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Nr. 9t

6raiifhtia^ni3HWrirt<s ^diwwoiblatt** *JUuitrirte lansvivthschaftlichr Beilage

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

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auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Mustrirtrs Sonntagsblatt" und Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September werden von allen kaiserlichen Poftanftalten, kandbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher (theil

Hersfeld, den 1. August 1902.

Die Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 6. Mai 1879, Nr. 5554, Kreisblatt Nr. 37

20. Juni 1882, Nr. 8170, Witzblatt Nr. 49' ung der Hindernisse des freien FlußlaufeS betreffend, wird hierdurch mit Frist bis zum 6. d. Mts. in Erinnerung gebracht.

Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Ortsvorstände wird eine Ordnungsstrafe von je 3 Mark festgesetzt werden.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz ,

Geheimer NegieruttgS Rath.

nichtamtlicher Theil.

Politischer Wochenbericht.

Durch den e n g l i s ch ch i n e s i s ch e n Handelsver­trag hat die Erschließung Chinas für den Welthandel einen erfreulichen Fortschritt gemacht, wenn der veröffentlichte Wortlaut der Wahrheit entspricht. Die unter dem Namen Likin bekannten Binnenzölle sollen darnach aufgehoben werden. Diese Likins sind nicht zu verwechseln mit den noch fort be­stehenden Binnenzöllen, welche die einzelnen Vicekönigreiche und Provinzen von einander trennen; sie sind Zölle inner­halb einer Provinz und werden so dicht neben einander er­hoben, daß auf manchen Strecken im Durchschnitt auf weniger als 15 Kilometer eine Liktn Zollstätte kommt. Mau kann da­raus ermessen, wie diese Einrichtung den Waren-Verkehr lahm legen muß und wie ihre Beseitigung den Handel fördern würde. Allerdings soll sich die Aufhebung zunächst nur auf englische Waren beziehen, aber da zwischen uns und China ein Meistbcgünstigungs Vertrag besteht, so würde China uns dieselben Rechte einräumen müssen, die es England gewährt. Die Klagen verschiedner Blätter, daßDeutschland sich wieder einmal von England habe übers Ohr hauen lassen", sind also unter allen Umständen gegenstandslos.

Ueberhaupt ist unsre Diplomatie keineswegs so wenig auf dem Posten, wie jene Blätter glauben machen wollen. Sie genießt vielmehr im 9late der Völker eine aner­kannte Autorität. Weil sie aufrichtig und ehrlich ist, wird ihr Vertrauen entgegengebracht. So hat unsre Diplomatie in dem s ch w e i z e r i f ch i t a l i e nis ch e n Konflikt als Vermittlerin zur Zufriedenheit der beiden Vetheiligten glück­lich gewirkt dank unserm Reichskanzler und seinem Bruder, dem Gesandten v. B ü l o w in Bern, die die Verhandlungen geführt haben. Nicht mit Unrecht wird in emem Berichte aus Rom auch darauf hingewiesen, daß das Eingreifen des Berliner Kabinets einen allgemein sichtbaren Beweis dafür bildet, daß der Dreibund nicht nur nach

Buchstaben des Vertrages, sondern auch seinem Geiste nach mit unvermindertem Werthe erneuert worden ist und daß die verbündeten Mächte auch außerhalb des Rahmens verbriefter Pflichten zu gegenseitiger Unterstützung, wie sie einem engen Freundschafts-Verhältnisse entspricht, bereit sind. - Frankreich ist es zweifellos ein Zeichen für die Heiligung der Republik und der innern Verhältnisse, daß der gegen die klerikalen Schulen so ruhig 'abläuft. Vnsvesondre der letzte Sonntag, dem so mancherlei ^elterzelchen vorausgingen und der für Paris schlimme Dinge in seinem Schoße zu bergen schien, hat sich als verhältniß- maßig harmlos erwiesen. Die hier und da begangenen Aus­schreitungen beschränkten sich auf gewöhnliche Prügeleien.

Das Pariser Publikum war im allgemeinen wenig zu Excessen geneigt. Wie wenig sonst auch der Autoritätssinn der Pariser entwickelt sein mag, das eine Gute hat die verflossne 30jährige republikanische Friedensperiode doch auch dem leichtlebigen Völkchen an der Seine gebracht, daß es die behaglichen An­nehmlichkeiten einer äußerlich gesicherten Lebensführung hat schätzen lernen und sich deshalb nicht mehr wie früher von der ersten besten Agitation zu blutigen Aufständen verleiten läßt. In diesem Mangel an revolutionärer initiative der einstmals so maßlos leidenschaftlichen Pariser Bevölkerung liegt für die Republik, wie gesagt, ein staatserhaltendes Ele­ment. Wer weiß, was alles schon passirt wäre, wenn das Volk von Paris wie sonst für Barrikadenbau und Straßen- kämpfe schwärmte! Noch vor wenigen Jahren würden Amts Entsetzungen, wie die jetzt gegen den Admiral Serv an und den See Präfekten de B e a u m out Stürme der Entrüstung bei den Nationalisten hervorgerufen haben.

Unerfreuliche Nachrichten kommen aus Ga lizien. Der Aus stand der Feld arbeiter hat einen bedenklichen Umfang angenommen. Die Noth der galizischen Landbe­völkerung ist nichts Neues. In dem verhältnismäßig schwach bevölkerten Lande ist die starke Auswanderung ein deutliches Zeichen, daß der Bauer keine andere Wahl hat, als Hunger zu leiden oder die Scholle zu verlassen. Ein Hauptmerkmal dieser Bewegung ist es, daß das wirthschaftliche Moment mit dem nationalen verknüpft ist. Hand in Hand mit der Wirth schaftlichen Knechtung der Bauern geht die nationale Knechtung der Ruthenen durch den herrschenden polnischen Adel. Die Ruthenen haben wiederholt hiergegen protestiert, ohne daß sie Erfolg gehabt hätten. Jetzt haben sie den Feldarbeiter-Aus- sland in das ruthenisch-nationale Fahrwasser geleitet. Es ist Erntezeit, es fehlt in Galizien an Arbeitern, und man giebt den Feldruf aus, daß kein Ruthene bei einem polnischen Grund­besitzer Arbeit nehmen darf. Die Frucht soll in die Scheunen gebracht werden, statt dessen belagern die Arbeiter die ®ut§« Höfe und vernichten die Saaten. Schon ist Blut geflossen. Das sind die Erfolge der polnischen Wirthschaft in Galizien. Und in Galizien haben doch die polnischen Herren Gelegenheit, ihre Fähigkeiten ungehindert zu entwickeln. Wir können uns wahrlich glücklich preisen, daß unsere Regierung durch ihre das Deutschthum stärkende Ostmarken - Politik zu verhüten sucht, daß die Polen auch bei uns ans Ruder kommen.

Politische Nachrichten.

Berlin, 31. Juli.

Der Aufenthalt Seiner Majestät des Kaisers in E m d e n ist programmgemäß verlausen. Auf die Begrüßung des Oberbürgermeisters erwiderte der Kaiser mit einer Rede auf Emden, worin er unter anderin sagte: Die Stadt Emden hat, wie viele Städte unsers Vaterlandes, eine schwere Zeit durchzumachen gehabt. Sie ist eine blühende Handelsstadt gewesen, und hat es erleben müssen, daß der Handel andre Wege ging, andre Bahnen zog, und daß ihr blühender Zustand zurückging. Sie hat eine große Rolle in der Geschichte gespielt, und trat dann in den Hintergrund. Aber nie­mals hat Emden durch Schreien und Klagen in Bitter­keit den veränderten Zeiten Rechnung getrogen, sondern in stillem, innigen Gottvertrauen auf die Zukunft ge­wartet. Ich möchte diesen Seelenzustand, diese Eigen­schaft der Friesen und Emdens nicht besser bezeichnen können als mit dem Worte, das von Meinem hochseligen Vater gesagt ist:Sie haben gelernt zu leiden, ohne zu klagen." Fürwahr ein großes Beispiel, an dem sich viele Meiner Landleute ein Muster nehmen sollten!

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r ist an Bord der Hohenzollern" in der vergangenen Nacht um 12 Uhr in Brunsbüttelkoog eingetroffen. DieHohenzollern" trat sofort die Weiterreise nach Kiel durch den Kanal an. Heute früh um 8 Uhr 50 Minuten traf Seine Majestät an Bord derHohenzollern" in der Hollenauer Schleuse ein, verließ letztere bald nach 9 Uhr und be- gab Sich aus demSleipner" nach der Eckernförder Bucht, wo Alleihöchstderselbe Sich an Bord des Panzer­schiffesKaiser Friedrich III." einschiffen wird, um den gefechtsmäßigen Schießübungen beizuwohnen. Beim Eintr.ffen Seiner Majestät feuerten die Schiffe den Kaisersalut von 33 Schuß. An Bord befindet sich Alles wohl.

Ueber die Nordlandsreise des Kaisers schreibt die ZeitungAftenposten" unter anheim: Es ist, als ob die tiefen Fjorde und die eigenthümliche Natur deß westlichen Norwegens den deutschen Kaiser

wie mit magnetischer Kraft anziehen. Jahr für Jahr steuert er mit seinem schönen Schiff zum Lande der Mitternachtssonne und gewöhnlich gilt der Besuch den Fjorddistrikten des Westlandes. Hier ist er ein gern gesehener Gast, und seiner Ankunft sieht man in jedem Jahre mit großen Erwartungen entgegen. Der Kaiser bildet den Mittelpunkt des Touristenverkehrs, der erst nach dem Kaiserbesuch ordentlich in Fluß kommt. An dem Tage, wo dieHohenzollern", begleitet von den schönen Kreuzern und den unheimlichen Torpedobooten, in den Puddesjord fährt, kommt Leben in Stadt und Hafen. Während der Kaisersalut von den Schiffen donnert, und die Gebirge von dem Gedröhn widerhallen, das von den grauen Mauern der Feste Bergenhus er­widert wird, eilen die Bewohner Bergen« in Scharen nach den geeigneten Husenstellen, umden Kaiser" zu sehen. Mit großem Interesse verfolgt man die Unter­nehmungen des Kaisers. Beim diesjährigen Aufenthalt in der Hausastadt gab die Musikkapelle derHohenzollern" im Stadtpark ein Konzert, das sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte.

Wie aus Cadinen gemeldet wird, beabsichtigt Ihre Majestät die Kaiserin, Freitag Abend zur Be­grüßung Sr. Majestät des Kaisers in Kiel einzutreffen. Gestern waren bei Ihrer Majestät der Bischof von Enn- land, der Geh. Kommerzienrath Ziese und der Bürger­meister von Elbing zur Tafel geladen.

Aus Anlaß eines Souderfalles hat der Kultusminister eine Verfügung über die Gewährung von Gnaden- b e z ü g e n an Hinterbliebene von nur austrags- weise beschästigt gewesenen Lehrern erlassen. Die Ge­währung solcher Gnadenbezüge ist nach den bestehenden Gesetzen eine freiwillige Leistung der Schulverbände. Wie es aber als gerechtfertigt erachtet wird, daß einem nur auftragsweise beschäftigten Lehrer, dessen Anstellung lediglich hinausgeschoben ist, weil er seiner Militär. Pflicht noch nicht genügt hat, dieselbe Besoldung gewährt werde, welche er bei einstweiliger Anstellung in dem von ihm versehenen Amte erhalten haben würde, so erscheint es weiterhin billig, daß im Falle des Todes eines solchen Lehrers auch dessen Hinterbliebene nicht schlechter gestellt werden, als die Hinterbliebenen von Lehrern, die in Folge ihrer Unbrauchbarkeit zum Militär­dienst alsbald zur Anstellung gelangen konnten. Der Kultusminister hat deshalb die Regierungen angewiesen, in gegebenen Fällen durch Verhandlung mit den be­treffenden Schulverbänden dahin zu wirken, daß diese die Gnadenbezüge bewilligen. Nöthiginfalls sind den Schulverbänden dazu Beihülfen aus den Etatsfonds zu Beihülfe an Schulverbände oder behufs Errichtung neuer Schulstellen zu gewähren.

Zu dem angekündigten Rücktritt des Freiherr» v. W a n g e n h e i m von der Leitung des Bundes der Landwirthe schreibt dieDeutsche Tagesztg." :Es ist nicht unsere Art, Personenscagen breit zu erörtern, zu­mal wenn sie noch nicht zu den vollendeten Thatsachen gehören. Da aber Blätter verschiedener Richtungen sich damit beschäftigen, so wollen wir doch ein Wort dazu sagen. Alle die Kombinationen, ebenso wie die langen Artikel, die besonders die liberale Preffe an den beab­sichtigten Rücktritt des Frhrn. v. Wangenheim von seinem Amt im Bund der Landwirthe knüpft, sind müßiges Gerede. Es ist genau fo, wie Freiherr von Wangen­heim gesagt hat:Sein Weggang bedeutet für den Bund der Landwirthe keinerlei Systemwechsel." Dazu ist der Bund eine zu fest gefügte Organisation, und die Richtung der Bundespolitik wird auch nicht von dieser oder jener einzelnen Person bestimmt, sondern beruht auf den kollegialischen Beschlüffen des Bundesvorstandes. Nur wenn das ganze Kollegium zurückträle, wäre eine Aende­rung in der Richtung dieser Politik denkbar. Dies zur richtigen Einschätzung der luftigen Kombinationen in der Preffe. Im übrigen geben wir die Hoffnung noch nicht auf, daß die gegenwärtige Absicht des Freiherrn von Wangenheim schließlich doch nicht zur Verwirklichung komme.

Der sozialdemokratische Parteitag ist