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Amtlicher Theil.
Samotschin, den 12. August 1902.
Der Seltermacher Gustav Mädel, unbekannten Aufenthalts, geboren am 12. August 1861 zu Magdeburg, entzieht sich seit einiger Zeit der Nuterhaltungspflicht gegenüber seiner hierselbst wohnhaften, mittellosen Familie, so daß die öffentliche Armenpflege eintreten mußte.
Wir bitten, die Polizeibehörden des Regierungsbezirks Cassel anweisen zu wollen, nach dem Aufenthalt des rc. Mädel Recherchen anznstellen, und im Ermittelungsfalle uns Mittheilung zn machen.
Wir bemerken noch, daß sich der rc. Mädel zuletzt in Cassel aufgehalten hat und sich die Briefe seiner Frau nach dort postlagernd senden ließ.
Der Magistrat. (Unterschrift.) An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel.
Cassel, den 22. August 1902.
Abschrift zur Kenntnißnahme und ev. direkten Erledigung.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: M a u v e.
An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Pvlizei- l Direktoren in Hanau und Fulda unb die Herren Landräthe des Bezirks A. II. 10963.
* * *
Hersfeld, den 30. August 1902.
Wird den Ortspolizeibehörden und der Kgl. Gendarmerie
Der Engel von Oleissfeld.
Von Adolf Reiter.
(Fortsetzung.)
Sein unstätes Leben, das er bald hier, bald dort führte, kannte man als ein sehr lockeres und laxes, und, zügellos in seinen Begierden, setzte er sich selbst über die nothwendigsten Rücksichten, die ein Mann zu nehmen hat, leichten Sinnes hinweg. Leider zu spät sah die Gräfin-Mutter ein, daß sie es bei der Erziehung ihres Sohnes an der nöthigen Strenge hatte fehlen lassen. Um ihn jetzt noch auf andere Bahnen zu lenken trat sie ihm ihr schönes Landgut Ludwigshorst bei Wien ab; allein anstatt dasselbe zu verwalten, führte er sein Leben in der bisherigen Weife weiter. Er verpachtete das Gut, bezog die reichen Renten und reiste in der Welt frei und lustig herum. Den Pokal der höchsten Lust leerte er, aber der Kelch des Leidens sollte ihm nicht erspart bleiben.
So kam er zum wiederholten Mal auch nach Schloß Weißstein hin, um sich mit seinen Freunden auf der Jagd in den schönen Wäldern dieser umfangreichen Be- sitzung zu zerstreuen. Er fand hier die freundlichste Aufnahme; jedoch am ersten Sonntage schon wäre es zwischen ihm und der Gräfin Lichlenau zu einem ernsten Conflict gekommen, wenn nicht zufällig der Gemahl der Dame schlichtend dazwischen getreten wäre.
»In der Familie Lichlenau ist es altgebrachte Sitte, den Tag des Herrn als solchen auch in der That zu betrachten und zu feiern, und ich setze voraus, lieber
des Kreises zur Recherchierung nach dem rc. Mädel mitgetheilt.
l. 4995. Der Königliche Landrath.
I. V.: B r a n n, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 21. August 1902.
Der Landwirth Jakob K a l b s l ei s ch in Svlms ist ()ente als Bürgermeister dieser Gemeinde für einen achtjährigen Zeitraum eidlich verpflichtet worden.
A. 2813. Der Königliche Landrath.
J. V.: Braun, Kreisdepntierter.
Nichtamtlicher Theil.
Sedan.
2. September.
Es liegt in der menschlichen Natur, daß die Vorstellung ruhmreicher Ereignisse in dem Maße verblaßt, wie die Generationen wechseln und das Selbsterlebte vor der geschichtlichen Uebermittlung zurücktritt. Auch bei der Sedanfeier hat sich diese Neigung zur Vergeßlichkeit bei einem Theil der öffentlichen Meinung bekundet. Man hat vorgeschlagen, den Sedantag seines festlichen Schmuckes zu entkleiden oder gar ihn aus der Reihe der Nativnalfeieitage zu streichen. Mit Unrecht! Sedan ist und bleibt für das Volksempfinden der Höhepunkt der schicksalsschweren Ereignisse des deutschfranzösischen Krieges.
Zwar war der große Völkerkampf nach nicht beendet, als bei Sedan mit seinem Heere zugleich der Kaiser gefangen wurde, und es hat noch heißer, blutiger Arbeit bedurft, ehe die Krieger heimkehren dursten zur friedlichen Arbeit; aber die Entscheidung war bereits gefällt, der Lorbeer des Sieges konnte unsern Händen nicht mehr entwunden werden, und unerschütterlich wuchs in allen Herzen die Gewißheit empor, daß Deutschlands Einigung, daß ein neues Kaisertum den Lohn des Ringens bilden werde.
Es liegt etwas wie Märchenstimmung über den Erfolgen jenes Tages: Als die Morgensonne emporstieg, da sah sie Truppen aus allen deutschen Stämmen, Märker und Sachsen, Bayern, Schwaben und Pfälzer, vereint zu einem eisernen Gürtel; als sie niedersank, da sah sie den greisen königlichen Feldherrn in aller Glorie
Hero, daß Du Dich uns beim heutigen Kirchenbesuch anschließest," sagte die Dame des Hauses dem zum Kaffee erscheinenden Neffen.
Die Gräfin war echt kirchlich gesinnt und fromm; bei ihrer Charakterfestigkeit zeigte sie sich unnachsichtlich und strenge und duldete daher auch in kirchlichen Angelegenheiten nicht den geringsten Widerspruch.
Hero wurde verlegen. „Liebste Tante," entgegnete er, „Du weißt, daß ich gestern den ganzen Tag aus der Jagd gewesen bin. Sehr spät und total müde zu> rückgekehrt, war ich außer Stande, die inzwischen an mich eingelaufenen Correspondenzen zu beantworten. Es sind darunter sehr eilige Sachen, und ich wollte diese Angelegenheiten daher am heutigen Vormittage erledigen."
„Eine so gottlose Antwort wagst Du mir zu geben, Du, der Sohn meines geliebten Bruders, welcher im Dienste der Kirche sein Leben geopfert!" unterbrach ihn entrüstet die Gräfin. „Wird denn Deine Zeit an den Wochentagen in der That so in Anspruch genommen, daß es Dir nicht einmal möglich ist, den Sonntag seiner Bestimmung gemäß dem Allgütigen zu weihen? „Und, beiläufig bemerkt, wäre es mir sehr lieb, wenn sich auch meine Gäste nach der Hausordnung richteten, und diese schreibt für ben Sonntag den Besuch des Gotteshauses vor."
„Liebe Tante, daß mein Vater nach seinem Ueber- trilt"zur katholischen Kirche als Kapitän in der damaligen päpstlichen Armee im Kampfe um die weltliche Macht der Kirche gefallen, mag an und für sich rühmlich sein;
des Sieges. Er aber, der kühne Abenteurer, der sich den Thron hatte sichern wollen durch einen blutigen Krieg, war gedemüthigt, armselig, verlassen, nicht mehr ein Herrscher, sondern ein Gefangener, der Elendesten Einer, dem der Fluch von Tausenden folgte, während unzählige Segenswünsche auf dem weißhaarigen Haupte seines Gegners ruhten. Der Tag von Sedan hat die Legende der Napoleonen zerstört; er gab dem deutschen Volke das Bewußtsein seiner Kraft und seines Rechtes, und der eiserne Ring, der damals das Heer der Franzosen umschloß, blieb das Symbol, daß für alle Zukunft die Stämme Deutschlands unlöslich zusammen geschmiedet seien.
Darum ist auch die Wahl des Sedantages als eines nationalen Feiertages aus der Seele des deutschen Volkes erfolgt. Daran müssen wir festhalten, davon dürfen wir nichts wegnehmen lassen, diesen Tag müssen wir in treuem Andenken bewahren alle Zeit. Die Feier einer nationalen Erinnerung von der Bedeutung des Sedan- tages hat einen hohen sittlichen, volkserzieherischen Werth, dessen Wirkung wir für die Stärkung des Nationalgefühls umso weniger entbehren können, als manche Züge der Zeit auf eine Verfluchung des nationalen Empfindens Hinweisen.
Der Sedantag ist reich an Ruhm und Ehre, reich an Jubel und Begeisterung; aber er ist auch reich an Pflichten, ein Tag ernster Mahnung und Einkehr. Die Feststimmung, die uns beseelt, darf nicht verrauchen, ohne daß in uns das Bewußtsein zurückbleibt, daß wir nur solange den feindlichen Mächten innerhalb und außerhalb unsrer Grenzen unüberwindlich sein werden, als wir befähigt sind, wenn es not thut, ein neues Sedan zu bestehen. Soll die Erinnerung an den I. unb 2. September 1870 in Segen bleiben, so müssen wir im Geiste der Sedansieger leben und arbeiten, so müssen wir das Wort Goethes zu erfüllen suchen: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Dann erst wird der Segen der Erinnerung an Sedan erblühen, wenn wir so stark sind und bleiben, wie die Helden dieses Tages, stark in Pflichttreue und Gottvertrauen, an Muth und Tapferkeit, stark in der Hingebung für König und Vaterland, in selbstloser Einigkeit und opferfreudiger Begeisterung für unsers Volkes Ehre und Ruhm, stark in der Zucht der Waffen und stark in der Zucht des Herzens und des Geistes: alle Zeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit! **
allein was hat das mit meiner kirchlichen Gesinnung zu thun ? Ich achte die Ansichten jedes Menschen, wenn sie aufrichtig und wahr zu erkennen gegeben werden, sehr hoch, erwarte aber, daß man auch mir meine Ge- wiffensfreiheit gönnt. Willst du mich nun zum Besuch Eurer Kirche zwingen, liebe Tante?"
„Selbstredend nicht, aber bemerken will ich nur, daß Derjenige, welcher die Kirche meidet, auch nicht in mein Haus gehört!" —
„Kinder, was habt Ihr für einen kleinen Krieg vor?" unterbrach Graf Lichlenau, welcher aus dem Nebenzimmer hereintrat. Er hatte die etwas laut geführte Unterhaltung gehört und wandte sich sogleich in etwas gemüthlicherem Tone an seinen Neffen.
„Sei fügsam alter Junge" fuhr er fort, „und komm nur mit. Laß Dir die Gelegenheit, unsern tüchtigen Pastor Dr Tackmann zu hören, nicht entgehen; er ist ein Kanzelredner, wie es hier weit und breit keinen zweiten giebt. Komm nur mit; die Frische feine» Geistes und die bilderreiche Sprache, welche seine Predigten auszeichnen, werden Dir wohlthun." —
Nolens-volens fuhr heute Graf Hero, der seit Jahren bereits kein Gotteshaus besucht hatte, zur Kirche mit; das Schicksal wollte es, daß er hier den „Engel von Weißfeld" sehe» sollte. —
Und er sah sie, die blendend schöne Agathe, in dem alten großen Kirchstuhl sitzen, auf dem Platze, welchen ihre Mutter dem Bilde der hl. Agathe gegenüber eingenommen hatte. Wie staunte der junge Gras, als er auch das berühmte Glasgemälde sah!