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Xr. HO. Aiimrftiiji de« 2. MKr 1902.
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Sie neuen Kriegsartikel für k$ Heer.
Die seither gültigen Kriegsartikel vom 31. Oktober 1872 für das Heer sind, wie mitgethsilt, durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 22. September d. Js. durch solche ersetzt worden, die nach allen Richtungen hin den durch den Geist der Zeit gebotenen Anforderungen entsprechen. Es kommt in ihnen zum Ausdruck, daß die Armee als Hochschule der Volkserziehung anderer Mittel als der Androhung von Strafen bedarf, um dem Manne seine Pflichten und die Ehre, seines Königs Rock zu tragen, vor Augen zu führen, und derart ins Herz zu prägen, daß seine militärische, moralische und kriegerische Erziehung weit über die Zeit nach seiner Entlassung aus dem aktiven Dienst hinaus vorhalten wird.
Mit der Vorlesung der Kriegsartikel beginnt die militärische Erziehung. Schon int Artikel 3 der seither gültigen wurde dem Rekruten mitgetheilt: „Der Ver- räther wird mit den schwersten Freiheits- und Ehren- strasen oder mit dem Tode bestraft." Gefängniß, Zuchthaus, Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten- standes klangen ihm dann bei Verlesung der weiteren Artikel in die Ohren, manchmal jäh unterbrochen durch die „Todesstrafe," so daß er kaum noch zuzuhören wagte, als er ganz am Schluß, im Artikel 53 von den 55, die tröstliche Versicherung erhielt, daß „jeder rechtschaffene, unverzagte und ehrliebende Soldat der Anerkennung und
Der Engel von Aeisslelü.
Von Adolf Reiter.
(Fortsetzung.)
„Ich habe nach den Lustbarkeiten einer solchen Stadt durchaus keine Sehnsucht, Fräulein de Morell," entgeg» nete Agathe, „und wären wir einmal dort, so würden sie mir gar nicht gefallen."
„Nicht einmal die Bälle der Pariser feinen Welt? fragte Valeria erstaunt. , „
„Nicht einmal die Bälle der Pariser feinen Welt, bestätigte Frau Walther. „ „
„Ich will Ihnen nun erzählen, gnädiges Fräulein, sprach Hero dazwischen, „daß ich mich in Paris zwei Jahre ausgehalten habe . . . ."
„Aha," rief Valeria entzückt vor sich hin.
„Zwei lange Jahre," fuhr er fort, „Ich habe dort studirt und bin auch bemüht gewesen, Paris gehörig kennen zu lernen. Ich besaß reichliche Geldmittel, so« daß ich nie in der Lage gewesen bin, irgend etwas von Dem, was Reiz und Vergnügen bietet, mir entgehen lassen zu müssen. Und fragen Sie mich nun, ob rch '"ich dabei glücklich gefühlt habe, so würde ich Ihnen mit einem entschiedenen „Nein!" antworten. Ich habe mich bort nicht einmal ordentlich amüsirt. Meine Frau fände an solchem eitlen Tande noch viel weniger In
Interessant dürften für uns beiden die großen Bandenkmäler, die historischen Sehenswürdigkeiten fein, °"e» Paris ja so vUe besitzt, sehenswerth die herrliche
des besonderen Wohlwollens seiner Vorgesetzten sich versichert halten kann."
Nachdem der Rekrut vom ersten Schrecken sich erholt hatte, sah er allerdings bald ein, daß die zuletzt gehörten Worte in Thaten umgewandelt wurden, und Soldaten der früheren Erziehung fesselten den Sieg an ihre Fahnen. Schlimm waren also sicherlich nicht die Konsequenzen der früheren Reihenfolge im Aufzählen der Strafen und der Belohnungen in den Kriegsartikeln. Ihre jetzt durchgeistigte Fassung trägt aber den modernen Anforderungen Rechnung, ohne in ihrer Wirkung unbekannte Konzessionen zu machen, und aus diesem Grunde ist sie auf das Freudigste zu begrüßen. Die stramme Erziehung wird auch bei den neuen Kriegsartikeln dieselbe bleiben, aber sie wird erleichtert werden, wenn vom ersten Tage seines Eintritts ab der Mann die höheren Motive erfährt, die seine etwaige Bestrafung bedingen werden. Zwar war es auch seither Pflicht jedes Vorgesetzten, bei Verlesen der Kriegsartikel dem Manne die Motive zu den einzelnen Bestimmungen vor Augen zu führen; nicht jeder Vorgesetzte hat aber hierzu die Gabe. Eine ganz wesentliche Erleichterung in dieser Beziehung bieten nunmehr die neuen Artikel, die so abgesagt sind, daß selbst der ungebildetere Theil der Mannschaft sie ohne weitere Erklärung verstehen wird. Hoffentlich nimmt er sie sich manchmal als Lektüre zur Hand, da an sein Ehr- und Pflichtgefühl appellirt und er aufgefordert wird, durch Gottesfurcht und ehrenhafte Führung in und außer Dienst den guten Ruf des Heeres im In- und Auslande zu bewahren.
Besonders charakteristisch kommt der Unterschied zwischen den alten und den neuen Kriegsartikeln im Artikel 1 zum Ausdruck. Während es früher hieß : „Der Soldat muß stets der ernsten Pflichten seines Berufs eingedenk und dieselben gewissenhaft zu erfüllen eifrig bemüht sein," hat der Artikel jetzt die Fassung erhalten: „Eingedenk seines hohen Berufes, Thron und Vaterland zu schützen, muß der Soldat stets eifrig bemüht sein, seine Pflichten zu erfüllen. Der Dienst bei der Fahne ist die Schule für den Krieg; was der Soldat während feiner Dienstzeit gelernt hat, soll er auch im Beurlaubtenstande sich erhalten."
Wir erblicken in der Fassung der neuen Kriegsartikel ein Dokument einer Werthbemessung des seiner Dienstpflicht genügenden Mannes. Wird dieser hierdurch auch in den Augen seiner Unteroffiziere höher eingeschätzt, so
Umgebung und das äußere Bild dieser Millionenstadt überhaupt, aber in das innere Leben und Treiben der Pariser wollen wir nicht hineinschauen. Es ist möglich, daß wir später noch einmal Hinreise», jedoch nur im Sommer; die Bälle in Paris lieben wir nicht."
„Ich weiß eigentlich noch nicht, welche Bälle Sie meinen, Herr Walther. Ich habe allerdings die Bälle in den exclusiv aristokratischen Kreisen im Sinne, die auch von den höchsten und allerhöchsten Personen besucht werden. So habe ich auch einmal die Ehre gehabt, der früheren Königin Jsabella von Spanien vorgestellt zu werden, wobei sie an mich noch einige Worte zu richten die Gnade hatte . . . ."
Im Hotel de Louvre, meine Gnädige?" unterbrach sie Hero.
Valeria sah ihn schweigend eine Weile an.
„Es war im Hotel de Louvre, Herr Walther, wo nur der Adel seine Bälle hat," sagte sie dann langsam und mit besonderer Betonung, indem sie das Auge noch immer auf ihn scharf gerichtet hatte.
Hero erschrak. Baleria sah an seinem Gesichtsausdruck deutlich genug, daß sie in ihrer geheimen Angelegenheit wiederum einen Schritt vorwärts gekommen war; hätte Hero in diesem Augenblick den Muth gehabt, ihre Mienen ebenfalls zu beobachte», so wäre ihm ihr innerer Xriumpb nicht verborgen geblieben.
Valeria war jedoch so schlau, nichts weiter von ihrer, übrigens nur vorübergehenden Bekanntschaft mit dem Herrn Grafen zu erwähnen. —
,M war im Hotel de Louvre, Herr Walther, wo
wird in den Artikeln ein Motiv zu erhöhter korrekter Stellung von Unteroffizieren zum Manne hoffentlich gefunden werden. Und eine solche wiederum wird weitere gute Früchte bis über die aktive Dienstzeit hinaus tragen. („Nordd. Allg. Ztg.")
Politische Nachrichten.
Berlin, 30. September.
Seine Majestät der Kaiser wird nach neuern Verfügungen bis Anfang nächster Woche in Rominten bleiben und dann sich zunächst nach Kabinen, hierauf nach Marienburg und Danzig begeben, von wo die Rückkehr nach Berlin und Potsdam erfolgt.
Die B u r e n g e n e r a l e beabsichtigen, wie gemeldet, eine Audienz beim Kaiser Wilhelm nachzusuchen. Diese Nachricht wird von der Presse durchaus sympathisch begrüßt. So sagt die „Post", voraussichtlich dürften einem Empfang der Burengenerale bei Kaiser Wilhelm keinerlei Schwierigkeiten im Wege stehen. Die öffentliche Meinung in Deutschland würde es jedenfalls mit Freuden begrüßen, wenn den tapfern Burengeneralen und mit ihnen auch den Buren diese Auszeichnung zu theil würde.
Se. Majestät der Kaiser hat durch Kabinetsordre vom 21. August dem Feld-Artillerie-Regiment Nr. 27 in Mainz und Wiesbaden den Marsch „Oranje-Naffau" von Jos. Kessels mit der Maßgabe verliehen, daß das Regiment allein berechtigt fein soll, bei großen Paraden den Marsch als Parademarsch im Schritt und das den Schluß dieses Marsches bildende altniederländische Lied „Wilhelmus von Nassauen" in der Paradeaufstellung als Präsentirmarsch zu blasen.
Die schießtüchtigste Kompagnie im deutschen Heer ist nunmehr amtlich festgestellt worden. Es ist die 5. Kompagnie des in Altona stehenden Infanterieregiments Graf Böse (1. Thür.) Nr. 31, die in diesem Jahre (zum fünften Mal hintereinander) die Kaiser-Schießauszeichnung errungen hat.
Da die Verhandlungen der Z o l l t a r i f k o m - mission spätestens Ende dieser Woche abgeschlossen sein werden, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Reichstag schon zu dem ersten zulässigen Termin nach der Vertagung, also zum 14. Oktober einberufen werden wird. — Der heutigen Sitzung der Tariskom-
nur der Adel seine Bälle hat 1" — nur diese wenigen Worte sollten so lange genügen, bis sie sein Herz erobert hatte.
Selbstredend wagte nun Hero nicht, die Bälle des Pariser Adels, auf welchen auch die Königin Jsabella verkehrte, einer Kritik zu unterziehen — wie sollte sie der einfache „Monsieur Walther" kennen gelernt haben ! —
Sie hatten in ihrem Boot inzwischen das Ufer er« reicht, und als sie die frische Wiese betraten, reichte Hero Agathen den Arm; er wollte mit den Pariser Scandalgeschichten endlich abbrechen und nun auch seine „Frau" wieder in lebhafte Unterhaltung bringen.
„Weibchen, Du weißt so viele Legenden, so viel von Hainen und Blumen zu erzählen; bitte, „mein Herz, bringe uns einmal auf ein anderes Thema."
„So?" bemerkte Valeria verletzt, indem sie durch ihr Fernglas lange nach der Ruine eines uralten Anssichts- thurmes auf einem Bergkegel hinschaute. „Ich werde Ihnen was sagen, Frau Walther, für solche Märchen kann ich mich nicht mehr interessiren."
„Ich werde Sie damit auch nicht belästigen, mein Fräulein," bemerkte Agathe mit einem Lächeln. Sie hielt es für zu wohlfeil, auf die kränkende Bemerkung Valeria's eine noch ausführlichere Antwort, wie diese es verdient hatte, zu geben, und Hero verstand es, in die bereits peinlich gewordene Unterhaltung eine bessere Stimmung zu bringen. „D0 gustipus non est dis= putandum galt schon bei den alten Römern, meine Damen,' sagte er lächelnd, und auch wir wollen über diesen ober jenen Geschmack nicht stieiten.