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Gratirbeilas*« rAlluftrirtes Konnra-rblatt" *3Uu|6rirtt landwrvthfchaftlrche Beilage."

Sr. 91. Iienstaz he« 5. A«M 1992.

Amtlicher Theil.

Kassel, den 26. Juli 1902.

In der Zeit bom 15. bis 23. August d. I. wird in Frankfurt a. M. zur Förderung der Volks- und Jugend­spiele ein Kursus zur Ausbildung von Lehrern für diese Spiele abgehalten werden.

Wir ersuchen, die Lehrer ^^ ^^ auf den Kursus mit dem Hinweise aufmerksam zu machen, daß Meldungen unmittelbar an den städtischen Turninspektor Weidenbuch zu Frankfurt a. M. zu richten sind. Was die Beurlaubung der Lehrer betrifft, welche an dem Kursus theilnehmen wollen, so ermächtigen wir die Königlichen Schulvorstände bezw. Stadtschnldepntationen, in Fällen, in denen die Ver- tretung ohne große Schwierigkeiten sich ermöglichen läßt, nach Benehmen mit den Reiten Kreis-(Stadt-)Schul- inspektoren den Urlaub zu ertheilen.

In Fällen, in denen Bedenken obwalten, erwarten wir rechtzeitig Bericht.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.

In Vertretung: (Unterschrift).

An die Herren Landräthe des Bezirks und die Stadtschul- deputationen in Cassel und Hanau. B. Nr. 11631.

* *

Hersfeld, den 2. August 1902.

Wird den Königlichen Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises mit dem ergebensten Ersuchen um gefällige Veranlassung des hiernach Erforderlichen mitgetheilt.

I. 4387. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i u i tz, Geheimer Regierungs-Rath.

Cassel, den 22. Juli 1902.

Ein Einzelfall veranlaßt mich zu dem Ersuchen, auf die genaue Beachtung meiner Rundverfügung bom 28. Sep­tember 1901 A. II. 10879, betreffend die von den Civil- behörden den Militärbehörden über Fälle ansteckender Krank­heiten zu erstattenden Anzeigen hinzuwirken.

Der Regierungs-Präsident. . In Vertretung: (Unterschrift.) An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizei- Direktoren in Hanau und Fulda, die Herren Landräthe und Kreisärzte des Bezirks. A. II. Nr. 9687 II. Ang.

* *

Gin verlorener Sohn.

Erzählung von A. N.

(Fortsetzung.)

Das ist keine antwort, mein Junge. Auf Ihre momentan geschwächte Gesundheit würde man natürlich Rücksicht zu nehmen haben. Aber es giebt auch Arbeit für schwache Leute, und da ich viel in der Welt herum- komme, so könnte ich Ihnen vielleicht einen Erwerb verschaffen! Wählerisch dürsten Sie dann freilich nicht sein. Sie müssen wolle n."

Finster blickte der Kranke vor sich hin. Arbeiten, wieder sich schinden und placken, sollte das immer so sortgehen.

Ueberlegen Sie sich die Sache, mein Freund!" sagte der Prediger und stand auf.Wenn Sie an Jb" Eltern denken, wird der Entschluß Ihnen leichter werden!"

Meine Eltern sind beide tot!"

Armer Bursche, haben Sie sie garnicht gekannt?" O doch, meine Mutter starb erst vor ungefähr sieben Jahren!"

«So erinnern Sie sich ihrer genau, möchten Sie ihr nicht gern droben im Himmel wieder begegnen?"

Rudi schwieg.

Vermuthlich glauben Sie an keinen Himmel und an keinen Gott, nicht wahr, Sie finden, daß ein kluger Mann an solche Märchen garnicht glauben kann? Es ist ja heutzutage Mode geworden, daß man nur noch an sich selbst glaubt, u. s. w. Na, lassen wir das! Ich

Hersfeld, den 2. August 1902.

Wird den Ortspolizeibehörden des hiesigen Kreises im Anschlüsse an meine Verfügung vom 15. Oktober 1901 J. I. Nr. 5701, im Kreisblatt Nr. 124, zur genauesten Beachtung mitgetheilt.

I. 4389. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 1. August 1902.

Im Monat Juli d. Js. sind dahier für die nachbe­nannten Herren Jagdscheine ausgestellt worden und wird solches bestehender Anordnung gemäß hierdurch veröffentlicht.

A. Jahresjagdscheine.

a. entgeltliche:

1. am 4/7. für Adalbert von Baumbach aus Cassel, z. Zt. in Kirchheim;

2. Obervorsteher von Baumbach aus Cassel, z. Zt. in Kirchheim;

3. 5/7. Schreiner Georg Lotz II. in Leugers;

4. 7/7. Königlichen Gymnasial - Oberlehrer Dr. Stamm in Hersfeld;

5. 19/7. Leutnant, Ingenieur Carl von Uslar- Gleichen in Oberlengsfeld;

6. Apotheker Adolf Drube in Hersseld;

7. 21/7. Volvutair Carl Penuers zu Eichhof;

8. 24/7. Rittergutsbesitzer Constantin Muth zu Meisebach;

9. Musikdirektor A. Stubbe aus Haubinda in Sachsen-Meiningen;

10. 25/7. Laudwirth Johannes Horn in Heddersdorf;

11. Schreinermeister Heinrich Stiebing daselbst;

12. 30/7. Lehrer W. Paulus in Kleba.

b. unentgeltliche: Keine!

B. Tagesjagdscheine.

Keine!

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Fulda, den 29. Juli 1902.

Für den Viehmarkt in Fulda am 7. August 1902 finden die unterm 13. Januar 1902 im Kreisblatt Nr. 7 bekannt gegebenen Bestimmungen Anwendung. Der Beginn des Marktes ist auf 6 Uhr morgens festgesetzt.

bin heute nur hier, um Ihnen für Ihren irdischen Lebensweg zu rathen, so gut ich kann, vorausgesetzt, daß Sie überhaupt Rathschläge wünschen?"

Gewiß, ich bin Ihnen ja sehr dankbar," murmelte der in die Enge getriebene Rudi.

Mr. Thomas sah nachdenklich vor sich nieder und strich sich seinen langen Bart.

Um Ihnen rathen und helfen zu können, muß ich Sie zuvor ein wenig examinieren," sagte er dann. Arbeiten wollen Sie also?"

Ja, gewiß, wenn ich . . ."

Schon gut, lassen wir das Wenn und das Aber ein­mal bei Seite! Wann sind Sie herüber gekommen?"

Im Frühling werden es drei Jahr."

Wie alt sind Sie jetzt?"

24 Jahr."

Sind Sie während dieser drei Jahre immer Kellner gewesen?"

Nein, ich war zuerst Schreiber in einem Brireau, aber . . ."

Sie blieben da nur kurze Zeit, und dann . . ."

Und dann bin ich in einem Zirkus Stallmeister gewesen!"

Und dann . . ."

Stadtbahnwagen-Kondukteur!"

Rudi hatte sich mit finsterer Miene abgewandt. Weshalb dies Examen? Was ging Mr. Thomas seine Vergangenheit an?

Und zuletzt Kellner," sagte der alte Herr freundlich, nun, Sie haben sich ja in der Welt umgesehrn, das

Ich ersuche um entsprechende Bekanntmachung im dortigen Kreisblatt.

Königlicher Landrath. Steffens.

An den Herrn Landrath in Hersfeld.

* * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 1. August 1902.

I. 4373. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegieryngS-Rath.

Hersfeld, den 23. Juli 1902.

Der Landwirth Adam Koch und der Musikus Heinrich Lotz zu Kathus sind heute als stellvertretende Ortsschätzer für den Gemeindebezirk Kathus mit Oberrode wider­ruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.

I. 4029. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Vaterlandsliebe.

Was andern Völkern schon im Blute liegt, die Liebe zum Vaterlande, fehlt leider vielen Deutschen. Wie ein böser Fluch wirkt durch die Jahrhunderte fort unser alter Slammes-Eigensinn. Schon die alten Römer wußten diesen Erbfehler klug für ihre Zwecke zu benutzen und mit deutschen Söldnern die kaiserlichen Adler zu glänzen­den Siegen über germanische Völker zu führen. Ihrem Beispiele folgend haben Feinde des großen Landes im Herzen Europas oft Deutsche gegen Deutsche ausgespielt. Ländergierige Franzosenkönige, Schweden, Slaven u. a. haben deutsche Uneinigkeit zu den kräftigsten Stützen ihrer Triumphe zu machen verstanden. Noch heute ist dieser Mangel an Vaterlandsliebe nicht überwunden. Wenn auch nicht mehr mit dem Schwerte, so sehen wir doch Deutsche mit der Feder fremden Interessen gegen ihre eigenen Stammesbrüder beispringen. Am meisten sündigen die Sozialdemokraten gegen das nationale Empfinden, aber auch bei andern Parteien finden wir solche Verirrungen, z. B. in der Polenfrage. Dafür zu sorgen, daß diese Schwäche überwunden werde, ist die Hauptaufgabe jedes Vaterlandssreundes.

Ein wahrer Patriot stellt sich gern in den Dienst

steht fest; nun möchte ich noch wissen, was Sie leisten können. Verstehen Sie französisch?"

Ich kann mich ein wenig unterhalten darin!,,

Hm, sind Sie aus einem Gymnasium gewesen?"

Ja, aber nur bis zur Tertia bin ich gekommen, mein Vormund steckte mich in eine sogenannte Presse."

Nun, er wird wohl seine Gründe gehabt haben."

Mr. Thomas schwieg einen Augenblick.Besitzen Sie irgend welche Fertigkeiten, haben Sie musikalisches Talent, zeichnen Sie?"

Ich habe Talent zum Zeichnen, aber ich bin nie ausgebildet worden."

So, es ist gut, daß Sie das offen sagen. Ich leugne nicht, daß es schwer halten wird, eine Thätigkeit für Sie zu finden aber ich werbe nachdenken!~ Ja so, da fäßt mir etwas ein, Sie könnten vielleicht Setzer werden in unserer Vereinsdruckerei, was sagen sie da­zu? Es ist freilich ein eintöniges, geistloses Geschäft aber es ernährt seinen Mann, wenn es mit Eifer und Sorgfalt betrieben wird, und wenn Sie sich gut führen, fände sich wohl später eine andere Beschäftigung ! Nun, was meinen Sie?"

Ja Mr. Thomas, ich kann Ihnen ja nur dankbar sein, ich will mir Mühe geben,stotterte Rudi halb erfreut und halb geärgert.

Mr. Thomas reichte ihm die Hand.

Recht so, mein Junge, mehr kann man vorläufig nicht von Ihnen verlangen. Es ist schwer genug für einen, der in einen Sumpf gefallen ist, sich wieder heraus zu arbeiten; aber sehen Sie, wir alle wollen