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Nr. 82. IomerstW öe« 7. Anglist 1882.
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Politische Nachrichten.
Berlin, 5. August.
Memel, 5. August. Die Kaiser-N^cht „Hohen- poltern," mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord, nebst den Kreuzern „Prinz Heinrich" und „Nymphe" und dem Depeschenboot „Sleipner" kam heute Vormittag 10 Uhr in Sicht. Die Schiffe fuhren sechs Seemeilen von der Küste entfernt bei ruhiger See und aufklärendem Wetter vorüber.
Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt unterm 5. d.: Seine Majestät der Kaiser und König wird während der nächsten Tage als Gast Seiner Majestät des Kaisers Nikolaus in den russischen Gewässern weilen. Durch diese neue Zusammenkunft der befreundeten Herrscher wird der Besuch erwidert, den Kaiser Nikolaus im September v. I. unserem Kaiser bei den Flottenmanövern in der Danziger Bucht abgestattet hat. Im Laufe der damals gemeinsam verlebten Tage haben beide Monarchen den Wunsch ausgedrückt, stch in diesem Jahre an der russischen Küste in gleicher Weise zu begegnen. Zu unserer Befriedigung geht dieser Wunsch nunmehr in Erfüllung. Für Seine Majestät den Kaiser ist es eine besondere Freude, den edlen russischen Herrscher, mit dem er sich durch Gesinnungen von wechselseitiger Herzlichkeit verbunden weiß, begrüßen zu können. Die Be- | ziehungen Deutschlands zu Rußland haben sich seit dem 1
Mu verlorener Hoffn.
Erzählung von A. R.
(Fortsetzung.)
Solche Wochen der Angst und Sorge sind wohl imstande, bis dahin sich unbekannte Menschen in Freundschaft zu verbinden.
Martin blieb von jetzt an der Freund des Hauses.
Heute feierte man den fünfzigsten Geburtstag des Bürgermeisters mit einem glänzenden Souper, welches durch einen Tanz seinen Abschluß finden sollte.
Magdalene hatte den Doktor Keller zum Tischnachbar, und man raunte sich lächelnd zu, daß eine Verlobung bevorstehe.
Die Stadt K. . . war, obschon sie sich mit Stolz zu den giößern Städten zählte, doch ein rechtes Klatschnest, und längst hatte sie beschlossen, daß die reizende Magdalene und der kluge A:zt ein Paar werden müßten.
«Sie hat ja Geld, und er hat eine Zukunft," sagte man, und die Sache war fertig.
Die oeiben, auf die es hauptsächlich ankam, waren allein noch nicht fertig.
Freilich hatte Martin Heut zum erstenmal von seiner Kindheit, seiner Mutter, ja zuletzt sogar von seinem verschollenen Bruder erzählt, und Magdalenes Herz hatte vor Freude geklopft, daß der sonst so verschlossene Mann sie in sein Vertrauen gezogen hatte.
Und doch war ihr das scheinbar so harte Wort vom Pharisäer entfahren!
letzten Beisammensein der Souveräne so günstig fortentwickelt, wie es der Abwesenhsit jeder politischen Reibungsfläche zwischen beiden Reichen entspricht. Die allgemeine Lage kann einen abermaligen vertraulichen Gedankenaustausch zweier mächtiger Monarchen, deren Politik für die Erhaltung des Friedens vor Allem ins Gewicht fällt, nur willkommen erscheinen lassen. Diese Aussprache wird durch die Unterredungen ergänzt, zu denen als Theilnehmer an der Begegnung ihrer Souveräne der deutsche Reichskanzler und der russische Minister des Aeußern Gelegenheit haben werden. Graf Bülow folgt einer von Kaiser Nikolaus gegebenen Anregung, wenn er, wie im vorigen Jahr, mit dem Grafen Lamsdorff, dem bewährten Leiter der russischen Politik in unmittelbaren Verkehr tritt. Wir zweifeln nicht, daß diese persönlichen Berührungen der Herrscher und der Staatsmänner das durch keinerlei politische Streitpunkte verdunkelte freundnachbarliche Einvernehmen zwischen Deutschland und Rußland befestigen und fördern werden.
Aus Cronberg, 5. August, wird berichtet: Heute Vormittag 10*/2 Uhr fand in der Stadtkirche zum G e - dä ch tniß für die hochselige KaiserinFriedrich ein liturgischer Gottesdienst statt, an dem der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland mit den beiden ältesten Söhnen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, sowie die Erbprinzessin Charlotte von Sachsen-Meiningen mit Gefolge theilnahmen. Außerdem waren anwesend der Korpskommandeur v. Lindequist, der Kommandant von Frankfurt, Generalleutnant von Stülpnagel, der Chef des Generalstabes des 18. Armeekorps, Oberst Scholtz, sowie der Kommandeur des 80. Infanterieregiments Oberst v. Jacobi aus Wiesbaden und die Offiziere des Hamburger Bataillons. Auch sonst hatte sich ein zahlreiches Publikum zur Feier eingefunden. Am Stuhle der hochseligen Kaiserin lagen Blumenkränze, und der Altar war mit weißem FUeder geschmückt.
Der Beschluß des Bundesraths betreffs Abänderung der Vorschriften über die Prüfung der Thierärzte besagt Folgendes: An Stelle der §§ 5, 27 und 28 der Vorschriften über die Prüfung der Thierärzte treten folgende Bestimmungen: § 5. Naturwiffenschaftliche Prüfung. Die Zulaffung zur naturwissenschaftlichen Prüfung ist bedingt durch den Nachweis, daß der Kandidat a) die erforderliche wissenschaftliche Vorbildung besitzt. Dieser Nachweis ist zu führen durch das Reifezeugniß
Sie hätte ihre vorwitzige Zunge abbeißen mögen.
Begreifen konnte sie freilich nicht, daß man von seinem einzigen Bruder sagen konnte: „Für mich ist er tobt; er hat sich völlig von mir losgesagt!"
Aber dennoch war sie nicht berechtigt, ihm Predigten zu halten.
„Sind Sie mir böse?" fragte sie endlich furchtsam.
„Rein, Fräulein Magdalene, ich bin nur enttäuscht, daß Sie mich so mißverstehen konnten," entgegnete Martin ernst. „Mein Bruder hat sich nie über mich zu beklagen gehabt, an ihm habe ich meine Pflicht erfüllt, und nun lohnt er mir das so. Auf drei oder vier Briefe hat er mir nicht geantwortet. Als ich das letzte Mal von ihm hörte, war er in einer Seiltänzerbude oder in einem Zirkus beschäftigt; er schrieb mir frivol und ohne jede Neue, — nein, mit dem bin ich fertig!"
„Ich meinte ja auch nur, wenn er wieder schriebe, sollten Sie ihm verzeihen!" sagte das junge Mädchen leise und schüchtern.
Sein strenger Gesichtsausdruck verwandelte sich, als ihre Augen sich jetzt begegneten.
„Um Ihretwillen würde ich auch dies thun, aber mein Bruder wird mir nicht die Gelegenheit geben," sagte Martin ebenfalls mit gedämpfter Stimme.
„Um Ihretwillen" — Magdalene hörte nur dies eine Wort.
Sie erröthete und schwieg.
Aber als man dann vom Tische ausstand, hatte sie ihre Befangenheit überwunden.
„Mir siel eben ein, daß wir Verwandte in New-
eines Gymnasiums, eines Realgymnasiums oder einer Oberrealschule oder einer durch die zuständige Central« behörde als gleichstehend anerkannten höheren Lehranstalt; b) nach erlangter wissenschaftlicher Vorbildung mindestens drei Semester hindurch thierärztliche oder andere höhere wissenschaftliche deutsche Lehranstalten besucht hat. Diese Bestimmungen treten mit dem 1. April 1903 in Kraft und finden auf die Militär-Roßarzt-Aspiranten mit folgenden Vorbehalten Anwendung: a) die Militär- Roßarzt-Eleven sind von der Prüfung im Hufbeschlag auf den thierärztlichen Hochschulen zu entbinden, falls sie eine solche Prüfung an einer Militärlehrschmiede oder an einer thierärztlichen Lehranstalt bereits bestanden haben; b) die Militär-Roßarzt-Eleven sind, falls sie das Studium der Thierheilkunde vor dem 1. Oktober 1905 begonnen haben, zu den Prüfungen auch dann zuzulaffen, wenn sie nur das im § 5 Ziffer 1 zu a der Bekanntmachung vom 13. Juli 1889 bezeichnete Maß wissenschaftlicher Vorbildung besitzen.
Aus München wird vom 5. August berichtet: Die Kammer der Abgeordneten nahm einen Antrag Vollmar an, nach welchem sämmtliche Staatsangestellte, welche ein Gehalt bis 1020 Mark jährlich beziehen, einen Wohnungsgeldzuschuß von 45 Mark jährlich erhalten. Die sonstige Gewährung eines Wohnungsgeld- zuschuffes mußte mit Rücksicht auf die Finanzlage zurückgestellt werden.
Der Deutsche Forstverein wird seine dritte Hauptversammlung (30. Versammlung deutscher Forstmänner) in Leipzig vom 15. bis 20. September abhalten. Anmeldung bis spätestens zum 25. August an die Geschäftsführung der dritten Hauptversammlung des Deutschen Forstvereins zu Wermsdorf, Bez. Leipzig.
Die Verlobung des Herzogs Siegfried in Bayern mit Erzherzogin Maria Anunziata von Oesterreich wurde heute in beiderseitigem Ein- verständniß gelöst.
In den deutschen Münzstätten sind im Juli für 7 181 460 Mark Doppelkronen und für 20 000 Mk. Kronen, beide Münzsorten auf Privatrechnung, für 308 270 Mk. silberne Fünfmarkstücke, für 2 273 796 Mk. Zweimarkstücke, für 242 007,50 Mk. Zehnpfennigstücke, für 148 600,55 Mk. Fünfpfennigstücke und für 11441,95 Mark Einpfennigstücke geprägt worden.
Aus Wien werden folgende Preßstimmen über die Fahrt Sr. Majestät des Kaisers nach Reval ge-
Nork haben; ein Bruder von Papa lebt seit vielen Jahren dort, vielleicht könnte der Onkel etwas über Ihren Bruder in Erfahrung bringen?" sagte sie und sah ihn mit ihren freundlichen Augen so lieblich an, daß es ihm ganz heiß wurde.
„Sie sind zu gütig, aber Rudi ist wohl schon zu tief gesunken, als daß Ihre Verwandten ihn auffinden, geschweige denn ihm helfen könnten," meinte Martin traurig.
Etwa vierzehn Tage nach jenem Fest bei dem Bürgermeister begegnete der Doktor Keller Fräulein Magdalene Grünwald, als er um eine Straßenecke bog. Unwillkürlich blieben sie stehen und reichten sich die Hand.
„Ich muß Ihnen etwas erzählen, Herr Doktor," sagte sie erregt, dann stockte sie, fein sonst so ernstes Gesicht war so heiter, wie sie es noch niemals gesehen. „Was haben Sie nur?" setzte sie erstaunt und fragend hinzu.
„Erst erzählen Sie mir!" bat er und sah ihr tief in die sprechenden Augen.
„Ich werde nach New-Iork reisen mit Papa! Ist es nicht prachtvoll? Papas Bruder, Onkel Alfred, der dort Kaufmann ist, bittet uns schon längst, einmal zu kommen. Es war schon im vorigen Herbst davon die Rede, da kam ja Mamas Krankheit, nun aber wird's Ernst. Der Grund ist recht traurig, denn Onkel ist sehr leidend und will mit Papa über Geschäfte sprechen!"
„Sie reisen nach New-York?" Martin stieß die