstige Darstellung von der Natur des Leidens giebt ein anderer Bericht aus London. Trotz der unbestimmten Fassung der amtlichen Krankheitsberichte ist es nicht möglich, die Hoffnungen anf einen günstigen Ver­lauf der Krankheit König Eduards zu bestärken. Die Leser des offiziösen Berichts über die Operation ersehen vielfach nicht, daß es nötig war, einen Theil der Eingeweide selbst zu entfernen, und daß, wenn auch der König die gegen­wärtige Krisis übersteht, eine weitere ernste Operation nötig sein wird, die ausgeführt werden mnß, sobald der Zustand des Königs es gestattet. Der berühmte Chirurg Dr. Lister äußerte heute einem Freunde gegenüber:Die Operation war der ernsteste Eingriff, dem ein Mann in dem Alter und dem Zustande des Königs unterworfen werden konnte." Das Bureau Laffan glaubt mittheilen zu können, daß die Aerzte kaum eine Hoffnung auf Wiederherstellung des Königs hegen. Die Unterlassung der Operation hätte den sicheren Tod des Königs innerhalb 48 Stunden bedeutet. Die Operation enthüllte einen schlimmeren Zustand der betreffenden Theile, als man vorher angenommen hatte. Als der König infolge des durch den Abszeß hervorge­rufenen Darmbruches die wahnsinnigen Schmerzen bekam, durch welche ihm das Bewußtsein entschwand, da war es freilich für die Operation zu spät. Die Verhütung dieser Phase der Krankheit wäre gerade die Pflicht seiner Aerzte