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" U^ Smickil^« 21 August 1902.

2lmtlid)er Theil

Gesunden: eine Peitsche. Meldung des EigenthümerS an, bei dem Ortsvorstand in Schenklengsfeld.

»I Nichtamtlicher Theil.

Politischer Wochenbericht.

J Wehmütige Erinnerungen wurden während der ver­flossenen Woche in Cronberg und Homburg aus Anlaß | her Enthüllung der Denkmäler für den Kaiser und die Kaiserin Friedrich wachge- I rufen. Kaiser Wilhelm selber verlas während des seier- 2 lichen Aktes in Homburg ein Lebensbild der teuren Mutter, das eine feinsinnige Charakteristik der Verewigten enthielt und dem ganzen Reichthum ihres Wesens und

. Wirkens gerecht wurde. Die kaiserlichen Worte fanden M einen machtvollen Widerhall und werden sicherlich dazu beitragen, daS Andenken der edlen Dulderin in den Herzen des deutschen Volkes lebendig zu erhalten.

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Die Stille, die gegenwärtig in der innern Politik herrscht, leistet naturgemäß, wie das alljährlich zu ge­schehen pflegt, der Neigung Vorschub, an sich unwichtige Vorkommnisse zu Haupt- und Staatsaktionen aufzu- bauschen. Dies zeigt sich insbesondere an dem Fall L ö h n i ii g , aus besten detaillierter Behandlung die Parteipresse der verschiedenen staatsfeindlichen Richtungen fortgesetzt Kapital für ihre Zwecke zu schlagen sucht. Die preußische Finanzverwaltung hat nunmehr öffentlich eiklärt, daß sie ihre bisherige Zurückhaltung in der An­gelegenheit auch fernerhin beobachten werde, da es den preußischen VerwaltungS-Grundsätzen nicht entspreche, Beschwerden, die ein Staatsbeamter gegen seine Vor­gesetzten erheben zu können glaube, durch die Presse zum AuStrag bringen zu lassen. Dagegen werde in der preußischen Volksvertretung der Nachweis erbracht werden, daß die den Bestrebungen der Staatsregierung direkt zuwiderlaufende Haltung Löhnings in der Polen­politik für seine Versetzung in den Ruhestand entscheidend gewesen sei. Für alle diejenigen, die auf ein un­parteiisches und sachliches Urtheil Gewicht legen, dürfte mit dieser Erklärung die Erörterung des Falles Löbuing vorläufig beendet sein.

Von Frankreich herüber ertönte wieder einmal Säbelgerassel. Der gegenwärtige Kriegsminister A n d r s hat es für gut befunden, in öffentlicher Rede unverblümterweise auf den Revanche-Gedanken anzu- spielen. Deutschlands Ruhe wird durch derartige Tiraden nicht erschüttert. Dieselben sind aber geeignet, auch den weitesten Kreisen des deutschen Volkes klar vor Augen zu führen, wie falsch und unangebracht es er­scheint, sich Frankreich gegenüber in trügerischer Sicher­

Heil zu wiegen, und wie erforderlich es für unsere aus­wärtige Politik ist, jedenAugenblick mit der im französischen Volke lebenden Revanche-Idee als mit einer realen politischen Macht zn rechnen. Vor allem aber sollten solche Kundgebungen auch den eingefleischtesten Gegner des sogenannten Militarismus von der Nothwendigkeit überzeugen, unser Pulver stets trocken und unsere Waffen allezeit blank zu halten.

Im übrigen ist es bis zu einem gewissen Grade er- iläriicfc, wenn sich die leitenden Staatsmänner Frank­reichs augenblicklich von einiger Nervosität befallen zeigen. Das französische Vereinsgesetz und seine Durchführung sertens des Ministeriums Combes haben zu einer weit­reichenden Gährung Anlaß gegeben. Die Schließung der Kongregations-Schulen in der Bretagne ist nun freilich vollendete Thatsache, konnte m't Zwang unter dem erbitterten Widerstände der Bevölkerung ins Werk gesetzt werden. Zahlreiche Gencralräthe haben unmittelbar nach ihrer Eröffnung r gegen die Haltung der Regierung und die Schließung der Klosterschulen gefaßt, in richterlichen wie in militärischen Kreisen macht sich vielfache Unzufrieden­

heit bemerkbar, kurz es ist zur Zeit noch garnicht ab- zusehen, wann und wie sich die Wogen der Erregung und Empörung wieder glätten werden.

In Oesterreich ist der 72. Gebuilstag Kaiser Franz Josefs allenthalben unter lebhaftester Theil­nahme der Bevölkerung festlich begangen worden. Mit dem österreichischen Volke aber hat auch diesmal das deutsche wieder seine herzlichsten Wünsche für unsern hohen Verbündeten vereint. Die in Jschl stattgehabten Konferenzen der beiden Ministerpräsidenten v. Körber und v. Szell mit dem Kaiser über den Ausgleich haben noch zu keinem befriedigenden Ergebnisse geführt, doch ist ein sehr naher Termin für die Wiederaufnahme der AuSgleichs-Verhandlungen bestimmt worden.

In England endlich hat die F'ottenparade bei Spithead einen glänzenden Verlauf genommen. Es zeigt sich bei dieser Gelegenheit aufs neue, daß Groß­britannien über eine Seemacht verfügt, die der gesummten Welt Achtung und Verwunderung abzunöthigen vermag.

Politische Nachrichten.

Berlin, 22. August.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind gestern Nachmittag von Cronberg nach Homburg v. d. Höhe zurückgekehlt. Der! Großherzog und die Großherzogin von Baden haben am Nachmittag Cronberg ebenfalls verlassen; Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Reffen gaben ihnen das Geleit zum Bahnhose, wo der Frankfurter Verein der Badener den Grobherzoglichen Herrschaften eine be­geisterte Kundgebung bereitete. Zur Abendtafel bei Ihren Majestäten waren geladen Professor v. Oechel- Häuser und Gemahlin. Heute Morgen unternahm Se. Majestät der Kaiser einen Ausritt und hörte im Laufe des Vormittags die Vorträge des Kultus­ministers Studt, des Hosbauraths Jhne, des stellver­tretenden Chefs des Civilkabinets Geh. Raths v. Valentin, und des Kriegsministers von Goßler.

Laut ringegangener Berichtigung ist der letzte Satz in der R e d e S r. M a j e st ä t des Kaisers in Homburg v d. H. zu lesen wie folgt:Auch sie wurde von schwerer Krankheit ergriffen, und in langer, schmerzensreicher Leidenszeit, die sie in Gottes Fügung ergeben durchlitt, löste sich das einst farbenfrohe Band dieses zu so glänzenden Erwartungen berechtigenden in­haltsvollen uno inhaltsschweren Daseins einer seltenen Frau und einer zu hohem Wirken berufenen Fürstin."

Die Einberufung des preußischen Lehrer­tages, die in weiten Kreisen der Volksschullehrer noch sür dieses Jahr gewünscht wurde, erfolgt gegen Ende des Dezember während der Weihnachtsserien in Magde­burg. Es soll über eine Reihe sehr wichtiger Fragen berathen werden, unter denen die Regulirung der Ge­haltsfrage den ersten Platz einnimmt. Die Lehrer ver­langen eine vollständig gleichmäßige Besoldung aller Lehrer nach Art derjenigen irgend einer Klasse von Staatsbeamten ; alle Lehrer sollen in Bezug auf Grund­gehalt und Alterszulage gleichgestellt werden. Neben dieser Forderung steht die zweite, daß der Staat die gesammte Unterhaltung der Schulen oder wenigstens die Besoldung der Lehrer auf seine Kosten übernimmt, und daß die Lehrer an Volksschulen unmittelbare Staatsbeamte werden mit allen Rechten und Pflichten von Staatsbeamten. Ferner soll die Höhe des zu beanspruchenden Dienst- einkommens normirt werden.

Die deutsche überseeische Aus Wanderung be­trug im Monat Juli 1902 über Bremen 1195, über Hamburg 681, zusammen 1876 gegen 1247 im Jahre 1901. Ueber fremde Häfen (soweit ermittelt) gingen 533 gegen 396 im Jahre 1901. Aus deutschen Häfen wurden im Juli 1902 neben den 1876 deutschen Aus- wanderen, noch 12 464 Angehörige fremder Staaten besördert, davon gingen über Bremen 7474, über Ham­burg 4990.

Durch Bekanntmachung hatte eine Behörde im

Herzogthum Gotha verfügt, die Bundesrathsver­ordnung über die Beschäftigung von Gehülfen u. s. w. im Gastwirthsgewerbe sei dahin auszulegen, daß die unter die Verordnung fallenden Personen in den Ruhezeiten freiwillig arbeiten könnten, ohne daß sich der Prinzipal dadurch strafbar macht. Auf eine Eingabe des Deutschen Kellnerbundes indessen hat das Staats­ministerium in Gotha die Behörde angewiesen, ihre Verfügung zurückzuziehen, da durch private Ver» einbarung zwischen den Betheiligten die in der Bundes- rathSverordnung normirten Mindestruhezeiten nicht ab. geändert werden könnten und ein freiwilliger Verzicht der in Frage kommenden Bediensteten unzulässig erscheine.

Aus London wird vom Mittwoch berichtet:Daily Telegraph" schreibt über die Feier in Homburg, ein angenehm berührender Vorgang in Hinsich auf die Beziehungen zweier Völker, deren überlieferte Freund­schaft vor Kurzem durch Zwistigkeiten gestört wurde, die aber im Interesse beider Länder niemand aufrecht zu erhalten wünschen kann, habe sich in Homburg abge­spielt. Die Ansprache Kaiser Wilhelms werde einen nachhaltigen Eindruck hervorrufen. Im Hinblick auf ein Ereigniß wie das gestrige fei es schwieriger als jemals zu verstehen, daß Leidenschaft, Vorurtheil und gegenseitige Besch»MgWgen für einen Augenblick die freundschaftlichen Traditionen gefährden konnten, die jeder vernünftig denkende Mensch als ein wesentliches Interesse zweier großer Völker ansehen müsse. Daily Chronikle" sagt: Alle Engländer bewundern den Kaiser. Ihre Bewunderung wird erhöht durch den der Kaiserin Friedrich gezollten Tribut.

Das Beispiel des Kriegsministers Andrs, der bei einem Bankett in Villefranche denRächer Frankreichs" aufmarschiren ließ, um den Offizieren die Nothwendigkeit eines unbedingten Verzichtes auf Geltendmachung per­sönlicher Ueberzeugungen nahezulegen, hat rasch Schule gemacht. Mit größerer Ungenirtheit noch, als es dem Kriegsminister möglich war, haben einige Festredner bei der Gedenkfeier des Schlachttages von MarS-la-Tour ihrem bekümmerten Herzen Luft gemacht und der Hoff­nung auf dereinstige Wiedereroberung der Reichslande Ausdruck gegeben.Es wird berichtet: Die französische Gedenkfeier auf dem Schlachtfelds von Mars la Tour führte zu verschiedenen chauvinistischen Kundgebungen. Anwesend waren mehrere Generale und höhere Offiziere, darunter der kommandirende General Driant aus Troyes, ferner sechs nationalistische Deputirte. Der Bischof Turinaz von Nancy wandte sich an die Elsaß-Lothringer, welche zur Theilnahme an der Feier die Grenze über­schritten hätten, um trotz der Kanonen der Deutschen, trotz des Unglücks, das noch immer ihr Land gefangen halte, hier auf französischem Boden ihre unerschütterliche Treue zum alten Vaterland zu bezeugen und durch ihr Erscheinen die stumme und doch so beredte Frage zu stellen:Wie lange sollen wir auf Euch noch warten? Wann kommt Ihr, um uns zu befreien?" Nach der Metzer Zeitung wurden drei weitere Ansprachen gehalten, so von dem Deputirten Lebrun, der auf die Rede des Deputirten Jaurss in der Kammer anspielte und sagte: Als man uns aufforderte, zu vergessen, da riefen die Abgeordneten aller Parteien:Niemals!" Nein, so lange Frankreich Helden zählt wie einen Marchand, einen Gentil, einen Foureau, braucht es nicht zu ver­zagen." General Cuny schloß sich mit einer vorgelesenen Rede an, die mit den Worten endete:Die Mitkämpfer von 1870 sind hierher gekommen, um über die Mosel und Vogesen hinweg denen, deren Seele französisch ge­blieben ist, ihren Brudergruß zu senden und ihnen zu sagen, daß die Hoffnung auf eine Zukunft, welche die Niederlagen der Vergangenheit wieder weltmachen soll, niemals ersterben wird".

Die Buren-Generale sind im Haag eingetroffen und haben auch in Scheveningen dem Präsidenten Steijn einen Besuch gemacht. Bei der Ankunft im Haag hielt Louis Bolha eine Ansprache, dankte im Namen seiner Kameraden für die Kundgebungen und sagte, die Zeit sei für sie noch nicht gekommen, um alles das, was st«