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Geatisbettssen r«ftVirt«L SsnntagSdlatt" *JvAstkirte landVivthschaftttche Silage

Nr. 80. ^Nnerftiir -tl 10. Wi 1902.

Verteilungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das dritte Vierteljahr werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrieftragern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hertzfeld, den 16. Juni 1902.

Der Landwirth Ludwig Mohr in C o n r o d e ist heute als Bürgermeister dieser Gemeinde eidlich verpflichtet worden.

A. 2098. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 30. Juni 1902.

Der Gemeindeverordnete Jakob Burghardt zu Ransbach ist heute als Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Ransbach eidlich verpflichtet worden.

A 2161. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer NegierungS-Nath.

Nichtamtlicher Theil.

Die Unruhen i» Rußland.

Infolge der Strenge, mit der die russische Censur darüber wacht, daß unerquickliche Vorgänge von der Presse todtgeschwiegen werden, ist es schwer, sich von

Gräfin Wallerstein.

Novelle von Elsbeth Borchart.

(Fortsetzung )

Pläne und Gedanken kreuzen in wildem Durchein­ander ihren Kopf, und dabei fällt ihr Eckhofs Entlassung mit jähem Erschrecken ein.

Kann sie selbst Wallerstein gerade jetzt, wo es am meisten einer Oberaufsicht bedurfte, verlassen, wann auch Eckhof ging? Jsi sie nicht verpflichtet, dem neuen Herrn alles in bester Ordnung zu hinterlassen, und ist dies möglich, wenn sie und ihr Verwalter zu gleicher Zeit forlgingen? Und welchen Eindruck mußte es nicht zum mindesten bei Hans Ulrich hervorrufen, daß der Ver­walter so kurz vor seiner Besitznahme des Gutes ent­lasten wurde?

Es ist nicht anders möglich Eckhof muß auf Wallerstein bleiben, so lange wenigstens, bis Hans Ulrich ankommt und seine eignen Dispositionen treffen kann.

Aber wie vermochte sie ihn zum Bleiben zu bewegen, nach dem, was heute vorgefallen war? Sie kennt seinen Stolz, der dem ihrigen nichts nachgiebt, genug, um zu -wissen, daß er sich weigern wird. Trotzdem will und muß sie den Versuch machen. .Sie weiß wohl, daß eine diesbezügliche Bitte an ihn demüthigend für sie ist, ja daß sie ihren Stolz darum verleugnen muß. Dennoch steht ihr Entschluß fest. Sie will ja morgen schon Wallerstein verlassen, und das erleichtert ihr Vorhaben pngemein; sie braucht seine Nähe nicht zu fürchten.

den Zuständen in Rußland ein getreues Bild zu machen. Nach englischen Blättern, die das Bedürfniß der Ueber­treibung und der drastischenGrellmalerei haben, müßte Ruß­land unmittelbar vor einer großen Umwälzung stehen. So­viel steht jedenfalls fest, daß die Unruhen, von denen seit einiger Zeit aus Rußland berichtet wird, keinen harm­losen Charakter mehr haben. Auf die Studenten-Be- wegung folgten Arbeiter-Unruhen, und diese zogen Bauern-Ausstände nach sich. Der Zusammenhang läßt sich unschwer nachweisen. Den Wirren scheint eine feste Organisation zu Grunde zu liegen, der die russische Polizei trotz ihrer Rührigkeit nicht beikommen kann.

Tief ist die Kluft, die seit Menschenaltern zwischen der Büreaukratie und Hierarchie Rußlands einerseits und der Intelligenz anderseits besteht. Die gesammte Bevölkerung zerfällt auf diese Weise in zwei streng ge- schiedne Theile, die einander nicht verstehen: Dort das starre Festhalten an alteingewurzelten Schäden, die man als berechtigte Eigenthümlichkeiten des Nationalstaates betrachtet, hier das heiße Verlangen, das Vaterland zu einem modernen Kulturstaat emporzuheben. Doch herrscht das ist ein freundlicher Zug in dem trüben Bilde unter den unzufriedenen Elementen ein fester Glaube in die guten Absichten des Kaisers Nikolaus II.

Daß die Zustände in seinem Reiche dem Zaren zu Herzen gehen, ist umso weniger zu bezweifeln, als Ruß­land durch die fortwährenden Unruhen nicht bloß in wirthschastlicher, sondern auch in politischer Beziehung geschädigt wird. Ebenso liegt die Annahme nahe, daß Nikolaus II. das Bedürfniß hat, sich nicht nur durch seine Beamten unterrichten zu lassen, sondern auch unab­hängige Vertreter der verschiednen Volksklassen zu hören. Die Meldung eines Londoner Blattes, daß er zwei­hundert Angehörige aller Stände empfangen wolle, be­darf allerdings der Bestätigung, da es vorerst nicht wahr­scheinlich ist, daß der Zar sein persönliches Eingreifen in so auffälliger Form kundthun wird.

Eine Anregung, sich über die Lage im Lande durch Volksvertreter aufzuklären, ist dem Zaren schon im März 1901 zugegangen. In einer Eingabe, die damals zahl­reiche Senatoren und Universitätslehrer an Nikolaus II. gerichtet haben, heißt es unter anderm:Durch die Be­drückung werden die besten Triebe ausgelöscht und an ihre Stelle der Einfluß selbstischer Beweggründe gesetzt, der ohnehin schon so mächtig in unserm täglichen Leben ist. Darf in einem selbstherrlich regierten Lande die

Nur die unvermeidliche Begegnung mit ihm steht ihr noch bevor. Ihr bangt davor, und doch erscheint ihr die Viertelstunde, die zwischen dem Weggang des Dieners und Eckhofs Erscheinen liegt, wie eine qualvolle Ewig­keit. Wird er überhaupt ihrer Aufforderung Folge leisten?

Endlich steht er vor ihr im Zimmer. Sie hat sich stärker geglaubt. Sein Anblick bringt sie fast um die mühsam bewahrte Faffung, und ihr Herz klopft zum Zerspringen.

Gnädigste Gräfin befehlen?" fragt er steif und förmlich.

Befehlen?" ihre Stimme bebt leise,das steht mir nicht mehr zu, wohl aber habe ich eine Frage oder besser eine Bitte an Sie zu richten. Ich schicke voraus, daß wichtige Ereignisse eingetroffen sind, die die Sachlage vollständig ändern. Doch, erst zu meiner Frage: Würden--möchten Sie die kontrakt­liche Kündigungsfrist nicht innehalten?"

Mit unverhohlenem Erstaunen sieht Eckhof sie an, undnein!" kommt es gleich darauf kurz, fast unhöflich von seinen Lippen.

Hertha erbleicht. Ist sie denn nicht schon genug ge- demüthigt, muß sie diesem Manne gegenüber auch den letzten Rest von Stolz opfern?

Auch dann nicht," fragt sie stockend,wenn ich mein heutiges Ansuchen an Sie zurückziehe, wenn-- ich Ihnen sage, daß ich meine Heftigkeit heute morgen

bereue und Ihnen freie Verfügung laffe?"

Auch dann nicht I"

Stimme treuer Unterthanen verhindert werden, den Herrscher zu erreichen? Eine schwere Gleichgiltigkeit liegt über jedermann, das Interesse für öffentliche Thätig­keit ist geschwunden, und in allen Schichten der Regierung und der Gesellschaft fühlt man den Mangel an Männern. Machen Sie durch eine großherzige That diesem Drucke ein Ende, Sire! Zeigen Sie Vertrauen in Ihre ehr­erbietigen Unterthanen und gestatten Sie uns, die Stimme der öffentlichen Meinung hören zu laffen, die jetzt geknebelt ist."

Beim Zaren liegt die Entscheidung. Mit drakonischen Maßregeln, mit Hilfe der Polizei und der Kosaken sowie der üblichen raschen Verbannungs-Justiz wird man der Unruhen nicht Herr werden. Wenn dies erst an maß­gebender Stelle in Rußland erkannt ist, so wird auch ein Weg gefunden werden, auf dem sich der gute Wille, durch Reformen befriedigende Zustände anzubahnen, ver­wirklichen läßt. **

Politische Nachrichten.

Berlin, 9. Juli.

Se. Majestät der K a i s e r hat am Montag Vor­mittag 10 Uhr die Nordlandreise angetreten.

Ihre Majestät die Kaiserin wird mit den Prinzen Eitel A u g u st W i l h e l m und Oskar voraussichtlich Ende dieser Woche in Cadinen eintreffen.

Auf Allerhöchsten Befehl wird die diesjährige Herbstparade des Gardekorps bei Berlin nicht am 2. September, sondern bereits am 30. August d. J. stattfinden.

Das unter dem Befehl des Prinzen Heinrich stehende erste Geschwader hat heute früh eine mehrtägige Uebungsfahct in die Nordsee angetreten.

Nach dem bereits kurz erwähnten Beschluß des Bundes­raths werden fortan nur Abiturienten der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen (die Letzteren ohne die für Mediziner vorgeschriebene Nachprüfung im Lateinischen) zum Studium der Thierarzneikunde zugelaffen werden. Die neue Bestimmung tritt vom 1. April 1903 an in Kraft.

In seiner gestern in Berlin unter Vorsitz des Herrn Dr. Hammacher abgehaltenen Sitzung beschloß der Centralvorstand der nationalliberalen Partei, einen Delegirtentag der nationalliberalen Partei im

Das ist zu viel für Hertha. Umsonst gedemüthigt, ihren Stolz verleugnet, ihre Würde sich vergeben! Ihre Selbstbeherrschung bricht darunter wie mit einem Schlage zusammen. Etwas Unerwartetes geschieht. Sie wendet sich ab, schlägt beide Hände vor ihr Gesicht und bricht in Thränen aus. Was kümmert sie noch die Nähe des Mannes, dem eine Schwäche zu zeigen, ihr stets als die tiefste Erniedrigung erschienen war? Der lange zurück­gedämmte Thränenstrom bricht sich endlich Bahn und fließt wie ein lindernder Balsam; er netzt das feine Taschentuch und trübt die klaren Augen.

Sprachlos, erschüttert verharrt Eckhof an seinem Platze. Ist das noch die Stolze, Unnahbare, die ihn so oft durch ihren Hochmuth gekränkt, der er jedes weichere Gefühl abgesprochen hat und die nun so fassungslos und leiden­schaftlich weint? Jst's dieselbe noch? Und warum dieser Schmerzensausbruch? Weil er ihre Bitte nicht erfüllen wollte? Lag ihr so viel an seinem Bleiben, oder war es nur seine kurze Abweisung, die sie verletzte? War er zu weit gegangen? Wie ein Chaos stürmt es in ihm, sekundenlang, dann bemächtigt sich seiner ein seltsames Gefühl, und was er auch vorher beabsichtigt, welche Pläne er gemacht hat, alle werden sie durch diesen Zwischensall über den Hausen geworfen.

Langsam nähert er sich der Gräfin; das Geräusch seiner Schritte läßt sie emporfahren. Sie erinnert sich jetzt erst seiner Anwesenheit, und ein hohes Roth der Beschämung fliegt über ihre Wangen, als sie sich ihm zuwendet:Vergebung! Was müssen Sie von mir denken, Herr Eckhof! Es war so viel, was heute auf