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Nne* ta 21 August

G^tisbeUa^en ^ ^ Ssnntagrblatt" *3Uu#rirte landwirthschaftUche Vettage.

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Amtlicher Theil.

Berlin W. 9, den 21. Juli 1902. Allgemeine Verfügung Nr. 29/1902.

Nach § 11 Abs. 1 der Bundesrathsinstruktion ist die Beseitigung von Milzbrandkadavern durch Vergraben nur zulässig, wenn die Verbrennung oder die Vernichtung auf chemischem Wege nicht ausführbar ist. Trotzdem werden die Kadaver bis jetzt selten verbrannt, da nur wenig Verbrennungsöfen und Kadaververnichtungsappr- rate vorhanden sind. Die wünschenswerthe schnelle Ver­mehrung dieser Einrichtung stößt wegen der bedeutenden Höhe der Anschaffungskosten auf Schwierigkeiten. Die Aufmerksamkeit ist in neuerexZeit wieder aus die früher mehrfach vergeblich versuchte Verbrennung auch großer Kadaver auf freiem Felde gelenkt worden und in dem Regierungsbezirk Minden und im Kreise Hattingen des Regierungsbezirks Arnsberg sind mit dem in der Anlage beschriebenen Verfahren so gute Erfolge erzielt worden, daß es sich empfiehlt, auch in anderen Bezirken auf diesem Wege vorzugehen.

Sie wollen daher den Polizeibehörden und den beamteten KTHierärzten von dem Verfahren Kenntniß geben und besten versuchsweise Anwendung empfehlen.

Die Kosten des Brennmaterials werden dadurch wieder ausgewogen, daß von der Herstellung und dauernden Unterhaltung einer Einfriedigung des Verscharrungs- platzes abgesehen werden kann.

Gin verlorener Sohn.

Eizählung von A. R.

(Schluß.)

Lieber Martin, willst du nicht etwas essen? Die Suppe wird kalt!" Magdalene hatte die Worte gesprochen.

Ja, richtig, er war ja in Amerika, in einem Prärie- dorse und dort ganz nahe von hier, lag Rudis Leiche! Ach, lieber Gott! wäre er doch nur immer gut und freundlich zu ihm gewesen! Aber von der frühesten Kindheit an hatte er die Rolle des Mentors gespielt, immer hatte er den jüngern Bruder ermähnt, gescholten, ost in geringschätzigem Tone mit ihm geredet, niemals Vertrauen zu ihm fassen können, und nun war dennoch klmas geworden aus dem Taugenichts. Gott hatte ein Wunder gethan und ihn zur Besinnung gebracht, und fremde Menschen, echte, treue Christen hatten Vertrauen gehabt und dem fast Versinkenden die Hand gereicht! Aber er er hatte nur an sich gedacht, an seine Arbeit, an sein Glück, an seine Familie! Für den fernen Bruder hatte er hin und wieder einen Gedanken, einen mitleidigen, mißtrauischen Gedanken, wenn's hoch kam einen erstaunten, ungläubigen Gedanken und damit gut

Martin seufzte tief auf! Er faß vor seinem Teller Suppe und konnte nicht essen, bis seine junge eirau sanft den Arm um seinen Hals legte und bot: «®u mußt essen, geliebter Mann, sonst wirst du auch

Zum 1. Juli n. J. wollen Sie über die hierbei gemachten Erfahrungen berichten.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten.

I. V. gez.: S t e r n e b e r g.

An sämmtliche Herren Regierungs-Präsidenten und den Herrn Polizei-Präsidenten hierselbst. Gesch. Nr. I. G. a. 5716.

* * *

Cassel, den 10. August 1902.

Abschrift vorstehenden Erlasses nebst Anlage zur Kenntniß mit dem Ersuchen, die versuchsweise An­wendung des Verfahrens den Ortspolizeibehörden zu empfehlen. Ueber die gemachten Erfahrungen ersuche ich mir zum 20. Mai 1903 zu berichten.

Der Regierungs Präsident. I. V. M a u v e. An die Herren Landrälhe des Bezirks mit Ausnahme von Caffel-Stadt/Land und Hanau. A. II. 6991.

Verfahren zur Verbrennung von Milzbrandkadavern.

Behufs Verbrennung großer Kadaver ist auf einer von Gebäuden und brennbaren Gegenständen abgelegenen Stelle eine 111 /a Meter breite und tiefe und 2/a3 Meter lange Grube so anzulegen, daß die Längsrichtung der Grube der Windrichtung entspricht. Die der Wind­richtung zugekehrte schmale Seite wird von dem Boden der Grube nach der Erdoberfläche zu abgeschrägt, damit die Luft freien Zutritt zu den unteren Theilen der Grube hat. In der Grube wird ein Scheiterhaufen in der Weise errichtet, daß zunächst auf dem Boden unmittel­bar an beiden Längswänden entlang je ein 1215 cm starkes Holzstück und quer über diese, nach Art eines Rostes, von einer bis zur anderen Seitenwand reichende Bretter gelegt werden. Sodann wird die Grube bis zum oberen Rande mit trockenen Holzstücken, Reisigbündeln und Stroh ungefüllt, wobei die etwa zu verbrennenden Theile der Slallungen mit verwendet werden, und hierauf das Kadaver mit der Bauchseite nach unten gelegt, nach­dem Bauch- und Brusthöhle vorher eröffnet worden waren. Der Inhalt des Pansens ist über dem Ver- brennungslager gleichmäßig auszubreiten. Die Haut und das Fleisch sind mit zahlreichen tiefen Einschnitten zu versehen, damit die Hitze leichter in das Innere eindringen kann. Falls die Haut schon abgezogen ist, ist sie in Stücke zu zerschneiden und an solche Stellen zu legen, an denen sich das Feuer stark entwickelt.

krank!" Da zwang er sich, einige Löffel zu genießen.

Magdalene war es unterdessen gelungen, den Hund zu sich zu locken. Der ehrliche Trim saß jetzt mit tief melancholischen Augen auf dem Saum ihres Kleides, zitterte am ganzen Körper und stieß hin und wieder ein klagende« Wimmern aus.

»Was geht wohl in solchem Thiere vor?', bemerkte Martin, dessen Blicke auf dem Hunde ruhten.Er sehnt sich nach Rudi, er entbehrt ihn. Ist das nicht Liebe? Und da sprechen die Menschen nur von thierischen Instinkten!"

»Er hat soviel von dem Hund gehalten I" sagte Vetty, welche Martin nicht verstanden hatte, aber seinem Blicke gefolgt war.

Laß sie dir doch erzählen von Rudi« Krankheit und Sterben!" sagte Martin leise zu seiner Frau,ich ver­stehe sie kaum."

Magdalene that, wie er wünschte, und bat Betty, zu erzählen. Ach, es war ein trauriger Bericht: Rudi hatte so sehr gelitten, seit er damals in hitzigem Fieber von seinem Ritt nach der Poststation heimgekehlt war! Die Krankheit hat schon lange in ihm gesteckt, er seit Wochen nur ganz wenig, und dabei dieser Husten! Aber Schonung kannte er nicht, sie haben ihn ja noch aus dem Bette geholt in jener Nacht, ehe er sich legte. Und weshalb? Der gottlose Tomkins war krank, und dem sollte unser guter Mc. Keller beistehen!

Weshalb ritt Pastor Keller denn nach der Post?" fragte Magdalene.

Nachdem alles so vorbereitet worden ist, werden Ver­brennungslager und Kadaver mit vier bis fünf Liter Petroleum übergossen und mittelst eines in Petroleum getauchten Strohbündels angezündet. Die Flamme schlägt anfangs oft 34 Meter in die Höhe, das Feuer ist daher zu überwachen und durch Auflegen des vorher herbeigeschafften Stallmistes zu dämpfen.

- Bei genauer Befolgung vorstehender Anweisung soll die vollständige Verbrennung eines Kadavers in 810 Stunden gelingen.

Der Landrath. Hersfeld, den 23. August 1902.

Vorstehendes theile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mit. Ueber etwa gemachte Erfahrungen bei der Verbrennung von Kadavern ist mir bis zum 1. Mai n. Js. zu berichten. Fehlanzeige wird nicht begehrt.

J. I. 4871. I. V.: Braun, Kreisdeputierter.

Nachstehenden Erlaß des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 16. Juni d. Js. J.-Nr. lila 5278

I. Ang., durch welchen den Ingenieuren der Dampfkeffel- Ueberwachungs-Vereine das Recht zur Vornahme amtlicher Keffelprüfungen außerhalb der durch die ministerielle Be­kanntmachung vom 22. März 1900, die auf Seite 106 des Regierungsamtsblattes abgedruckt ist, vom 1. April n. I. ab entzogen wird, bringe ich gemäß §. 3 der Anweisung, betreffend die Genehmigung und Unter­suchung der Dampfkeffel, vom 3. März 1900, hiermit zur Kenntniß. (A II. 8942.)

Cassel am 2. Juli 1902.

Der Negierungs-Präsident. I. V. Mauve.

Die aus der Uebersicht zu meiner Bekanntmachung vom 22. März 1900 B. 1928 ersichtliche ört­liche Abgrenzung der Zuständigkeitsgebiete der Dampf- keffel-Ueberwachungs-Vereine für die im staatlichen Auftrage auszuführenden Prüfungen an Dampfkesseln war bislang für die eigentliche Vereinsthätigkeit nur insoweit maßgebend, als die Vereine sich der Aufnahme neuer Mitglieder aus Gebieten, die ihnen nicht zugetheilt waren, enthalten und ihre'außerhalb des Gebiets an­sässigen Mitglieder allmählich austauschsweise einander überweisen sollten. Nachdem die Vorstandsversammlung des Centralverbandes der Preußischen Dampfkessel- UeberwachungS-Vereine nunmehr den Beschluß gefaßt hat, die Aufsichtsbehörde möge zur Durchführung der

Ach, wegen des Briefes, Madame. Für die Briefe aus Europa mußte mein guter Herr ja immer einen Schein unterschreiben, und nun war der Postbote hier gewesen, während er bei Tomkins war, sehen Sie, so kam es, daß er wegritt gleich nach der Schule, ohne etwas Ordentliches gegessen zu haben. Er war ja immer ganz außer sich vor Freude, wenn ein solcher Brief kam!"

Das wird unser Brief gewesen sein!" sagte Martin, welcher doch fast alles verstanden hatte. Die Thränen liefen ihm über die Backen, er saß fast ganz still da, Magdalenens Hand in der seinen.

Ja, und als er da wiederkam," fuhr Betty fort, da konnte er kaum vom Pferde kommen. Jenkins und ich brachten ihn ins Bett, er wußte nicht viel von sich, der Atem ging so schwer und dann kam der Blut­sturz, ach, Gott, ein, zwei Waschschüsseln voll, Gott, ich dachte, er würde mir unter den Händen sterben! Aber da hat er noch fast zwei Wochen gelebt!"

Hat er nichts mehr gesagt?"

Nur ganz selten sagte er ein Wort, immer dankte er mir, und einmal hat er etwas aufgeschrieben, ich habe es in die Mappe gelegt."

Martin sprang auf und eilte an den Schreibtisch. Ganz vorn in der Schreibmappe lag ein halb beschriebener Bogen Papier. Rudis Schriftzüge waren kaum zu erkennen.

Lieber Martin! Ich fühle, es geht zu Ende, Gott helfe mir! Ich hoffe auf Gnade I Dank für alles,