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Amtlicher Theil.
Cassel, den 13. August 1902.
Auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird mit Rücksicht auf die Verspätung der Erndte in Abänderung der Bekanntmachung vom 5. f. M.*) der Anfang der diesjährigen Jagd auf Rebhühner, Wachteln und Haselmild auf den 1. September d. J. festgesetzt.
Namens des Bezirks-Ausschusses. Der Vorsitzende.
* *
Cassel, den 13. August 1902.
Abschrift zur Kenntnißnahme und weiteren Veröffentlichung.
Der Vorsitzende des Bezirks-Ausschusses.
I. V. (Unterschrift.)
An die Herren Landräthe des Bezirks und die Königliche Polizeidirektion hier. V. A. 3503.
* *
Hersfeld, den 18. August 1902.
Wird veröffentlicht.
I. 4706. Der Königliche Landrath
I. V.: Braun, Kreisdeputirter.
*) abgedruckt im Kreisblatt Nr. 95.
Hersfeld, den 12. August 1902.
Unter den Nindviehbeständen in der Gemeinde Wehrs-
Hausen ist der Bläschenausschlag auSgebrochen. I. 4586. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Homberg, den 18. August 1902.
Unter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 7. d. M. Nr. 5972 theile ich ergeben!) mit, daß der geisteskranke Schmied Friedrich Keim von Holzhausen am 16. d. M. Abends bei seinen Eltern wieder eingetroffen ist.
Der Königliche Landrath von Gehren.
An sämmtliche Königliche Landrathsämter des Regierungsbezirks, Kgl. Polizeidirektion zu Caffel und den Herrn Oberbürgermeister zu Marburg. I. Nr. 6302.
Gin verlorener Sohn.
Erzählung von A. R.
(Fortsetzung.)
Rudi las wohl hin uub wieder ein gutes Buch, das leine Freunde ihm schickten, aber ihm fehlten die Mittel, um sich fortgesetzt Lektüre zu verschaffen. Von draußen aus der Welt drang nur wöchentlich einmal ein Ton zu ihm herüber, die nächste Stadt lag ja gute 10 englische Meilen von ihm entfernt. In der ersten Zeit pflegte sein Herz höher zu klopfen, wenn der Postwagen vor seinem Hause hielt und ein Paket Zeitungen und Briese an ihn abgeliefert wurde. Mit zitternder Hand suchte er zunächst nach einer ausländischen Marke, aber fast immer vergebens. Briefe aus New Aork kamen zuweilen, die Mortons und andere Freunde, welche er während feiner Seminarzeit gewonnen hatte, schrieben ihm von Zeit zu Zeit.
Aber sein Herz dürstete im Anfang nach Briefen aus der Heimat. Sprachen sie drüben noch jemals von ihm, den Verbannten? Dachten sie an ihn, glaubten sie an ihn, vertrauten sie ihm? Nach und nach gewöhnte er sich an die Einsamkeit und lebte nur noch der Gegenwart mit ihrer täglichen Arbeit und ihren großen Zwecken.
Er wußte, daß Martin und Magdalene geheiratet hatten, und daß ihnen zwei Kinder geboren waren. Er wußte auch, daß der Knabe nach ihm genannt morden war, und daß Martin eine ausgebreitete Praxis besaß. Er konnte sich ja denken, daß sie vollauf zu thun
Hersfeld, den 19. August 1902.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf das Ausschreiben vom 8. d. MtS. I. 4524 (Kreisblatt Nc. 94) zur Kenntnißnahme mitgetheilt.
I. 4733. Der Königliche Landrath
I. V: Braun, Kreisdeputirter.
Gesunden: eine Axt. Meldung des EigenthümerS bei dem OrtSvorstand zu Fcielingen.
Nichtamtlicher Theil.
Ae kitWIlttilzsfeier iilHsmkr- ».-.Höhe.
Die Einweihung des Kaiserin Friedrich- Denkmals, welches in dem Hamburger Kurpark gegenüber dem Kaiser Friedrich - Denkmal Aufstellung gefunden hat, erfolgte gestern Vormittag 11 Uhr. Von endlosen Hochrufen begleitet, trafen Ihre Majestäten der K a i s e r und die Kaiserin, der Kronprinz, Prinz Joachim, Prinzessin Viktoria Luise aus dem Platz ein, während die Kaiserin von dem Kronprinzen nach dem Kaiserzelte geleitet wurde, schritt der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie ab. Nach dem Zelle zurück- gekehrt, begrüßte der Kaiser die erschienenen Gäste. Nach der Begrüßung hielt der Vorsitzende desDenkmals- komites, Dr. Rüdiger, die Eröffnungsrede, und nachdem die Hülle gefallen war, hielt der Kaiser selbst folgende Ansprache:
„Zum ersten Male fällt heute die Hülle von einem Denkmal, welches die Züge der theueren verblichenen Mutter und Kaiserin der Nachwelt, besonders dieser ihrer lieben Stadt und Bürgerschaft erhalten soll. Da ziemt es sich zugleich, ein in wenigen Strichen gezeichnetes Charakterbild der hohen Fürstin zu entwerfen, welches in den Herzen des deutschen Volkes die Erinnerung an seine Kaiserin wachhalten soll."
Alsdann verlas Se. Majestät Folgendes:
Am 5. August 1901 verschied zu Schloß Friedrichshof bei Cronberg die Kaiserin und Königin Viktoria, Wittwe des hochseligen Kaisers Friedrich, princess royal von Großbritannien und Irland, Meine erlauchte Mutter, nach langem, mit Lebensmuth und standhafter Ausdauer getragenen Leiden. Hochbegabt, von starker geistiger
hatten, und er nicht von ihnen verlangen konnte, daß sie ihm oft schrieben. Aber wenn er sich das alles auch tausendmal wiederholte, das Heimweh blieb dennoch im Herzen.
X.
Es ist eine sternhelle Sommernacht.
Rudi Keller wirst sich unruhig auf seinem Lager hin und her. Der Tag war so glühend heiß gewesen und der Arbeit viel. Jetzt endlich weht ein kühlerer Luftzug durch das geöffnete Fenster herein, und seine Gedanken beginnen sich zu verwirren und in sanfte Träume zu verwandeln. Aber es sollte heute aus dem Schlafe nichts werden.
Trim, der neben dem Bett seines Herrn sein Lager hat, hebt den Kopf und knurrt leise; dann stößt der wachsame Hund sogar ein kurzes Gebell aus.
Rudi fährt empor.
Rüttelte da nicht jemand an der Hausthür?
Mit einem Satz ist er am Fenster.
„Wer ist da?"
„Mrs. Tomkins läßt so sehr bitten, daß Mr. Keller kommen möge, es geht schlecht mit ihrem Mann!"
Rudi war in wenigen Augenblicken angekleidet und zog seinen getreuen Tristau aus dem Stall. Ein Frösteln lief ihm einmal über das andere über den Rücken. Das mochte wohl von dem kühlen Nachthauch Herrühren, der der Tagesglut gefolgt war! Oder war es eine nervöse Empfindung? Ein unwillkürliches Grauen vor dem, was ihm die nächsten Stunden bringen würden?
Willenskraft, erfüllt von hohem kulturellen Streben, dem ein seltenes Wissen zu Gebote stand, stolz auf ihre Königliche und nationale Abstammung, stets bemüht, deren tiefe Jugendeindrücke und Erfahrungen auch in ihrer zweiten deutschen Heimath zur Geltung zu bringen, zielbewußte Förderin der Entwicklungswege des Schönen in Kunst und Kunstgewerbe, wissenschaftliche Forschung und deren Ergebnisse mit Wärme ergreifend, für die Ausdehnung weiblicher Bildung und Erwerbsfähigkeit, für die Ausgestaltung weiblicher Krankenpflege erfolgreich wirkend, endlich die liebende Gattin und stete Gefährtin des Kronprinzen, an der Spitze eines glücklichen Familien- Hauses, an allen großen Ereignissen, wie an allen Begebenheiten seines reich gestalteten Lebensganges be> theiligt, die sorgende Gemahlin des Kaisers und Königs in bangen, trüben Tagen, die würdevoll trauernde Wittwe am frühen Schluß ihrer eigenen, über lichte Höhen und durch dunkle Todesschatten führenden Laufbahn, so hat diese Fürstin unter uns geweilt, und so fügt sich ihr Bild ein in die Annalen des Hohenzollernschen Hauses in Preußen und Deutschland.
Die Kaiserin war geboren am 21. November 1840 als das älteste Kind der Königin Viktoria und des Prinz- Gemahls Albert von Sachsen-Koburg und genoß inmitten der vielfachen Anregungen, welche das Leben am* englischen Hofe dem früh entwickelten Geist der Prinzefirn gewährte, eine sorgfältige Erziehung. Erst siebzehnjährig, folgte sie dem ihr am .25. Januar 1858 angetrauten Galten, dem sich ihre ganze Neigung erschlossen hatte, nach Preußen und verließ einen zahlreichen Geschwister- kreis, ein Vaterhaus und eine Heimath, denen ihre innigste Zuneigung bis zu ihrem Lebensende erhalten blieb.
Während der 30 Jahre, welche die große geschichtliche Entwicklungsepoche unseres Vaterlandes umfassen, hat sie als die Kronprinzessin von Preußen und seit 1871 auch des deutschen Reichs an der Seite des Kronprinzen in zunehmendem Maße in Haus und Familie, in gesellschaftlicher Beziehung und durch öffentliche Bestrebungen, sei es in der Ausübung fürstlicher Repräsen- tation, sei es durch die Verdienste um die Begründung des Kunstgewerbe-Museums und der Kunstgewerbeschule, oder durch die Anregungen zur Gründung des Lettevereins, des Heimathhauses für Töchter höherer Stände, des Viktoria-Lyzeums und der Fortbildungsschule, des Feierabenhauses für Lehrerinnen, des Viktoria-Hauses für Krankenpflegerinnen, des Vereins für häusliche Ge-
Er kannte ja des Holzfällers Tomkins harten Sinn, sein selbstzufriedenes, gegen alles Göttliche stumpfes Wesen! Und nun begehrte man seine Hilfe! — Ein stilles Gebet drang aus des jungen Predigers demütigem Herzen zu Gott empor, als er jetzt über die Prärie da- hintrabte, dem grauenden Morgen entgegen.
Er fühlte sich selbst so unfähig, andere zum Glauben zu bekehren, aber er war's ja auch nicht, der es thun sollte, — der Herr schaffte selber Wollen und Vollbringen. Das gab ihm immer wieder Muth. Und als er eine halbe Stunde später an dem Sterbelager des Mannes stand, der gestern noch in seiner vollen Lebenskraft ihm begegnet war, — da war alle Bangigkeit von ihm gewichen.
Schluchzend erzählte die Frau, wie mau ihr ihren Charles in das Haus gebracht habe, ein herabfallender Ast hatte die Leiter, aus welcher er stand, getroffen und zu Boden geworfen! Der schwere Fall hatte den Mann tödtlich verletzt. Der Rückenwirbel schien gebrochen, er konnte sich nicht rühren, und das Bewußtsein war zuerst ganz geschwunden gewesen!
Jetzt erkannte er doch den Prediger, der sich freundlich über ihn beugte und über seine Stirn strich, auf welcher der Todesschweiß schon in großen Tropfen perlte.
„Sind Sie da, Mr. Keller?" sagte eine schwache, kaum kenntliche Stimme. „Verlassen Sie — meine Frau und Kinder nicht, — ach, Gott, — das — ist — der Tod!"
„Ihre Familie wird versorgt werden!" sagte Rudi